Endlich arbeiten! Oder „The Age of Interruption“

Im Zeitalter der Unterbrechungen (siehe Thomas Friedman: The Age of Interruption) hat sich bei mir ein Arbeits- und Lebensstil eingeschlichen, den es zu überdenken gab. Konzentriertes Arbeiten wurde durch ständige Unterbrechungen und Ablenkungen unmöglich. Soweit ist es zwar noch nicht, dass ich kein Buch mehr vernünftig lesen kann, wie Nicholas Carr in „Is Google making us stupid?“ beschreibt, aber trotzdem ist mein PC seit Web 2.0 vom Arbeitsgerät zum Allround-Entertainer mutiert. Die Push-Technologie sollte eigentlich Punch-Technologie heißen, denn die Produktivität nähert sich dem k. o.

(c) www.pixelio.de / pepsprog

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Und immer lockt das Web

Was rege ich mich auf, wenn meine Kinder ständig ins Arbeitszimmer platzen? Was rege ich mich auf, wenn in Zeitungen nichts Wesentliches mehr steht? Wie wesentlich sind die Informations-Häppchen, die ich mir Tag und Nacht so runterhole anzeige und abspeichere? Information-Junkie? Süchtig nach Info-Happen? Belangloses? Gossip? Trends und Meinungen? Süchtig nach Unterbrechungen? Machen wir sie dingfest, die, die mich nicht arbeiten lassen:

And the most famous Interruptors are…

  • RSS-Feeds, besonders in Verbindung mit Google-Reader und Dutzenden von abonnierten Blogs (Verdammt, warum sind im Juli trotzdem so wenig Blog-Einträge da? Schreibt denn keiner im Urlaub mehr? Wenigstens Urlaubsgrüße? Es gibt doch Internet-Cafes überall!)
  • Blog-Beiträge, die ich unbedingt lesen und vielleicht auch kommentieren muss
  • Blog Kommentare kommentieren
  • E-Mail-Programm (bei mir Outlook, aber Thunderbird ist genauso böse)
  • i-tunes mit Dutzenden abonnierten Podcasts (zuletzt hinzugefügt – 25 Podcasts); die liefen immer während der Arbeit, mit einem halben Ohr hörte ich zu
  • wenn ich die neuesten Podcasts gehört hatte, dann gibt es ja noch einige Gigabytes gespeicherte auf der Festplatte, also: weiterhören.
  • http://www.orf.at, http://www.derstandard.at, http://www.diepresse.at, http://www.wirtschaftswoche.at, http://www.wallstreet-online.de
  • Meine lernenheute.wordpress.com – Statistikanzeigen (danke liebe Leser, wir nähern uns der 40.000er Marke)
  • Comments auf meinem Blog
  • Internetbanking: Meinen Kontostand bekomme ich bei Änderungen per SMS geschickt. Aber: Im Internet-Banking mal kurz nachsehen kann nicht schaden. Vielleicht hat wer mein Konto geplündert, man weiß ja nie. Oder versehentlich eine Mille überwiesen. Da muss man schnell sein…
  • Das Fernsehprogramm auf Tvinfo.de
  • Xing-Nachrichten lesen
  • meistgesehene youtube-Videos ansehen
  • Neue Downloads auf zdnet.de, chip.de
  • Ach ja: Mein Smartphone kann dank WLAN auch E-Mails abrufen, wenn der PC nicht eingeschaltet ist. Super wichtig beim Grillen, damit nichts anbrennt.

Dass ich ein harmloses Exemplar dieser „Google-Generation“ bin, merkt man daran, dass ich weder Twitter noch ICQ noch Skype in Betrieb habe. Stoooopid … why the Google generation isn’t as smart as it thinks“ (Habe ich eben gegoogelt, sorry, schreibe jetzt weiter). Hat was? Habe ich vergessen. Dumm, nicht?

Hey Alter, was soll das?

John Medina schreibt in „Brain rules„:

„Studies show that a person who is interrupted takes 50 percent longer to accomplish a task. Not only that, he or she makes up to 50 percent more errors.“

Durch Unterbrechungen brauchen wir länger, wir machen auch mehr Fehler. Die Prozentangabe wird davon abhängen, welche Tätigkeit gerade unterbrochen wird. Ist es beim Überlegen einer genialen Satzformulierung die durch einen Telefonanruf gestört wird? Oder hüpft ein Kind auf die Straße, während wir autofahrenderweise mit dem Handy telefonieren und unser Reaktionsweg sich dadurch um 50 % verlängert?

Esst mehr Brokkoli

… passt zwar nicht hierher, gefällt mir aber als Grundaussage. Was mache ich, um konzentrierter arbeiten zu können?

  1. Handy ausschalten (Ausschalten, nein, nicht lautlos, ausschalten)
  2. Google-Reader zumachen, gegebenenfalls von der Startseite entfernen
  3. E-Mail-Client beenden, bei mir Outlook. Das #*####gggr Ding meldet aber trotzdem, wenn eine Mail kommt. Hier das Video, diese ##***!!## zu umgehen: How To Turn Off Outlook’s E-Mail Notification Settings
  4. i-Tunes beenden
  5. Twitter, ICQ und wie sie alle heißen: beenden
  6. No-News.  Die aktuellen Nachrichten sind jetzt nicht wichtig. Auch nicht mal kurz schauen! Sollte ein Atomkraftwerk explodieren, dann gibt es bei uns Sirenen.
  7. No-bay. Das aktuelle Gebot auf ebay ist jetzt nicht wichtig. Die schicken Mails, wenn es wichtig wird. Notfalls gibt es biet-o-matic.
  8. No Blogging. Nein, dieses heiße Thema musst du jetzt nicht bloggen. Auch nicht vormerken, es zu bloggen.
  9. No Money. Nö, der Kontostand im Internet-Banking hat sich seit heute Morgen nicht verändert. Und wenn, dann ist es jetzt auch wurscht egal.
  10. PC-Lautsprecher abschalten – um nicht in Versuchung zu kommen.
  11. Router? Optimalerweise könnte der Router abgeschaltet werden, wenn kein Internet zum Arbeiten benötigt wird. Mache ich aber nie, Internet brauche ich immer (lechz).
  12. Ganz kurz geht nicht. „Ich schaue nur kurz, nur schnell, nur mal eben“ … gibt es nicht.

Na, wie lange halten wir das durch, bevor wir nur mal kurz Mails lesen? Und die dann nur mal kurz beantworten?

Idee: Einen „Work“-Button, der Beenden und Starten von Kommunikations-Software für mich auf Knopfdruck erledigt. Dann kann ich mir auf Knopfdruck auch wieder die volle Dröhnung geben und alles auf einmal starten. Herrlich😉

2 thoughts on “Endlich arbeiten! Oder „The Age of Interruption“

  1. Also, ich bin gegen das Handyabschalten… sonst überlegt man sich die ganze Zeit, ob nicht doch jemand wichtiges angerufen hat… Ich würds auf lautlos stellen und ab und zu einen Blick draufwerfen. Bestenfalls vergisst man es dann ganz..!

  2. Jedesmal, wenn du einen Blick auf dein Handy wirfst, brauchst du knapp 60 Sekunden, bis du wieder konzentriert bei der ursprünglichen Sache bist, zB beim Lernen oder beim Schreiben einer Hausarbeit. Schau in einer Stunde 10x aufs Handy – und du hast nur 50 Minuten gelernt. OHNE PAUSE. Die Handy-Blick-Pausen sind keine Pausen, weil hier keine Erholung stattfindet.

    Aber grundsätzlich: Einverstanden, das Handy muss eingeschaltet bleiben, wenn wer wichtiger anrufen könnte. Nur: wer ist denn soooo wichtig, dass er nicht mal zwei bis sechs Stunden warten kann, während du konzentriert arbeiten möchtest?

    Ein paar Situationen kann ich mir schon vorstellen: Wenn du selbstständig bist und dir ein Geschäft entgehen würde, wenn dein Kunde dich nicht erreicht. Wenn ein naher Verwandter im Krankenhaus liegt, dem es schlecht geht. Wenn deine Kinder wo untergebracht sind und abeholt werden möchten.

    Aber kaltblütig wie ich bin – und wenn das alles nicht zutrifft, dann schalte ich mein Handy schon zwei bis drei Stunden aus, wenn ich voll konzentriert arbeiten möchte. Ich kann das, ich bin 30 Jahre ohne Handy ausgekommen. Allerdings hätte ich es mir als Jugendlicher zwecks Verabredungen oft gewünscht. Jeder wie er will.

    Eines ist mir noch eingefallen: Ein Internet-freier Tag pro Woche. Freitag. Morgen also.

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