e-LISA Academy Online Seminar – Bericht

Bei der e-LISA Academy können „kooperative Online-Seminare“ besucht werden. Normalerweise sind diese kostenpflichtig, wir Lehrer haben aber drei Freitickets, können also im Schuljahr drei dieser Seminare kostenlos besuchen. Ausprobieren wollte ich so ein Moodle-Seminar schon lange mal, vor einigen Wochen habe ich es dann geschafft: Meine Motivation war vorhanden und ein freier Platz im 4-Wochen-Seminar „Konflikte in der Klasse lösen“ ebenfalls.

Am Anfang: Skepsis.

Moodle kenne ich, verwende ich auch dann und wann in meinem Unterricht. Trotzdem konnte ich mir ein Konfliktseminar via Moodle nicht so recht vorstellen. Was kann das schon für ein Psychologie-Seminar sein, ohne Sesselkreis, ohne Rollenspiele, ohne Spielchen und ohne netten Pausengespräche? Da kann ich doch auch ein Buch lesen, oder?

Aber dann:

Parallel zu den lesenswerten Wochenskripten bekamen wir 8 Teilnehmer auf die vier Wochen verteilt insgesamt 15 sogenannte eTivities: abwechslungsreiche Aufgaben, die wir in Moodle Foren stellten. Dazu gehörte auch oft, dass wir die Beiträge der anderen Teilnehmer kommentieren. Beispiele für diese Aufgaben waren „Mobbing-Erfahrungen“, „Linktipps geben“, „Ein Kennenlernspiel, das ich mag“, „Erstellung eines Wut-Glossars“, „Eine Konfliktgeschichte“, … Bei allen Aufgaben wurde viel Wert auf persönliche Erfahrungen und Anwendungen für die Praxis gelegt.

Nach wenigen Tagen wurde mir der Vorteil dieser Seminarform klarer: Im Präsenzseminar erzählt jeder spontan seine Erlebnisse, die er mit dem Thema hat. Im Online-Seminar sind diese wohlüberlegt, gut formuliert und ausdruckbar, somit qualitativ hochwertiger. Auch das Feedback der anderen Teilnehmer habe ich sehr konstruktiv empfunden.

Die „netten Pausengespräche“ gab es (bei mir) nicht in dem Ausmaß wie bei Präsenzseminaren, wenn kommunziert worden ist, war es immer sehr themenbezogen, also sehr effektiv.

Der Zeitaufwand:

Samstags wurden immer die neuen Aufgaben freigeschalten, Abgabetermin war eine Woche später, am Sonntag. Dazwischen gab es immer wieder weitere Abgabetermine, wenn zB die Beiträge der anderen Teilnehmer kommentiert werden sollten. Anfangs arbeitete ich fast täglich am Seminar, ab der zweiten Woche reduzierte sich das auf zwei Abende: Sonntag- oder Montagabend löste ich die eTivities der kommende Woche und Freitagabend kommentierte ich die Beiträge der anderen Teilnehmer. Insgesamt ist der veranschlagte Zeitaufwand von insgesamt 30 Stunden realistisch (+/- 6 Stunden, geschätzt).

Abschlussarbeit:

In der letzten Woche wurde eine Abschlussarbeit zum Thema verlangt. Die war nicht weiter schlimm oder viel aufwändiger als die vorigen eTivities. Vor der Finalisierung durfte jeder Teilnehmer zur Arbeit eines anderen Feedback geben. Diese Arbeiten waren qualitativ hochwertig, ich kann einige davon in meinem Berufsschul-Unterricht praktisch verwenden, obwohl die Teilnehmer bunt gemischt aus allen Schultypen kamen.

Seminarleitung und Bewertung:

Für den erfolgreichen Abschluss des Seminars waren 46 der 88 erreichbaren Punkte zu erreichen. Die Abschlussarbeit brachte 32 Punkte, Peer-Review einer anderen Abschlussarbeit 12 Punkte, der Rest verteilt esich auf die eTivities. Man konnte einige Aufgaben streichen und das Kursziel trotzdem erreichen. Die Aufgaben waren aber so abwechslungsreich, dass ich diese Möglichkeit nicht genutzt habe. Vor der Bewertung braucht niemand Angst zu haben: Wird die Aufgabe gemacht, erhält man die Punkte, ganz einfach. Darüber hinaus gab die Seminarleiterin Birgitta Loucky-Reisner immer wieder kompetentes Feedback, gute Tipps und hatte auch ein offenes Ohr für Terminverschiebungen, wenn ein Teilnehmer seine Aufgaben nicht rechtzeitig erledigen konnte.

Kompetenzen:

Neben der Fortbildung zum eigentlichen Thema Konflikte, was die Bereiche Konfliktwissen, Mediation, Hilfreiche Haltungen, Mobbing, Prävention, Kooperationsspiele, Kennenlernspiele und Peeransätze abdeckt, lernen die Teilnehmer zu formulieren, Kritik zu üben, zu reflektieren und kreativ zu schreiben. Für meinen eigenen Moodle-Unterricht habe ich viele Anregungen aus diesem Seminar geholt.

Fazit:

Mal was anderes. Das nette Hotel fällt zwar bei dieser Seminarform aus, dafür müssen aber auch keine Vertretungsstunden vorbereitet werden, die Kollegen leiden nicht unter meiner „Seminarwut“ und für die Schüler läuft alles seinen gewohnten Gang. Der Arbeitgeber spart sich Taggeld, Reisekosten, Hotelkosten, ich spare mir Sprit, Zeit und bin auf „Seminar“, wenn die Kinder im Bett sind. Als alleinige Seminarform möchte ich das nicht haben, aber 2 – 3 Mal pro Jahr ergänzend ist ein „kooperatives Online Seminar“ empfehlenswert.

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