Schygulla – Filmprojekt einer Hauptschule

Frau_He hat den Beitrag “Hautpschüler als Schauspieler” zwar schon im Juli gepostet, ich bin aber (trotzdem) erst jetzt darauf gestoßen. Ein sensationelles Filmprojekt mit Schülern der Schule am Botanischen Garten, Hann Münden. Insbesondere die Szene mit dem Bewerbungsgespräch lässt sich prima für Unterrichtszwecke einsetzen, ebenso ist das Film ein tolles Beispiel zum Thema “Arbeiten im Team”.

Viel Vergnügen!

Lob der Disziplin

Heutzutage ist ja viel von Individualisierung die Rede. Die Schüler des Herrn Schmid können das perfekt.

Meine Tocher, 7 Jahre, hat sich köstlich amüsiert. Genau so wie ich.

Rückschau 5. eLearning Didaktik Fachtagung in Wien

Fachtagung (Symbolfoto)

Fachtagung (Symbolfoto)

Vom 20. – 21. Oktober 2010 fand im TGM in Wien die 5. eLearning Didaktik Fachtagung statt. Über 40 Beiträge wurden mit einem OpenReview Verfahren ausgewählt und in die Kategorien “Mobile und virtuelle Welten”, “Musik und Multimedia”, “Wirtschaft”, “Mit Netbooks unterrichten”, “Mathematik” und “Fremsprachen” eingeteilt und in drei Hörsälen angenehm pünktlich und professionell abgespult. Weil ich meinen Time-Turner zuhause vergessen hatte, konnte ich “nur” knapp 18 Vorträge hören.

Hier einige Notizen zu den Vorträgen:

Seinen Ruf als “Popstar der Mathematik” wurde Rudolf  Taschner gerecht, als er in unterhaltsamer Form seine Gedanken zur Computerisierung laut aussprach: Das schultaschengewichtserleichternde ipad als Schiefertaferl wie zu Gauss’ Zeiten (“steht ja nichts wichtiges drauf, kann ja gleich wieder gelöscht werden”), die Wichtigkeit des Verstehens in der Mathematik (“jedes Kind muss verstehen, dass man bei einem Kredit mehr zurückzahlt, als man bar hinlegen muss, das Kind könnte später ja auch Politiker werden”), die Skurriliät von Prüfungen (“das stellt der Lehrer fragen, die er selber viel besser beantworten kann”) und über das vielzitierte Abholen der Kinder im Unterricht (“das Abholen übernimmt die ÖBB, für Lehrer genügt es, wenn sie die Welt der Kinder verstehen”).

Statt “lebenslangem Lernen” plädiert Taschner für “lebenslang verstehen wollen”. Übrigens funktioniert verstehen in der Teamarbeit nicht wirklich gut (“Ich versteh ich Hälfe, du verstehst die Hälfte, gemeinsam haben wir alles verstanden…”). Als Zukunftsziel sollten wir versuchen, “die Maschine zu verwenden und mündig zu bleiben”.

Anschließend präsentierte Markus Hohenwarter, Institutsvorstand für Didaktik der Mathematik an der JKU Linz, GeoGebra, eine Open-Source-Lösung, die im Zuge seiner Diplomarbeit entstanden ist und nun weltweit an etlichen Schulen eingesetzt wird. Geogebra verbindet Geometrie, Algebra und Analysis auf benutzerfreundliche Weise. Konstruktionen mit Punkten, Vektoren, Geraden sowie die Erstellung von Kegelschnitten und Funktionen können dynamisch mit der Maus verändert werden. Hohenwarter verglich den Schritt, GeoGebra als Open-Source zur Verfügung zu stellen mit einem Zitat von Warren Buffett: “If you want to go fast, go alone. If you want to go far, go together.”

Im Zuge der Einführung des Learning-Management-Systems “LMS – elearning mit System” an sieben verschiedenen Handelsakademien im Burgenland untersuchte Herbert Gabriel, warum IT trotz einheitlicher Bedingungen in verschiedenen Schulen unterschiedlich intensiv genutzt wird. Dabei fand er beispielsweise heraus, dass LehrerInnen, die bei einem Persönlichkeitstest das Merkmal “gewissenhaft” erhielten, die Lernplattform intensiver nutzten, als jene, bei denen dieses Merkmal nicht so ausgeprägt war. Sowohl Lehrer als auch Lehrerinnen nutzten die Lernplattform in den untersuchten Schulen ähnlich oft, signifikant war aber ein Rückgang der Nutzung bei männlichen Lehrern über 50 oder anders gesagt: Lehrerinnen über 50 nutzen Lernplattformen fast doppelt so häufig wie gleich alte Lehrer.

Birgit Raab-Pfisterer von der Hak Bruck/Leitha zeigte das kollaborative Mind-Mapping Tool Mindmeister, das sie in einer Unterrichtssequenz zur Unternehmensgründung benutzte und erinnerte mich daran, mit den Schülern wieder mal das exzellente Spiel “Start up! Vom Lehrling zum Chef” zu spielen. Uwe Gutwirth stellte das betriebswirtschaftliche Online-Spiel “Fish Market” vor, das auf der Plattform “Accounting Training System” nach Angabe einer kostenlosen Registrierung einige Tage lang spielbar ist. Das Spiel ist eine Kombination aus Unternehmensplanung, Strategie, Rechnungswesen und Ökologie und kann mit zwei bis vier Teams rundenbasiert in verschiedenen Schwierigkeitsgraden gespielt werden. Beim höchsten Schwierigkeitsgrad sind praxisnahe Rechnungswesen-Kenntnisse unbedingt erforderlich. Wenn das Spiel alleine ausprobiert wird, sollte es in verschiedenen Browsern (also z. B. Firefox und Internet-Explorer) gestartet werden, sonst funktioniert die Simulatin von zwei Teams nicht.

Karin Osunbor von der PH-Niederösterreich zeigte für das Fach Englisch einige nette Homepages, wie zum Beispiel Digger and the Gang, den Storymaker, english-4u.de oder makebeliefscomix.com. Walter Steinkogler, Betreuer von e.schule.at, einem Themenportal für Englisch, berichtete von einer User-Umfrage und gab Ausblicke, wie sich das Portal in nächster Zeit entwickeln wird. Den ersten Tag beendete Marianne Wagner mit einer Sequenz für den Französch-Unterricht, wo sie Voki verwendete. Mit voki können Schüler Avatare erstellen, die dann eingegebene Texte oder hochgeladene Soundfiles sprechen. Marianne Wagner benutzte das Tool, um mit Schülern die Aussprache von französischen Reimen zu üben.

Am zweiten Tag stellte Daniela Denk von Microsoft das “Lernen in der Cloud” vor. Mit Office 365, das bis vor kurzem noch “Microsoft Online Services” hieß, erhalten User eine Online-Festplatte mit 25 GB Kapazität, Skydrive genannt, und 10 GB für E-Mails. Das Paket, das Word, Excel, Powerpoint, Outlook und OneNote enthält ist so flexibel, dass ein Login auf einer Schul-Homepage integriert werden kann und in der Schule benötigte Dienste, wie beispielsweise eine Raum-Reservierung online abgewickelt werden können.

Klaus Edel zeigte die Themendossiers für Politische Bildung unter www.didactics.eu her. Hier sind Unterrichtsmaterialien, methodisch-didaktische Vorgehensweisen und einige Filme zur Thematik, beispielsweise die Wochenschauen vom 1. Mai von 1912 bis heute zu finden. Ebenfalls aus dem Bereich Politische Bildung kommt www.polipedia.at, ein Wiki das unter dem Motto “Demokratie – Politik – Partizipation” steht, vom Demokratiezentrum Wien in Kooperation mit der Uni-Salzburg betrieben wird und in dem Schüler aktiv partizipieren können.

Hubert Egger sprach über den Themenbereich “Gewaltspiele im Unterricht – Sozialkompetenz mit EgoShooter”. Besonders beeindruckt hat mich, dass er mit einer Schülergruppe eine Exkursion zu einem Schießstand eines Polizei-Sportvereins durchführte und die SchülerInnen dort Gelegenheit hatten, Waffen auszuprobieren. Danach wurde reflektiert, wie die Realität in Filmen bzw. Shootern dargestellt wird. Übrigens führt Hubert Egger zum Thema ein Wiki unter www.gewaltspiele.at.

Die IKT-Kompetenz von Lehrern zu steigern, hat sich die soeben gestartete Initiative ICTeacher.eu auf die Fahnen geheftet. Bei diesem Programm erhalten interessierte Lehrer eine praxisnahe, anwendbare und für den eigenen Schultyp zugeschnittene IKT-Ausbildung.

Rene Schwarzinger stellte www.linuxadvanced.at vor, einer Initiative, die Chancengleichheit für die Bildung durch die Verwendung von Open-Source Software herstellen möchte. Auf einem bootfähigen USB-Stick finden sich Programme wie Gimp, Audacity, Openoffice.org, Kino, Iceweasel, Icedove, K3B, Geogebra, wxMaxima, KTouch usw. Speziell für Schulen entwickelte Lehrer-Tools (LA-TS genannt), gewährleisten einen vernünftig durchführbaren Unterricht. Das Paket wird laufend verbessert, ist schon in einigen Schulen im Einsatz, Feedback ist willkommen.

Andreas Wildberger von der ISPA, der Dachorganisation der Internet-Wirtschaft, momentan beschäftigt, sich gegen die Forderung der Filmindustrie nach Internet-Blockaden zu wehren, kündigte den Safer Internet Day am 8. Februar 2011 an, der unter dem Motto “It’s more than a game, it’s your life” steht und an dem die sichere Nutzung von Internet, Handy und Computerspielen stärker verankert werden soll. Übrigens kündigte auch Christian Dorninger vom bm:ukk an, dass bei den nächsten Wettbewerben Web 2.0 eine stärkere Rolle als bisher spielen wird.

Die Tagung beendete Jürgen Seifried von der Uni Konstanz, der über Evaluation von Lernen mit Neuen Medien sprach. Er wies auf das Evaluationsinstrument Inventar zur Computerbildung (INCOBI) hin und präsentierte eine neue Studie, bei der Rechnungswesen und BWL mit und ohne neue Medien unterrichtet wurde. Zwei Detailergebnisse (die, wie er sagte, noch zu überprüfen sind): 1) 30 – 40 % der verwendeten Unterrichtszeit langweilen sich die Schüler. 2) Der Einsatz von PCs im Unterricht steigert die Langeweile. Ich hoffe, die Studie gibt’s demnächst irgendwo zum Runterladen.


Mehr Bildung in Blogs (@via literatenmelu)

Melanie Unbekannt hat in ihrem Blog “Literatenmelu” die Aktion “Mehr Bildung in Blogs” gestartet. Fünf interessante Fragen zum Thema Bildung sind zu beantworten. Gespannt bin ich auf die Antworten, die da kommen. Hier sind meine:

1. Woran erinnerst Du Dich, wenn Du an Deine Schulzeit zurückdenkst?

Na, vor allem an meinen Deutschlehrer in der Handelsakademie. Er verlangte von uns, gelesene Bücher zusammenzufassen. Weil wir dabei 1.)   das Gelesene nochmal reflektieren, weil wir 2.) später nur einen Blick in die Zusammenfassung werfen müssten, wenn uns der Inhalt teilweise entfallen ist und weil wir 3.) damit besser lernen könnten. Ich mache das heute noch bei guten Büchern und als Lesekater und Büchersammler profitiere ich immer wieder von dem Schatz, der sich mittlerweile angehäuft hat.  Irgendwann meinte er, wenn ich mit dem Studium fertig sei, sollte ich mich bei ihm melden, um Lehrer zu werden. Hat geklappt – zwar an einer anderen Schule, aber immerhin.

An was ich mich noch erinnere: Jede Menge Zeit zum Computerspielen, die ich später nie wieder hatte. An meine erste und einzige Ohrfeige meines Lebens von der Hausmeisterin in der Volksschule. An Nervosität vor Stundenwiederholungen, aber oft nicht mehr an den Stoff, der damals geprüft wurde. An peinliche Situationen im Musikunterricht während des Stimmbruches. An Wandertage,  Exkursionen, Sportfeste, Skikurse, Stadt-, Sport- und Landschulwochen.

2. Welche Medien hast Du im Unterricht kennengelernt und auch selbst genutzt?

Medien? Hmm… Kreidetafel, Overhead, Filme (zuerst Filmrollen, dann Video, keine DVDs).  Als Maturaprojekt im Wahlfach Informatik schrieb ich 1990 einen Vokabeltrainer in Turbo-Pascal. In der Privatwohnung des Informatiklehrers schrieb ich das Programm auf Farbdarstellung um, weil es an der Schule keinen Farbmonitore gab.

3. Welche Möglichkeiten siehst Du, die Lehrerausbildung zu verbessern?

Wenn ich unsere Frau Minister und die Gewerkschaft in einer Person wäre (seufz), würde ich den informellen Austausch von Lehrern in Kleingruppen (bis 10 Leuten) abseits von Kursen, Lehrgängen und Seminaren untereinander forcieren.  Organisation von regelmäßigen Lehrertreffen, wobei diese einander in 2 – 4 Tagen ihre Spezialgebiete, ihre Methoden, Erfahrungen und Irrtümer näherbringen. Jeder Beteiligte bereitet ein ein- bis vierstündiges Kurzseminar für die anderen vor.  Lehrer-Coaches von den Hochschulen sind bei diesen Treffen dabei, sichern die Qualität und die Ergebnisse.”Junglehrer” könnten daran teilnehmen und ihren Input liefern, was den aktuellen Stand der Wissenschaft betrifft.

4. Was hältst Du davon, Blogs, Wikis, Podcasts etc. im Unterricht einzusetzen?

Sehr viel. Einmal pro 10-Wochen-Lehrgang erstelle ich Blogs, Wikis oder Podcasts. Wobei ich viel von der Erstellung halte und weniger vom passiven Lesen oder Zuhören. Eine Podcast-Erstellung im Unterricht bringt viel, den erstellten Podcast später als Lerntool zu verwenden sehr wenig. Hier sind meine Beispiele für Podcasts oder Wikis.

5. Können Online-Angebote die herkömmliche Nachhilfe sinnvoll ergänzen oder sogar ersetzen?

Wenn Nachhilfe so verstanden wird, dass dem Schüler nachgeholfen wird, eine bestimmte Hürde zu nehmen, dann können Online-Angebote ganz prima sein: Die schnelle Frage über Skype (“Wie geht das nochmal?”) oder ein Forum. Oder punktuell ein Online-Kurzkurs über Integralrechnung – warum nicht? Ich glaube aber, dass bei Problemen jener Lernstoff, der online vermittelt werden könnte, nicht immer der Verursacher ist. Hier wird die Bandbreite von simplen Lernmethödchen (“Lernen lernen”) bis hin zu handfesten psychologischen Problemen gehen. Und da wird online kläglich versagen.

Unterrichtsmaterialien für finanzielle Allgemeinbildung

Die EAEA (European Association for Education of Adults, http://www.eaea.org) entwickelt seit einiger Zeit für alle EU-Länder Unterrichtsmaterialien für die “finanzielle Allgemeinbildung”. Das Projekt heißt DOLCETA (www.dolceta.eu) und bietet Lernmodule für VerbraucherInnenbildung in den Altersgruppen Volksschule, Hauptschule und Oberstufe an.dolceta

Neben Online-Informationen, ausdruckbaren Merkblättern und Online-Quizzes werden auch sehr konkrete Unterrichtsskizzen mit abwechslungsreichen, innovativen Methoden zur Verfügung gestellt. Derzeit sind die vier Module “Verbraucherrechte”, “Finanzdienstleistungen”, “Produktsicherheit” und “Impulse zur Verbraucherbildung” freigeschaltet. Wir durften das Modul 7 über “Sparen” testen, das im Frühjahr nächsten Jahres kommen wird.

Mich nervt schon seit einigen Jahren, dass in jedem Land, in jeder Schule jeder Lehrer seine Unterrichtsstunde z. B. über “Sparen” oder “Kredite” vorbereitet. Wie “man” hört, findet an manchen Schulen nicht einmal ein Austausch der erstellten Materialien statt – ein volkswirtschaftlicher Unsinn. Per Mausklick auf vorgefertigte, juristisch geprüfte, abwechslungsreiche und aktuelle Materialien für den Unterricht zugreifen zu können ist leider noch immer eine Seltenheit. DOLCETA ist ein Weg in die richtige Richtung.

Selbstverständlich sollte jedem Lehrer offen bleiben können, wie er seine Stunde über “Sparen” oder “Kredit” gestaltet und welche Infos er vermitteln möchte. Das ist das Schöne an dem Job: Jeder kann, wenn er will, seine Kreativität voll ausleben. Es schadet aber überhaupt nicht, sich mal anzusehen, wie andere diese Stunde planen würden und sich daraus Anregungen zu holen – auch für andere Unterrichtseinheiten.

Wie ich Blogs auswähle, die ich abonniere oder ignoriere (Teil 2)

Zu meinem Posting von gestern haben mich einige gefragt, was denn nun meine persönlichen Top10-Blogs (die “MiBs” = die Most Important BlogS) sind.  Ich habe meine MiBs-Liste nun via Google-Reader hier öffentlich gestellt, sie wird automatisch aktualisiert.

Folgende  Blogs sind darin enthalten:

mibs

Die Liste ändert sich alle paar Wochen dort und da, je nach persönlicher Interessenslage. Ich versuche, sie immer zwischen 10 und 15 Blogs zu halten, was nicht immer gelingt. Weniger ist mehr.

Sehr persönliche Blogs sind “Na, wie war’s in der Schule”, der Schüler-Blog  “Sven’s kleiner Blog” und “Wenn Katzen schreiben”. Alle anderen haben etwas mit Schule zu  tun. Die Karriere-Bibel ist unglaublich vielseitig und enthält oft gute Artikel, sowohl für Lehrer als auch für Schüler.

Die restlichen 280 abonnierten Blogs lese ich dann und wann. Unregelmäßig und unvollständig. Manchmal wird ausgemistet, aber (zu) selten. Es kommen eher mehr Blogs dazu als weg.

Lesen kann und will ich diese Blogs nicht alle. Ich merke mir auch nicht alles, was ich gelesen habe, meist überfliege ich nur die Überschriften und die ersten paar Sätze. Aber bei Bedarf findet die Google-Reader-Suchfunktion alle Artikel mit einem gewünschten Stichwort.

Die Blog-Sammlung verwende ich als eine Art Mini-Internet, speziell abgestimmt auf meine Interessen, als “Fachzeitschrift”, speziell für mich geschrieben, mit komfortabler Volltextsuche. Ich bin gespannt, wie ich in fünf Jahren über diesen Artikel denke, wenn ich ihn lese.