Klippert sagt: „Hyperaktive Lehrer …

verhindern die Selbstständigkeit der Schüler“ und somit das Erlernen einer Basiskompetenz unserer Zeit. Vorige Woche war ich am Methodentag für oö Lehrerinnen und Lehrer in Puchberg bei Wels und bin frisch inspiriert zurück an der Schule. So motiviert, dass ich nicht mal Griechenland-Russland sehen möchte und mich stattdessen über guten Unterricht auslasse.

Nach Klippert sollten sich Lehrer sich mit Hilfe eines Methodenmixes von der Rolle als Oberhäuptling, als „Der, der alles weiß“ zu einer helfenden und unterstützenden Rolle als Coach entwickeln. Oberstes Ziel ist, die Schüler zu aktivieren.

Gut, dass sich im Unterricht nicht alle Schüler melden, die nichts verstanden haben„, sagte Klippert lächelnd. „Wir Lehrer sollten froh sein, dass die Schüler im traditionellen Frontalunterricht so schön abschalten und sich ausklinken können, das machen nämlich 80 % der Schüler.“ Was würde geschehen, wenn sich alle Schüler melden würden, die den Stoff nicht begriffen haben? Was würde geschehen, wenn alle Schüler eine Meinung, eine Idee, eine Kritik, eine Frage zum Unterrichtsstoff hätten und DIESE AUCH FORMULIEREN würden? Der Super-GAU der schön auf die Minute geplanten Unterrichtsstunde!

Wir müssen die Schlupflöcher der Inaktivität stopfen“ ist Klipperts Maxime. Als angenehmer Nebeneffekt muss der Lehrer seine Dompteur-Rolle etwas weniger oft spielen. Wie geht das?

Mit Lernspiralen, beispielsweise so:

  1. Schüler hören einen kurzen Frontalvortrag, sehen einen Video-Clip oder hören einen Podcast. Dabei schreiben sie mit. Oder sie lesen einen Text und bearbeiten ihn mit der Markiertechnik. (Mikro-Kompetenz: zuhhören und gleichzeitig stichwortartig mitschreiben bzw. sinnerfassend lesen)
  2. Schüler werden nach Zufallsprinzip in Gruppen (2 – 4 Personen) eingeteilt und sprechen über das, was sie gehört haben. (Kompetenz: kommunzieren, sprechen, zuhören, diskutieren)
  3. Schüler erstellen in Einzelarbeit eine Mind-Map über das, was sie eben diskutiert haben (Mikro-Kompetenz Mind-Map)
  4. Mit Hilfe der Kugellager-Methode anhand der Mind-Map erzählen und lassen sich die Schüler das eben (… nun können wir es schon so nennen… ) Erlernte erzählen.
  5. Schüler erstellen eine Kurz-Präsentation des Erlernten. Das Los entscheidet, wer präsentiert (damit sich jeder innerlich darauf vorbereitet). (Kompetenz präsentieren, vortragen)
  6. Schüler erstellen Quizkärtchen. Diese Kärtchen können zur Wiederholung genutzt werden.
  7. Schüler spielen ein Frage-Antwort-Spiel im Plenum. Oder sie teilen sich in zwei Gruppen und spielen gegeneinander. Klippert betont, dass sie beim Antworten Blickkontakt mit dem Fragesteller halten sollen, nicht mit dem Lehrer.
  8. Zum Schluss gibt der Lehrer noch ergänzende Hinweise.

Spielt man diese Lernspirale durch, hat der Schüler den Stoff so oft gehört, dass er ihn kaum noch pauken muss. Klar können einzelne Punkte gestrichen werden, klar reicht nie eine Unterrichtseinheit für alles aus. Klar muss der oft so umfangreiche Unterrichtsstoff auf das Wesentliche gekürzt werden. Was die Schüler aber aus der Lernspirale mitnehmen ist neben dem Stoff jede Menge an Kompetenzen. Und die sind mindestens gleich wichtig wie der Unterrichtsstoff, der nach einigen Wochen sowieso aus dem Gedächtnis gelöscht wird. Wie präsentiert wird, wie zusammengefasst wird, wie eine Mind-Map erstellt wird, wie Blickkontakt zum Fragesteller gehalten wird, das alles wird trainiert, geübt, wiederholt und schließlich internalisiert. Das wird nicht vergessen.

Klinkt sich ein Schüler aus, so entsteht oft ein Gruppendruck, den Klippert „Geschwisterliche Erziehungsarbeit“ nennt. Klinkt sich ein Schüler dann trotzdem noch aus, so gab ein anderer Vortragender den (seiner Meinung nach unpädagogischen, aber wirksamen) Tipp, den Schüler einfach die Arbeit alleine fertigstellen zu lassen und ihn am Ende zu prüfen.

Frisch motiviert habe ich eine Mini-Lernspirale aus dem Stehgreif am nächsten Tag ausprobiert, und sie hat prima geklappt:

  1. Schüler lasen einen englischen Text in Einzelarbeit und strichen sich unbekannte Wörter an.
  2. In Vierer-Gruppen sprachen sie über die Wörter, tauschten schon gewusste aus und schlugen im Wörterbuch nach.
  3. Danach lasen sie sich den Text einem Partner flüsternd vor. (Da hätte ich aber lieber vorher mal selbst zwecks richtiger Aussprache selbst laut vorlesen sollen).
  4. Mit dem Partner formulierten sie drei Fragen zum Text und schrieben diese auf Streifchen.
  5. Mit diesen Fragen besuchten sie die anderen Gruppen, stellten ihre Fragen und beantworteten die Fragen der anderen Gruppen.
  6. Nach 40 Minuten lösten sie ein dazugehöriges Arbeitsblatt (Einsetzübung und Vokabelliste).

Einige Profi-Klippert-Schulen berichteten dann anschließend in Workshops über ihre Vorgehensweisen. Beispielsweise halten sie am Schulanfang Methodentage für die Schüler ab, damit jeder Schüler die Markiertechnik beherrscht. In Konferenzen werden die Lehrer mit den Klippert-Methoden vertraut gemacht.

Bei Interesse gibt es hier beim Lehrerfreund ein Video vom Meister, dort eine Kurzbeschreibung, hie eine Linkliste, und da noch Materialien und Beispiele.

Buchtipp: Klippert Methodentraining (mit DVD) oder gleich die ganze Buchserie in Klippert für die Sekundarstufe (4 Bücher inkl. Methodentraining).

7 thoughts on “Klippert sagt: „Hyperaktive Lehrer …

  1. Das Buch ‚Methodentraining‘ ist Klipperts schwächstes. Ich kann es nicht empfehlen. Hier sollte auf andere Bücher zurückgegriffen werden. Die Bücher ‚Kommunikationstraining‘ und ‚Teamentwicklung‘ sind aber sehr brauchbar. Das Buch ‚Eigenverantwortliches Arbeiten und Lernen‘ zeigt das von Ihnen beschriebene Konzept der Spiralen an Beispielen auf. Ist auch ganz gut. Hier mal eine Referatsspirale von mir:
    1. Schüler halten ein Referat. Das Plenum schreibt mit.
    2. Das Plenum tauscht sich in Kleingruppen über die Notizen aus und ergänzt fehlendes.
    3. Das Plenum stellt weitere Vertsändnisfragn an Referenten.
    4. In Einzelarbeit werden nun die eigenen Mitschriften strukturiert und aufbereitet und zusammengefasst (Mind Map oder ähnliches).
    5. Die Zusammenfassungenb werden einem Zufallspartner vorgetragen (z.B. im Doppelkreis).
    6. Nach Zufallsauswahl präsentieren 1 – 2 Schüler ihre Zusammenfassungen.

    Habe ich so schon mal gemacht und hat auch nicht schlecht funktioniert. Das Plenum war zwar am Stöhnen wegen des Mitschreibens. Allerdings wird dadurch auch ein pures Ablesen des Referats in Wahnsinnstempo nicht mehr hingenommen. Die Refrenten bekommen so eine andere Verantwortung.

  2. Es gibt viele gute Bücher über anderes Unterrichten. Ich habe zweieinhalb Jahre die Ausbildung als Methodentrainerin gemacht und nun ist in Hessen dies alles nicht mehr „in“, obwohl es so nötig wäre, die Schulen fortzubilden. Naja, ich hab jedenfalls viel gelernt, aber ohne weitegeben können ist es doch traurig.
    LG
    Dorothee

  3. Lernspiralen « Black Magic Universe

  4. Lehrer unterrichten so, wie sie selbst unterrichtet wurden – ich hoffe Doireann kann mit ihrer Weiterbildung viele Schüler und Kollegen trotzdem begeistern, auch wenn sie keinen offiziellen Auftrag hat. Klippert ist nicht „durch“, sein Methodenansatz ist nach wie vor ein wichtiges Grundprinzip den methodischen Gang des Unterrichts zu beleben und zu Schüler zu Eigenaktivität heranzuführen. Gut ist auch das Methodentraining der Realschule Enger, nebenbei. Zu kritisieren ist aber bei Klippert, dass manche Bücher (etwa das angesprochene Methodentraining als Ausgangswerk) etwas veraltet sind – aktuelle Texte sollte man einfach selber suchen, die Methoden bleiben ja die gleichen. Es fehtl bei Klippert auch völlig der Ansatz digitale Medien in den Unterricht zu integrieren. Aber da gibt es ja andere Standardwerke und Hilfe….

  5. H. Klippert ist ein guter Methodiker, nicht mehr und nicht weniger. Lehrer brauchen sicher Methoden-Settings oder noch besser: die große didaktische Werkzeugkiste. Wer etwas tiefer in unterrichtliche Prozesse einsteigen will, dem empfehle ich Edmund Kösels „Subjektive Didaktik“ – zurzeit unschlagbar in der Theorie-Praxis-Verzahnung!

  6. Klippert sagt: "Hyperaktive Lehrer ... | b...

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