Wikis im Unterricht – Erfahrungsaustausch

Christian Spannagel berichtet im Blog-Post „Hey, hey Wiki!“ von seinen Erfahrungen mit Wikis in der Schule. Seine Erlebnisse mit aufwändigen Anmeldungen, wo annähernd ganze Unterrichtsstunden draufgehen, habe ich ähnlich erlebt. Dass Schüler von der einen auf die andere Stunde ihr Passwort vergessen, die Wiki-Adresse nicht richtig abtippen und Probleme mit dem Zugriff auf eine Webmail-Adresse haben, das kann ich nicht nur für Schüler bestätigen. Dasselbe tritt bei Erwachsenen-Seminaren und (natürlich) auch bei Lehrer-Seminaren auf.

Trotzdem motiviert mich sein Beitrag, dieses Jahr wieder mal ein Wiki-Projekt im Unterricht zu starten. Wobei ich aufgrund der bisherigen Versuche, die hier in der Serie „Wikis in der Schule“ dokumentiert sind, noch einige Hausaufgaben machen muss. Denn die Arbeit mit einem Wiki fühlt sich für die meisten Menschen absolut ungewohnt an und daher braucht es noch einige „best practices“ um ein anständiges „Ergebnis“ zu bekommen. Einige Schüler-Aussagen während der Arbeit mit den Wikis:

  1. „Die (Rechtschreib)fehler eines anderen ausbessern? Niemals!“
  2. „Peer-Review? Forget it!“
  3. „Kreativität statt Copy-Paste? Warum denn?“
  4. „Die Benotung ist ungerecht, wenn wir alle zusammenarbeiten.“

Das alles ist sicherlich lösbar. Was ein Wiki aber für die meisten Unterrichtszwecke unbrauchbar macht ist, dass ein Wiki einzigartig sein muss. Warum?

Ich beginne mit dem (Berufsschul)lehrgang 1 an einem Wiki, beispielsweise über Wertpapiere. Der nächste Lehrgang, 10 Wochen später, arbeitet daran weiter. Dieser muss erstmal den Wissensvorsprung des Lehrgangs1 aufarbeiten, um das Wiki dann weiter bearbeiten zu können. Lehrgang3 hat zwei Wissensvorsprünge aufzuarbeiten. Unmöglich, in 40 Stunden. Wir haben ja andere Sachen auch zu tun. Ein Wiki, das immer wieder wächst, ist für (meinen) Schulbetrieb nicht geeignet. Wünschenswert, ja. Was wäre das für ein tolles Wiki nach 2 Jahren, aber nicht realisierbar. Für die Grundausbildung muss ich mit dem Wiki immer wieder von vorne anfangen und das Wiki des vorigen Lehrganges löschen. Autsch, das tu weh. Aber auch wenn ich lösche: Die Schüler haben das Wiki längst heruntergeladen uns es ihren Nachfolgern gemailt.

Daher müsste ich bei jedem Lehrgang thematisch ein neues Wiki beginnen. Aber was mache ich mit dem alten Wiki? Als Lernunterlage für die nachfolgenden Schüler? Das ist zu vergessen, das ist wie e-learning aus dem Jahr 2000, völlig unakzeptabel. E-Learning heute heißt: Inhalte erstellen. Der Weg ist das Ziel, niemals das Endprodukt. Das Endprodukt ist als Nachschlagewerk nützlich, aber nicht als Lern- oder Unterrichtsbehelf.

Einige Ideen dazu habe ich noch. Aber mit denen gehe ich bis zum nächsten Mal schwanger.

11 thoughts on “Wikis im Unterricht – Erfahrungsaustausch

  1. An meiner Schule beginnen gerade Klassen unabhängig voneinander selbst Wikis zur Unterrichtsdokumentation einzurichten. In meinem Unterricht sitzt z.B. nun ein Schüler, der immer gleich im Wiki protokolliert. Wir bieten demnächst den Schülern auf einem schuleigenen Server Platz für solche Projekte.

  2. Meine Klasse 10 durchläuft gerade ein Webquest zum Unterrichtsthema Europa und hält Zwischenergebnisse in einem Wiki fest. Die Wikis dienen hier als Arbeitsplattform und sollen ortsunabhängige Zusammenarbeit (also auch während Hausarbeitsphasen / Freistunden im Selbstlernzentrum) und die gemeinsame Erstellung eines Produktes fördern. Die Plattform füllt sich gerade mit ersten Ergebnissen. Infos unter http://www.obeling.de/klasse10a

    Gruß aus Köln
    Steffen Obeling

  3. Lernt euch! » Blog Archiv » Was macht Wikis für den Unterricht wertvoll?

  4. Lernt euch! » Blog Archiv » Praxisempfehlung: Wikis als Arbeitsplattform

  5. Christian gehört mit Sicherheit zu der Avantgarde unter den Lehrern. Und die Einbindung von Wiki’s ist eigentlich state of the art.
    Leider bwelegen aktuelle Studien, dass es zu wenig Lehrer wie Euch gibt. Gerade die „älteren Semester“ sind mit dem PC/Internt hoffnungslos überfordert.

  6. Einsatz von Wikis im Unterricht » hannes-sander.net

  7. Bildungsfundstücke der Woche

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