Wen hast du denn heute in der Schule unterrichtet?

furman„Ich schaffs!“ von Ben Furman beschreibt eine Methode, mit der Kinder Fähigkeiten erlernen können, die wir normalerweise mit dem Wort „Problem“ bezeichnen würden. Beispielsweise „schön spielen“ (=beim Spielen nicht so wütend zu werden, dass Raufereien entstehen), die „Kitty-Fähigkeit“ (=so gut zuhören können wie die Katze Kitty) oder „braves Reden“ (=keine Schimpfwörter verwenden).

Die Methode besteht aus 15 einfachen Schritten,  in denen die zu erlernde Fähigkeit definiert und benannt wird, eine „Kraftfigur“ als imaginärer Helfer und reale Helfer ausgesucht und eingeweiht werden, das Vorhaben veröffentlicht, geübt und eine Vorgehensweise für Rückschläge gefunden wird. Zuletzt wird gefeiert.

Verglichen mit der Schule wäre jetzt Schulschluss. Aber Furman setzt noch zwei Schritte drauf: Im Schritt 14 sollte das Kind die Fähigkeit an andere weitergeben (=Lernen  duch Lehren) und im Schritt 15 zur nächsten Fähigkeit übergeben (=Lebenslanges Lernen).

Aus lernpsychologischer Sicht ist Schritt 14 wichtig:

  1. das Erlernte wird nochmals wiederholt und damit gefestigt
  2. das Erlernte wird mit eigenen Worten wiedergeben
  3. das Selbstwertgefühl wird durch die Weitergabe an Andere (=Peers) gesteigert
  4. die Peers lernen von ihresgleichen leichter und schneller

Eltern, Erzieher, Lehrer werden durch den Schritt 14 entlastet und das Erlernen der Fähigkeit wird ein Selbstläufer.

Furman berichtet, dass in traditionellen Kulturen Lernen als Kreislauf angesehen wird. Die Phase der Ignoranz wird durch eine Lernphase abgelöst. Der Kreislauf wird geschlossen, wenn die Person das Gelernte im Stamm verbreitet hat. Etwas alleine zu wissen, reicht nicht aus. Man muss auch in der Lage sein, es anderen beizubringen.

Deshalb plädiert Furman für eine Durchmischung von älteren mit jüngeren Kindern in der Schule. Ältere sollten Jüngere unterrichten, so wie das bis vor Einführung der Industriezeitalter-Schule schon immer geschehen ist. Das ist unsere Natur, das erleichtet das Lernen.

„Kinder haben ein angeborenes Bedürfnis zu lernen, sie haben aber auch ein angeborenes Bedürfnis zu lehren. Wenn ein Kind ein anderes unterrichtet, fühlt es sich nützlich und wichtig. Wenn wir möchten, dass unsere Kinder etwas lernen, sollten wir ihnen die Gelegenheit dazu geben, das Erlernte auch anderen Kindern zu vermitteln.“

Statt zu fragen „Was hast du denn heute in der Schule gelernt?“ sollten wir unsere Kinder fragen (können) „Wen hast du den heute in der Schule unterrichtet?“

Die Methode gibt es auch adaptiert für junge Erwachsene Jugendliche im Buch „Ich schaffs! Cool ans Ziel“:

One thought on “Wen hast du denn heute in der Schule unterrichtet?

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s