„Die Welt ist flach“ – Zitate über Schule & Bildung

Thomas L. Friedman gibt in seinem Buch „The World Is Flat“ („Die Welt ist flach„) auch Anregungen für den Unterricht der Zukunft der Gegenwart. Hier einige Zitate (aus der englischen Fassung):

„Think of what one person can do with pen and paper. Think of what one person can do with a typewriter. And then think of what one person can now do with a PC.“

Unterrichten wir immer noch, als hätten die Schüler ausschließlich „pen an paper“? Oder dürfen sie schon den PC als Werkzeug zur Recherche, als Lernbehelf  oder als Mittel zur kollaborativen Wissensvermittlung nützen? Dienen eLearning-Programme als stupider „pen and paper“-Ersatz oder nützen sie den PC schon intelligent?

„Statt ‚Boy, finish your dinner – people in China and India are starving‘ ist heute zu sagen: ‚Girls, finish your homework – people in China and India are starving for your jobs.“

Wissen die Schüler das? Oder sind China und Indien für sie noch unterentwickelte Länder, für die Spenden gesammelt werden und die an Fließbändern Billigware unter menschenunwürdigen Bedingungen für uns produzieren? Wissen sie, dass bei der „Intel International Science and Engineering Fair“ im Jahr 2004 65.000 amerikanische Kinder mitmachten? In China aber 6 Millionen? Wissen sie, dass die meisten chinesischen Politiker Ingenieure oder Naturwissenschaftler sind, die amerikanischen aber Juristen? Und dass dies Auswirkungen auf die Geldverteilung für innovative und somit wirtschaftsfördernde Projekte hat? Insofern, dass die Ausgaben für Naturwissenschaften und Technik in den USA zwischen 1970 und 2004 um 37 % gefallen sind, die wissenschaftlichen Beiträge zur Physik von 61 % im Jahr 1983 auf 29 % im Jahr 2004 gefallen sind. Wissen sie, dass Infosys im Jahr 1 Million Bewerbungsschreiben von hochqualifizierten jungen Indern für 9000 Jobs erhält? Ist den Schülern bewusst, dass die Jugend in den asiatischen und osteuropäischen Staaten hungrig nach Bildung und nach Aufstiegsmöglichkeiten ist? Und dass man in unserer Welt mit Hilfe des Internets innovativ sein kann, ohne zu emigrieren? Bill Gates meinte, dass Microsoft Asien die innovativste und produktivste Forschungsabteilung hat. Dort arbeiten die Angestellten freiwillig 15 – 18 Stunden pro Tag, auch am Wochenende. Sie arbeiten auch im Urlaub, weil sie schon immer davon träumten, bei Microsoft zu arbeiten.

Steve Jobs verglich den Wohlstand von Amerika und China mit zwei Bechern:

„We are like a glass beaker that is filled three-quarters of the way to the top, and the liquid is our wealth. There is this much bigger beaker next to it, but it is filled to a much lower level. What we are doing today is we’re connecting a hose between these two beakers, which have never been connected before. As a result, our standard of living is almost certain to go down unless we can continue to be incredibly innovative.“

„To be incredibly innovative“ … Wieviel Prozent des Unterrichts dürfen die Schüler kreativ sein? Oder ist es uns Lehrern lieber, dass alle im Gleichschritt dasselbe machen, dasselbe sagen, dasselbe wiederholen und erraten, welche Meinung der Lehrer hat und deshalb hören möchte?

„No institution will go through fundamental change unless it believes it is in deep trouble an needs to do something different to survive.“

sagte Lou Gerstner über IBM, als die Firma in der Krise steckte. Wann wird sich die Schule fundamental ändern? Wie weit sind wir vom „deep trouble“ entfernt? Lou Gerstner über den Job fürs Leben (oder Beamtenstatus, Pragmatisierung, usw.):

„Instead of IBM giving you a guarantee that you will be employed, you had to guarantee that you could stay employable. The company would give you the framework, but you had to build it yourself. It’s all about adapting. … The company will give you access to knowledge, but you have to take advantage of it… You have to build skills because it will be you against a lot of other people.“

Zeigen wir den Schülern, wie sie „employable“ bleiben? Oder vergällen wir ihnen mit der Schule die Lust am Lernen? Zeigen wir ihnen Methoden, wie sie besser, schneller, leichter, interessierter, motivierter, gemeinsamer und spielerischer lernen können? Oder füttern wir sie der Einfachheit halber, gesetzeshalber, bequemerweise und vorschriftsgemäß mit Wissen, das morgen veraltet ist?

„We are not ready for the boundaries between the public and private spheres to be erased so quickly. The first rule is to develop a thicker skin. Try not to waste too much of your time reading all the stuff (on the internet). And keep it all in perspective. Let your kids know what world they are living in. It’s the Age of Interruption.“

Lehren wir den Schülern, wie sie mit dem Internet umgehen können? Wissen sie, dass nicht alles wahr ist, was im Internet veröffentlicht ist? Wissen sie, dass man ein Handy ausschalten kann? Dass es zu bestimmten Zeiten (zB beim Lernen) günstig ist, mal offline zu sein? Wissen sie, dass es zu bestimmten Zeiten (zB beim gemeinsamen Lernen) günstig ist, online zu sein? Und können sie das Eine vom Anderen unterscheiden? Und ist ihnen bewusst, dass Elefanten und das Internet nie vergessen?

Michael Mandelbaum sagte:

„People don’t change when you tell them there is a better option. They change when they conclude that they have no other option.“

Der Lehrerjob bietet auch beim strengen Korsett eines Lehrplans extrem viele Optionen. Von der stupiden Wissensvermittlung reicht die Palette bis hin zum „Lernen fürs Leben“. Wir Lehrer haben immer die Option, es gibt auch oft einer bessere. Aber haben die Schüler diese Option auch? Und denken wir Lehrer an unsere Schüler in 5, 10, 15 Jahren, wenn wir unterrichten?

„In societies that have more memories than dreams, too many people are spending to many days looking backward. They see dignity, affirmation, and self-worth not by mining the present but by chewing on the past.“

Ist das Träumen in der Schule erlaubt? Dürfen Lehrer träumen? Oder ist das ebenso unerwünscht, wie das Träumen der Schüler?

In der Zukunft könnte wichtiger sein, wie wir unsere Kinder ausbilden und nicht, wie viel wir unsere Kinder ausbilden.

  1. Es wird wichtig zu lernen, wie man lernt, denn was wir heute lernen, kann früher veraltet sein, als wir denken. Die Frage ist: „Wo lernen wir zu lernen?“ Die Antwort Friedmans: Frage deine Freunde nach ihren Lieblingslehrern, und besuche diese. Egal was sie unterrichten.
  2. Unsere Kinder werden im Web ohne Filter interagieren, deshalb müssen sie lernen, wie sie wichtige Informationen, Weisheit, Fakten und verlässliche Quellen von Rauschen, Schmutz und Lügen unterscheiden.
  3. CQ + PQ > IQ (curiosity quotient + passion quotient sind wichtiger als Intelligenzquotient). Der Weg dahin ist guter Unterricht oder den Kindern alle die technischen Möglichkeiten der flat word zu bieten.
  4. Nachdem viele neue Jobs „Synthesizer“ (zB Verbinder zwischen Mathematikern und Musikern) sind, ist eine gute Ausbildung in Geisteswissenschaften notwendig: Geschichte, Kunst, Politik und Naturwissenschaft werden wieder wichtig.

Die einzige Sicherheit für einen Job in der Welt sind Innovation und Kreativität. Linkshirnige (=logische) Arbeiten werden ausgelagert, die Stärke Amerikas (… der westlichen Welt) liegt aber in rechtshirnigen Arbeiten. „Tu das was du liebst“ sind keine leeren Worte, es ist eine Überlebensstrategie.

4 thoughts on “„Die Welt ist flach“ – Zitate über Schule & Bildung

  1. man könte die leserInnen dieses blogs ja mal einladen, diese original-zitate ins deutsche zu übersetzen und dann die übersetzungen vergleichen: a) untereinander, b) mit der offiziellen deutscenübersetzung, das könnte spannend werden.
    übrgens: warum haben Sie nicht aus dem deutschen buch zitiert? ich lese zwar auch oft im original, aber wenn ich für deutschspachige teilnehmerInnen oder leserInnen zitiere, dann übersetze ich halt…
    übrigens habe auch ich diesen autor schon „ausgeschlachtet“, unsere (virtuellen) mitglieder der pilot-lehrer-grupppe 1 besitzen den mitschnitt in dem ich mein MODULARES LESEN (stichwort-methode) anhand dieses buches vorstelle). ich kann allen hier mitlesenden nur empfehlen, das buch unbedingt selbst zu entdecken. dabei können Sie eben auch modular vorgehen, da viele bei so dicken büchern eher das weite suchen… beginnen Sie mit einem stichwort (ich habe damals erziehung und bildung genommen) und lesen Sie alle entsprechenden textstellen. oder probieren Sie stichworte „3. welt“, „flache welt“, oder was Sie interessiert. bzw. schauen Sie im stichwortverzeichnis nach, zu welchen stichworten es sehr viele seitenhinweise gibt, das sind die wesentlichen themen des autors.
    viel lese-spaß und reiche gedankenausbeute wünsche ich allen…
    vfb

  2. Keynote Jim Wynn (Cisco): “It’s not a flat world – but everybody’s waking up” « Lernen Heute

  3. Hallo Frau Birkenbihl,

    warum nicht auch mal englische Zitate einpflegen? Die deutschsprachigen TeilnehmerInnen oder LeserInnen sind des Englischen durchaus mächtig. Zudem erzeugt ein solcher (zweisprachiger) Beitrag durchaus einen Lerneffekt, was vom Autor gewiss beabsichtigt war.

    Beste Grüße – I. Jonda

  4. Mit dem Slogan „Die Welt ist flach“ leite ich meine Unterrichtsreihe zum Thema Globalisierung in Jg.11 (GK Sozialwissenschaften, Gymnasium) ein. Ich gebe aus dem (doch recht populärwissenschaftlichen) Globalisierungsbuch von Friedman Auszüge, die seinen Slogan erläutern. Zudem halte ich (ob nun populärwissenschaftlich oder nicht) Friedmans Kategorisierung der Globalisierung (in Entwicklungsetappen 1.0 – 3.0) für sehr hilfreich für eine Einordnung der Veränderungen der internationalen Arbeitsteilung. Spätestens bei der Etappe „Globalisierung 3.0“ und der von Friedman in vielen Beispielen beschriebenen Veränderungen der Arbeitswelt durch Vernetzung und Dezentralisierung geht vielen Schülern bezüglich der Zukunft ihrer eigenen Arbeit und den Voraussetzungen für Kompetitivität ein Licht auf…

    PS: Ich lasse übrigens gerne anlässlich der Thematik der Vernetzung und der Delokalisierung von Produktivität digitale Arbeitsprodukte in einer virtuellen, ortsunabhängigen Arbeitsumgebung erstellen. Das betont die zukunftsträchtigen Kompetenzen auch für die Schüler noch einmal.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s