Wenn gute Vorschläge von Affen einfach nicht akzeptiert werden

„Lemim“ (anonym) schreibt im Kommentar zu vorigem Blog-Posting „Lehrer nach Leistung bezahlen?“ einen kurzen Satz, der einige Tage kreisend in meinem Kopf verbrachte:

„Schade, dass sowas von den Verantwortlichen nicht gelesen wird!“

Mal abgesehen von diesem Blog-Beitrag und abgesehen, ob der Inhalt gut, durchführbar, bezahlbar, politisch durchsetzbar, akzeptabel für diese oder jene Menschen ist: Es immer wieder interessant, wie sich Einzelne eine blutige Nase oder zumindest ein Päckchen Frust holen, wenn sie Vorschläge vorbringen, die Organisationsabläufe ändern.

Da hilft es auch oft nichts, wenn sich manche in Guerilla-Taktik-Manier akribisch auf Gegenargumente vorbereiten, in einem zweiten Schritt diesen Vorschlag mal im Pausenraum vorbringen, in 60 Sekunden 20 weitere Gegenargumente sammeln und diese Gegenargumente wiederum gewissenhaft und logisch zu entkräften versuchen. Neinnein, selbst die beste Idee scheitert dann an … ja, woran? Angst vor Veränderungen? Bequemlichkeit? Nicht-lernen-wollen?

affenRobert Cialdini („Die Psychologie des Überzeugens„) bringt eine weitere Ursache: Autorität und Status. Er berichtet von einer Studie über japanische Affenhorden aus dem Jahre 1970: Jungen Affen, die in der Hierarchie der Horde weit unten standen, wurde als neues Nahrungsmittel Karamellbonbons gefüttert. Die jungen Affen waren natürlich begeistert von den Bonbons, diese Vorliebe verbreitete sich aber nur im Schneckentempo in der übrigen Horde. Nach 18 Monaten hatten erst 51 Prozent der Affen eine Vorliebe für Karamellbonbons erworben, kein einziger Anführer kannte diese.

Ganz anders war es, als man den Anführern Weizen als neues Nahrungsmittel anbot. Innerhalb von vier Stunden hatte sich das Nahrungsmittel in der Horde durchgesetzt.

Cialdini schreibt  „In Affenhorden, in denen strenge Machthierarchien bestehen, finden neue Errungenschaften nur dann rasch Verbreitung, wenn sie zuerst einem der dominierenden Tiere beigebracht werden. Wird die Sache zuerst einem tiefer stehenden Tier vermittelt, bleibt ihr Wert dem Rest der Gemeinschaft weitestgehend unbekannt.“

Sollten Sie also in einem Umfeld Vorschläge vorbringen, in denen strenge Machthierarchien bestehen, dann wundern Sie sich nicht, wenn diese abgelehnt werden. Erklimmen Sie erst die Karriereleiter, am besten ganz rauf. Dann machen Sie ihre Vorschläge. Und wenn Ihre Vorschläge dann immer noch nicht greifen, dann könnte es daran liegen, dass es mehrere dieser Leitern gibt, auf denen andere stehen.

6 thoughts on “Wenn gute Vorschläge von Affen einfach nicht akzeptiert werden

  1. Hallo !
    Als ich diesen Beitrag gelesen habe musste ich unwilkürlich schmunzeln. Genauso ist es mir in meiner Anfangszeit gegangen.
    Egal was aus meinem Mund als Vorschlag kam, alles aber auch wirklich alles wurde abgelehnt.
    So ca. 14 Tage später hat mein damaliger Chef meine schon mal eingebrachten Verbesserungen als seine „ANGEWIESEN“
    Mit der Zeit bin ich irgendwie abgestumpft und habe irgendwann mal einem Kollegen meine Idee erzählt und ihn gebeten die mal beim Chef vorzutragen – natürlich mit dem Ergebnis das Sie angenommen wurde. Als mein Kollege und ich dem Chef dann sagten das dieser Verbesserungsvoeschlag von mir war, ging mal kurz der Kiefer runter und es kamen nur ein paar lapidare Worte wie:
    Sehen Sie, sie können es doch !
    Gott sei Dank – wurden seit diesem Tag meine Vorschläge (nicht immer) wohlwollend diskutiert.
    Also egal was passiert, man sollte immer auch mit anderen reden.
    Gruß Andreas

  2. Mitten in den Ferien: neues Schulprojekt gestartet « Lernen Heute

  3. die frage nach resonanz ist vielleicht auch wichtig? unsere umwelt spiegelt uns! was, wer oder wessen „vorschläge“ nehme ich denn nicht an?!
    vlg

  4. Es ist bekannt, dass sich wissenschaftliche Neuerungen nicht durch Diskussion durchsetzen, sondern dadurch, dass ihre Vertreter Lehrstühle besetzen (und die „Gegner“ der Neuerung aussterben – also pensioniert werden).
    Auch Kollegen in der Schule gewinnt man nicht durch logische Argumentation für eine Einsicht, ist jedenfalls meine Erfahrung. Ich befürchte, ich hatte nicht genug Stufen der Leiter erklettert.

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