Unterrichtsidee zur Lebensmittelkrise

„Politische Bildung“ ist an unserer Schule ein eher ungeliebtes Unterrichtsfach – seitens der Lehrer. Ein Grund könnte sein, dass es in vielen Fächern Gruppenteilungen mit maximal 15 Schülern gibt, in Politischer Bildung aber nicht. Ein Grund könnte auch sein, dass das Fach sehr offen für aktuelle Beiträge ist, das ist nicht jedermanns Sache. Drittens habe ich den Eindruck, dass die Wertigkeit des Faches unterschätzt wird: Klar ist es vieeeel wichtiger, eine Devisenrechnung zu beherrschen oder auf Englisch 20 Fleischsorten aufzählen zu können, als Grundlegendes über unser Wahlsystem oder Vorteile der EU zu kennen (die Nachteile wissen sie ja alle).

Zur Lebensmittelkrise habe ich mit zwei Klassen Podcasts erstellt. Basis war eine herrliche Samstag-Ausgabe des Standards von neulich, in der fast 30 Artikel zur Lebensmittelkrise enthalten waren. Das ist das Ergebnis:

Podcast der 1aBau4 (Baustofffachberater) und der 1dEHS4 (Spar-Lehrlinge).

So sind wir vorgegangen:

  1. Als Einstieg zeigte mein Kollege supplierenderweise zwei kurze Filmsequenzen über die Lebensmittelkrise. Ein ARTE-Beitrag („Mit offenen Karten“) und eine Beitrag des ORF-Weltjournals. Die Schüler hatten die Aufgabe, die Hauptursachen der Lebensmittelkrise aus diesen Beiträgen herauszuhören. Die Filmsequenzen sammle ich laufend auf DVD. Alternativ sehe ich bei youtube oder veoh.com nach. Eine beeindruckende Aufstellung gibt es auch bei rustylime „Family food expenditures around the world„, die habe ich aber eben erst entdeckt.
  2. Gemeinsam mit einem Partner bearbeiteten die Schüler dann je einen Artikel aus dem Standard. Sie erhielten folgenden Arbeitsauftrag:

    Bearbeiten Sie mit ihrem Partner einen der zur Verfügung gestellten Zeitungsartikel zur Lebensmittelkrise. Gehen Sie dabei so vor:

    a. Lesen Sie ihn und unterstreichen Sie wichtige Abschnitte mit Bleistift
    b. Markieren Sie nun 7 – 9 Schlüsselbegriffe mit Leuchtmarker und die Erklärungen dazu mit grünem Fine-Liner (Farbe ist egal)
    c. Notieren Sie auf einem „Schwindelzettel“ die 7 – 9 Schlüsselbegriffe. Außer diesen Begriffen dürfen auf dem Schwindelzettel nur Zahlen, Zeichen, Symbole und kleine Zeichnungen stehen.
    d. Versuchen Sie nun, Ihrem Partner den Inhalt des Artikels anhand des Schwindelzettels zu erzählen.
    e. Ihr Partner erzählt Ihnen nun den Inhalt des Artikels noch mal.
    f. Trennen Sie sich und besuchen Sie jeder mindestens zwei Gruppen, denen Sie den Inhalt des Artikels erzählen.

  3. Danach bereiteten die Schüler fünf bis zehn prägnante Statements ihres Artikels vor, den wir dann als Podcast aufnahmen. Zuletzt noch einige „Effekte“, wie zB das Wort „Lebensmittelkrise“ gemeinsam gebrüllt. Fertig. Naja. Fast. Das Podcast-Schneiden blieb noch bei mir, soweit sind manche Digital-Natives dann doch noch nicht😉 und im Unterricht haben wir keine Zeit dafür.

Zeitaufwand: 2 Stunden für Filmchen und Artikelbearbeitung, 1 Stunde für die Aufnahme inklusive Probe, zwei Stunden für mich für den Podcast-Schnitt.

Was mache ich mit den Podcasts?

  • Unterrichtseinstieg für andere Klassen
  • Wissens-Quiz-Spiel und anschließend Podcast zur Beantwortung
  • Demo für Podcasts anderer Themengebiete (zB Erdöl, Wählen mit 16, Arbeitsrecht, …)
  • Nostalgische Erinnerung in 30 Jahren

Ein letzter Satz: Die Aufgabe eines Lehrers sollte aber nicht unbedingt sein, Zukunftsängste zu schüren. Als Ausgleich für die doch heftige Problematik der Lebensmittel eignet sich das wunderbar positive Interview von Christian Hehenberger bei SWR1 Leute. Der sagt:

„Wir gehen in das interessanteste, spannendste und wertvollste Jahrzehnt, das wir seit 1945 erleben durften.“

Hört sich doch gut an.

4 thoughts on “Unterrichtsidee zur Lebensmittelkrise

  1. „Zeitaufwand: 2 Stunden für Filmchen und Artikelbearbeitung, 1 Stunde für die Aufnahme inklusive Probe, zwei Stunden für mich für den Podcast-Schnitt.“

    Zwei Stunden Nachbereitung für drei tatsächlich geleistete Unterrichtstunden finde ich unverhältnismäßig lang. Geht das nicht anders? Können die SuS ihren Kram nicht selber schneiden (als Hausaufgabe)?

  2. Hallo Christian,

    bei den Zeiten habe ich mich unpräzise ausgedrückt, weil ich die Sequenz in zwei Klassen zugleich durchgeführt habe. Es müsste also heißen:

    Zwei Stunden Filmchen und Artikelbearbeitung, eine Stunde Aufnahme pro Klasse. Macht bei zwei Klassen insgesamt 6 Unterrichtsstunden. Zwei Stunden zum Schneiden der beiden Klassen. Daher pro Klasse: 3 Stunden Unterricht, eine Stunde Nachbereitung .

    Immer noch zuviel Arbeit für den Lehrer? Jaaaa, aber… Die entstandenen Podcasts verwende ich in den Nachfolgeklassen als Unterrichtsbestandteil (zB Einstieg, Quiz-Grundlage, Hörübung, Artikel-Rally, …). In meiner Berufsschule haben wir vier 10-Wochen-Lehrgänge und ebensoviele 8-Wochen-Lehrgänge. Die Podcasts verschwinden also nicht in der Schublade, sondern werden weiterverwendet. Zudem versuche ich auch, die Podcasts dann und wann bei Wettbewerben einzureichen. Somit relativiert (oder rentiert) sich der – zugegeben – hohe Aufwand.

    Zu Deiner Frage: Meine SuS können ihren Kram leider meist nicht selber schneiden. Sie kommen sehr oft nicht aus bildungsnahen Familien bzw. haben sich noch nie mit Schnittprogrammen beschäftigt.. In meinen Lehrberufen habe ich erfahrungsgemäß einen Schüler unter 100, der so einigermaßen mit Audio- und Videoschnitt umgehen kann. Das sollte sich in den nächsten Jahren bessern, das wünsche ich mir vom Christkind.

  3. Ach so, ansonsten gefällt mir die Unterrichtsidee. Da ich selber zwar kein Computer-Muffel bin, aber mich mit Podcasts nicht auskenne, würde ich es wahrscheinlich bei der beschriebenen Klippert-Spirale belassen und -Tataratataa- … ein Plakat erstellen lassen.

    Gruß

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