Unterrichtsmaterialien für finanzielle Allgemeinbildung

Die EAEA (European Association for Education of Adults, http://www.eaea.org) entwickelt seit einiger Zeit für alle EU-Länder Unterrichtsmaterialien für die „finanzielle Allgemeinbildung“. Das Projekt heißt DOLCETA (www.dolceta.eu) und bietet Lernmodule für VerbraucherInnenbildung in den Altersgruppen Volksschule, Hauptschule und Oberstufe an.dolceta

Neben Online-Informationen, ausdruckbaren Merkblättern und Online-Quizzes werden auch sehr konkrete Unterrichtsskizzen mit abwechslungsreichen, innovativen Methoden zur Verfügung gestellt. Derzeit sind die vier Module „Verbraucherrechte“, „Finanzdienstleistungen“, „Produktsicherheit“ und „Impulse zur Verbraucherbildung“ freigeschaltet. Wir durften das Modul 7 über „Sparen“ testen, das im Frühjahr nächsten Jahres kommen wird.

Mich nervt schon seit einigen Jahren, dass in jedem Land, in jeder Schule jeder Lehrer seine Unterrichtsstunde z. B. über „Sparen“ oder „Kredite“ vorbereitet. Wie „man“ hört, findet an manchen Schulen nicht einmal ein Austausch der erstellten Materialien statt – ein volkswirtschaftlicher Unsinn. Per Mausklick auf vorgefertigte, juristisch geprüfte, abwechslungsreiche und aktuelle Materialien für den Unterricht zugreifen zu können ist leider noch immer eine Seltenheit. DOLCETA ist ein Weg in die richtige Richtung.

Selbstverständlich sollte jedem Lehrer offen bleiben können, wie er seine Stunde über „Sparen“ oder „Kredit“ gestaltet und welche Infos er vermitteln möchte. Das ist das Schöne an dem Job: Jeder kann, wenn er will, seine Kreativität voll ausleben. Es schadet aber überhaupt nicht, sich mal anzusehen, wie andere diese Stunde planen würden und sich daraus Anregungen zu holen – auch für andere Unterrichtseinheiten.

Add comment 1. November 2009

Kein Rezept für gehirngerechtes Lernen

Im Gegenteil.

Im Heft 11/2009 von Psychologie heute wird so richtig aufgeräumt mit den „Hirngespinsten der Pädagogik“. Hier das Wichtigste in Kürze zum lesenswerten Artikel:

brainegg1. linke Hirnhälfte = intellektuelle Leistungen, rechte Hirnhälfte = kreativ-emotional? Quatsch!

Neurowissenschaftler können keine Belege für diese Theorie finden. Zwar ist es richtig, dass ein Großteil des Sprachzentrums eher links sitzt, jedoch werden bei komplexen Aufgaben beide Hirnhälften aktiviert. Was bewiesen wurde: Kreativität sitzt im präfrontalen Kortex (Stirnhirn, auf beiden Seiten). Die bei Lehrern berühmten Brain-Gym-Übungen (z. B. Achter-Malen in der Luft) wirken sich aufgrund der gymnastischen Bewegung positiv aus, aber nicht weil sie die Gehirnhälften beeinflussen oder gar wieder „zusammenführen“.

2. Wir nutzen unser Gehirn nur zu 10 Prozent? Quatsch!

Unser Gehirn wiegt zwei Prozent unseres Körpergewichts, verbraucht aber 20 Prozent der Energie. Warum sollte es zum größten Teil nicht genützt werden? Hirnforscher haben herausgefunden, dass intelligente Menschen ihr Gehirn beim Lösen von Aufgaben weniger, dafür aber zielgenauer aktivieren. Das kennt jeder Lehrer und jeder Schüler: Wiederholtes Üben (wie Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging) lässt uns genau diese speziellen Aufgaben müheloser lösen.

3. Lernypentest? Quatsch!

Ach, das habe ich voriges Jahr schon hier beschrieben. Frederic Vester hat uns in den 1970er Jahren diesen Floh ohne jedweden Beweis ins Ohr gesetzt und sämtliche Pädagogen haben sich darauf gestürzt und noch immer wird dieser Blödsinn es an den Hochschulen unterricht: Es gibt keine neurowissenschaftliche Forschung über Lerntypen. Wahrnehmung, Reizverarbeitung, Lernen und Gedächtnisbildung ist viel komplizierter, als die naive Vorstellung in den Lerntypen-Büchern. Weder theoretisch noch praktisch ist das Lesen solcher Ratgeber gewinnbringend.

Da fällt mir ein: Der ursprüngliche Titel meiner Diplomarbeit vor zwei Jahren wäre  „Gehirngerechtes e-learning“ gewesen. Pheeeewww. Ich habe dann die Kurve gekratzt und bei der Recherche bemerkt, dass die meisten e-learning-Programme nicht gehirngerecht sind. Unter „gehirngerechtem e-learning“ habe ich damals noch verstanden: Der Lernstoff wird per e-learning so präsentiert, dass besser als mit herkömmlichen Methoden gelernt wird. Auch Quatsch!

12 comments 18. Oktober 2009

Grundbegriffe via Etherpad und Cobocards

cobocardsIm Fach Informatik für Banklehrlinge (40 Stunden in 3 Lehrjahren) werden neben einigen Stunden Excel, Internet-Grundlagen auch einige Informatik-Grundlagen durchgenommen. Folgende Vorgehensweise zum kollaborativen Erarbeiten von Grundbegriffen über Hardware, Software und Internet teste ich derzeit in einer 4-Stunden-Sequenz mit 15 Schülerinnen und Schülern (SuS).

Vorbereitung Lehrer:

  1. Sammeln der wichtigsten Grundbegriffe anhand dreier ABC-Listen (Hardware, Software und Internet) als Checkliste für das Lernziel.
  2. Anmeldung bei Cobocards, Musterkarte für SuS anlegen. Diese Musterkarte sollte eine typische Frage, Antwort, evt. ein Bild, einen Quellenlink und eine Vorgehensweise für Schlagworte enthalten. Auf jeder Karte sollte das Namenskürzel des Erstellers vermerkt sein, das ist wichtig für die spätere Beurteilung.
  3. SuS sollten Webmail-Adresse besitzen (z. B. Gmail)

Block 1: Sammeln von Grundbegriffen via Etherpad auf einer ABC-Liste

  1. Lehrer legt für jedes Thema ein Etherpad an, so z. B. http://etherpad.com/bsrohw09, http://etherpad.com/bsrosw09 und http://etherpad.com/bsroin09 . Die direkte Eingabe der Adresse nach einer logischen Syntax (bsro=Berufsschule Rohrbach, hw=Hardware – sw=Software – in=Internet, 09=für das Jahr 2009) ziehe ich der Adresse vor, die Etherpad automatisch vergibt. Die Anlage geschieht idealerweise vor den Augen der Schüler um die Einfacheit von ehterpad zu demonstrieren.
  2. SuS teilen sich in Zweiergruppen. Die Themen werden unter den Gruppen aufgeteilt. 5 Minuten lang werden Grundbegriffe im Etherpad anhand einer ABC-Liste gesammelt, dann geben die SuS das Thema an die nächste Gruppe reihum weiter. Nach 3 Durchgängen und 15 Minuten sollte jedes Pad eine Menge an Grundbegriffen enthalten. Bitte bei Etherpad regelmäßig speichern.
  3. Nun gibt es folgende Möglichkeiten:
    a) Per Twitter, Facebook, etc. die Außenwelt bitten, diese ABC-Listen um wichtige Begriffe zu ergänzen
    b) Lehrer streicht Begriffe bzw. fügt Begriffe hinzu
    c) Lehrer und SuS machen nichts von beiden und lassen die Liste einfach so.
  4. Die überarbeitete Liste wird (zur Sicherheit) ausgedruckt.

Nachdem ich 3a und 3c gemacht hatte, sind bei 15 SuS knapp 122 Begriffe entstanden. Für unseren Rahmen war das viel zu viel. Bei Wiederholung dieser Sequenz werde ich die Begriffe auf ein „erträgliches Maß“ eingrenzen, zudem einige Begriffe wie „Vaporware“, „Middleware“, „Shovelware“ und „Internet Engineering Task Force“ in den Listen aufgetaucht sind, die nicht unbedingt zum Grundwissen gehören müssen ;-)

Block 2: Erarbeiten der Grundbegriffe via Cobocards

  1. SuS melden sich bei Cobocards an und schicken eine Freundschaftsanfrage an die E-Mail-Adresse des Lehrers.
  2. Lehrer bestätigt diese Freundschaftsanfrage und fügt SuS dem Team des zu bearbeitenden Kartensets hinzu. Bei den SuS erscheint danach am rechten Rand das Kartenset zur Bearbeitung.
  3. Lehrer führt Musterkarte vor und weist auf Regeln zur Erstellung der Karte hin, siehe oben bei Vorbereitung. Besonderer erwähnenswert ist, dass eingefügte Grafiken keinesfalls zu groß werden dürfen, sonst überlappen sie nachher auf den Lernkarten. Kontrolliert kann dies unter „Drucken“, „Generiere PDF“ werden. Auch ein Hinweis auf das Urheberrecht bei Grafiken ist angebracht.
  4. 4 SuS teilen sich jeweils eine ABC-Liste und erstellen Karten für die Suchbegriffe. Wer einen Begriff bearbeitet, streicht ihn von der ausgedruckten ABC-Liste. Wer früher fertig wird, holt sich von anderen Gruppen ein paar Begriffe.
  5. SuS überprüfen Karten, die sie nicht selbst erstellt haben. Eventuell könnte dies eine Partnerklasse machen, evt. auch wer am anderen Ende der Welt.

Mögliche Risiken: Die SuS haben vollen Zugriff auf die Karten. Wenn Karten gelöscht werden, dann kann in Cobocards derzeit nicht nachvollzogen werden, wer was wann gelöscht hat. Irgendwer von den SuS hat meine sorgsam erstellte Musterkarte gelöscht. Pech, aber es hätte schlimmer kommen können. Theoretisch könnte ein „Troll“ die gesamte Klasse (oder einzelne SuS) sabotieren.

Block 3: Peer-Review

Gemeinsam mit einem Partner gehen die SuS ihre Karten durch. Sie achten dabei auf:

  1. Kartenquelle angegeben?
  2. Urheberangabe (=Katalog-Nr. bzw. Schüler-Kurzzeichen)
  3. Größe der Karte (kaum Leerzeilen, evt. kürzen)
  4. Verständlichkeit der Frage & Antwort

Wenn sie fertig sind, wählen sie unter „Drucken“ ihre eigenen Karten aus, wählen „Generiere PDF“ und drucken ihr Werk für die Lehrkraft zur Beurteilung aus bzw. mailen es.

Block 4: Karten besprechen

Via Beamer werden die Karten (von Schülern oder der Lehrkraft) vorgestellt, besprochen und Zusatzinfos gegeben.

Block 5: Lernen mit Cobocards und Abschluss

  1. Die SuS lernen die Grundbegriffe mit den von Cobocards angebotenen Methoden: Online, per Ausdruck usw.
  2. Die Beurteilung der Karten für die Note erfolgt entweder anhand der erstellten Karten oder via herkömmlichen Test.

Gewünschtes Ergebnis:

  • SuS kennen etherpad und können kollaborativ Dokumente erstellen
  • SuS kennen Cobocards als Lerninstrument einsetzen
  • SuS lernen, mit unbekannten Benutzeroberflächen zu experimentieren
  • SuS üben Fragen zu stellen,  im Internet zu recherchieren, Quellen anzugeben, Inhalte zusammenzufassen und zu übernehmen
  • SuS üben Copy & Paste (*grins*) und Bilder einzufügen
  • SuS üben, Grafiken zu suchen und in der Größe zu verändern.
  • SuS üben, die Werke anderer gegenzulesen und ggf. zu korrigieren und
  • üben Grundbegriffe von Hardware, Software und Internet.

Anmerkungen:

  • Die Sequenz zur Erstellung der ABC-Liste könnte weggelassen werden. Möglicherweise ist eine Vorgabe der Begriffe durch die Lehrkraft zielführender und übersichtlicher.
  • Die SuS erwarteten von mir eine Schritt-für-Schritt-Erklärung, die ich nicht bereit war, zu geben. Ich ermutigte sie immer wieder, selbst herumzuprobieren, was ein wenig Gemaule verursacht hat. Schließlich gewöhnten sie sich doch daran, „nicht im Gleichschritt zu marschieren“.
  • Während der Sequenz erstellte die schnellste Schülerin 14 qualitativ hochwertige Lernkarten, die langsamste 5 Karten. Die Lehrkraft sollte sich vorher überlegen, wie dies zu bewerten ist.
  • Ich hoffte bei der Erstellung inständig, dass keiner der SuS auf die Idee kommt, wild herumzulöschen und habe die Bearbeitungsberechtigung (unter „Team“) kurz nach der Erstellung entfernt.
  • Tipp für ein Backup während bzw. nach der Erstellung: Die Karten im Pool veröffentlichen, dann wieder Kartenimport aus dem Pool in einen neuen Kartensatz (Backup) durchführen und niemanden darauf Zugriff geben. So sind sie erstmal gesichert.
  • Ich habe noch nicht entschieden, die erstellten Karten im Cobocards-Pool zu veröffentlichen. Der Inhalt einiger Karten ist immer noch verbeserungswürdig. Ich bin aber nicht sicher, ob die SuS dies hinbekommen. Ich habe zwar die ausgedruckten Kartensätze am Papier korrigiert und zurückgegeben, aber, und das ist echt mühsam: Das Hinterherlaufen, ob diese Korrekturen auch wieder durchgeführt werden, das nervt.

Fazit:

  • Zum Herumprobieren vor dem Unterricht empfiehlt sich ein zweiter Cobocards-Account (mit zweiter E-Mail-Adresse), um die Team- und Freundschaftseinstellungen ausprobieren zu können.
  • Bei der Erstellung der Karten und beim Arbeiten mit einer (komplexen) Web-Oberfläche lernen die SuS eine Menge.
  • Für den Lehrer wäre natürlich schlecht vorbereiteter Frontalunterricht oder eine Power-Point-Wüste einfacher.
  • Die erstellten Cobocards werde ich im nächsten Lehrgang als Lern-Tool einsetzen und um einige Begriffe ergänzen. Vielleicht werden sie dann so gut, dass sie eine Veröffentlichung wert sind.
  • Bauchweh habe ich, weil das Löschen einer Karte so unwiderruflich, ohne sichtbare Aufzeichnung (in Aktivitäten – wer hat was wann gelöscht) geschieht.

4 comments 16. Oktober 2009

Wie ich Blogs auswähle, die ich abonniere oder ignoriere (Teil 2)

Zu meinem Posting von gestern haben mich einige gefragt, was denn nun meine persönlichen Top10-Blogs (die „MiBs“ = die Most Important BlogS) sind.  Ich habe meine MiBs-Liste nun via Google-Reader hier öffentlich gestellt, sie wird automatisch aktualisiert.

Folgende  Blogs sind darin enthalten:

mibs

Die Liste ändert sich alle paar Wochen dort und da, je nach persönlicher Interessenslage. Ich versuche, sie immer zwischen 10 und 15 Blogs zu halten, was nicht immer gelingt. Weniger ist mehr.

Sehr persönliche Blogs sind „Na, wie war’s in der Schule“, der Schüler-Blog  „Sven’s kleiner Blog“ und „Wenn Katzen schreiben“. Alle anderen haben etwas mit Schule zu  tun. Die Karriere-Bibel ist unglaublich vielseitig und enthält oft gute Artikel, sowohl für Lehrer als auch für Schüler.

Die restlichen 280 abonnierten Blogs lese ich dann und wann. Unregelmäßig und unvollständig. Manchmal wird ausgemistet, aber (zu) selten. Es kommen eher mehr Blogs dazu als weg.

Lesen kann und will ich diese Blogs nicht alle. Ich merke mir auch nicht alles, was ich gelesen habe, meist überfliege ich nur die Überschriften und die ersten paar Sätze. Aber bei Bedarf findet die Google-Reader-Suchfunktion alle Artikel mit einem gewünschten Stichwort.

Die Blog-Sammlung verwende ich als eine Art Mini-Internet, speziell abgestimmt auf meine Interessen, als „Fachzeitschrift“, speziell für mich geschrieben, mit komfortabler Volltextsuche. Ich bin gespannt, wie ich in fünf Jahren über diesen Artikel denke, wenn ich ihn lese.

4 comments 12. Oktober 2009

Wie ich Blogs auswähle, die ich abonniere oder ignoriere

Täglich lese ich Blogs, Blogs-Kommentare und Tweets. Häufig sind Blogs verlinkt. Täglich muss (naja, … „muss“… ) ich nach dem Überfliegen von 1 – 2 Blog-Beiträgen entscheiden, welche Blogs so interessant für mich sind, dass ich sie im Google-Reader abonniere. Ich will keinen Müll abonnieren, ich will interessante Blogs aber auch nicht ignorieren. bestblogs_landing

Die Aufgabenstellung ist komplex. Peter Kruse erwähnte beim Bildungskongress fünf Strategien zur Bewältigung von Situationen hoher Komplexität und Dynamik:

  1. spontanes Ausprobieren (=Blog einfach abonnieren -> funktioniert wegen der Fülle nicht)
  2. konsequentes Ausblenden (=möglicherweise interessanten Blog ignorieren, will ich nicht)
  3. analytisches Verstehen (=Blog anhand von Raster analysieren: zu zeitaufwändig und nicht zielführend;)
  4. künstliche Vereinfachung (=nur Design oder nur Aktualität oder nur…. funktioniert nicht – siehe Kruse Vortrag)
  5. emotionale Bewertung (=die einzige Strategie, die lt. Kruse funktioniert)

Ich wähle zu abonnierende Blogs aufgrund folgender Kriterien aus:

  • Begeistert mich der verlinkte bzw. der aktuellste Beitrag, bietet er Neues, bringt er mich zum Nachdenken oder sagt er etwas, was ich schon weiß, aber nie so prägnant ausdrücken könnte? Kurz gesagt: Spricht er mich emotional an?
  • Und das wichtigste: Sind die Themen relevant für mich, hier und jetzt? Relevant für das Studium, für den Job, den Lieblingssport oder für das Familienleben?

Mit dieser Methode bin ich derzeit auf knapp 300 abonnierten Blogs. Meine 10 Lieblings-Blogs habe ich im Google-Reader in die MIBS-Gruppe (=Most Important BlogS)  gegeben. Alle anderen lese ich dann und wann, ansonsten gibt’s den Button „Alle als gelesen markieren“.

9 comments 12. Oktober 2009

Bericht von der Future Learning III

„Virtual Classroom“ und „Game based Learning“ waren die Themen der Future Learning III heute im Ars-Electronica-Center in Linz. Gestartet hat die Dänin Ella Myhring mit „How games mesh with formal education“. Sie verwendet Spiele im Klassenzimmer aus folgenden Gründen:

  • zur Analyse des Genres Computerspiele (so wie Romane, Zeitungen, etc.),
  • zur Vermittlung vonn Media-Skills und
  • als motivierendes Lern-Tool.

SNC00144Diese Methoden verwendet Fr. Myhring:

  • Harry-Potter-Game: im Fremdsprachenunterricht einen Walkthrough (mit Screenshots und Texten) erstellen, den ältere Kinder dann jüngeren Kindern zeigen und damit sofortiges Feedback über ihre Arbeit bekommen
  • The wonderful world of Astrid Lindgren: (Präsentation erstellen, jüngeren Kindern diese vorführen
  • Rome Total Wars: Marketing-Folder für das Game erstellen, bestimmte Zielgruppe (m/w) definieren und den Folder textuell, bildlich und farblich darauf abstimmen
  • Schüler bloggen über ein Game

Bei Anwendung dieser Methoden ist es wichtig, die Eltern einzubinden und ihnen zu erklären, warum diese Spiele im Unterricht gespielt werden. Vom Zeitrahmen her wird 1,5 Stunden pro Spiel empfohlen, danach sollte die Arbeit beginnen. An ihrer Schule stehen übrigens ca. 100 Notebooks für 400 SuS zur Verfügung, die rechtzeitig zu reservieren sind.

Folgende Seiten wurden empfohlen:

Danach folgte Prof. Michael Wagner von der Donau-Uni Krems vom Fachbereich Applied-Games-Studies (hier die Facebook-Gruppe), der eine Lanze für „complex games“ wie Little-Big-Planet brach. Nicht die einfachen Spiele, sondern komplexe Spiele aus der Erwachsenen-Kultur sind für Game-Based-Learning praktikabel. In seinen Studien verwendete er mit 10 – 12 Schulen folgende Spiele:

  • The Movies
  • Civilization
  • Zoo Tycoon (dieses empfahl er besonders)

Seine Erkenntnisse aus den Studien waren:

  1. Spiele unterrichten sich nicht von selbst, es braucht den Lehrer dazu.
  2. Lehrer müssen keine Spieler sein, sondern Coaches.
  3. 20 % der SuS spielen Computerspiele nicht so gern (Wagner betonte: unrepräsentative Umfrage)

Interessant fand ich seine Gedanken über „ludic constructivism“: Die reale Identität des Spieler wird auf die virtuelle Identität der Spielfigur projeziert.  Es erfolgt allerdings auch eine Rückprojektion der virtuellen Figur auf die reale Identität des Spielers.  Hier könnte Lernen stattfinden.

Im anschließenden Workshop „Virtual Classroom“ wurden Smartboards vorgeführt. Die Smartboards wurden in 10-Minuten-Sequenzen teilweise von echten (!) Kindern bedient. Besonders interessant, aber auch deshalb vielleicht ganz besonders enttäuschend war für mich der Einsatz der Smartboards im Fremdsprachenunterricht. Ich sehe beispielsweise in folgender Unterrichtssequenz die Sinnhaftigkeit oder einen möglichen Mehrwert eines Smartboards nicht:

  1. Vokabelwiederholung: Am Smartboard ist ein Haus mit nummerierten Elementen zu sehen
  2. Kind wird nach dem Vokabel mit der Nr. x gefragt.
  3. Antwortet es richtig, darf es aufstehen, mit einem Stift auf die Nr-Position am Smartboard tippen und es erscheint die soeben gesagt Antwort.

Okay, der offensichtliche Mehrwert ist: Die Kinder bewegen sich. Oder bin ich hier zu kritisch?

Kommt noch dazu, dass die Elemente am Smartboard (mühsam) vom Buch eingescannt worden sind um am Smartboard überhaupt verwendet werden zu können. Für mich ist das eher eine Arbeitsbeschaffung für Lehrer, eine Art Strafarbeit (für kritisches Blogging?) als nutzenbringende Vorbereitung. Ist der Neuigkeitsfaktor des Smartboards abgenutzt, dann ist es wahrlich schade um die investierte Zeit. Aber die heftige Diskussion darüber wurde ja schon beim Lehrerfreund geführt. Eines habe ich mir aber schon vorgenommen: Wenn unsere Schule in den nächsten Wochen ihr erstes Smartboard bekommt, dann finde ich mindestens eine didaktisch und pädagogisch wertvolle Anwendung, die einen Mehrwert gegenüber der Kreidetafel im Alltag bietet. Und wenn es 30 Jahre dauert, ich werde die Killer-Anwendung für diese Dinger finden.

Fazit für die Veranstaltung: Alles neu, alles am Anfang. Ich denke mir, dass sich die Unterrichtszeit sicherlich effizienter nutzen lassen könnte, Computerspiele sind nun mal ein Zeitfresser. Dass Fr. Myhring die Spiele nur 1,5 Stunden als Input für Folgearbeiten einsetzt, halte ich für vernünftig und vertretbar. Von den Whiteboard-Vorführungen hat mich keine einzige begeistert, animiert oder motiviert. Ich habe mich andauernd gefragt: Warum nimmst du nicht das Buch, die Kreidetafel, ein Flipchart oder zeigst es den Kindern einfach vor? Aber das ändert sich sicher, sobald ich auch so ein Spielzeug habe ;-)

Mut macht dieser Beitrag über digitale Whiteboards von Lehrer-online. Mal sehen, ob es hier nähere Infos über die Verwendung gibt, vielleicht gibt es sogar irgendwo einen pädagogischen „Leitfaden“ dafür. Tipps in den Kommentaren sind willkommen.

3 comments 7. Oktober 2009

Master of eEducation

Seit einigen Tagen bin ich nebenberuflicher Teilzeit-Student an der Fernuniversität in Hagen. Ziel ist, in den nächsten 4 Jahren den „Master of eEducation“ an der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften in der Tasche zu haben. Warum ausgerechnet dieses Studium, warum ausgerechnet Hagen?

  1. Alle 7 Pflichtmodule treffen meinen Geschmack und meine Interessen ganz genau. Ich würde jedes Modul auch freiwillig belegen.
  2. Wo Fernuni draufsteht ist auch Fernuni drin: Keine Präsenzeiten. Keine Reisezeiten. Keine Hotels. Keine Hörsäle. Keine Vorträge. Keine Urlaubsansuchen. Keine Vorbereitungen von Supplierstunden und kein Kollegen-Gemeckere wegen Abwesenheit. Freie Zeiteinteilung. Selbstständiges Arbeiten.
  3. Prüfungen sind in kreativen, selbstorganisierten Artefakten via ePortfolio abzugeben. Kein sinnloses Gepauke von Fakten, die nachher sowieso wieder vergessen werden.

IMG_6720Andere „Masters of eEducation“ sind von der Zeitdauer kürzer angelegt, erfordern aber Präsenzzeiten, die oft am Wochenende und an Fenstertagen liegen. Wochenende ist kaum ein Problem, die Fenstertage eher: An unserer Berufsschule wird an Fenstertagen eigentlich immer gearbeitet. Theoretisch ist unbezahlter Urlaub an diesen Tagen kein Problem, praktisch aber ein Risikofaktor, weil hier Menschen entscheiden. Das Ganze erübrigt sich aber, weil ich entschieden habe, dass die Familie dem Studium immer vorgeht. Daher: Längere Studiendauer ist besser als Präsenzzeiten, weil mehr Zeit für die Familie bleibt.

In diesem Semester habe ich die Module für die ersten zwei Semester belegt, also quasi ein Vollzeit-Pensum. Das erste Modul behandelt Blogs und dürfte kein Problem sein, schließlich beschäftige ich mich seit 3 Jahren damit. Sollte es sich ausgehen, dass ich dieses Pensum schaffe, dann ist’s gut. Wenn nicht, dann wiederhole ich einfach das 2. Modul im nächsten Semester (Leerbelegung).

Belegt habe ich also:

  • Modul1: Medien und Kommunikationstheorien
  • Modul1: Medien und Wirklichkeitskonstruktionen
  • Modul1: Wissenskommunikation in virtuellen Lerngemeinschaften
  • Modul2: Lehren und Lernen in der Wissensgesellschaft
  • Modul2: Medienkommunikation und Medienkompetenz
  • Modul2: Instructional Design

Die Aufgaben werden per Moodle gegeben, der Moodle-Kurs ist bis jetzt noch nicht freigeschalten. Offizieller Semesterbeginn ist morgen.

Vorige Woche habe ich begonnen, den Studienbrief „Medien- und Kommunkationstheorien“ zu lesen. Dieser umfasst einen geschichtlichen Abriss über diese Theorien seit dem 19. Jahrhundert: Die Geschichte der Theoretisierung von Kommunkation, die beginnende Medientheoriebildung, Theorien der Exteriorisierung, Kybernetik, usw. Die „wissenschaftliche Sprache“ im Skript war für mich anfangs recht herausfordernd, las ich doch in den letzten Jahren hauptsächlich populärwissenschaftliche Bücher, meist auf Englisch. Und die bedienen sich ja meist einer eher einfachen Sprache. Ungewohnt war auch, dass ich alle zwei Seiten auf ein unbekanntes Fremdwort gestoßen bin, bei dem auch mein altes Fremdwörterbuch versagt hat, indem es entweder den Begriff nicht kannte oder nichtssagende Auskunft gab. Gut, dass es Wikipedia gibt. Nach ein paar Seiten ging’s aber dann ganz gut und mittlerweile verstehe ich, was mir Frank Hartmann sagen möchte.

Für Hagener-Studenten gibt es ein Forum, wo man sich austauschen kann. Da wurde ich bei meiner Vorstellung sogleich vom Forums-Master gerüffelt, weil ich auf diesen Blog verlinkt habe. „Affiliate-Marketing“ ist dort nicht erwünscht und ich habe dann und wann meine Buchempfehlungen via Amazon-astore verlinkt. Nicht dass ich jemals darüber einen Cent verdient hätte, aber egal.

Die Vernetzung mit den Mitstudenten müsste via Web2.0 ganz gut funktionieren. Jedenfalls besser als sonst, da diese Menschen doch eine gewisse Affinität zum Web haben sollten. Es sollte möglich sein, ein zeitgemäßes Niveau von Kollaboration zu erreichen, das über das Hin- und Hersenden von Docs via E-Mail hinausgeht, ohne dass meinereiner sämtliche Überredungskünste aufbringen muss, damit sich ein Gegenüber endlich doch trotz aller Sicherheitsbedenken und technischen Hürden einen Google-Mail Account anlegt.  Ich meine damit:

  • kollaborativer Notizenaustausch via Google Text und Tabellen
  • Facebook
  • Twitter
  • Skype
  • oder eines dieser Tools.

Zum Start stelle ich meinen noch unbekannten Mitstudenten meine Notizen zum Skript Medien- und Kommunkationstheorien via Google-Text zur Verfügung. Wenn der Moodle-Kurs freigeschaltet wird, dann ergibt sich hoffentlich die Möglichkeit, eine gemeinsamen Arbeit an diesem Dokument. Was früher handschriftlich in der Schublade verschwand, wird nun öffentlich im Netz zur gemeinsamen Bearbeitung freigebeben. Theoretisch herrlich – ich bin gepannt, ob das klappt.

Natürlich wird hier in den nächsten Jahren regelmäßig über eEducation gebloggt werden. Damit wird lernenheute wieder zur jener Plattform, als die sie begonnen hat: Als Gedankensammlung und Lernstoff-Reflexion.

7 comments 4. Oktober 2009

Lehrer und Facebook

„Was ist denn eigentlich dieses Facebook?“, fragte mich voriges Schuljahr ein Kollege. Wenige Sätze später haben wir beschlossen, ein SCHILF-Seminar (=schulinterne Lehrer-Fortbildung) zu organisieren. Vorigen Mittwoch war es soweit:  Lehrerinnen und Lehrer drückten nach einem langen Arbeitstag, teilweise sogar nach einem anstrengenden Nachtdienst im Internat bis spätabends zum Thema „Facebook & soziale Netzwerke“die Schulbank.

Um dieses 4-Stunden-Seminar zu halten, bin ich wie folgt vorgegangen:facebook-logo

  1. Aktivierung meines seit 2 jahren brach liegenden Facebook-Accounts, Freunde suchen und finden (von Null auf 125 in 6 Monaten).
  2. Sammeln von Links via delicious-tag „Facebook“.
  3. Anlegen einer Facebook-Youtube-Playlist.
  4. Anlegen eines Google-Alerts zum Thema, Stichwort „facebook“ im Bereich „News“ als RSS-Feed.
  5. Sammeln von anderen Beiträgen (Podcasts,  einschlägige Sendungen, Zeitungsausschnitten)
  6. Aufbau einer Screenshot-Sammlung von Facebook-“Merkwürdigkeiten“.

Die 25 potentiell interessierten Teilnehmer bekamen ein Monat vorher die Möglichkeit, den Seminarablauf via etherpad anzusehen und Wünsche in etherpad einzugeben. Etherpad habe ich gewählt, weil keine Anmeldung notwendig ist und dies eine zusätzlich Hürde für Kollegen wäre, Wünsche zu deponieren. Genutzt wurde diese Möglichkeit trotzdem kaum.

Ich hatte auch alle Teilnehmer gebeten, sich vorab bei Facebook zu registrieren (Name, Geburtsdatum, e-mail; den Rest überspringen; die e-mail bestätigen), weil ich befürchtete, dass Facebook die Registrierung automatisch sperrt, wenn sich 25 Teilnehmer (von einer IP) zu  selben Zeit anmelden. Bei Google-Docs passiert mir das regelmäßig mit Schülergruppen. Fast alle hielten sich daran, die anderen verursachten dann im Seminar selbst einige Minuten Leerlauf. Das war nicht weiter schlimm, aber trotzdem für die Zukunft merken: Alle sollten angemeldet sein, notfalls selbst machen.

Gestartet habe ich mit einem Wissens-Quiz-Spiel, um die Teilnehmer auf die spannende Hintergrund-Infos einzustimmen. Folgende 9 Fragen habe ich den Teilnehmern gestellt:

  1. Nenne 50 Dinge, die sich durch das Internet bzw. die Netz-Kommunikation verändert haben.
  2. Wenn Facebook eine Nation wäre, wie groß wäre diese Nation im Weltranking?
  3. Was passiert mit deinen Daten, nachdem Du die FB-Mitgliedschaft beendet hast?
  4. Wer finanziert Facebook?
  5. Wer außer FB at Zugriffsrechte auf Deine Daten?
  6. Wem gehören die Bilder, Videos, Links usw. in FB?
  7. Wie verdient FB Geld?
  8. Wieviel % Internet-Datenverkehr war der FB-Anteil vor zwei Monaten bei den Schweizer Bundesbeamten?
  9. Was ist die höchste Strafe, die bisher aufgrund eines FB-Postings erteilt wurde?

Das Seminar teilte ich in vier Blöcke zu je 50 Minuten. Nach jedem Block war eine 10-Minuten-Pause vorgesehen. Jeder Block war wiederum geteilt in die konkrete Anwendung Facebook und in Hintergrundinfos. Diese Hintergrundinfos, gespickt mit Videos, entnahm ich zum Teil dem Vortrag von Peter Kruse beim Metro-Bildungskongress, baute Infos aus Ratgebern für Medienkompetenz Jugendlicher ein, spickte das noch  mit Geschichten und Ideen aus einschlägigen Büchern (z. B. „Here comes everybody“ von Clay Shirkey).

Skript gab es keines, dafür legte ich die wichtigsten Infos im im Lernenheute-Wiki ab. Hier gibt’s ein Facebook-Skript zum Runterladen, zwei Skripten zur Privatsphäre und Medienkompetenz und ein überaus interessantes Interview von Peter Kruse. Dazu noch die verwendeten Slideshows, die youtube-Playlist und die delicious-Links.

Mit dem im Wiki angegebenen Seminarplan kam ich in den 4 Stunden ganz gut durch. Den Fotoalbum-Teil habe ich ausgelassen, weil wir 35 Minuten später als geplant begonnen haben.

Das mündliche Feedback der Kollegen war sehr erfreulich. Trotz später Stunde und Müdigkeit war das Interesse bis zum Schluss sehr groß. Für das Schulsystem würde ich mir gerne mehr solche Veranstaltungen wünschen. Die Vorlaufzeit müsste sich mit ein wenig guten Willen vielleicht auch auf ein Monat reduzieren lassen, wenn es sich um schulinternes Seminar handelt.

Ich habe versucht, die Kollegen möglichst neutral zu informieren, den Schwerpunkt auf Medienkompetenz zu legen und auf Möglichkeiten und Chancen mittels Facebook hinzuweisen. Einige Kollegen haben ihren Facebook- Account nach dem Seminar wieder deaktiviert, andere sammeln fleißig Freunde, haben ihre Kinder nun als  FB-Freunde oder machen Bekannte darauf aufmerksam, was sie in FB eigentlich nicht tun sollten.

Auf die Frage, ob Lehrer generell Facebook nutzen sollten, kam im Seminar aus der Ferne via Twitter eine sehr schöne Antwort von Diana Menschig:

m. E. ist Nutzung von Online-Netzwerken wie facebook, wie über den Schulhof zu gehen: Präsenz und Interesse an Schülern zeigen!

11 comments 25. September 2009

Die Birkenbihl-Methode zum Sprachenlernen

Während ich diese Zeilen schreibe, läuft im Hintergrund via itunes das Kapitel 3 des italienisch-Kurses in einer Endlosschleife. Ich weiß nun, dass ich die Italienisch-Lektionen viel zuwenig passiv gehört habe. Der Clou beim Passiv-Hören ist nicht, das Handy ständig dabeizuhaben um beim Zähneputzen oder beim Geschirr Abwaschen mal kurz einige Minuten Italienisch zu hören.

(Dies ist ein Fortsetzung zum Blog-Beitrag:  Ohne Grammatik eine Sprache lernen)

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Karin Holenstein (protalk.ch)

Karin Holenstein von protalk empfiehlt täglich mindestens 30 Minuten, besser eine Stunde und länger passiv zu hören. Sie selbst hat Englisch und Französisch mit der Birkenbihl-Methode gelernt und perfektioniert und weiß daher, wovon sie spricht. Seit einigen Jahren unterrichtet sie mit der Birkenbihl-Methode Erwachsene und Primarschüler in Englisch und begleitet ihren Sohn parallel zum Schullehrmittel.

Von einem Seminar bei protalk am Sanstag bin ich mit folgenden Tipps  zurückgekehrt:

  • Viele Personen lernen ausschließlich mit der Birkenbihl-Methode. Als Variante können nach einigen Lektionen zusätzlich andere Lernmethoden angewandt werden. Dies können Lehrbücher, Sprachcafès (der Volkshochschulen), DVD’s, Podcasts oder Ähnliches sein. Für mich als Italienisch-Einsteiger war der Birkenbihl-Kurs in den ersten 5 Lektionen genau richtig: Lernen fällt leicht und fast nebenbei wird ein beachtlicher Wortschatz und ein Gefühl für die Sprache aufgebaut.
  • Die Methode wirbt mit: „Sprachen lernen ohne Grammatik“, aber: Übungsbücher, Grammatikbücher usw. sind trotzdem erlaubt, wenn man will. Dieser Tipp freute mich: Ich will mal kurz nachschlagen, wie die Mitvergangenheit eigentlich gebildet wird. Oder ich will eine übersichtliche Darstellung von „ich – du – er – sie – es – wir – ihr – sie“ haben. Es ist mir auf Dauer zu anstrengend, aus den Beispiellektionen die Grammatik zu abstrahieren und Regeln herauszulesen. Da helfen zusätzliche Lernmittel sehr.
  • Karin erzählt, sie hat die Lektionen oft stundenlang gehört: CD-Player auf Endlosschleife und die Lektion läuft den ganzen Vormittag.
  • Wenn das passive Hören nervt: Lautstärke runter.
  • Es ist hilfreich, sich aufzuschreiben, wie lange die jeweiligen Lektionen passiv gehört wurden. Nach und nach bekommt man ein Gefühl, welche Laufzeiten notwendig sind. Karin zeigte uns ein Protokoll einer Schulklasse, bei der einzelne Lektionen von 20 bis zu 465 Minuten gehört wurden, je nach Länge der Texte.
  • Falls beim Schritt 4 der Birkenbihl-Methode (Sprechen/Schreiben/Lesen) Probleme auftreten, dann wurde zuwenig passiv gehört. Daher: Einen Schritt zurückgehen und noch länger passiv hören.
  • Ein Vorteil der Birkenbihl-Methode ist, dass bestimmte Themen, die in den einzelnen Lektionen vorkommen, wie im Schlaf beherrscht werden. Der Lerner kann ziemlich viel dazu in geschliffenen Sätzen sagen – er hat sie ja oft genug gehört.
  • Zugleich sind diese Lektionen eine Basis zum weiterlernen mit anderen Methoden. Wenn diese Basis im Gehirn gesetzt wurde, dann können neue Informationen relativ leicht in dieses Wissensnetz eingewebt werden. Karin hat dies in einem Leserbrief im Tagblatt (pdf) genau ausgeführt.
  • Eine nette Übung ist die Stopp-Technik: Der Lektionstext wird von Lernpartner A dem Lernpartner B vorgelesen. A stoppt mitten im Satz und B spricht (aus dem Gedächtnis) weiter. Kann B das nicht, wurde zuwenig passiv gehört. Mangels Lernpartner werde ich wen bitten, die MP3 von Zeit zu Zeit zu stoppen.

Bis ich selbst diese Methode im Klassenzimmer anwende, werden noch einige Monate ins Land ziehen. Zuerst möchte ich selbst sagen können, dass ich Italienisch mit Hilfe der Birkenbihl-Methode gelernt habe. Über Höhen und Tiefen werde ich in diesem Blog berichten.

Übrigens: Online-Sprachenkurse nach dieser Methode in Englisch, Spanisch und Französisch sind unter www.birkenbihl-sprachen.com erschienen. Einige Probekapitel können dort gratis ausprobiert werden, ansonsten kosten die Kurse ab € 69,00. Die Texte werden einem dort vorgelesen, parallel kann am Bildschirm die Wort-für-Wort-Übersetzung mitgelesen werden. Die Geschwindigkeit ist änderbar, MP3-Dateien können runtergeladen werden.

Wirklich preiswert sind aber die CDs (Englisch, Französisch, Italienisch, …) für € 9,90 bis € 14,80. Dass das Lehrbuch „nur“ als PDF beiliegt, empfinde ich als Vorteil: Ich habe mir die einzelnen Lektionen so ausgedruckt, dass ich meistens ein Blatt pro Lektion habe (Vor- und Rückseite, jeweils zwei Seiten auf einer A4-Seite). Übrigens sind die Texte der Sprachversionen Italienisch, Englisch, Spanisch und Französisch inhaltlich weitgehend ident, was für das Erlernen oder Auffrischen weiterer Sprachen von Vorteil sein müsste.

Am Sprachlernerner-Blog sind übrigens einige Birkenbihl- und Holenstein-Videos gesammelt.

Wie Karin Holenstein die Birkenbihl-Methode im Klassenzimmer anwendet, ist ein eigenes Blog-Posting in den nächsten Tagen wert. Danke an Karin für’s Gegenlesen dieses Beitrags.

4 comments 3. September 2009

Erfahrungsbericht: Ohne Grammatik eine Sprache lernen

vfbsprachenIn der Schule habe ich Englisch und Französisch vermutlich so gelernt, wie eine Fremdsprache seit Jahren gelernt wird: Texte lesen, übersetzen, Grammatikstunden, Vokabel pauken, Lernfortschritt überprüfen, ab und zu ein wenig sprechen.

Die Birkenbihl-Methode verspricht, dass eine Fremdsprache, wenn sie gehirn-gerecht vermittelt wird,  mit 60 – 80 % Zeitersparnis im Vergleich zur alten Schulmethode gelernt werden kann. Ohne Vokabel zu pauken, ohne Grammatik-Regeln zu lernen, maßgeschneidert für den Lerner und mittels native speaker statt dialektlastiger Lehrer.

Für einige Sprachen (beispielsweise italienisch) gibt es diese Birkenbihl-Kurse, dazu das Buch „Sprachen lernen leicht gemacht„. (Anmerkung: In meiner Buchausgabe vom letzten Jahr wird ständig von Kassetten geschrieben, die kennen manche Jugendliche ja nicht einmal mehr. Aber vielleicht ist das in einer neuen Auflage schon korrigiert. Aber ansonsten ist das Buch zusätzlich zum Kurs ganz hilfreich.)

Die Methode fand ich interessant und so wollte ich sie mal ausprobieren, sinnvollerweise mit einer Sprache, die ich nicht konnte: Italienisch. Mittlerweile bin ich bei Lektion 5 (von 10) angelangt. Zeit für einen Zwischenbericht.

Wie die Methode funktioniert, kann im Blog „selbstverständlich Sprachen lernen“ prima zusammengefasst nachgelesen werden. Dafür ist hier kein Platz.

So bin ich vorgegangen:

  1. Die MP3-Files habe ich mir auf mein Handy kopiert. Damit war dieses „passive Hören“ jederzeit möglich: Beim Geschirr abwaschen, beim Dehnen nach dem Laufen, am Abend vor dem Einschlafen. Zugleich habe ich itunes während der Arbeit am PC oft kapitelweise in einer Endlosschleife laufen lassen. Passives Hören heißt: Du lässt die gesprochenen Texte im Hintergrund laufen, hörst aber selten bewusst zu.
  2. Ich habe immer versucht, den italienischen Text zu verstehen, indem ich aktiv zuhörte und den dekodierten Text mitlas. Dann erst begann ich, das Kapitel passiv zu hören. Das auf der CD enthaltene, extrem langsame Wort-für-Wort Soundfile habe ich nur 2-3 Mal angehört, dann bin ich immer zu Normalgeschwindigkeit gewechselt, ansonsten war es zu langweilig.
  3. Französisch und Englisch helfen immens, italienisch zu lernen: Der dekodierte Text ist bei mir vollgemalt mit Parallelen zu anderen Sprachen: abita-wohnen-habiter, lavoro-Arbeit-labour, trasferiti-übersiedeln-transfer, recente-kürzlich-recent, precisi-präzise, venuto-gekommen-venir, Infatti-in der Tat-as a fact, certe-gewisse-certain, …
  4. Anfangs war es lustig, in Alltagssituationen mit einigen italienischen Brocken um mich zu werfen: Mein Kleiner sagt jetzt regelmäßig „Tutto bene“ oder „Salve“.
  5. Diese Wort-für-Wort-Übersetzung musste ich dann doch alle paar Tage wieder auffrischen, ansonsten vergaß ich die Wortbedeutungen relativ rasch wieder.
  6. Das passive Hören hat einen wunderbaren (oder unheimlichen) Effekt. Manchmal träume ich italienische Sätze. Dann wiederum mähe ich den Rasen und es kreist ständig der Satz „Almeno ci provo“ im Kopf herum. Blöderweise hatte ich zu diesem Zeitpunkt vergessen, was das heißt (nämlich: „Zumindest versuche ich es“), aber ich bekam den Satz nicht mehr aus dem Kopf. Das ist schwierig zu beschreiben, am ehesten vergleichbar mit einem Hit, den Du im Radio hörst und der Dir im Kopf herumschwirrt.
  7. Ich habe Schwierigkeiten, die Bedeutung kurzer Wörter wie i, è, e, ci, che, di oder lì zu groken. Aber ich kann mich schon prima vorstellen, fragen wo der andere herkommt und sagen, wo ich herkomme. Und ich kann fast akzentfrei Sachen sagen wie „Imparare è semplice e divertente con il metodo guisto“ („Mit der richtigen Methode ist Lernen einfach und macht Spaß“).
  8. Ich habe von italienischer Grammatik keine Ahnung, glaube ich. Ich, Du, Er, Sie, Es, Wir, Ihr, Sie? Io, Lei, ci, ??? Pronomen? Naja, mio, und dann? Einige Sätze sind in der Vergangenheitsform, irgendwas mit o hinten dran? Kann ich nur vermuten. Das ist ungewohnt, sehr ungewohnt. (Zumindest „Ich, Du, Er, Sie, Es, Wir, Ihr, Sie“ sollte ich doch auswendig können, oder?)
  9. Selbstverständlich genieße ich es, dass ich für mich selbst lernen kann, ohne dass mir ein Lehrer, Trainer oder Kursleiter im Nacken sitzt und Ergebnisse und Lernfortschritte sehen will.

Was mir bei dieser Methode fehlt, ist das Re-Konstruieren von Wörtern, denn damit lerne ich selbst am Besten. Bisher höre ich zu und quassle nach und quassle mit. Aber im Kurs ist nicht vorgesehen, Sätze oder Situationen aus dem Deutschen ins Italienische zu übersetzen. Ich überlege nie aktiv, wie ich was sagen könnte. Ich lerne die vorgegebenen Dialoge gründlich auswendig. Und so komme ich lt. Kursbeschreibung nach 10 Kapitel auf 800 Redwendungen und Vokabeln. Die Methode müsste ideal für jene Menschen sein, die behaupten, sie läsen sich Texte recht oft durch und dann können sie diese. Ich selbst muss mit Texten arbeiten, reflektieren, kategorisieren, muss sie zerlegen und wieder zusammenbauen. Das enthält die Methode nicht, dafür sind Übungsbücher notwendig, oder google-translate, oder italienisch-podcasts oder DVDs. Apropos DVDs: Mir ist aufgefallen, dass relativ wenige DVDs eine italienische Audiospur oder italienische Untertitel enthalten.

Fazit: Die Birkenbihl-Methode macht Spaß, lässt einen fast nebenbei in eine Sprache einsteigen. Ungewohnt sind die fehlenden Grammatik-Hinweise und die fehlenden Übungen.

Der nächste Zwischenbericht kommt nach den nächsten 5 Kapiteln. Morgen geht’s ab in die Schweiz zu protalk. Die zeigen uns, wie sie diese Methode im Klassenzimmer anwenden. Bin gespannt.

3 comments 28. August 2009

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