Lehrer und Facebook

„Was ist denn eigentlich dieses Facebook?“, fragte mich voriges Schuljahr ein Kollege. Wenige Sätze später haben wir beschlossen, ein SCHILF-Seminar (=schulinterne Lehrer-Fortbildung) zu organisieren. Vorigen Mittwoch war es soweit:  Lehrerinnen und Lehrer drückten nach einem langen Arbeitstag, teilweise sogar nach einem anstrengenden Nachtdienst im Internat bis spätabends zum Thema „Facebook & soziale Netzwerke“die Schulbank.

Um dieses 4-Stunden-Seminar zu halten, bin ich wie folgt vorgegangen:facebook-logo

  1. Aktivierung meines seit 2 jahren brach liegenden Facebook-Accounts, Freunde suchen und finden (von Null auf 125 in 6 Monaten).
  2. Sammeln von Links via delicious-tag „Facebook“.
  3. Anlegen einer Facebook-Youtube-Playlist.
  4. Anlegen eines Google-Alerts zum Thema, Stichwort „facebook“ im Bereich „News“ als RSS-Feed.
  5. Sammeln von anderen Beiträgen (Podcasts,  einschlägige Sendungen, Zeitungsausschnitten)
  6. Aufbau einer Screenshot-Sammlung von Facebook-„Merkwürdigkeiten“.

Die 25 potentiell interessierten Teilnehmer bekamen ein Monat vorher die Möglichkeit, den Seminarablauf via etherpad anzusehen und Wünsche in etherpad einzugeben. Etherpad habe ich gewählt, weil keine Anmeldung notwendig ist und dies eine zusätzlich Hürde für Kollegen wäre, Wünsche zu deponieren. Genutzt wurde diese Möglichkeit trotzdem kaum.

Ich hatte auch alle Teilnehmer gebeten, sich vorab bei Facebook zu registrieren (Name, Geburtsdatum, e-mail; den Rest überspringen; die e-mail bestätigen), weil ich befürchtete, dass Facebook die Registrierung automatisch sperrt, wenn sich 25 Teilnehmer (von einer IP) zu  selben Zeit anmelden. Bei Google-Docs passiert mir das regelmäßig mit Schülergruppen. Fast alle hielten sich daran, die anderen verursachten dann im Seminar selbst einige Minuten Leerlauf. Das war nicht weiter schlimm, aber trotzdem für die Zukunft merken: Alle sollten angemeldet sein, notfalls selbst machen.

Gestartet habe ich mit einem Wissens-Quiz-Spiel, um die Teilnehmer auf die spannende Hintergrund-Infos einzustimmen. Folgende 9 Fragen habe ich den Teilnehmern gestellt:

  1. Nenne 50 Dinge, die sich durch das Internet bzw. die Netz-Kommunikation verändert haben.
  2. Wenn Facebook eine Nation wäre, wie groß wäre diese Nation im Weltranking?
  3. Was passiert mit deinen Daten, nachdem Du die FB-Mitgliedschaft beendet hast?
  4. Wer finanziert Facebook?
  5. Wer außer FB at Zugriffsrechte auf Deine Daten?
  6. Wem gehören die Bilder, Videos, Links usw. in FB?
  7. Wie verdient FB Geld?
  8. Wieviel % Internet-Datenverkehr war der FB-Anteil vor zwei Monaten bei den Schweizer Bundesbeamten?
  9. Was ist die höchste Strafe, die bisher aufgrund eines FB-Postings erteilt wurde?

Das Seminar teilte ich in vier Blöcke zu je 50 Minuten. Nach jedem Block war eine 10-Minuten-Pause vorgesehen. Jeder Block war wiederum geteilt in die konkrete Anwendung Facebook und in Hintergrundinfos. Diese Hintergrundinfos, gespickt mit Videos, entnahm ich zum Teil dem Vortrag von Peter Kruse beim Metro-Bildungskongress, baute Infos aus Ratgebern für Medienkompetenz Jugendlicher ein, spickte das noch  mit Geschichten und Ideen aus einschlägigen Büchern (z. B. „Here comes everybody“ von Clay Shirkey).

Skript gab es keines, dafür legte ich die wichtigsten Infos im im Lernenheute-Wiki ab. Hier gibt’s ein Facebook-Skript zum Runterladen, zwei Skripten zur Privatsphäre und Medienkompetenz und ein überaus interessantes Interview von Peter Kruse. Dazu noch die verwendeten Slideshows, die youtube-Playlist und die delicious-Links.

Mit dem im Wiki angegebenen Seminarplan kam ich in den 4 Stunden ganz gut durch. Den Fotoalbum-Teil habe ich ausgelassen, weil wir 35 Minuten später als geplant begonnen haben.

Das mündliche Feedback der Kollegen war sehr erfreulich. Trotz später Stunde und Müdigkeit war das Interesse bis zum Schluss sehr groß. Für das Schulsystem würde ich mir gerne mehr solche Veranstaltungen wünschen. Die Vorlaufzeit müsste sich mit ein wenig guten Willen vielleicht auch auf ein Monat reduzieren lassen, wenn es sich um schulinternes Seminar handelt.

Ich habe versucht, die Kollegen möglichst neutral zu informieren, den Schwerpunkt auf Medienkompetenz zu legen und auf Möglichkeiten und Chancen mittels Facebook hinzuweisen. Einige Kollegen haben ihren Facebook- Account nach dem Seminar wieder deaktiviert, andere sammeln fleißig Freunde, haben ihre Kinder nun als  FB-Freunde oder machen Bekannte darauf aufmerksam, was sie in FB eigentlich nicht tun sollten.

Auf die Frage, ob Lehrer generell Facebook nutzen sollten, kam im Seminar aus der Ferne via Twitter eine sehr schöne Antwort von Diana Menschig:

m. E. ist Nutzung von Online-Netzwerken wie facebook, wie über den Schulhof zu gehen: Präsenz und Interesse an Schülern zeigen!

11 thoughts on “Lehrer und Facebook

  1. Twitter Trackbacks for Lehrer und Facebook « Lernen Heute [lernenheute.wordpress.com] on Topsy.com

  2. Kann mich dem auch nur anschließen – super Idee! Schön wenn mehr „Workshops“ rund ums Thema „web2.0“ so aufgebaut wären… oft ja doch leider nur mehr oder weniger interessante Vorträge.

    • hihi,

      du scheinst auch in diesem Gebiet (weißer Fleck 2.0) zu arbeiten? An meinem Wohnort ist selbst DSL nur in der light Version (384 kb) verfügbar 🙂

      HG Heinz

  3. Facebook im Sprachunterricht « landeskunde

  4. Should teachers use facebook? « Anna Maria Gallus’ Weblog

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