Neue Geldquelle entdeckt: Private Kopierer in der Schule

Manchmal werden Schulen geprüft. Ob dort alles mit rechten Dingen zugeht. In einer (vom Standard) nicht näher genannten österreichischen Schule fehlten plötzlich zwei Quadratmeter Schulraum. Nach intensiver Suche wurden die 2 m² unter einem schulfremden Kopierer gefunden. Nach weiteren intensiven Ermittlungen erkannte der Prüfer, dass dieser schulfremde Kopierer im Privatbesitz einiger (engagierter) Lehrer stand, die diesen anschafften, weil der einzige schuleigene staatliche Kopierer in der Direktion für die Schule unterdimensioniert war und kein (Staats-)geld für einen zweiten verfügbar war.

copierfAlso leasten diese Lehrer auf eigene Faust einen Kopierer, stellten ihn auf, kassierten Kopiergeld von den Schülern (oder auch nicht) und versuchten guten Unterricht zu machen.

So geht das aber nicht. Der Kopierer verstellte immerhin zwei Quadratmeter Schule.

Doch rasch fanden Juristen eine (juristisch) einwandfreie Lösung:

  1. Der schulfremde Kopierer ist eine gute Sache und verstößt nicht gegen irgendwas, verbraucht aber ständig Schulraum (auch in der unterrichtsfreien Zeit).
  2. Er darf bleiben, wenn für den (privat) verbrauchten Schulraum ein angemessenes (privates) Entgelt von den Lehrern (privat) bezahlt wird. Zahlungstext in der Überweisung: „Schulraumüberlassung“.

Mir gefällt das. Vorschrift ist Vorschrift. Ich werde in den nächsten Wochen um eine Prüfung meiner Privatwohnung bitten. Bei dieser Prüfung wird herauskommen, dass ein ganzes Zimmer meiner Wohnung eigentlich Schulraum ist, weil es vollgestopft mit Mappen, Büchern, Unterlagen und Materialien für die Schule ist. Klären lässt sich sicherlich noch, ob eine simple Honorarnote an die Schulaufsichtsbehörde oder ein Mietvertrag notwendig ist. Abgezogen wird wahrscheinlich der Platz, den meine privaten Hausschuhe in der Lehrergarderobe in der Schule verbrauchen. (Notiz an mich: Hausschuhe in den Ferien mit nach Hause nehmen). Relativ froh bin ich, dass ich im Unterricht meinen privaten iPod und ein privates Netbook verwende, die ich mit einem Rucksack ständig am Körper tragen kann und die, glaube ich, theoretisch keinerlei Schulraum verbrauchen sollten.

Wie ich aber soeben in einem Schulaufsichtsbehörde-Tweet lese, wird aus meiner aufgetanen Geldquelle nichts werden: Angeblich werden die Schulraum-Juristen auf Kurzarbeit geschickt. Sie können sich in den nächsten Monaten nur mehr um die dringlichsten und wichtigsten Angelegenheiten kümmern. Blogbeiträge, zum Beispiel.

(Hier übrigens die gesetzliche Grundlage: §128 – Schulraumüberlassung)

6 thoughts on “Neue Geldquelle entdeckt: Private Kopierer in der Schule

  1. Habe grade den Artikel im RSS-Feed gelesen und weil ich finde das gute und unterhaltsame Arbeit mit einem Kommentar unterstützt werden sollte, hier die zwei Gedanken, die mir in den Sinn kamen:

    Vielleicht können die Lehrer den Kopierer an die Schule ver-leasen und so die Schulraumüberlassungsgebühr refinanzieren.

    Der zweite Gedanke war der gleiche, den Sie beschrieben haben: Was ist mit den riesigen Lehrerbüros, ist das alles Schulraum? Unterrichtsraum ist es zwar nicht, aber das war es beim Kopierer wohl auch nicht.

    Kopier-AGs an Schulen wären keine schlechte Sache. Aus Technik-Lerngründen für die Schüler, und auch weil viele Lehrer es dringend nötig hätten („Shift happens“ lässt grüßen…).

  2. Schulraumüberlassung « juhudos chronicles

  3. Ist ja nicht zu fassen, da müssen sich die Lehrer schon mal überlegen was sie machen und wie viel Platz sie dafür brauchen.

    Cooler Bericht

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