Kreativität als Kulturtechnik für Google

„Ich habe bei (sic!) Google gesucht, aber nichts gefunden“.

„Im Google (sic!) steht darüber nichts.“

„Da kommen nur dauernd Seiten, wo man für die Infos zahlen muss.“

Aussagen von Schülern, Aussagen von Lehrern. Irgendwann habe ich mich gefragt, warum manche Menschen solche Schwierigkeiten haben, mit Hilfe von Google vernünftige Infos zu finden und manche nicht. Im Unterricht habe ich dann und wann die Google-Suchoperatoren besprochen, zB die Suche nach „filetype“, Eingrenzung mit „-„, neuerdings auch die erweiterte Suche.  Aber eigentlich benutze ich diese suchmaschinenspezifischen Kommandos und Seiten kaum und komme auch zu guten Ergebnissen.

Was tun? Was machen die, damit sie nichts finden? Ich ließ mir einige Suchvorgänge „in Zeitlupe“ beschreiben, die Schüler hatten den Auftrag, bei der Suche laut zu denken. Der Grund des Nicht-Findens war immer: Es fehlten die Worte, es fehlten Suchbegriffe, nach der Eingabe eines (oder zweier) Suchbegriffe und der Durchsicht von zwanzig Seiten wurde aufgegeben. „Da passt nichts, da kommt nur Schrott…“

Es fehlten Assoziationen, die zum Suchbegriff passen. Es mangelte an Kreativität.

Simples Beispiel: Zum „Arzt“ kann man auch „Doktor“ sagen.

Zweites Beispiel: Suche ich Infos über gesunde Ernährung für Breitensportler, so hilft es, wenn ich auch nach „Kalorien“, „laufen“, „Deutsche Gesellschaft für Ernährung“, „Kohlenhydrate“ usw. suche. Google hilft mit, indem „verwandte Suchvorgänge“ am Ende der Seite eingeblendet werden. Nur die sollte man dann auch nutzen.

Und da Assoziationen in Job und Freizeit ja auch ganz nützlich sind, könnte folgendes geübt werden:

  1. Erstelle eine ABC-Liste zum Suchthema (zB Ernährung)
  2. Erstelle eine zweite ABC-Liste, die nicht zum Suchthema passt (zB Freizeit… „Dein Hobby ist Essen? Okay, dann nehmen wir ‚Kino'“)
  3. Erstelle nun gedanklich eine Lull’sche Leiter. Verbinde den A-Begriff der Liste Ernährung mit allen Buchstaben der zweiten ABC-Liste und assoziiere. Steht zB bei A: „Abnehmen“, dann assoziiere ich mit der Kino-Liste „A view to a kill“, dass der erste Eindruck zählt. Allerdings nicht im Internet, da sieht man sich ja nicht. „Abnehmen“ und „Bram Stoker, also Dracula“ assoziiere ich mit Blut. Mit einer gesunden Lebensführung verbessern sich die Blutwerte (Cholesterin usw.) und wir leben länger. Daraus folgt: Wenn ich heute was lerne, zB eine Sprache, dann habe ich länger was davon.
  4. Und so wird mit dem A der ersten Liste jeder Buchstabe der zweiten Liste assoziiert.
  5. Dann machen wir mit dem B der ersten Liste weiter und verknüpfen es mit allen Buchstaben der zweiten Liste usw.

    Dazu braucht es Geduld und ein wenig Neugier, was unserem Hirn denn so einfällt. Auch der Austausch mit Freunden hilft, die Lull’sche Leiter kann als intelligentes Spiel gespielt werden. ABC-Listen und Lull’sche Leitern sind ausführlich in Vera F. Birkenbihls Buch „Das innere Archiv“ beschrieben.

    Haben wir zu einem Thema viele Assoziationen, können wir darüber diskutieren. Wir wirken intelligenter. Könnte auch manchmal nützlich sein. Und wenn die ABC-Liste anfangs noch nicht so klappt, dann könnten wir nachschlagen. Bei Google oder im Lexikon. Oder wen fragen. So lernen wir spielerisch. Damit wir später was über das Thema sagen / schreiben / nachdenken können. Denn Lernen ist Vorfreude auf sich selbst.

    3 thoughts on “Kreativität als Kulturtechnik für Google

    1. Interessante Zeiten » Kreativität als Kulturtechnik

    2. Sven Lehmann Weblog

    3. es gibt nicht nur google. manchmal ists auch nützlich andere suchmashinen anzuwende, oder auch den „begriff“ in einer anderen sprache zu „suchen“. ebenfalls sehr nützlich kann es sein bilder zu suchen, falls es sich um nominative handelt.
      viele infos werden auch gerne versteckt… da unbequem und weniger lukrativ (finanziell gesprochen). gute frage ist auch immer: „wer profitiert hiervon am meisten?“ und das ist nicht immer „die“ wahrheit. gerade was ernährung, sport und wissenschaft angeht gibt es sehr viele meme! besonders im internet… fragen ist aber immer hilfreich… vlg

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