Buchrezension: Arne Ulbricht: Nicht von dieser Welt

arne-ulbricht_nicht_von_dieser_welt_umschlag_druckAls vor einigen Jahren Bloggen noch in Mode war, habe ich irgendwo einen Beitrag gelesen, der Lehrer in zwei Kategorien einteilt: In kalifornische und in koreanische Lehrer. Die kalifornischen Lehrer stelle man sich als braungebrannte Surfer-Typen in Shorts vor, die in lockerer und freundschaftlicher Atmosphäre in angenehmer Umgebung Jugendlichen den Lernstoff vermitteln. Der Typus „koreanischer Lehrer“ wurde als Krawattenträger beschrieben, in dessen Unterricht vor allem Disziplin, Drill und Kälte vorherrscht. Leider finde ich diesen Beitrag nicht mehr. Er war wohl auch nicht ganz politisch korrekt.

Im ersten Roman von Arne Ulbricht „Nicht von dieser Welt“ wird der 36jährige Deutsch- bzw. Englisch Lehrer Heinz erstmalig nach dem Referendariat angestellt. Seine eher „kalifornischen“ Ideale treffen bereits am ersten Tag auf eine „koreanische“ Kollegin.

Diese Kollegin ist resolut, laut, gut vernetzt, weiß das Meiste, verbreitet alles und tuschelt häufig und gerne. Wir kennen, glaube ich, diese Menschen, die immer sofort hysterisch nach ernsten Konsequenzen und strikten Verboten brüllen. Die gibt es bei politischen Parteien und die gibt es natürlich auch in Konferenzzimmern. Im Buch ist es die Frau Huber, die sich die Junglehrerin Petra nach „koreanischen“ Werten erzogen hat und diese Linie nun auch von Heinz erwartet.

Ihr Ratschlag an seinem ersten Tag: „Sie müssen die Schüler dringend aufstehen lassen und jede Unachtsamkeit sofort ahnden! Schüler mögen nur die Lehrer, die hart und gerecht sind, vor den lieben Lehrern, die nichts verlangen, haben sie keinen Respekt!“

Im ersten Teil des Buches findet sich jede Schule garantiert wieder. Wer nicht Lehrer ist, der erlebt hier typisches (fast klischeehaftes) Lehrer-, Schüler- und Elternverhalten. Der zweite Teil gleitet langsam in eine mögliche, aber realistische Fiktion und der dritte hebt dann endgültig ab. Genauso beim Lesen: Den ersten Teil habe ich eher amüsiert gelesen, der zweite Teil fesselte mich und für Teil 3 wurde dann spätnachts doch noch Kaffee gebraut, weil Schlaf keine Option gewesen wäre. Ich frage mich, ob der Autor Teil 1 stückchenweise während der Schulzeit geschrieben hat und dann in der Ferienzeit den Rest im Flow geschrieben hat.

Achtung Spoiler:

Heinz scheitert an seinen Schülern. Frau Huber und ihre Fans helfen tatkräftig mit. Ist das Buch nun ein Plädoyer für Strenge und Disziplin im Klassenzimmer? Hat Frau Huber eigentlich Recht? Ist es ein Ratgeber für die Schulbehörden, doch gefälligst Lehrer koreanischen Typs anzustellen, weil die kalifornischen mit den heutigen Schülern heillos überfordert sind? Oder meint Ulbricht, dass Lehrer sich im Klassenzimmer authentisch bleiben sollten? Oder geht es um die unheilvolle Kombination von Schulsystem, verhaltensoriginellen Lehrer- Eltern- und Schülertypen, Drogen- und Alkoholmissbrauch? Ist es eine Warnung an renitente Schülerinnen? Oder ist es einfach nur ein spannender Thriller? Hinweise finden sich in Ulbrichts Sachbüchern „Lehrer: Traumberuf oder Horrorjob“, „Schule ohne Lehrer“ und „Lehrer, ein unverschämt attraktiver Beruf“.

In zwei Wochen ist wieder Schule. Ich brauche jetzt irgendeine motivierende Bücherkombination für den Start. Sowas wie „Positive Pädagogik“, „Gewalfreie Kommunikation“ und „Im Alltag Ruhe finden“ . Bogenschießen wollte ich auch noch. Aber das lasse ich jetzt doch lieber bleiben.

Hinweis: Das Buch wurde vom Klak Verlag via Literaturtest als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt.

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