Nachtrag zu: „Blogs im 50-Minuten-Unterricht“

Vorgestern habe ich mit 11 SchülerInnen versucht, das Thema „Konsumentenschutz“ im Fach Wirtschaftskunde mit Hilfe eines Blogs zu behandeln. Das Ergebnis findet sich im Beitrag „Blogs im 50-Minuten-Unterricht„.

konsumentenberaterDen SchülerInnen waren Blogs weitgehend unbekannt und erfahrungsgemäß haben auch nicht viele eine in der Schule abrufbare E-Mail-Adresse. Ziel war es, dass die SchülerInnen ohne großen Administrationsaufwand Fragen ins Web stellen und diese gegenseitig beantworten.

So lief es ab:

  • Ein EDV-Raum war für uns reserviert und glücklicherweise dann auch wirklich frei.
  • Nach 10 Minuten waren die Schüler im Netzwerk  angemeldet und alle hatten die (etwas langsame) Blog-Seite geöffnet.
  • Weitere fünf Minuten später hatte ich die Vorgehensweise erklärt  und die SchülerInnen legten los. Vier Kommentare verirrten sich auf einen falschen Blog-Eintrag, aber kein Problem.
  • Einige Geschäftsfälle blieben unbeantwortet. Die letzen 10 Minuten gab ich den Auftrag, keine neuen Fragen mehr hineinzustellen sondern die bestehenden Geschäftsfälle zu beantworten.
  • Insgesamt wurden 60 Beiträge gepostet. Das heißt, dass jeder Schüler zirka 5 Beiträge in zirka 40 Minuten geschrieben hat.

Das habe ich gelernt:

  • Die SchülerInnen sollten sich zwar anonym im Netz bewegen. Ich selbst sollte aber doch die Nicknames kennen. Das heißt auch, dass sich die SchülerInnen immer mit dem selben Nick kommentieren müssen.
  • Ich habe keine Punkte bzw. Noten für die geleistete Arbeit gegeben. Das war gut. Noten stören Kreativität.
  • Irgendwann dachte ich: Wie prüfe ich das, was wir jetzt gerade machen? Zu einer Schülerin sagte ich dann: „Am Ende drucken wir alles aus, ich suche die besten Geschäftsfälle heraus und die müssen Sie dann lernen.“ Sie sah mich relativ erschrocken an. Zu Recht. Ich habe diese Idee wieder verworfen und war dann ein wenig ratlos und überlegte, was ich nun aus diesem Experiment machen sollte, um was „handfestes“ zum  Prüfen zu haben.

Dann las ich dann den wunderbaren Blog-Beitrag „Two Paradoxes“ von Franz Kuehmayer, der mich diese Stunde aus einer anderen Perspektive betrachten ließ.

„The paradox of the knowledge society is that it does not ask students to acquire more knowledge.“

(Okay, bitte kurz den Aufschrei unterdrücken: „Die werden immer schlechter un die wissen immer weniger. Ich kann die Tests heute sowieso nicht mehr geben, die ich vor 5 Jahren noch gegeben habe.“)

Die SchülerInnen müssen nicht notwendigerweise mehr wissen, als sowieso im Buch steht, nur weil wir mal eine Stunde den EDV-Raum benutzt haben. Dafür wissen Sie jetzt, wo sie Infos finden, die nicht im Buch stehen.

Kuehmayer schreibt dann noch:

„So the knowledge economy does not necessarily ask for acquiring new knowledge, but it requires to learn how to create, to find, to combine, to use knowledge in new ways and in better ways.“

Was lernten die SchüerInnen während dieser 50 Minuten:

  • Die Seite www.konsumentenberater.at gibt Auskunft bei vielen Fragen der Muss-ich-haben-Gesellschaft.
  • Geschäftsfälle wurden erfunden, Fragen formuliert, Antworten dazu gesucht und oft gefunden.
  • Blogs können kommentiert werden. Die Kommentare können auch kommentiert werden.
  • Jeder kann weltweit das Lesen, was gerade geschrieben wurde.
  • Nicknames sollten im Internet verwendet werden, wenn man anonym bleiben möchte.
  • Nicht mal der Lehrer kann herausfinden, was ich geschrieben habe, wenn er meinen Nickname nicht weiß.

Doch eine ganze Menge. Prüfen kann ich auch die zwei Seiten im Buch, oder?

5 thoughts on “Nachtrag zu: „Blogs im 50-Minuten-Unterricht“

  1. Ja gut, aber ich finde, das diese Art des Unterrichts, auch einige Risiken verbirgt. Die Schüler die Lust haben arbeiten und ziehen sicherlich Ihren Nutzen aus dieser Aktion. Was ist mit den Schülern die keine Lust haben???

    Die Lehrer von Heute, gehen immer mehr dazu über, Schüler die gut sind weiter zu fördern und Schüler die keine Lust haben, selber Schuld, am ende wird die vergebene Note diese Strafen.

    Aber liebe Kollegen, die Vearantwortung liegt bei UNS, auch für die Schüler die nicht möchten…

    • Schüler, die keine Lust haben, gibt es vermutlich in jeder Stunde. Das Risiko gibt es immer und spricht umso mehr für einen häufigen Methodenwechsel!

      Die hier geschilderten Erfahrungen spiegeln meine recht gut wider. Ich habe Blogs im Literaturunterricht über ein halbes Jahr zum kreativen Schreiben eingesetzt. Das lief sehr gut. An die Nicknameliste habe ich zum Glück gedacht😉

      Der wichtigste Satz für mich in diesem Posting ist „Noten stören Kreativität.“
      Und nicht nur die Kreativität, sondern auch die Innovation. Wenn ich ständig daran denken muss, wie ich die Stunde in meinen Notelisten verwerten kann, dann lähmt mich das ungemein. In diesem Sinn hat die laufende Evaluationshysterie viel Schaden angerichtet und die Schule paralysiert.

  2. Das Web ist riesig aber nicht anonym. Wo ich etwas lerne, ist doch unwichtig. Hauptsache ich lerne überhaupt was. Um das Web kennen zu lernen, muss ich damit üben. Übrigens, Blogs sind eine tolle Sache aber manchmal wie vieles im Leben gewöhnungsbedürftig.

  3. Unterrichten sollte Spaß machen und nicht nur für die Schüler, sondern sehr wohl auch für die Lehrer. Mann sollte trockenen Unterrricht vermeiden und die Schüler zur Eigeninitiative ermutigen. Finde das gerade im Web, so etwas gut möglich ist.

  4. Klasse Sache, so haben ein paar junge Leute das Medium Blog kennengelernt. Nicht nur das Lesen oder Geschäftfälle machen im Web Spass, sondern auch das Bloggen selbst. In der ursprünglichen „Form“ als Weblog – also als Tagebuch und auch wenn man anderen etwas mitteilen will.

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