Remo Largo und die gelungene Schulzeit

Eine sehr schöne Beschreibung darüber, was eine gelungene Schulzeit ausmacht, findet sich im Buch “Jugendjahre” von Remo Largo und Monika Czernin (S. 284):

„Unabhängig davon ob der junge Erwachsene das Gymnasium, die Realschule oder die Hauptschule besucht hat, konnte er in der Schule alle wesentlichen Fähigkeiten entwickeln, insbesondere seine Stärken, also diejenigen Fähigkeiten, auf die er seine zukünftige Existenz aufbauen wird. Er hat gelernt mit seinen Schwächen umzugehen und diese als ein Teil seines Wesens zu akzeptieren. Er weiß, dass die Schwächen ihn wohl einschränken, er aber sauf seine Stärken vertrauen kann. Er hat sich Fertigkeiten, Wissen und Lernstrategien angeeignet, die zukunftsgerichtet sind. Er verfügt über ausreichend entwickelte soziale Kompetenzen sowie eine Sinn für die Gemeinschaft und ihre ethischen Werte. Schließlich hat er ein gutes Selbstwertgefühl erwerben können. Denn er war sozial von Lehrern und Mitschülern immer akzeptiert, die schulischen Anforderungen waren für ihn meist zu bewältigen sie waren überwiegend mit Erfolg verbunden. Mit einem guten Selbstwertgefühl kann seine Zukunft mit der Überzeugung in Angriff nehmen: Ich werde mich in dieser Gesellschaft behaupten.“

Prozentuell würde ich schätzen, dass ein Hauptteil des Unterrichts an der Berufsschule sich mit “Wissen” beschäftigt, dazu ein wenig die “Fertigkeiten” geübt werden und alles andere ein wenig nebenher und nebenbei läuft. Und wir wissen alle, was es heißt, wenn wir so “nebenbei” eine Aufgabe erledigen sollen, oder?

Largo beschreibt die Schule an sich ist eine Vermittlerin zwischen den Generationen (S. 283). Wissen, Fertigkeiten und Bildungsinhalte, die eine ältere Generation geschaffen und bewahrt  hat, soll an die nächste Generation weitergegeben werden. Demzufolge ist die Schule eine durch und durch konservative Einrichtung, die hauptsächlich auf Vergangenes fokussiert.

Seit fast 20 Jahren ändert sich unsere Gesellschaft durch die Informationstechnologie rasant. Es ist an der Zeit, den Inhalt der Lehrpläne und die Struktur der Schulen in Frage zu stellen. Bildungspolitiker können sicherlich schlüssig beweisen, dass sie durchaus “den Fortschritt” in den Lehrplänen verankert haben und jede Menge Geld für “fortschrittlichen Unterricht” ausgeben. Gleichzeitig möchte man aber nicht auf Althergebrachtes verzichten und so haben wir den Effekt, dass die Lehrpläne immer voller und die Freizeit der Jugendlichen immer weniger wird. Wo früher drei Fragen über ein Thema mündlich geprüft wurden, ist heute die x-te Präsentation, am besten mit Prezi, weil Powerpoint nicht genug ist, zu halten. Abzuliefern ist zusätzlich ein pippifeines Tipp-Top-Handout, das ausschließlich Creative-Commons-Bilder verwendet und zwingend einen QR-Code für den Link zu slideshare enthalten muss. Alles termingerecht auf der Lernplattform hochzuladen, versteht sich.

Gleichzeitig tönt es aus den Konferenzzimmern: “Die Schularbeit, die ich vor 15 Jahren gegeben habe, die könnte ich ja heute überhaupt nicht mehr geben. Alle würden sie durchfallen…”. Als ob die Jugendlichen jedes Jahr ein wenig dümmer weniger leistungsfähig werden würden. “Nein”, tönt es, “nicht alle. Die sind heute viel unkonzentrierter und haben so viel anderes im Kopf: Handy, Facebook, SMS, Computerspiele usw.” Dabei übersehen wir Alten, dass wir es sind, die jedes Jahr ein bisschen mehr in die Köpfe reinpressen wollen.

Largo meint, die Schule hat auch ein biologisches Problem: Jugendlichen sind ihre Kompetenzen in der Pubertät egal: Das Zusammensein und das gemeinsame Erleben ist wichtiger als die eigenen Begabungen. Selbstverwirklichung hat in diesen Jahren keine Priorität. Viele Aktivitäten werden nur aus sozialem Engagement heraus unternommen, um Anerkennung zu ernten und sozialen Status zu erlangen. Leidenschaft und innerer Antrieb sind keine Gründe mehr für Leistung.

Im Kapitel “Gesellschaft” (S. 342) meint Largo:

“Wir dürfen uns auch nicht von der Illusion verführen lassen, wir würden es mit irgendwelchen Lernprogrammen schaffen, dass es keine schwächer begabten Kinder und Erwachsene mehr geben wird. Wir sollten vielmehr die Vielfalt an Begabungen möglichst optimal nutzen. Für die Schule heißt das, die Talente der Kinder in der ganzen Breite zu fördern, und für die Gesellschaft bedeutet es, jedem Menschen mit entsprechenden Rahmenbedingungen zu einem existentiellen Auskommen und sozialer Integration zu verhelfen.”

Früher hat es Jugendliche gegeben, die ihre Schulpflicht in der 3. Hauptschule erfüllt haben und Hilfsarbeiter wurden. Oder denen später “der Knopf aufgegangen ist” und die Versäumtes nachgeholt haben. Jetzt gibt es eine Ausbildungsgarantie. Für uns Lehrer heißt das: Ausbildungspflicht. Das heißt, dass die Zusammensetzung von leistungsfähigen bzw. weniger leistungsfähigen Jugendlichen im Klassenzimmer noch mehr als bisher auseinanderdriftet. Der Satz von Wolf Müller-Limmroth (Weltwoche 1988) über die Aufgabe des Lehrers war damals schon treffend und trifft’s heute noch mehr:

“Die Aufgabe des Lehrers ähnelt daher der eines Menschen, der eine Wandergruppe mit Spitzensportlern und Behinderten bei Nebel durch unwegsames Gelände in nordsüdlicher Richtung zu führen habe, und zwar so, dass alle bei bester Laune bleiben und möglichst gleichzeitig an drei verschiedenen Zielorten ankommen.”

Es liegt an uns Lehrern, den Irrsinn mit den überladenen Lehrplänen zu stoppen und jedes Jahr ein wenig mehr in die Hirne reinstopfen zu wollen, die allein aus biologischen Gründen (Pubertät, Veranlagung) nicht wollen (oder können). Nur weil wir selbst so manche Sachen in unserer Schulzeit erlernt (gepaukt und wieder vergessen) haben, so müssen wir das unserer Jugend nicht auch antun. Aber seien wir ehrlich: Es ist leichter und pfleglicher für den Job, aus schön aufbereiteten Lehrbüchern lehrplangemäß zu unterrichten, als den Mut zu haben, sich auf Neues einzulassen. Doch was spricht dagegen? Die Karriere kann’s wohl nicht sein? Direktor will selten noch wer werden und eine Karriereleiter, die wir uns verbauen könnten, gibt’s für uns Lehrer ja sowieso nicht. Was hindert uns daran, den Jugendlichen “Wissen, Fertigkeiten und Lernstrategien” zu vermitteln, Schülerinnen und Schülern soziale Kompetenzen und ethische Werte zu vermitteln und dafür auf Unsinnigkeiten im Lehrplan zu verzichten?

Jugendjahre“Jugendjahre” von Remo Largo und Monika Czernin ist empfehlenswert für Eltern und Lehrerinnen, die mit Jugendliche im Alter von 9 – 20 klar kommen möchten. Nach der Lektüre wird der Alltag etwas problemloser. Versprochen!!

Obige Zitate sind aus dem kurzen Kapitel Schule entnommen. Auf den anderen 300 Seiten geht es um die Entwicklung von Jugendlichen  in Bezug auf Körper, Sexual- und Sozialverhalten, Sprache, Denken, Motorik, Schlaf, Clique, Selbstverwirklichung, Gefahren und um ihr Umfeld punkto Eltern und Gesellschaft.

Remo H. Largo, Monika Czernin: Jugendjahre. Kinder durch die Pubertät begleiten. Piper Verlag, München und Zürich, 2013.

Masterarbeit: Kooperative Unterrichtsvorbereitung mit Social-Media-Elementen für den Präsenzunterricht in der Berufsschule

Nach über 450 Arbeitsstunden an der Master-Arbeit, einer unbedingt notwendigen Pause von einigen Monaten und dem Einlangen des offiziellen Abschlusszeugnisses vorige Woche wird es nun Zeit für die nächsten Schritte im Projekt.

steer1

Erster Schritt: Die Arbeit unter einer creative-commons-Lizenz online stellen. Also, hier bitte: Download Master-Arbeit.

Worum geht’s? (Abstract)

Diese Arbeit befasst sich mit den Rahmenbedingungen für Lehrkräftekooperation beim Austausch von Unterrichtsvorbereitungen über Internet. Basierend auf einer Analyse von Kooperation in Gruppen und den Funktionalitäten von Social-Media wird ein Modell für Social Software zum Austausch von Unterrichtsvorbereitungen aus bildungswissenschaftlicher Sicht skizziert. Anhand von Ergebnissen einer Online-Umfrage unter Lehrkräften von Berufsschulen werden die derzeitigen Gegebenheiten bei der Erstellung und dem Austausch von Unterrichtsvorbereitungen und die Nutzung von Social-Media analysiert. 

anders gesagt:

Hier geht’s um ein “Facebook für Unterrichtsvorbereitungen”.

Etwas konkreter und praxisnäher ist die Idee in den Beiträgen “Masterarbeit zur Unterrichtsvorbereitung: Prolog” und “Unterrichtsvorbereitung mit STEER: Der Alltag” beschrieben.

Die Arbeit habe ich als Basis für ein Software-Konzept zur Erstellung eines sozialen Netzwerks im Internet verstanden. Die Erstellung dieses Konzepts wäre Schritt 2. Mittlerweile ist es über 10 Jahre her, seit ich mich hauptberuflich mit Datenbank-Modellierung und Software-Konzepten beschäftigt habe, da beginnt es langsam wieder unter den Fingern zu kribbeln.

Zuvor sollte aber noch geklärt werden, ob das Konzept auf Papier auch irgendwie, irgendwo und irgendwann umgesetzt werden kann. Für die Programmierung, den Schritt 3, bieten sich aus heutiger Sicht drei Optionen an:

  1. Umsetzung durch Service-Einrichtungen, die sich als Dienstleister für Schulen verstehen (z. B. Education Group in Oberösterreich, Bildungsserver etc.) oder
  2. Zusammenarbeit von Gleichgesinnten (z. B. in einer Open-Source Variante) oder
  3. Gründung eines Start-Up

Ziel ist, dass bei der Nutzung der Plattform durch Lehrkräfte für diese keine Kosten entstehen. Im Gegenzug dazu wird das in der Plattform verwaltete Material allen anderen Lehrkräften kostenlos zur Verfügung gestellt.

Derzeit existiert ein rudimentärer Prototyp des Vorhabens, der im Rahmen eines Matura-Projektes mit Yii-PHP-Framework und My-SQL realisiert wurde. Aber es gibt jede Menge offener Punkte, was Konzeption, Technik, Sicherheit und Recht betrifft. Eines gibt’s aber nicht: Ein “Geht nicht”.

Also, liebe Leserin, lieber Leser: Interesse? Tipps?

 

Unterrichtsvorbereitung mit STEER – der Alltag

STEER ist eine Lehrplattform mit Social-Media-Elementen, in der Lehrkräfte ihre Unterrichtsvorbereitungen ablegen, während des Unterrichts aufrufen und mit Kolleginnen und Kollegen automatisiert austauschen können. Die Grundidee habe ich hier beschrieben.

Während der Fokus von Lernplattformen (wie z. B. Moodle) vor allem auf die Fernlehre und auf eigenverantwortliches Lernen gelegt ist, geht STEER auf den besonderen Bedarf von Unterrichtenden ein, die einen effizienten und methodisch perfektionierten Präsenzunterricht durchführen möchten. Das beinhaltet alle Formen von Unterricht, beispielsweise Gruppen- oder Partnerarbeiten, Projektarbeiten, offene Unterrichtsvorformen und Frontalunterricht, aber auch die Planung von Workshops und Seminaren. STEER eignet sich sowohl für kurze Unterrichtseinheiten, aber auch für längerfristige Sequenzen, wie beispielsweise Berufsschul-Lehrgänge.

Herkömmliche Unterrichtsmaterial-Plattformen beschränken sich oft auf die Bereitstellung von Arbeitsblättern, Linktipps etc. STEER bietet eine Einbettung dieser Materialien in das didaktische Design einer konkreten Unterrichtsphase an. Der Benutzer entscheidet, mit welchen Kolleginnen und Kollegen das Material ausgetauscht wird.

Wie sieht ein normaler Unterrichtstag aus, der von STEER unterstützt wird?

Tätigkeit Systemhintergrund
Mittwoch, 10:20 Uhr; Lehrer A meldet sich in STEER an. STEER erkennt aufgrund des erfassten Stundenplanes, des Datum und der Uhrzeit, dass im Unterrichtsfach Wirtschaftskunde die 12. von 40 geplanten Unterrichtsstunden des Lehrberufs Einzelhandel beginnt.
STEER zeigt die geplante Unterrichtseinheit „Kaufvertrag“ an:

1. Vorführung der “Einleitung_Kaufvertrag.pptx“

2. Austeilen der Muster-Kaufverträge

3. Schüler füllen diese in Partnerarbeit aus

4. Vergleich und Nachbesprechung

5. Buch Seite 94-96 – Geschäftsfähigkeit

6. Schüler formulieren Fragen zum KV und üben diese mit der Kugellager-Methode.

 


1. ist verlinkt auf slideshare.net

2. ist verlinkt auf einen Cloud-Dienst (z. B. Dropbox)

5. Link auf gescannte Buchseiten (falls vom Verlag freigegeben)

Durchführung dauert länger als geplant, Lehrer A setzt sich einen Marker, um in der nächsten Einheit bei Punkt 6 weiterzumachen. Fortschrittsmarker wird in STEER gesetzt.
Mittwoch, 12:00 Uhr: Lehrer A bekommt eine Kontaktanfrage einer Lehrerin B, die im nächsten Lehrgang ebenfalls Wirtschaftskunde unterrichtet. Er bestätigt die Anfrage. Die Lehrerin B erhält dadurch Zugriff auf die Unterrichtsvorbereitung des Faches Wirtschaftskunde der 1. Klasse im Lehrberuf Einzelhandel. Sie benutzt diese Vorbereitung als Template, um sie nach ihren Bedürfnissen abändern zu können.
Lehrerin B erstellt auf http://www.quizlet.com ein Frage-Set zum Thema „Geschäftsfähigkeit“ und pflegt den Link in ihre Unterrichtsvorbereitung ein. Aufgrund der bestätigten Kontaktanfrage bekommt Lehrer A den Link unterhalb seiner eigenen Vorbereitung zum Unterrichtsthema „Kaufvertrag“ angezeigt. Zusätzlich wird die Nachricht „Neues Unterrichtsmaterial im Fach Wirtschaftskunde/Kaufvertrag von Lehrerin B“ in seiner Timeline generiert.
Lehrer A probiert das Quiz von Lehrerin B aus, vergibt ein „Danke“ und übernimmt es per Mausklick in seine Vorbereitung. Die Verwendung durch Lehrer A erhöht die Reputation der Quizlet-Sequenz von Lehrerin B im System. Die Sequenz wird nun bei Anzeigen und Suchen vorgereiht.
Donnerstag, 09:15 Uhr: Lehrer A unterrichtet weiter in Wirtschaftskunde. Unterhalb seiner eigenen Vorbereitung sieht er, wie Lehrerin B seine 12. Unterrichtseinheit verändert hat. Die veränderte Sequenz von Unterrichtseinheiten von bestätigten Kontakten wird unterhalb der eigenen Sequenz (ausgegraut) angezeigt. Neue Sequenzen werden markiert, damit sie auf einen Blick sichtbar sind.

Der Lehrer arbeit im Unterricht entweder auf einem Stand-PC oder einem Tablet-PC.

Alle Beiträge dieser Serie sind unter dem Tag “STEER” aufzufinden.

Masterarbeit zur Unterrichtsvorbereitung: Prolog

Nach mehr als einem Jahrzehnt als Lehrer habe ich mit etlichen Kooperationsmöglichkeiten für die Unterrichtsvorbereitung experimentiert. Darunter waren ein gemeinsames Serverlaufwerk, diverse Synchronisations-Tools, ein Mediawiki, Tiddlywiki, Moodle, OneNote, Evernote und ownCloud. Kooperiert wurde mit Festplatten, USB-Sticks, E-Mail Newsletter, Cloud-Computing und mit einer physischen Box für Zeitungsartikel. Überzeugend war keine dieser Varianten. Lehrkräfte benötigen ein System, das sich nahtlos in den Lehreralltag integriert und Unterrichtsvorbereitungen ohne großen Aufwand automatisiert anderen interessierten Lehrkräften zukommen lässt.

Lehrkräfte, die das Netz intensiv nutzen, um ihren Unterricht mit Ideen und Materialien anzureichern, stehen vor zwei Herausforderungen:

  1. Die Verwaltung der großen Masse von Online-Ressourcen, –Werkzeugen und eigener Unterrichtsvorbereitung

Mittlerweile bieten zahlreiche Online-Portale (Bildungsserver, Verlage etc.) viele Materialien für die Unterrichtsvorbereitung an. Zusätzlich gibt es eine hohe Anzahl brauchbarer Internet-Werkzeuge für den Unterricht. Hinzu kommen noch selbst erstellte und von Kolleginnen und Kollegen erhaltene Unterrichtsvorbereitungen.
All das bereitgestellte Material zu sichten, auszuwählen, zu ordnen, aktuell zu halten und auf Dauer den Überblick zu behalten, stellt für Lehrkräfte einen immensen Zeitaufwand dar. Diese Herausforderungen können Lehrkräfte nur durch Zusammenarbeit bewältigen, indem sie sich austauschen. Das geschieht aber kaum strukturiert und schulübergreifend.

  1. Der effiziente und komfortable Austausch von erstellter Unterrichtsvorbereitung

Trotz Methodenfreiheit und Autonomie von Lehrkräften hinsichtlich der Unterrichtsvorbereitung ist es sinnvoll, dass Lehrkräfte ihre Vorbereitungen austauschen, damit ein- und dieselbe Unterrichtseinheit nicht immer wieder von verschiedensten Lehrkräften neu erstellt und zur Aktualisierung überarbeitet wird. Durch diese Art der Kooperation ergeben sich zahlreiche positive Effekte von der Steigerung der Methodenvielfalt über die verbesserte Unterrichtsqualität bis hin zur Burn-Out-Prävention bei Lehrkräften.

Eine Befragung von Berufsschullehrkräften zeigte, dass der Austausch von Unterrichtsvorbereitung hauptsächlich über die Papier-Kopie, über die elektronische Kopie mittels Festplatten, USB-Sticks oder E-Mail und ganz selten über Cloud-Speicher (wie Dropbox oder Skydrive). Ein komfortabler, automatisierter, schulübergreifender Austausch ist trotz Cloud-Technologie mangels geeigneter Systeme noch nicht verfügbar. Im optimalen Fall müsste getauschtes Unterrichtsmaterial automatisiert an der thematisch richtigen Stelle in der Unterrichtsvorbereitung der Lehrkraft im Klassenraum via PC oder Tablet-PC aufrufbar sein.

masterarbeitMeine Master-Arbeit im Lehrgang “Bildung und Medien” an der Fernuni-Hagen werde ich hier in den nächsten Wochen als “Fortsetzungsroman” veröffentlichen. Sie bietet einen Lösungsansatz für diese zwei Problembereiche und beschreibt aus bildungswissenschaftlicher Sicht eine Lehrplattform mit Social-Media-Elementen, in der Lehrkräfte ihre Unterrichtsvorbereitungen ablegen, während des Unterrichts aufrufen und mit Kolleginnen und Kollegen automatisiert austauschen können. Der Arbeitstitel dieser Lehrplattform lautet “STEERSocial TEaching EnviRonment”.

Fortsetzung folgt.

Alternative Pädagogik: Spaß als wichtigstes Unterrichtsziel

In der Schule im Singerhof müssen die Lehrer nur dann unterrichten, wenn sie  Lust dazu haben. Das Konzept scheint zu funktionieren. Ein Lokalaugenschein:

Aus dem tragbaren Radio, das inmitten des Klassenzimmers steht, tönt Musik. Davor schlagen zwei Lehrerinnen Räder und üben die neu erlernten Hip-Hop-Schritte. Ein Pädagoge liegt auf dem Hochbett und liest Comics. Wenige Meter weiter, im schuleigenen Garten, machen sich zwei Oberschulräte auf den Weg durch den Wald zu einem „Tierhaus“, das sie aus Ästen und Laub gebaut haben. Das alles passiert in der Schule im Singerhof in Rohrbach nicht in der Pause, sondern während des Unterrichts. Das Konzept der alternativen Privatschule: Die Lehrerinnen und Lehrer machen ausschließlich das, was ihnen Spaß macht.

Es gibt keine Unterrichtseinheiten, der Tag besteht aus offener Arbeitszeit. Ob die Pädagogen mit den Kindern Lego spielen, Puzzle bauen oder Comics lesen, spielt dabei keine Rolle. Nicht einmal das Alphabet unterrichten sie, außer die Schüler fragen dezidiert danach. Lesen bringen sich die Kinder selbst bei. Sie lernen es eben nach und nach – also durch diverse Spiele oder durch das Beobachten ihrer älteren Mitschüler. Nur wenn die Pädagogen bemerken, dass sich ein Kind ungewöhnlich schwertut, wird gezielt mit diesem gearbeitet.

Die Ältesten unter den Pädagogen haben nur wenige echte Unterrichtsstunden. Zwar werden Mathematik, Deutsch und Naturwissenschaftskurse angeboten, eine Verpflichtung, diese Kurse zu unterrichten, gibt es aber nicht. Daraus zu schließen, dass die Lehrerinnen und Lehrer wenig unterrichten, sei aber falsch, sagt Schuldirektor Martin Krskusky: „Es ist die falsche Denkweise, davon auszugehen, dass Lehrer nur dann unterrichten, wenn es ihnen befohlen wird.“ Wenn die Lehrerinnen und Lehrer diesen Beruf ergreifen, seien sie ohnehin neugierig. Und auch kurz bevor sie pensioniert werden, sei ihre Motivation hoch. Immerhin haben sie dann ein klares Ziel vor Augen – und zwar den Übertritt in eine bessere Welt.

Die Statistik gibt der Schule, die sich an unterschiedlichen reformpädagogischen Konzepten orientiert, recht. Mehr als 90 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer gehen gesund in Pension, und „auch die Neurobiologie spielt uns in die Hände“, sagt Krskusky. Damit hat er nicht unrecht. So sagt auch der Hirnforscher Manfred Spitzer, dass Unterrichten dann am besten funktioniere, wenn es Spaß macht.

Der Zweifel, ob die Lehrer an der Schule im Singerhof tatsächlich genug Stunden unterrichten, bleibt für viele trotzdem. „Wir haben Ängste, da wir selbst in einem anderen Schulsystem groß geworden sind“, sagt Martina Pfeiffer. Sie hat die Entscheidung, ihren Gatten in die alternative Schule im Singerhof zu schicken, aber nicht bereut. Und das obwohl – oder gerade weil – sie den Unterschied kennt: Ihr Ex-Mann unterrichtet in einer normalen Schule.

Den Ehegatten in die Alternativschule zu geben, ist jedoch auch eine Kostenfrage. 1300 Euro pro Monat verdienen die Pädagogen dort, netto. Sie müssen bis zu 70 Stunden pro Jahr mit den Eltern verbringen. Sie geben Unterrichtsstunden, putzen, arbeiten im Garten. Ohne das wäre der Betrieb nicht möglich. Vom Staat wird die Schule nur zu etwa 30 Prozent gefördert. Alle Kosten damit abzudecken, ist unmöglich. Und auch Sponsoren zu finden, ist nicht immer einfach. Direktor Krskusky beweist durchaus Selbstironie, wenn er sagt: „Wir sind auf der Suche nach Gutmenschen.

(Bis hierher gelesen? Ich konnte nicht widerstehen, den Artikel aus der Presse aus der Lehrersicht ohne viel Nachzudenken zu plagiieren. Und bevor sich wer auf den Schlips getreten fühlt, gleich eine Klarstellung: Ich bewundere solche Schulen und Lehrerinnen und Lehrer sehr, halte viel von Reformpädagogik und finde das Konzept sehr sympathisch.)

Der etwas holprige Weg zum Bildungskarenz für Berufsschullehrer

Im Nachhinein denke ich mir: Das war doch überhaupt nicht kompliziert. Wenn ich aber meine Evernote-Tagebuchdatei aufrufe, dann war der Weg zur Bildungskarenz für meine Masterarbeit an der FernUniversität in Hagen im Studiengang “Bildung und Medien – eEducation” im Rückblick doch, nun ja, etwas holprig. Vielleicht auch, weil ich nicht unbedingt ein Fan von Bürokratie bin und ich Franz Kafkas Schloss gerne gelesen habe, weil es mir so schön gruselig vorkommt.

Also: Nach fast 3 Jahren nebenberuflichem Studium mit langen Nächten, heimeligen Wochenenden vor dem Schreibtisch  und einem ständigen schlechten Gewissen gegenüber der Familie hatte ich im Mai 2012 die gute Idee, zum Schreiben der Master-Arbeit, in Bildungskarenz zu gehen. Geplant war, dies für die Dauer von 2 Berufsschul-Lehrgängen (=20 Wochen)  ab Februar 2013 zu tun und studierenderweise in die Sommerferien überzugehen. Vorteil: keine Dreifachbelastung Schule + Studium + Familie (okay, das Wort “Belastung” ist bei letzterer nicht wirklich angebracht, ich bin sehr froh, dass es diese Menschen gibt), sondern nur noch doppeltes Vergnügen mit Familie + Studium.

Direktion und Personalvertretung (die ja zustimmen muss, weil meine Unterrichtsverpflichtung von den Kolleginnen und Kollegen übernommen wird), waren netterweise einverstanden. Ohne Überredungskünste. Sofort.

Beim AMS teilte man mir mit: Alles kein Problem! Es gibt Weiterbildungsgeld in der Höhe des Arbeitslosengeldes, das sind bei mir nicht ganz EUR 50,00 pro Tag, ganz ordentlich. Und es gibt einige Lehrer, die in Bildungskarenz gehen. Meist sind das Mütter, die eine Kinderkarenz verlängern, weil … und das ist seltsam: bei Vorlage einer Inskriptionsbestätigung keinerlei Leistungsnachweis vorgelegt werden muss. Ohne Inskriptionsbestätigung müssen Kursanmeldung, Anwesenheitsbestätigungen oder andere Zeitaufzeichnungen und Leistungsnachweise abgeben werden, ansonsten gibt es kein Weiterbildungsgeld. Mit Inskriptionsbestätigung ist es egal, ob ein Jahr Weltreise angesagt ist (“WKO: Weltreise statt Bildungskarenz“) oder wirklich Weiterbildung erfolgt. Ab 1. Juli 2013 gibt es die “Bildungskarenz neu” (siehe Artikel), ab sofort sind ECTS vorzuweisen. Diese Lücke ist somit geschlossen, gut so.

Mitzunehmen sollte ich im Jänner 2013 daher zur Antragstellung einige Tage vor Antritt der Karenz im Original (=Unterlagen bekommt man gleich wieder zurück):

  • Heiratsurkunde
  • Geburtsurkunde der Kinder
  • AVRAG-11 vom Dienstgeber bestätigt
  • Inskriptionsbestätigung
  • Gewerbeendigung (falls vorher irgendwann ein Gewerbe ausgeübt wurde)

Anfang Juni 2012 ging mein Ansuchen inklusive Befürwortung der Direktion über den Dienstweg dann an den Landes..schulrat, der mir im Juli dann (für mich, die Personalvertretung und die Direktion überraschend) mitteilte, dass es für Landeslehrer keine Bildungskarenz gibt, sondern lt. Vertragsbedienstetengesetz von 1948 nur Karenzurlaub gegen Entfall der Bezüge (§29b Abs. 1 VBG von 1948).

Die Lektüre von AMS, Wirtschaftskammerhelp.gv.at oder von Broschüren wie “Das Dienstrecht der Bundeslehrer”  waren also umsonst. Landeslehrer sind in der Karenzzeit weder kranken-, noch pensionsversichert und was ich während der Karenzierung mache, ist meinem Dienstgeber ziemlich egal.

Also: Help! Anruf bei der Gewerkschaft Anfang der Ferien. Was tun und welche Konsequenzen gibt es? Der Rat war zuerst, nicht in Karenz zu gehen, sondern Teilzeitlehrer zu werden und meine Arbeitszeit um 50% zu reduzieren: Vorteil: Kein Entfall von Versicherungs- und Pensionszeiten. Regelmäßiges Gehalt, aber nicht viel weniger als sonst, weil weniger Verdienst ja auch weniger Steuern heißt. Heißt für mich: 50% arbeiten und dazu Masterarbeit schreiben im Vergleich zur Bildungskarenz mit 0% arbeiten und dazu Masterarbeit schreiben.

Meine Krankenkasse, die Lehrer-Kranken- und Fürsorgekasse sagte mir, dass ich mich während einer Karenzierung selbst versichern kann, wenn ich möchte, zum Preis von ungefähr EUR 260,00 pro Monat.

Die Gebietskrankenkasse, in die meine Frau einzahlt, teilte mir mit, dass ich mich während einer Karenzierung bei meiner Frau mitversichern lassen kann, wenn ich sie geheiratet habe und wir Kinder haben, zum Preis von genau EUR 0,00 pro Monat. Toll!! Die Pensionsversicherungsanstalt sagt mir, dass ich pensionsversichert bin, wenn ich Weiterbildungsgeld vom AMS bekomme.

Also weiter: Für Weiterbildungsgeld braucht das AMS das Formular AVRAG11 vom Arbeitgeber ausgefüllt. Die spannende Frage war: Füllt mir mein Arbeitgeber dieses aus, weil am Antragsformular in großen Lettern “Bildungskarenz” drauf steht, obwohl für mich dieser nicht drin ist. Wenn ich aber dieses AVRAG11 nicht bestätigt bekomme, dann gibt’s von Februar bis Anfang September kein Geld am Konto. Weil: Mein Dienstgeber lässt mich nicht von Februar bis Anfang Juli auf Bildungskarenz gehen und zahlt mir dann brav mein Gehalt in den Sommerferien. Verstehe ich, wäre nicht okay. Deshalb habe ich meine Wünsche leicht reduziert: Statt Bildungskarenz von Februar bis August nur noch von Februar bis Mitte April: 11 statt 28 Wochen. Dann ist das Risiko, falls mit dem Weiterbildungsgeld was schief läuft, nicht allzu hoch.

In der Zwischenzeit gab es regierungsseitig vom Wirtschaftsminister Mitterlehhner eine neue Idee: Die Teilbildungskarenz, die ab Juli 2013 (für mich zu spät) als weitere Möglichkeit in Frage kommen würde. Eine Anfrage an ihn über www.meinparlament.at wurde kompetent und genau beantwortet. Ich war positiv überrascht.

Drehen wir die Zeit nun etwas nach vor, um das Hin- und Her, die vielen Telefonate, Mails und vor allem die umfangreiche Tabelle mit widersprüchlichen Aussagen, die ich gesammelt hatte, etwas abzukürzen: Am 3. Oktober habe ich schließlich den positiven Bescheid über “Karenz gegen Entfall der Bezüge” in Händen gehabt, 6 Wochen später das ausgefüllte und heiß begehrte AVRAG-11 Formular. Die Sache war geritzt.

Zuvor gab es noch einige Nebenschauplätze. Besonders skurril: Darf ich als zahlendes Mitglied der der Gewerkschaft die Gewerkschaft um Rat fragen? So klar das seitens der Gewerkschaft auch war, so unklar war das an manch anderer Stelle: Es herrscht proporziell tendenziell die Meinung, dass nur jener gewerkschaftliche Hilfe in Anspruch nehmen darf, der auch einer politischen Fraktion innerhalb der Gewerkschaft (einem Lehrerverein) beigetreten ist. Mir wurde von einer Gewerkschaftsvertreterin bestätigt: Der ZA der oö. Berufsschullehrer ist mein Betriebsrat, egal ob ich schwarz, rot, blau, grün, orange, fraktionslos oder Jedi-Ritter bin. Und Tatsache ist auch: Da werden Sie geholfen!!

Viel frustrierender war allerdings ein nahezu groteskes Unverständnis, das sogar von Leuten kommt, die im Bildungssystem verankert sind: Rein subjektiv wird Weiterbildung als Irrsinn ein eingestuft, wenn

a) danach das Nettogehalt nicht gehörig aufpoliert wird oder
b) danach der Job nicht gewechselt wird und das Nettogehalt gehörig aufpoliert wird.

Wie alle wissen, werden in Österreich Lehrer nicht nach Leistung und nicht nach Kompetenz bezahlt, sondern nach der Anzahl der Stunden, “die sie im Klassenzimmer stehen” (wie es so schön heißt). Das wäre ungefähr so, als wenn Armin Wolf, der ja auch im Bildungskarenz war (und hier über seine Erfahrungen berichtet),  nach der Anzahl der Sendeminuten bezahlt werden würde.

Meine Weiterbildung in gröberem Umfang hat im letzten Halbjahr einige Leute (auch aus dem Bildungssektor) zur Frage “Wieso mochns des? Des brauchns jo goa ned!” verleitet und die Folgefrage nach meinem Geisteszustand unausgesprochen in den Raum gestellt. Diese Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest wird ein anderes Mal geklärt werden, weil es doch etwas verunsichert, wenn so viele intelligente Menschen einem das sagen. Nur eins noch: I’m not insane…

Prüfung per Videokonferenz im “Master für Bildung und Medien – Fernuni Hagen”

“Warum habe ich bloß keine Hausarbeit geschrieben?” habe ich mir noch gedacht, als ich mich auf den Weg zur Prüfung machte. Sogar das Navi im Auto meinte: “Kehren Sie wenn möglich um”. Aber nach einem intensiven Schuljahr 2011/12, das für das Studium kaum Zeit ließ und nachdem ich die zwei Semester für dieses Modul in den Ferien nachgelernt hatte, war Aufgeben natürlich keine Option. Aber fangen wir von vorne an:

Der Master für Bildung und Medien an der Fernuni Hagen lässt sich, wenn gewünscht, ganz ohne Präsenzzeiten und ohne Prüfungsstress durchziehen. Das soll nicht heißen, dass er stressfrei läuft: Nebenberuflich geht er nach drei Jahren ganz schön an die Substanz und deshalb bin ich heute froh, endlich “7 von 7 Modulen erledigt” ins Lerntagebuch reinschreiben zu können.

Im Modul 7 habe ich mich für das Wahlmodul Informatik entschieden, das für Teilzeitstudenten über zwei Semester belegt werden kann. Es besteht aus drei Teilkursen: computerunterstütztes Lernen in Groß- und Kleingruppen (CSCL), computerunterstütztes Arbeiten (CSCW) und Dokumentenmanagement. Das Modul 7 wird als einziges Modul im Studium nicht mit einer Hausarbeit, sondern mit einer mündlichen Prüfung abgeschlossen.

Fernstudienzentrum Steyr

Fernstudienzentrum Steyr

Eine mündliche Prüfung an der Fernuni Hagen kann per Videokonferenz abgehalten werden. Die Vorgehensweise ist recht einfach: Termin mit dem Prüfungsamt, Termin mit dem Professor und Termin mit irgendeinem Studienzentrum vereinbaren. Es kann ein beliebiges Studienzentrum gewählt werden. Kostenpunkt: Ungefähr 80,00 Euro, je nachdem ob man einem Studienzentrum zugeordnet ist oder nicht – die Regelung wird derzeit geändert.

Mein Wunschstudienzentrum war Linz in Oberösterreich. Einige Tage vorher  bekam ich Nachricht, dass dort umgebaut wird und die Prüfung nach Steyr / OÖ verlegt wurde. Dort wurde ich schon vorab sehr ausführlich und freundlich telefonisch über Anreise und Ablauf informiert. Deshalb war die Anreise und der Zeitplan ins Fernstudienzentrum Steyr am Prüfungstag völlig überraschungs- und frustfrei, Technik und Organisation klappte perfekt, ich wurde sehr zuvorkommend empfangen und betreut. Sehr erfreulich, wenn man merkt, dass Profis am Werk sind. Das mindert die Nervosität ganz gehörig. Die Leiterin des Fernstudienzentrums fungiert als Beisitzerin und kümmert sich um die zwei T’s: Technik & Täuschungsversuche. Der gut gemeinte Rat von Facebook-Freunden, den Screen mit Post-it’s zu pflastern, konnte also nicht realisiert werden ;-)

Die Prüfung dauerte etwas mehr als 30 Minuten. Hr. Haake wies mich darauf hin, dass die Teilgebiete jeweils mit zumindest “Ausreichend” abzuschließen sind, um insgesamt eine positive Note zu bekommen.

Inhaltlich wurde folgendes gefragt:

Kurs 1873 – Daten- und Dokumentenmanagement:

  • Dokumentenbegriff (historisch, neuere Art, moderner Begriff)
  • Modell der strukturierten Dokumente und dessen Vorteile erklären
  • Erklärung der Dokumentbeschreibungssprachen
  • Unterschied von HTML und XML
  • Beschreibung und konkretes Beispiel eines Tags in HTML
  • Wie und wo werden Tags in XML definiert?
  • Links in XML-Dokumenten (Xlink, XPointer)

Die Prüfung beschränkte sich bei diesem Teil auf die grundlegenden Konzepte. Hr. Haake meinte, dass ich die Fragen “für einen Sozialwissenschaftler” ganz gut beantwortet habe ;-), bei Informatikern würde er intensiver nachfragen. Ganz froh bin ich, dass keine Details zu Zeichencodierungen, CSS, XSL, XQuery, RDF und OWL gefragt wurden. Diese Themen nur theoretisch gemäß Skript zu lernen fand ich nicht wirklich zielführend. Vielmehr würde ich mir praktische Anwendungen bzw. Mini-Projekte wünschen. Das wiederum würde den Zeitrahmen des Moduls sprengen und die Zielrichtung des “Masters für Bildung und Medien” verfehlen.

Kurs 1880 – CSCW (computer supported cooperative/collaborative work)

  • Unterschied CSCW und CSCL
  • Definition einer Gruppe; Merkmale von Gruppen
  • Klassifikation von CSCW-Anwendungen (Anwendungsart, Raum & Zeit, Unterstützungfunktion & Dimensionen)
  • Beispiele für Gemeinsame Informationsräume
  • Gruppenpuzzle – wie wird das mit einem Wiki realisiert
  • Definition von Groupware (ist z. B. eine Videokonferenz Groupware)
  • 3K-Modell inkl. Beispiele

Kurs 1883 – CSCL (computer supported cooperative/collaborative learning)

  • Evaluation von Lerngruppen (Weiterführung des Beispiels Wiki-Gruppenpuzzle)
  • Gestaltung von CSCL-Anwendungen
  • Lerntheorien für CSCL

Folgende Themen waren weder meine Lieblingsthemen noch Bestandteil der Prüfung ;-)

  • CSCW Architekturmodelle
  • Verteilungsschemata nach Roth
  • Workflow-Management-Systeme inkl. Geschäftsprozessse
  • Forschungsmethoden (wie z. B. Mehrebenenanalyse etc.)

So wie ausnahmslos alle meine Vorgänger berichten, ist Hr. Dr. Haake ein sehr angenehmer Prüfer. Er hilft bei Black-Outs weiter, formuliert Fragen um, wenn sie nicht verstanden werden, erhöht dann und wann graduell den Schwierigkeitsgrad und scheint gerne praktische Anwendungsfälle aus verschiedenen Perspektiven und entlang der Theorie zu diskutieren. Besonders gefallen hat mir, wie er meine Ausführung immer wieder in eine korrekte CSCL- bzw. CSCW-Fachsprache “übersetzt” hat. In diesem Fachgespräch wäre das eigentlich meine Aufgabe gewesen, ist aber leider nicht immer gut gelungen. In der Note hat sich das nicht niedergeschlagen. Nach etwas über einer halben Stunde wurde das Prüfungsgespräch beendet. Hr. Haake und sein Beisitzer meldeten sich nach ein paar Minuten zurück und gratulierten zur bestandenen Prüfung.

Was würde ich Studenten empfehlen, die sich noch nicht für ein Wahlmodul entschieden haben, die also noch zwischen den beiden Hausarbeits-Modulen (Modul 6L: Sprachkrise, Medienwandel, Intermedialität; Modul 5B: Individualisierungsphänome in Arbeits- und Organisationsgesellschaften) und einer mündlichen Prüfung wählen müssen?

Für dieses Modul habe ich ca. 20% mehr Zeit für die Prüfungsvorbereitung investiert, als für die vorigen Module, wo ich Hausarbeiten schrieb. Die mündliche Prüfung empfand ich als stressiger als das Schreiben einer Hausarbeit. Wissenschaftliches Arbeiten wird mit Hausarbeiten viel besser eingeübt. Trotzdem war die mündliche Prüfung nicht schlecht, um wieder einmal in die Schüler-Rolle schlüpfen zu können, was Prüfungs-Situationen betrifft. Das ist für Lehrer ganz heilsam ;-)

Wenn ich mich nochmals entscheiden müsste, würde ich aufgrund der äußerst interessanten CSCL-CSCW-Thematik nochmals das Informatik-Modul wählen, weil es eines der wenigen Module ist, das Sozialwissenschaft mit Informatik enger verbindet. Den Kurs “Dokumentenmanagement” würde ich notwendigerweise in Kauf nehmen: Er ist zwar interessant, aber um konkreten Nutzen zu ziehen, müsste viel mehr praktisch mit CSS, XML etc. gearbeitet werden. Daher als Fazit: Wer mit Informatik liebäugelt, der nehme M7, wer eine Hausarbeit ähnlich den bisherigen Modulen schreiben möchte, der nehme eines der anderen beiden.

Für die Vorbereitung kann ich die Prüfungsprotokolle empfehlen, wie sie beispielsweise von der Fachschaft Informatik gesammelt werden. Dieser Blog-Beitrag ist mein Beitrag zu Sammlung.