Brainstorming hemmt Inspiration und Motivation

Und wieder ein Aha-Erlebnis: In der „Gehirn und Geist“ 12/2008 schreibt Sven Gábor Jánsky von forward2business.com im Artikel „Innovation mit System„:

Seit langem steht fest: Brainstorming bringt wenig – es hemmt oft sogar die Inspiration und die Motivation.

Häh? „Seit langem steht fest?“ Wird nicht in jedem Didaktik-Buch Brainstorming als vernünftiges Unterrichts-Methode aufgezählt? Ist nicht bei jedem Methoden-Seminar das „Brainstorming“ unter den Top3, das den Leuten zuerst einfällt? Wenn nicht gar unter den Top 1? Da haben ich (und andere) wohl den Wikipedia-Artikel noch nicht (genau) gelesen.

1953 stellt Alex F. Osborn Brainstorming als eine Methode vor, die Ideenproduktion in einer Gruppe zu verdoppeln. Fünf Jahre später wurde wissenschaftlich bewiesen, dass Brainstorming ideen- und motivationshemmend wirken kann.

Konkrete Ergebnisse:

  • vier Personen produzieren mittels Brainstorming um etwa 40 Prozent weniger Ideen als vier Einzeldenker
  • sechs Personen produzieren um etwa 90 Prozent weniger Ideen als sechs Einzeldenker

Der Grund:

Statt dass die Teilnehmer sich gegenseitig beflügeln, unterbrechen die Äußerungen der anderen immer wieder die eigenen Denkvorgänge. Jetzt wird mir klar, warum mir früher bei Brainstorming-Sessions in der Klasse kaum was eingefallen ist. Unklar ist mir noch, warum den anderen was eingefallen ist… So mancher Schüler könnte sich dadurch als vermeintlich unkreativ erfahren, wenn einzig und allein Brainstorming als Kreativmethode angewandt wird. Die Wahrheit ist, wie so oft: Nicht der Schüler ist schlecht, sondern die Methode.

Laura Bergells beschreibt eine alternative Anwendung von Brainstorming. Statt umständlicher E-Mails würde ich aber ein Google-Docs-Formular verwenden. So wie wir das heute an der Schule für die Frage „Nennen Sie die drei beliebtesten Weihnachtsgeschenke für Mädchen“ gemacht haben.

Hand aufs Herz: Wie viele Kreativmethoden können Sie ad-hoc einsetzen?

Eine Sammlung von Kreativitätsmethoden gibt es bei Wikipedia unter „Ideenfindung„. Eine, die ich bei Gelegenheit ausprobieren möchte ist www.brainr.de – hier sollte die Web 2.0 Community bei der Ideenfindung helfen.

8 thoughts on “Brainstorming hemmt Inspiration und Motivation

  1. Brainstorming als Gedankenbremse at Lebensfreude pur

  2. neue verweise vom 23.11.2008 | www.matthias-mader.de

  3. „Statt dass die Teilnehmer sich gegenseitig beflügeln, unterbrechen die Äußerungen der anderen immer wieder die eigenen Denkvorgänge.“

    Deshalb macht es Sinn, das Prinzip Think – Pair – Share anzuwenden: Zuerst wird allein gedacht (Welche Ideen habe ich ganz allein dazu?), dann erst mit Partnern diskutiert (Welche Ideen haben wir?) und erst zum Schluss präsentiert (Diese Ideen haben wir.).

  4. Ich sag’s ja immer:
    Die Hälfte der „modernen“ Methoden ist Kicki, ist modern, aber nicht gut. Ich denke jetzt auch an bestimmte „produktive“ Methoden, wie man angeblich Gedichte erschließen kann: das Gedicht zeschnippeln und wieder zusammensetzen; nur die Reimwörter nehmen und dann die verse füllen… (Menzel, Spinner, Haas). Da fasst man sich als jemand, der Gedichte liebt, nur an den Kopf – aber die Referendare müssen so etwas machen, weil es modern ist.

  5. „Die Hälfte der “modernen” Methoden ist Kicki, ist modern, aber nicht gut.“

    Das hängt meines Erachtens viel von der Umsetzung ab und ob die Lehrkraft hinter den Methoden und der dahinter stehenden Lerntheorie steht. Sonst führt es schnell zu ‚Sich selbst erfüllenden Prophezeiungen‘.

  6. Also ich bin kein Experte auf dem Gebiet des Brainstormings, aber man kann das auch sinnvoll nutzen. Natuerlich wirkd es hemmend, wenn einer eine Idee hat und gleich 10 danach die Idee nieder machen. Was man stattdessen tun sollte ist, dass jeder seine ideen anonym auf einen Zettel schreibt. Ein Moderator sammelt dann die Zettel und Pros und Cons werden mit allen diskutiert, ohne dass man weiss, wer die Idee eigentlich hatte (kann man natuerlich spaeter aufklaeren, aber darum geht es ja nicht. Mir ist lieber jemand hat 10 Ideen und davon ist eine brauchbar, als einer der gehemmt ist und keine Ideen produziert.

  7. Wenn Brainstorming in dieser Art verstanden wird:

    „Die Erfahrung zeigt: Brainstorming ist, wenn viele Menschen wirres Zeug reden, sich gegenseitig nicht zuhören und am Ende mit einer Hand voll mehr oder weniger unausgereifter Ideen wieder auseinandergehen.“

    und wenn das Beschriebe („Jetzt wird mir klar, warum mir früher bei Brainstorming-Sessions in der Klasse kaum was eingefallen ist.“) in einer Gruppe zu beobachten ist, dann muss man eine andere Methode wählen.

    Das Brainstorming (was Kicki ist entscheidet der Schüler!) nicht der heilige Gral der Ideenfindung ist, dies anzusprechen ist gut, aber wie Christian schon schrieb, es kommt immer auf eine SEHR gute Moderation an, die eine Zusammenfassung präzise fassen kann und dazu sollten LehrerInnen befähigt sein.

    Auf der anderen Seite führt aus meiner eigenen Erfahrung Brainstorming für den/ die hauptsächlichen Diskutierenden zu einem „warmen“ Kopf und die weiteren Teilnehmen sind (nur)die wichtige Reflexionskulisse…

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