Hurra, was für ein schöner Fehler! – Episode 2

Drüben bei „Learning Waves“ beschreibt Prof. Dr. Andrea Back im Artikel „Hurra, was für ein schöner Fehler!“ eine Möglichkeit, wie mit Fehlern umgegangen werden könnte. Sie werden markiert, der Schönste bekommt einen Aufkleber oder eine ähnlich nette Markierung. Ziel sollte sein, Fehler nicht als was Schlimmes, Böses oder Furchtbares, sondern als Chance zur eigenen Weiterentwicklung zu sehen. Da macht Schule oft aber nicht – oder noch zu selten.

Eine weitere Möglichkeit, aus Fehlern zu lernen, wäre die „Stolperstein-Mitbringsel-Lernkartei“. Die funktioniert so:

  1. Von (fast) jedem Ausflug (=Test, Klassenarbeit) nehmen wir einige Mitbringsel (=Fehler) mit, die in die Kartei eingetragen werden.
  2. Unterstrichen wird jener Teil, der fehlerhaft war – aber in der Kartei wird alles, wirklich alles, richtig geschrieben.
  3. Einmal pro Woche wird der Stolper-Parkour durchlaufen, das heißt: Mit der Kartei gearbeitet. Entweder wird sie diktiert oder mündlich abgefragt oder per quizlet durchgeklickt.
  4. Wenn der Stolperstein-Parkour ohne zu stolpern absolviert wurde, dann gibt’s auf einer gut sichtbar aufgehängten Liste (z. B. am Kühlschrank) einen Smiley. Oder einen Eintrag, wieviele Karten positiv erledigt wurden. Bitte nicht, wie viele Fehler gemacht wurden!! Und bitte kein Geld!

Zum Umgang mit Fehlern gibt es von Carol Dweck ein sehr zu empfehlendes Buch: „Selbstbild: Wie unser Denken Erfolge oder Niederlagen bewirkt“ (Amazon). Sie teilt darin Menschen in zwei Gruppen ein. Diejenigen, die ein statisches Selbstbild von sich haben analysieren ihre Fehler kaum und fühlen sich auch nur intelligent, wenn sie keine Fehler machen. Sie erleben Fehler als ersten Schritt zur Strafe oder zum Urteil. Diejenigen mit dynamischen Selbstbild sind überzeugt davon, dass Fehler zu Vorschlägen und neuem Wissen führen. Darum sehen sie sich ihre Fehler so lange an, bis sie die Ursache des Irrtums verstanden haben. Sie sehen sich Arbeiten von anderen Menschen an, die besser als die eigenen sind. Wohingegen die mit statischem Selbstbild grundsätzlich Arbeiten ansehen, die schlechter als die eigenen benotet wurden. Das Konzept habe ich hier schon mal beschrieben.

Wenn Fehler nicht analysiert werden, dann krallt sich das statische Ego die nächste, logische Erklärung: Ich bin eben dumm. Der Lehrer ist eben dumm. Die Schule ist dumm. Dweck zitiert dazu den Basketballtrainer John Wooden: „Man ist erst dann ein Versager, wenn man nach Schuldigen sucht.“ Daher: ran an die Fehler. Denn nichts ist leichter, als aus Fehlern zu lernen. Das sollte den Lernstoff ganz gehörig eingrenzen, oder nicht?

5 thoughts on “Hurra, was für ein schöner Fehler! – Episode 2

  1. Erfolg in der Schule durch schöne Fehler | erfolgreich lernen

  2. Ein schönes Thema – und eines, an dem ich selbst noch immer arbeite.

    Immer alles möglichst fehlerfrei machen zu wollen, ist ein Fehler, aus dem man lernen kann.😉

  3. Fehler heißen in der Ich-kann-Schule Fehler, weil sie uns zeigen, was fehlt. Voller Achtung und Sorgfalt schauen wir darum, was uns der Fehler zu sagen hat.
    Fehler vermeiden wollen, wie das die Pädagogik neulich noch in ihrer Steinzeit gepredigt hat, ist zwar ein Lernweg, bei dem man sehr tiefe Erfahrungen machen kann, aber wenn man von seines Geistes Gaben Gebrauch macht, muss man nicht alles immer so verkehrt machen, dass es tief schmerzt; man kann sich auch so einfühlen.
    Wenn man für Fehler immer mit Förderung bestraft wird, kann man das natürlich bald nicht mehr sehen, schließt die Augen und macht dann immer noch mehr Fehler. Wenn ich aber nach dem Genie frage, das hinter dem Fehler steckt und ihn geschehen ließ, um etwas damit auzuschließen, fühlt sich das GENIE angesprochen und gefragt und kommt heraus.
    So einfahc kann es gehen. Ich freue mich auf Euren Erfolg.
    Franz Josef Neffe

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