Neue Geldquelle entdeckt: Private Kopierer in der Schule

Manchmal werden Schulen geprüft. Ob dort alles mit rechten Dingen zugeht. In einer (vom Standard) nicht näher genannten österreichischen Schule fehlten plötzlich zwei Quadratmeter Schulraum. Nach intensiver Suche wurden die 2 m² unter einem schulfremden Kopierer gefunden. Nach weiteren intensiven Ermittlungen erkannte der Prüfer, dass dieser schulfremde Kopierer im Privatbesitz einiger (engagierter) Lehrer stand, die diesen anschafften, weil der einzige schuleigene staatliche Kopierer in der Direktion für die Schule unterdimensioniert war und kein (Staats-)geld für einen zweiten verfügbar war.

copierfAlso leasten diese Lehrer auf eigene Faust einen Kopierer, stellten ihn auf, kassierten Kopiergeld von den Schülern (oder auch nicht) und versuchten guten Unterricht zu machen.

So geht das aber nicht. Der Kopierer verstellte immerhin zwei Quadratmeter Schule.

Doch rasch fanden Juristen eine (juristisch) einwandfreie Lösung:

  1. Der schulfremde Kopierer ist eine gute Sache und verstößt nicht gegen irgendwas, verbraucht aber ständig Schulraum (auch in der unterrichtsfreien Zeit).
  2. Er darf bleiben, wenn für den (privat) verbrauchten Schulraum ein angemessenes (privates) Entgelt von den Lehrern (privat) bezahlt wird. Zahlungstext in der Überweisung: “Schulraumüberlassung”.

Mir gefällt das. Vorschrift ist Vorschrift. Ich werde in den nächsten Wochen um eine Prüfung meiner Privatwohnung bitten. Bei dieser Prüfung wird herauskommen, dass ein ganzes Zimmer meiner Wohnung eigentlich Schulraum ist, weil es vollgestopft mit Mappen, Büchern, Unterlagen und Materialien für die Schule ist. Klären lässt sich sicherlich noch, ob eine simple Honorarnote an die Schulaufsichtsbehörde oder ein Mietvertrag notwendig ist. Abgezogen wird wahrscheinlich der Platz, den meine privaten Hausschuhe in der Lehrergarderobe in der Schule verbrauchen. (Notiz an mich: Hausschuhe in den Ferien mit nach Hause nehmen). Relativ froh bin ich, dass ich im Unterricht meinen privaten iPod und ein privates Netbook verwende, die ich mit einem Rucksack ständig am Körper tragen kann und die, glaube ich, theoretisch keinerlei Schulraum verbrauchen sollten.

Wie ich aber soeben in einem Schulaufsichtsbehörde-Tweet lese, wird aus meiner aufgetanen Geldquelle nichts werden: Angeblich werden die Schulraum-Juristen auf Kurzarbeit geschickt. Sie können sich in den nächsten Monaten nur mehr um die dringlichsten und wichtigsten Angelegenheiten kümmern. Blogbeiträge, zum Beispiel.

(Hier übrigens die gesetzliche Grundlage: §128 – Schulraumüberlassung)

1 comment 8. Juli 2009

Studie: Lesen als Krankheit

Psychologen der Sigismund-Freund-Staatsuniversität Wien haben eine neue Studie zum Thema Lesen vorgestellt. Die Autoren der Studie schlagen vor, das Lesen von Büchern als Krankheit zu betrachten und die Therapie dagegen von den Krankenkassen bezahlen zu lassen.

Die Uni führte ein Forschungsprojekt zum Leseverhalten bei Wiens Jugendlichen durch. Demnach gaben 72 Prozent der Befragten an, sich regelmäßig mit Büchern zu beschäftigen, das heißt, entweder täglich oder zwei bis dreimal in der Woche zu aufzuschlagen.

Insgesamt wurden 1.061 Fragebögen von Schülern aus Gymnasien, Realgymnasien und kooperativen Mittelschulen in Wien ausgefüllt. Die Schüler besuchten die dritte, vierte oder fünfte Schulstufe und waren im Durchschnitt 14 Jahre alt. Der Frauenanteil der Befragten lag bei 45 Prozent.

Krankhaftes Bücherlesen: Zwölf Prozent

131 Schüler (zwölf Prozent) wiesen laut Studie ein pathologisches, also krankhaftes, Leseverhalten auf, so Studienleiter Domestik Betthany bei der Präsentation am Dienstag in Wien. Die Schüler mussten für diese Einstufung mindestens drei der üblichen Kriterien erfüllen, wie sie auch bei der Messung von Suchterkrankungen angewendet werden.

Im Bereich der pathologischen Leser wurde wiederum zwischen Missbrauch und Abhängigkeit unterschieden. Schließlich lasse sich bei 2,7 Prozent der Schüler eine Abhängigkeit feststellen, wobei wiederum 90 Prozent davon weibliche Jugendliche seien. Während der Anteil der Jungen im Bereich des Missbrauchs noch bei 31 Prozent liege, seien es bei der Abhängigkeit nur noch zehn Prozent.

4,5 Stunden täglich sind “krankhaft”

Die täglichen Lesestunden lagen bei etwas mehr als zwei Stunden täglich bei den nicht krankhaften Lesern. Gefährdete Personen würden sich im Durchschnitt über 4,5 Stunden täglich mit Lesen beschäftigen. Besonders hoch sei die Lesedauer bei abhängigen Lesern, diese würden an Schultagen etwa sechs Stunden täglich lesen, am Wochenende steige die Zahl auf durchschnittlich acht Stunden pro Tag.

Einflussfaktoren zu Hause

Signifikant sei bei krankhaften Lesern, dass sie im Durchschnitt ein Jahr früher mit dem Lesen von Büchern begonnen haben, so Betthany. Zudem würden sie häufiger aus einer “Broken Home”-Situation kommen, wie sie etwa durch das dauerhafte Fehlen eines Elternteiles gekennzeichnet sei. “Möglicherweise ist hier die elterliche Kontrolle nicht so da”, meint Betthany.

Auffällig sei auch, dass pathologische Bücherleser auch zumeist aus Familien mit signifikant höherem Leseverhalten kämen. “Eltern und Geschwister, die Bücher lesen, können als Rollenvorbilder auf das Kind Einfluss nehmen”, so Betthany.

Charakteristika für Sucht

Krankhafte Leser würden, so Betthany, schlechter mit erlebten Stresssituationen umgehen können und ein geringeres Maß an funktionalen Bewältigungsstrategien aufweisen. “Charakteristisch für jede Suchtform ist, dass, wenn man sich in einer negativen Situation befindet, sich in die Sucht flüchtet, weil diese entlastet”, so Betthany. Knapp 36 Prozent gaben an, sich als Reaktion auf Ärger oder Traurigkeit “immer” Büchern  zuzuwenden. 23 Prozent würden das “meistens” machen.

Charakteristisch für krankhaften Lesekonsum sei auch der Zuwachs der Gereiztheit und Langeweile, nachdem das Buch beendet wurde. “Ein Symptom, das bei der Gruppe der nicht pathologischen Leser nicht der Fall ist”, erklärt Betthany. “Es geht darum, zunächst positive Gefühle zu haben, um die negativen zu vermeiden. Dieses Verhältnis verschiebt sich aber mit der Zeit, was zur Steigerung der Sucht führt.” Typisch für die Sucht sei auch, dass man sich häufig am Tag gedanklich mit dem Bücherlesen beschäftige.

Länger lesen als geplant

Als “schockierend” bezeichnet Betthany das Ergebnis auf die Frage, ob die befragte Person schon einmal gelesen habe, obwohl sie sich vorgenommen habe, das nicht zu tun, bzw. länger gelesen haben als vorgenommen. Rund 16 Prozent der krankhaften Leser gaben an, meistens in dieser Situation zu sein, vier Prozent gehe es immer so.

Problem Harry Potter

Ein besonderes Problem seien Massively Multi Sequel Fantasy-Outstanding-Thrilling Books (MMSFOTB) wie “Harry Potter”, die ein besonders hohes Suchtpotenzial hätten. Die entscheidenden Faktoren seien etwa das darin eingebaute Fortsetzungssystem, die ständige Verfügbarkeit, das pausenlose Geschehen (andere lesen die Bücher schneller und haben daher einen Wissensvorsprung), das Gruppengefühl (gemeinsames Diskutieren von Handlungssträngen) sowie der eventuelle Verlust von Prestige bei geringerem Insiderwissen.

“Es geht uns nicht darum zu sagen, Bücher sind schlecht”, so Betthany. Es sollte jedoch das Suchtpotenzial von Büchern anerkannt werden. Eine weitere Maßnahme wäre die Übernahme der Therapiekosten durch die Krankenkassen, so Betthany. Mit einer Therapie lasse sich feststellen, warum die Person zur Lesesucht neige und was die Hintergründe seien.

Eltern empfiehlt Betthany unter anderem, die “Bücher nicht zu verteufeln”, besser sind zeitliche Regeln, wann gelesen werden darf, die Leseecke im familiären Raum zu positionieren und auch das Lesen nicht als Belohnung oder Bestrafung einzusetzen. Dem Lesen komme dadurch zu große Bedeutung zu.

(Anmerkung: Die vollständige Studie kann hier gelesen werden: Futurezone, ORF)

Folgendes Video (wie die Studie auch) kommt aus den Anfängen des Buchdruckes:

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12 comments 16. Juni 2009

So oder so ähnlich haben Innovationen in der Schule Sinn

Seth Godin hat auf seinem Blog auf das Video “Guy starts dance party” verlinkt. Das Video erinnert mich an Innovationen in der Schule.

Lasst mich das Video kurz aus Schulsicht beschreiben:

Die breite Masse liegt in der Komfortzone und tut entspannt das, was sie immer schon gemacht hat. Da springt ein (offensichtlich) völlig Verrückter auf und macht das, was keiner sonst macht: Er hampelt irgendwie herum. Vermutlich strengt er sich an, aber es scheint auch Spaß zu machen. Die anderen sehen zu. Warten ab. Denken: “So kann ich nicht tanzen”, “Dafür bin ich zu alt”, “Wo hat der das bloß gelernt?”, “Wie kommt der auf das?”, “Der muss ja jede Menge überschüssige Energie haben”, “Der spinnt”, “Ich verstehe überhaupt nicht, was das für einen Sinn haben soll”, “Jaja, wieder einer der sich in Szene setzen will, Angeber”, “Lasst ihn doch, irgendwann geht ihm die Puste aus und dann fällt er auf die Nase”, “Darf der denn das?”,  “War das nicht der, den ich vorhin mit Drogen gesehen habe?”.

Nach (relativ) langer Zeit kommt ein Zweiter, dann ein Dritter. Und das ist der Guy #3, den Seth Godin als Auslöser für gelungene Innovationen nennt. Der Dritte macht’s, dass sich plötzlich andere trauen, mitmachen, probieren, mitgerissen werden und plötzlich die Komfortzone zu einem seltsamen Ort wird, wo nur noch eine Minderheit herumliegt.

Was heißt das für die Schule?

Innovative Lehr- und Lernformen finden hinter verschlossenen Klassentüren statt. Geniale Projekte landen in der Schublade. Der Lehrer und 26 Schüler waren begeistert. Na toll. Würde Guy (or Girl #1) allein im Zimmer herumtanzen, dann würde sich zwar Körper und Geist außerhalb der Komfortzone bewegen. Für den Tänzer gut, für den Rest der Welt: nicht existent.

Daraus folgt für Lehrer: Raus aus dem Klassenzimmer! Lasst die Leute zusehen!

Andere Lehrer könnten sich neue Unterrichtsformen aneignen, kopieren, könnten mittanzen und hätten gemeinsam mehr Freude am Unterrichten. Gruppen-Feeling.

Aber wie können wir raus aus dem Klassenzimmer?

Indem Lehrer und Schüler beispielsweise bloggen, twittern, Wikis benutzen und Podcasts erstellen. Vielleicht lässt man sie auch dann und wann (in Barcamps?) ein wenig darüber berichten? Jetzt könnte man meinen das auch (die von mir sehr geschätzten) schulischen Präsenzveranstaltungen wie Tage der offenen Tür, Theateraufführungen, usw das bewirken, aber hier ist das erreichbare Publikum ungleich kleiner als im Web und … darauf kommt’s mir an: Vom Endergebnis lernt kaum wer was, das Endergebnis ist nicht unbedingt wesentlich.

Was aber ist wesentlich?

Das Wesentliche ist, dass nicht allein das Endergebnis sichtbar wird, sondern der Prozess der Erstellung. Die Schwierigkeiten die überwunden werden mussten. Der Lernprozess. Der Vorher-Nachher Zustand. Die best-practices. Das “wie”, das “how-to” und faq (… bitte mitrappen…, gemeinsam und laut: “das wie, how-to und faq”). Dafür braucht es Mut, Toleranz und eine Fehlerkultur, denn fehlerlos wird dabei überhaupt nichts sein. Und es wird sehr oft seltsam und unvernünftig aussehen, wenn Einzelne was machen, was andere noch nicht gemacht haben. Haben wir den Mut unsere Fehler im Web zu präsentieren?

Beispiel:

Beim Lörnie Award werden jährlich vom Bundesministerium die besten e-learning Projekte ausgezeichnet. Ausgezeichnet wird immer das Endergebnis, der Content. Was aber für Lehrkräfte interessant wäre: Wie haben die Preisträger das gemacht? Wieviel Aufwand war das? Kann ich die Methode in meine Klasse übertragen? Wie? Welche Fehler wurden schon gemacht und welche muss ich unbedingt wieder machen, um einen Lerneffekt bei meinen Schülern zu erzielen? Hier die Seite, die zig-Stunden guten Unterricht enthält: Der Lörnie Award. Aber beim Tanzen kann ich denen nicht zuschauen. Schade.

P. S.: Der Song aus dem Video ist übrigens von Santogold – “unstoppable”.

4 comments 12. Juni 2009

Tipp für die Lehrerausbildung: Die Top Lehrer/innen-Blogs 2009

lehrerfreundDer Lehrerfreund ruft am (oder ab?) Sonntag, den 19. April 2009 auf, die besten Lehrer/innen-Blogs zu wählen. Die Blogs sind nach Geburtsdatum (dem allerersten Blogeintrag) kategorisiert in Säuglinge, Etablierte und Veteranen. Eine Jury wählte aus 70 vorgeschlagenen Blogs die zehn Besten aus.

Würde ich an einer Pädagogischen Hochschule unterrichten, dann würde ich das Lesen einiger dieser Blogs als Ausbildungsbestandteil im Fach Didaktik, Pädagogik o. ä.  einführen. Regelmäßige Kommentare und die Diskussion ausgewählter Beiträge könnten Bestandteil von Seminaren oder Hausarbeiten sein. Wenn Studierende oder Professoren schon nicht selber bloggen, dann könnten sie zumindest dieses wertvolle Potential nutzen. Dies könnte angehende Lehrer damit vertraut machen, guten Unterricht über Internet auszutauschen oder sich über Blogs oder was-da-auch-demnächst-noch-kommen-mag, weiterzubilden. Wer meint, das sei zuwenig wissenschaftlich, der sollte sich fragen, ob unsere Kinder eher Wissenschaftler oder Pädagogen im Klassenzimmer brauchen.

Die Top10-Liste der Lehrer/innen-Blogs ist jedenfalls eine tolle Auswahl für angehende und aktive Lehrer. Prädikat: besonders wertvoll.

P. S.: Selbstverständlich freut es mich sehr, dass mich der Lehrer/innen-Freund in die Vorauswahl der Säuglinge gewählt hat. Unter die Top3 hat es für mich nicht geklappt, macht aber nichts. Ein großes Dankeschön an die Redaktion. Unter den Top70 waren etliche gute Blogs dabei, auf die ich in den letzten 3 Jahren trotz hartnäckiger Suche nach Lehrer-Blogs noch nicht gestoßen bin. Ein besseres Blog-Verzeichnis für Unterrichtende gibt es derzeit nicht.

3 comments 18. April 2009

Wenn gute Vorschläge von Affen einfach nicht akzeptiert werden

“Lemim” (anonym) schreibt im Kommentar zu vorigem Blog-Posting “Lehrer nach Leistung bezahlen?” einen kurzen Satz, der einige Tage kreisend in meinem Kopf verbrachte:

“Schade, dass sowas von den Verantwortlichen nicht gelesen wird!”

Mal abgesehen von diesem Blog-Beitrag und abgesehen, ob der Inhalt gut, durchführbar, bezahlbar, politisch durchsetzbar, akzeptabel für diese oder jene Menschen ist: Es immer wieder interessant, wie sich Einzelne eine blutige Nase oder zumindest ein Päckchen Frust holen, wenn sie Vorschläge vorbringen, die Organisationsabläufe ändern.

Da hilft es auch oft nichts, wenn sich manche in Guerilla-Taktik-Manier akribisch auf Gegenargumente vorbereiten, in einem zweiten Schritt diesen Vorschlag mal im Pausenraum vorbringen, in 60 Sekunden 20 weitere Gegenargumente sammeln und diese Gegenargumente wiederum gewissenhaft und logisch zu entkräften versuchen. Neinnein, selbst die beste Idee scheitert dann an … ja, woran? Angst vor Veränderungen? Bequemlichkeit? Nicht-lernen-wollen?

affenRobert Cialdini (”Die Psychologie des Überzeugens“) bringt eine weitere Ursache: Autorität und Status. Er berichtet von einer Studie über japanische Affenhorden aus dem Jahre 1970: Jungen Affen, die in der Hierarchie der Horde weit unten standen, wurde als neues Nahrungsmittel Karamellbonbons gefüttert. Die jungen Affen waren natürlich begeistert von den Bonbons, diese Vorliebe verbreitete sich aber nur im Schneckentempo in der übrigen Horde. Nach 18 Monaten hatten erst 51 Prozent der Affen eine Vorliebe für Karamellbonbons erworben, kein einziger Anführer kannte diese.

Ganz anders war es, als man den Anführern Weizen als neues Nahrungsmittel anbot. Innerhalb von vier Stunden hatte sich das Nahrungsmittel in der Horde durchgesetzt.

Cialdini schreibt  “In Affenhorden, in denen strenge Machthierarchien bestehen, finden neue Errungenschaften nur dann rasch Verbreitung, wenn sie zuerst einem der dominierenden Tiere beigebracht werden. Wird die Sache zuerst einem tiefer stehenden Tier vermittelt, bleibt ihr Wert dem Rest der Gemeinschaft weitestgehend unbekannt.”

Sollten Sie also in einem Umfeld Vorschläge vorbringen, in denen strenge Machthierarchien bestehen, dann wundern Sie sich nicht, wenn diese abgelehnt werden. Erklimmen Sie erst die Karriereleiter, am besten ganz rauf. Dann machen Sie ihre Vorschläge. Und wenn Ihre Vorschläge dann immer noch nicht greifen, dann könnte es daran liegen, dass es mehrere dieser Leitern gibt, auf denen andere stehen.

3 comments 18. April 2009

Lehrer nach Leistung bezahlen?

Dan Ariely

Daniel Ariely

Die besten Sachbücher sind immer die, deren Inhalt das bestätigt, was unser Bauch wusste und unser Geist bestenfalls ahnte. Bei mir geschehen bei Daniel Arielys Buch “Denken hilft zwar, nützt aber nichts“.

Im Kapitel 4 beschreibt er den Unterschied zwischen “sozialer Norm” und “Marktnorm”.

Beispiel:

Marktnorm: Rechtsanwälte wurden von einer gemeinnützigen Organisation gebeten, bedürftige Rentner ihre Dienste kostengünster als für andere, etwa um 30 Dollar pro Stunde anzubieten. Die Anwälte lehnten ab. Ihr Marktwert war höher.

Soziale Norm: Daraufhin fragte der Projektleiter der gemeinnützigen Organisation die Anwälte, ob sie ihre Dienste kostenlos anbieten würden. Mit überwältigender Mehrheit sagten die Anwälte zu. Die Anwälte zogen nun soziale Normen heran und waren bereit, ihre Zeit kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Im Buch bringt Ariely noch etliche (längere) Beispiele, hier sein Fazit:  Sobald von Geld die Rede ist (also auch, wenn wir den Wert von Geschenken mitgeteilt bekommen haben), bewerten wir Tätigkeiten mit der Marktnorm. Wir bemühen uns entsprechend der Entlohnung und machen Schluss, wenn das Zeit-Geld-Guthaben erschöpft ist. Geld bewirkt (in weiteren Experimenten bewiesen), dass wir weniger oft um Hilfe bitten. Wir werden egoistischer und selbstsicherer, wollen mehr Zeit alleine verbringen und wählen eher Aufgaben aus, die wir alleine bewältigen können.

Für das Klassenzimmer bedeutet Geld das berühmte “Plus” oder eben eine Note. Wen wundert es, wenn eine Gruppenarbeit da nicht funktioniert?

Anders die soziale Norm: Darunter versteht man freundliche Bitten (Dienste, Tätigkeiten), die unentgeltlich erfüllt werden. Wir erwarten keine sofortige Belohnung, beide Seiten freuen sich, eine unmittelbare Gegenleistung ist nicht notwendig. Kleine Geschenke sind erlaubt, wenn uns nicht das Preisschild unter die Nase gehalten wird. Darum ist es auch so peinlich, wenn wir das Preisschild nicht entfernt haben.  Soziale Normen sind in unserer Natur und unserem Bedürfnis nach Gemeinschaft verankert. Und das Wichtigste: Wir bemühen uns aufgrund der sozialen Normen mehr, als wenn Marktnormen im Spiel sind.

Darum funktioniert Open Source, Wikipedia usw. Hier die Marktnorm anzuwenden und dafür Geld zu geben bzw. nehmen, würde ein Vermögen kosten.

Was Jobs betrifft, so war früher die Trennung “soziale Norm” und “Marktnorm” sehr einfach. Wenn die Fabriksirene heulte, schalteten wir von einer Norm zur anderen um. Einfach und klar.

In Kreativjobs,  zu denen der Lehrerjob gehört, ist diese strikte Trennung zwischen Arbeit und Freizeit aufgehoben. Feste Arbeitszeiten sind hier (bis auf die Lehrverpflichtung) abgeschafft. Wer hier mit Marktnormen misst, indem er Stunden und Minuten gegen Geld aufwiegt, der bekommt einen Lehrer für Fließbandarbeiter.

Ariely meint:

“Statt die Aufmerksamkeit von Lehrern, Eltern und Kindern auf Prüfungsergebnisse, Gehälter und Wettbewerb zu richten, wäre es vielleicht besser, bei uns allen Zielstrebigkeit, ein Bewusstsein für die große Aufgabe und Stolz auf Bildung zu wecken. [...] Vor geraumer Zeit sangen die Beatles: “Can’t Buy Me Love”. Dies trifft auch auf die “Liebe” zum Lernen zu. Wenn man es versucht, vertreibt man sie womöglich.”

Das Bildungssystem sollte daher an sozialen Zielen (Armut, Menschenrechte, Umweltschutz, …), technischen Zielen (Nanotechnologie, Energiesparen, …) und medizinischen Zielen (Heilverfahren gegen Krebs, Diabetes, Fettleibigkeit, …) ausgerichtet werden. Eltern, Lehrer und Schüler erkennen dann den höheren Sinn der Bildung und bringen somit mehr Begeisterung und Motivation mit.Und Ariely sagt:

“Aber wir sollten auch viel Mühe darauf verwenden, Bildung als Wert an sich zu vermitteln, und aufhören, die Zahl der Unterrichtsstunden mit der Qualität der Bildung, die ein Schüler erhält, zu verwechseln. [...] Es ist unsere gesellschaftliche Aufgabe, Kinder dazu zu bringen, dass sie genauso viel über Nobelpreisträger wissen wollen, wie sie schon über Fussballspieler wissen.”

Ergänzend dazu:

  1. ein FAZ-Artikel von heute: “Von privaten Schulen lernen” (siehe dort “Dynamische Lehrkonzept”, Stichwort Motivation, via Twitter scheppler)
  2. ein ZEIT-Artikel, der nicht ganz dieser Meinung ist: “Boni für die Besten” (auch via Twitter scheppler)
  3. mein Blog-Beitrag vom Vorjahr “Lehrerleistung messen“.

Dieses Jahr frage ich mich: Vielleicht messen wir irgendwann mal Lehrerleistungen. Gut. Entlohnen wir Mehrleistung auch monetär? Motiviert das wirklich? Oder sollten wir uns darauf beschränken, Ungerechtigkeiten des Systems auszubügeln und versuchen, die “soziale Norm” in der Schule zu etablieren. Und dann frage ich mich noch: Wer ist “wir”? Die Bildungsministerin oder die Gewerkschaft? Oder alle anderen vielleicht?

5 comments 14. April 2009

Etherpad – das Klasse(n)-Notizbuch

etherpadwww.etherpad.com lässt sich ohne vorherige Anmeldung als Notizblatt nutzen. Dabei können mehrere Personen gleichzeitig ohne Zeitverzögerung in dasselbe Dokument schreiben. Jeder Tastendruck kann live am Bildschirm mitverfolgt werden.

Google Text und Tabellen” kann das zwar (mit einer Zeitverzögerung von 5 – 15 Sekunden) auch, allerdings ist hier bekanntlich eine Anmeldung erforderlich. Leider ist es an unserer Schule nicht Standard, dass Schüler eine E-Mail Adresse besitzen, von einem Google-Account überhaupt nicht zu reden. Bis dass sich meine Gruppe irgendwo angemeldet hat, vergehen oft 30 – 40 Minuten (Wechsel in den Computeraum, Anmeldung im System, Starten von IE – neinnein – der ist alt – lieber den Firefox – “woistderversteckt” -”hilfedersagtwasvoneinerunsicherenverbindung” – “bittedieseitedocs.googl.comgehtnicht” usw). Wenn ich beispielsweise in Wirtschaftskunde pro 40-Stunden-Lehrgang ein- oder zweimal einen freien EDV-Raum nutze, dann hat diese eine Stunde “Google-Docs”-Anmeldung ein äußerst schlechtes Zeit-Nutzen-Verhältnis. (Klar könnten dann andere Lehrer Google-Docs nutzen – aber: wer kennt das schon?? Und: Wer will das schon?)

Deshalb schien mir etherpad, das ohne Anmeldung funktioniert, sehr geeignet für gelegentliche gemeinsame Notizen. Deshalb probierte ich etherpad heute in einer Doppelstunde Wirtschaftskunde aus:

Vorbereitung zuhause: Anlegen einer etherpad-Seite – Einfach eine Seite aufrufen, wie www.etherpad.com/werner. Gibt es die Seite noch nicht, dann erscheint ein Button “Create Pad”. Der URL wird für immer und ewig gespeichert und wird nicht gelöscht. Allerdings gibt es aufgrund der fehlenden Anmeldung auch keinen Schutz der Seite – jeder kann reinschreiben, wenn der URL bekannt ist. Deshalb vielleicht lieber eine kryptische URL verwenden. Danach notierte ich die einzelnen Kapitelüberschriften der Gruppenarbeiten im Pad.

Doppelstunde Wirtschaftskunde:

  1. Zwei Schüler bekamen jeweils eine Aufgabe zugewiesen (Kapitelüberschriften im Buch, wie im Pad angelegt). In einer knappen Viertelstunde fassten sie das jeweilige Buchkapitel zusammen und präsentieren es anschließend ihren Kollegen. Auftretende Fragen werden geklärt. Erste Stunde beendet.
  2. Zweite Stunde: Wechsel in den EDV-Raum. Schüler rufen vorbereitete etherpad-Seite auf. Pro Benutzer kann eine Farbe ausgewählt werden und der “unknown”-Username mit dem eigenen Namen überschrieben werden. Eine Schüler diktiert, der andere tippt.Härtetest: 8 Benutzer gleichzeit auf einem etherpad? Die Verbindung bricht macnhmal zusammen, das kann aber auch an unserem Schulnetzwerk liegen. Ein “Re-Connect” ist möglich, manchmal verschwinden aber die getippten Beiträge.

    Abhilfe schaffte der normale Zubehör-Editor (Start-Programme-Zubehör-Editor): Hier tippten die Schüler ihre Zusammenfassung ein und kopieren das Ergebnis dann ins etherpad. Hinweis: Wenn aus Winword-Dokumenten ins etherpad kopiert wird, dann werden jede Menge Steuerzeichen mitübernommen, also: don’t do that.

    Beliebig viele Zwischenstände können mit dem Button “Save Now” gespeichert und auch wieder zurückgeholt werden.

    Schüler notieren unter ihren jeweiligen Beiträgen die Namen, das braucht der Lehrer für die Punktevergabe.  Schüler/Lehrer können am Beamer bzw. am eigenen Schirm mitverfolgen, wie das Dokument wächst und sich Tippfehler gegenseitig ausbessern. Macht Spaß. Eine Chat-Funktion gäbe es auch, macht aber nur bedingt Sinn, wenn alle gleichen Raum sitzen ;-)

  3. Wenn noch Zeit bleibt: Schüler stellen Fragen zum Stoffgebiet mit Hilfe der Fish-Bowl-Methode. Währenddessen kopiert ein Freiwilliger das erstellte Dokument in eine Textverarbeitung, formatiert die Überschriften und druckt für jeden Beteiligten ein Exemplar.

Fazit: Schüler erarbeiten Stoffgebiete selbstständig, trainieren Kurzpräsentationen, fassen Texte zusammen, ordnen, systematisieren und gehen mit einer (hoffentlich passablen) Zusammenfassung aus dem Unterricht. Wenn dort oder da was fehlt oder nicht richtig ist, dann kann von der Lehrkraft ruzck-zuzk drübergearbeitet werden.

6 comments 17. März 2009

Nachtrag zu: “Blogs im 50-Minuten-Unterricht”

Vorgestern habe ich mit 11 SchülerInnen versucht, das Thema “Konsumentenschutz” im Fach Wirtschaftskunde mit Hilfe eines Blogs zu behandeln. Das Ergebnis findet sich im Beitrag “Blogs im 50-Minuten-Unterricht“.

konsumentenberaterDen SchülerInnen waren Blogs weitgehend unbekannt und erfahrungsgemäß haben auch nicht viele eine in der Schule abrufbare E-Mail-Adresse. Ziel war es, dass die SchülerInnen ohne großen Administrationsaufwand Fragen ins Web stellen und diese gegenseitig beantworten.

So lief es ab:

  • Ein EDV-Raum war für uns reserviert und glücklicherweise dann auch wirklich frei.
  • Nach 10 Minuten waren die Schüler im Netzwerk  angemeldet und alle hatten die (etwas langsame) Blog-Seite geöffnet.
  • Weitere fünf Minuten später hatte ich die Vorgehensweise erklärt  und die SchülerInnen legten los. Vier Kommentare verirrten sich auf einen falschen Blog-Eintrag, aber kein Problem.
  • Einige Geschäftsfälle blieben unbeantwortet. Die letzen 10 Minuten gab ich den Auftrag, keine neuen Fragen mehr hineinzustellen sondern die bestehenden Geschäftsfälle zu beantworten.
  • Insgesamt wurden 60 Beiträge gepostet. Das heißt, dass jeder Schüler zirka 5 Beiträge in zirka 40 Minuten geschrieben hat.

Das habe ich gelernt:

  • Die SchülerInnen sollten sich zwar anonym im Netz bewegen. Ich selbst sollte aber doch die Nicknames kennen. Das heißt auch, dass sich die SchülerInnen immer mit dem selben Nick kommentieren müssen.
  • Ich habe keine Punkte bzw. Noten für die geleistete Arbeit gegeben. Das war gut. Noten stören Kreativität.
  • Irgendwann dachte ich: Wie prüfe ich das, was wir jetzt gerade machen? Zu einer Schülerin sagte ich dann: “Am Ende drucken wir alles aus, ich suche die besten Geschäftsfälle heraus und die müssen Sie dann lernen.” Sie sah mich relativ erschrocken an. Zu Recht. Ich habe diese Idee wieder verworfen und war dann ein wenig ratlos und überlegte, was ich nun aus diesem Experiment machen sollte, um was “handfestes” zum  Prüfen zu haben.

Dann las ich dann den wunderbaren Blog-Beitrag “Two Paradoxes” von Franz Kuehmayer, der mich diese Stunde aus einer anderen Perspektive betrachten ließ.

“The paradox of the knowledge society is that it does not ask students to acquire more knowledge.”

(Okay, bitte kurz den Aufschrei unterdrücken: “Die werden immer schlechter un die wissen immer weniger. Ich kann die Tests heute sowieso nicht mehr geben, die ich vor 5 Jahren noch gegeben habe.”)

Die SchülerInnen müssen nicht notwendigerweise mehr wissen, als sowieso im Buch steht, nur weil wir mal eine Stunde den EDV-Raum benutzt haben. Dafür wissen Sie jetzt, wo sie Infos finden, die nicht im Buch stehen.

Kuehmayer schreibt dann noch:

“So the knowledge economy does not necessarily ask for acquiring new knowledge, but it requires to learn how to create, to find, to combine, to use knowledge in new ways and in better ways.”

Was lernten die SchüerInnen während dieser 50 Minuten:

  • Die Seite www.konsumentenberater.at gibt Auskunft bei vielen Fragen der Muss-ich-haben-Gesellschaft.
  • Geschäftsfälle wurden erfunden, Fragen formuliert, Antworten dazu gesucht und oft gefunden.
  • Blogs können kommentiert werden. Die Kommentare können auch kommentiert werden.
  • Jeder kann weltweit das Lesen, was gerade geschrieben wurde.
  • Nicknames sollten im Internet verwendet werden, wenn man anonym bleiben möchte.
  • Nicht mal der Lehrer kann herausfinden, was ich geschrieben habe, wenn er meinen Nickname nicht weiß.

Doch eine ganze Menge. Prüfen kann ich auch die zwei Seiten im Buch, oder?

4 comments 6. März 2009

Blogs im 50-Minuten-Unterricht: www.konsumentenberater.at

Dies ist kein “normaler” Blog-Eintrag, sondern ein Unterrichtsexperiment. Sind Blogs sinnvoll in einer 50-Minuten-Einheit einzusetzen, wenn die Schülerinnen und Schüler sich vorher weder im System angemeldet noch Blog-Erfahrung haben? (Die Unterrichtseinheit findet am 4. März 2009 von 14:30 – 15:20 statt)

Liebe Schülerinnen und Schüler,

Bitte lösen Sie folgende Aufgabe zum Thema “Konsumentenschutz”:

  1. Besuchen Sie die Seite www.konsumentenberater.at
  2. Wählen Sie ein beliebiges Thema aus und erstellen Sie dazu einen kurzen Geschäftsfall. Dieser Geschäftsfall muss mit Hilfe von www.konsumentenberater.at lösbar sein.
  3. Schreiben Sie Ihren Geschäftsfall in das Kommentarfeld  (Unter “Comments”, “leave a comment” bzw. “Add your own”) und wählen Sie “Submit” (Siehe Muster-Geschäftsfall CD-Player)
  4. Wählen Sie eine Frage eines Mitschülers, die maximal eine Antwort hat und beantworten Sie diese ebenfalls mit der Kommentarfunktion. Bitte nicht einfach nur “ja” oder “nein”, sondern geben Sie auch eine ausführliche Begründung an. Verlassen Sie sich nicht auf die Antworten Ihres Vorgängers, recherchieren Sie bitte selbst.
  5. Beantworten Sie eine zweite Frage. Wenn Sie keine freien Fragen mehr finden, dann stellen Sie wieder eine neue Frage.
  6. Überprüfen Sie von Zeit zu Zeit Ihre eigenen Fragen. Falls diese bereits zwei Antworten haben, dann geben Sie einen Kommentar ab, ob  die Antworten richtig sind. Wenn sie falsch sind, stellen Sie die Antworten richtig.
  7. Lesen Sie weiter bei Punkt 3.

Bitte arbeiten Sie nicht mit Ihren richtigen Namen, verwenden Sie Nicknames.

63 comments 4. März 2009

Lehrerarbeitszeit – 2 Stunden für mehr Qualität

motorsageIch ging neulich laufen. Dienstag vormittags, wo anständige andere Menschen arbeiten. Ah ja, die obligatorische Rechtfertigung dafür: Ich hatte Montag abends (so zirka von 20.00 bis 00:30 Uhr) meinen Unterricht für Dienstag nachmittag vorbereitet, deshalb konnte ich mir das leisten. Mitten im Wald traf ich einen Waldarbeiter. Schwitzend und fluchend sägte er mit einer altmodischen Handsäge an einem Baum herum. Ich fragte ihn, warum er keine Motorsäge verwendete. Er sagte, dazu hätte er kein Geld, er müsse sparen. Dann sagte ich ihm (… jaja, typisch Lehrer), er solle doch wenigstens seine Säge schärfen. Dazu meinte er, er hätte dazu keine Zeit, er müsse heute noch mit diesem Baum fertig werden. Und er meinte, ich solle ihn doch gefälligst nicht stören und er sägte doppelt so schnell weiter. Und fluchte dabei doppelt so laut.
(Frei nach Stephen Covey)

Mit zwei Stunden ohne begleitende Maßnahmen sparen wir am Wesentlichen: An der Qualität derer, die qualitativ hochwertigen Unterricht produzieren sollten: An den Lehrern, an deren Energie, Begeisterung, Motivation und Lern- und Fortbildungsbereitschaft. Am genau jenem Werkzeug, das Lernen einfach machen sollte. Engagierte Lehrer werden zwei Stunden mehr Unterricht bei erhöhtem Zeitaufwand vermutlich ähnlich gut vorbereiten wie ihren jetzigen Unterricht. Doch was dabei etwas mehr auf der Strecke bleibt ist:

  • Kreativität, den Unterricht spannend gestalten zu können (Kreativität braucht Zeit)
  • Zeit, um neue Methoden zu erfahren und ausprobieren zu können
  • Zeit, um am aktuellen Stand der Didaktik, Pädagogik zu bleiben.
  • Zeit, um sich neue Technologien (Wiki, Weblogs, Podcasts, Google Text und Tabellen, Twitter, etc.) anzueignen
  • Zeit, um Projekte zu planen und zu gestalten, die begleitend oder außerhalb des Unterrichts stattfinden

Was ist das eigentliche Ziel, was brauchen Schüler?

Schüler brauchen jene Qualifikation, die sie für die Gesellschaft wertvoll macht. So wertvoll, dass sie damit Geld verdienen können. Zumindest für die nächsten 5 Jahre bis nach dem Schulabschluss. Bis dahin sollten sie das Lernen gelernt haben, sich selbständig Wissen aneignen können und ein Gefühl für die richtigen Dinge haben. (Wo wird das eigentlich unterrichtet?). Danach sind sie selbst dafür verantwortlich, dass sie für ihre Arbeitgeber beschäftigbar bleiben. Nicht der Staat und nicht die Arbeitgeber sind dafür verantwortlich. Und auch nicht der Obama.

Mark Twain meinte sinngemäß: “Nachdem wir das Ziel völlig aus den Augen verloren hatten, verdoppelten wir unsere Anstrengungen”.

Mehr Zeit und Energie in ein dummes System zu investieren wird uns beim nächsten PISA-Test nicht wirklich helfen. Sofern der PISA-Test überhaupt als Maßstab für eine wettbewerbsfähige Gesellschaft gelten kann. Die Handsäge gehört endlich gegen eine Motorsäge ausgetauscht. Investitionen und gravierende Änderungen sind notwendig. Selbstverständlich werden diese Änderungen sowohl Lehrern als auch dem Geldsäckl weh tun. Aber den Status-quo einfach erhalten und das Hamsterrad ein bisserl schneller laufen zu lassen hilft keinem der Beteiligten.

In einem wunderbaren Blog-Eintrag hat Franz Kuehmayer einen 10 Punkte Plan zur Anhebung der Bildungsqualität vorgestellt, den ich hier einfach mal reinkopiere:

  1. Anrecht auf einen sinnvoll ausgestatten persönlichen Arbeitsplatz zum Vorbereiten / Nachbereiten – in der Schule
  2. Anspruch auf x Stunden professionelles Mentoring pro Monat
  3. Gelegenheit, regelmäßig am Unterricht anderer Lehrerkollegen teilzunehmen, um Erfahrungen und Best Practices auszutauschen.
  4. Anrecht, an externen Konferenzen und Kongressen teilzunehmen, um neue Entwicklungen auf dem Gebiet der Pädagogik und auf ihrem jeweiligen Fachgebiet kennenzulernen
  5. Anrecht regelmäßiges ausführliches Feedback zu seiner Leistung zu erhalten
  6. Einrichtung von verpflichtender Elternpartizipation dergestalt, dass pro Kind mehr Zeit bleibt, als die obligatorischen 5 Minuten pro Semester am Elternsprechtag.
  7. Als neuer Lehrer Anrecht auf Begleitung durch einen erfahrenen Lehrer, der im ersten Jahr als Coach zur Seite gestellt wird, und ihm in der Klasse und abseits des Unterrichts hilft und ihn unterstützt
  8. Leistungsorientierte Anerkennung – gute Lehrer sollen sichtbar und erlebbar belohnt werden, auch finanziell.
  9. Lehrer, die nach dem Unterricht länger in der Schule bleiben wollen, um vorzubereiten, dürfen nicht vom Schulwart des Hauses verwiesen werden
  10. Verpflichtend Teamwork-orientierte Arbeit zur Erstellung von Vorbereitungen, um Erfahrungen zu nutzen und vorhandenes Unterrichtsmaterial wiederzuverwenden. Lernen von den Besten.

Hand in Hand mit einer Arbeitszeitänderung sollte eine Dienstrechtsänderung zugunsten von Qualifikation von Lehrern gehen. Vielleicht sollte sich irgendwer mal zwei Stunden pro Woche Gedanken über das Dienstrecht machen?

5 comments 3. März 2009

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