Prüfung per Videokonferenz im „Master für Bildung und Medien – Fernuni Hagen“

„Warum habe ich bloß keine Hausarbeit geschrieben?“ habe ich mir noch gedacht, als ich mich auf den Weg zur Prüfung machte. Sogar das Navi im Auto meinte: „Kehren Sie wenn möglich um“. Aber nach einem intensiven Schuljahr 2011/12, das für das Studium kaum Zeit ließ und nachdem ich die zwei Semester für dieses Modul in den Ferien nachgelernt hatte, war Aufgeben natürlich keine Option. Aber fangen wir von vorne an:

Der Master für Bildung und Medien an der Fernuni Hagen lässt sich, wenn gewünscht, ganz ohne Präsenzzeiten und ohne Prüfungsstress durchziehen. Das soll nicht heißen, dass er stressfrei läuft: Nebenberuflich geht er nach drei Jahren ganz schön an die Substanz und deshalb bin ich heute froh, endlich „7 von 7 Modulen erledigt“ ins Lerntagebuch reinschreiben zu können.

Im Modul 7 habe ich mich für das Wahlmodul Informatik entschieden, das für Teilzeitstudenten über zwei Semester belegt werden kann. Es besteht aus drei Teilkursen: computerunterstütztes Lernen in Groß- und Kleingruppen (CSCL), computerunterstütztes Arbeiten (CSCW) und Dokumentenmanagement. Das Modul 7 wird als einziges Modul im Studium nicht mit einer Hausarbeit, sondern mit einer mündlichen Prüfung abgeschlossen.

Fernstudienzentrum Steyr

Fernstudienzentrum Steyr

Eine mündliche Prüfung an der Fernuni Hagen kann per Videokonferenz abgehalten werden. Die Vorgehensweise ist recht einfach: Termin mit dem Prüfungsamt, Termin mit dem Professor und Termin mit irgendeinem Studienzentrum vereinbaren. Es kann ein beliebiges Studienzentrum gewählt werden. Kostenpunkt: Ungefähr 80,00 Euro, je nachdem ob man einem Studienzentrum zugeordnet ist oder nicht – die Regelung wird derzeit geändert.

Mein Wunschstudienzentrum war Linz in Oberösterreich. Einige Tage vorher  bekam ich Nachricht, dass dort umgebaut wird und die Prüfung nach Steyr / OÖ verlegt wurde. Dort wurde ich schon vorab sehr ausführlich und freundlich telefonisch über Anreise und Ablauf informiert. Deshalb war die Anreise und der Zeitplan ins Fernstudienzentrum Steyr am Prüfungstag völlig überraschungs- und frustfrei, Technik und Organisation klappte perfekt, ich wurde sehr zuvorkommend empfangen und betreut. Sehr erfreulich, wenn man merkt, dass Profis am Werk sind. Das mindert die Nervosität ganz gehörig. Die Leiterin des Fernstudienzentrums fungiert als Beisitzerin und kümmert sich um die zwei T’s: Technik & Täuschungsversuche. Der gut gemeinte Rat von Facebook-Freunden, den Screen mit Post-it’s zu pflastern, konnte also nicht realisiert werden😉

Die Prüfung dauerte etwas mehr als 30 Minuten. Hr. Haake wies mich darauf hin, dass die Teilgebiete jeweils mit zumindest „Ausreichend“ abzuschließen sind, um insgesamt eine positive Note zu bekommen.

Inhaltlich wurde folgendes gefragt:

Kurs 1873 – Daten- und Dokumentenmanagement:

  • Dokumentenbegriff (historisch, neuere Art, moderner Begriff)
  • Modell der strukturierten Dokumente und dessen Vorteile erklären
  • Erklärung der Dokumentbeschreibungssprachen
  • Unterschied von HTML und XML
  • Beschreibung und konkretes Beispiel eines Tags in HTML
  • Wie und wo werden Tags in XML definiert?
  • Links in XML-Dokumenten (Xlink, XPointer)

Die Prüfung beschränkte sich bei diesem Teil auf die grundlegenden Konzepte. Hr. Haake meinte, dass ich die Fragen „für einen Sozialwissenschaftler“ ganz gut beantwortet habe😉, bei Informatikern würde er intensiver nachfragen. Ganz froh bin ich, dass keine Details zu Zeichencodierungen, CSS, XSL, XQuery, RDF und OWL gefragt wurden. Diese Themen nur theoretisch gemäß Skript zu lernen fand ich nicht wirklich zielführend. Vielmehr würde ich mir praktische Anwendungen bzw. Mini-Projekte wünschen. Das wiederum würde den Zeitrahmen des Moduls sprengen und die Zielrichtung des „Masters für Bildung und Medien“ verfehlen.

Kurs 1880 – CSCW (computer supported cooperative/collaborative work)

  • Unterschied CSCW und CSCL
  • Definition einer Gruppe; Merkmale von Gruppen
  • Klassifikation von CSCW-Anwendungen (Anwendungsart, Raum & Zeit, Unterstützungfunktion & Dimensionen)
  • Beispiele für Gemeinsame Informationsräume
  • Gruppenpuzzle – wie wird das mit einem Wiki realisiert
  • Definition von Groupware (ist z. B. eine Videokonferenz Groupware)
  • 3K-Modell inkl. Beispiele

Kurs 1883 – CSCL (computer supported cooperative/collaborative learning)

  • Evaluation von Lerngruppen (Weiterführung des Beispiels Wiki-Gruppenpuzzle)
  • Gestaltung von CSCL-Anwendungen
  • Lerntheorien für CSCL

Folgende Themen waren weder meine Lieblingsthemen noch Bestandteil der Prüfung😉

  • CSCW Architekturmodelle
  • Verteilungsschemata nach Roth
  • Workflow-Management-Systeme inkl. Geschäftsprozessse
  • Forschungsmethoden (wie z. B. Mehrebenenanalyse etc.)

So wie ausnahmslos alle meine Vorgänger berichten, ist Hr. Dr. Haake ein sehr angenehmer Prüfer. Er hilft bei Black-Outs weiter, formuliert Fragen um, wenn sie nicht verstanden werden, erhöht dann und wann graduell den Schwierigkeitsgrad und scheint gerne praktische Anwendungsfälle aus verschiedenen Perspektiven und entlang der Theorie zu diskutieren. Besonders gefallen hat mir, wie er meine Ausführung immer wieder in eine korrekte CSCL- bzw. CSCW-Fachsprache „übersetzt“ hat. In diesem Fachgespräch wäre das eigentlich meine Aufgabe gewesen, ist aber leider nicht immer gut gelungen. In der Note hat sich das nicht niedergeschlagen. Nach etwas über einer halben Stunde wurde das Prüfungsgespräch beendet. Hr. Haake und sein Beisitzer meldeten sich nach ein paar Minuten zurück und gratulierten zur bestandenen Prüfung.

Was würde ich Studenten empfehlen, die sich noch nicht für ein Wahlmodul entschieden haben, die also noch zwischen den beiden Hausarbeits-Modulen (Modul 6L: Sprachkrise, Medienwandel, Intermedialität; Modul 5B: Individualisierungsphänome in Arbeits- und Organisationsgesellschaften) und einer mündlichen Prüfung wählen müssen?

Für dieses Modul habe ich ca. 20% mehr Zeit für die Prüfungsvorbereitung investiert, als für die vorigen Module, wo ich Hausarbeiten schrieb. Die mündliche Prüfung empfand ich als stressiger als das Schreiben einer Hausarbeit. Wissenschaftliches Arbeiten wird mit Hausarbeiten viel besser eingeübt. Trotzdem war die mündliche Prüfung nicht schlecht, um wieder einmal in die Schüler-Rolle schlüpfen zu können, was Prüfungs-Situationen betrifft. Das ist für Lehrer ganz heilsam😉

Wenn ich mich nochmals entscheiden müsste, würde ich aufgrund der äußerst interessanten CSCL-CSCW-Thematik nochmals das Informatik-Modul wählen, weil es eines der wenigen Module ist, das Sozialwissenschaft mit Informatik enger verbindet. Den Kurs „Dokumentenmanagement“ würde ich notwendigerweise in Kauf nehmen: Er ist zwar interessant, aber um konkreten Nutzen zu ziehen, müsste viel mehr praktisch mit CSS, XML etc. gearbeitet werden. Daher als Fazit: Wer mit Informatik liebäugelt, der nehme M7, wer eine Hausarbeit ähnlich den bisherigen Modulen schreiben möchte, der nehme eines der anderen beiden.

Für die Vorbereitung kann ich die Prüfungsprotokolle empfehlen, wie sie beispielsweise von der Fachschaft Informatik gesammelt werden. Dieser Blog-Beitrag ist mein Beitrag zu Sammlung.

 

7 thoughts on “Prüfung per Videokonferenz im „Master für Bildung und Medien – Fernuni Hagen“

  1. Ich habe mit Interesse deinen Beitrag gelesen. Ich belege momentan auch das Wahlmodul 7 im Masterlehrgang „Bildung und Medien“ an der Fernuni Hagen. Ich habe mich in den Kurs 01873 eingeschrieben und bin gerade dabei, die Aufgabe 1 zu lösen. Allerdings habe ich das Gefühl, im falschen Kurs zu sein, weil ich bisher nur „Bahnhof“ verstehe und mich intensiv einlesen muss. Das bedeutet einen großen Zeitaufwand zu einem Thema, dass mich nicht so besonders fesselt. Denn ich habe mich schon einmal bei einem Programmierkurs zu Java versucht und musste feststellen, dass dies absolut nicht mein Ding ist. Jetzt beiße ich mich notgedrungen durch dieses Modul durch und hoffe, dass die 2 ausstehenden Kurse weniger theorielastig sind. Ansonsten muss ich auf ein anderes Wahlmodul ausweichen. Ob ich dein Durchhaltevermögen besitze, kann ich zum momentanen Zeitpunkt noch nicht sagen.
    Noch viel Spaß bei deiner Masterarbeit.
    LG Robert

    • Hallo Robert,

      lass Dich nicht von 1873 abschrecken, dieser ist thematisch ein absoluter Ausreißer und sehr, sehr Informatik-lastig. Er wurde – soweit ich es aus den bisherigen Prüfungsprotokollen beurteilen kann – auch noch nie schwerpunktmäßig geprüft. Hr. Haake fragte gerade mal den Dokumentenbegriff und lotete aus, wie weit ich XML in Grundbegriffen verstanden hatte. Er meinte mit einem netten Lächeln bei der Ergebnisverkündung, dass ich die Frage zu diesem Kurs für einen Studierenden der Sozialwissenschaften ganz ordentlich beantwortet habe, bei Informatik-Studenten hätte er viel intensiver nachgefragt. Ich habe das Informatik-Modul absichtlich gewählt, weil ich sehr wenig Ahnung von CSS, XML usw. hatte. Jetzt kenne ich die Grundlagen, kann aber mangels Übungen noch immer nicht damit umgehen. Aber ich habe jetzt ungefähr eine Ahnung, wie viel Zeit für dies einzuplanen wäre, wenn mich das Bastelfieber mal packen würde.

      1880 und 1883 sind viel angenehmer zu lernen und bewegen sich in bekanntem Terrain, das aus M1-M6 bekannt ist. Ich fand beide Kurse streckenweise sehr interessant. Gerade das Buch von Hr. Haake ist eines der besseren vom ganzen Studium!!

      Also: 1873: Augen zu und durch, danach wird’s vieeel besser.

      lg
      Werner

    • Hallo Susanne,

      der Grund, warum ich in Hagen und nicht in Krems studiere, ist meine Famile und meine Abneigung gegen „leere Kilometer“. Für Krems spräche, dass es (auch in Teilzeit) ein wenig kürzer als das Hagener Studium ist und außerdem vermutlich mehr Kontakt zwischen Studierenden stattfindet, weil doch einige Präsenztage vorgesehen sind. Dies wiederum hätte mich für mich längere Autofahrten und Nächtigungen in Hotels bedeutet.

      Diese Zeiten sind zwar sehr entspannend, tatsächlich verbringe ich sie aber lieber mit meinen Kindern und meiner Frau. Im Hagener Studium kann ich alles von zuhause aus machen und mir meine Studienzeiten sehr flexibel einteilen. Trotzdem bleibt sehr wenig Zeit für Familie und Hobbies. x Kilometer zu fahren, im Hotel zu nächtigen, nur um einen Vortrag zu hören, den ich genauso gut auf Video ansehen könnte, dafür ist mir meine Zeit zu kostbar, da lese ich lieber das passende Buch dazu. Und Gruppenarbeiten nicht unbedingt in Präsenzphasen sondern über Internet zu erledigen, das sollte in diesem Lehrgang auf jeden Fall geübt werden.

      Weitere Gründe waren: Das Hagener-Studium ist ein wenig kostengünstiger (weil eben Autobahnkilometer und Hotelnächtigungen wegfallen) und die Bekanntschaft mit Hagen vom Grundstudium der Wirtschaftswissenschaften her.

  2. Educational IT - Charlotte Erdmann - Videoconferencing Provides a Smooth, Relaxed Exam

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