„Ich bezahle von meinem Geld nichts mehr für meine Arbeit“

zitiert Claude vom lesenswerten „Die Anstalt – Lehrer Blog“ einen engagierten Kollegen. Im Beitrag „Vom Wert unserer Arbeit“ geht es um die Mühseligkeiten der Lehrer sich weiterbilden zu dürfen, sich dabei aufgrund der Fehl- und Supplierstunden den Unmut der Kollegen zuzuziehen und darüberhinaus noch etwas dafür bezahlen so müssen, eine Erlaubnis der Vorgesetzten überhaupt vorausgesetzt. So ist es, so wird es bleiben, nicht zu ändern. „Weiterbildung ist böse.“

Diese Problematik frustriert mich, seit ich Lehrer bin. In welchem Job wird einem Weiterbildung psychisch und physisch schwieriger gemacht, als im Lehrerjob? Nichtsdestotrotz gibt es immer weider „Rebellen“, die sich privat und auf eigene Kosten weiterbilden. Mein Eindruck ist, dass das nicht gerne gesehen wird. (Den Eindruck hatte ich allerdings auch oft in der Privatwirtschaft. Einige Zeit war ich Fernstudent an der Gesamthochschule in Hagen. Einige Studienkollegen hielten das Fernstudium vor ihren Arbeitskollegen und Arbeitgebern aus guten Gründen geheim, was die Sache natürlich nicht vereinfacht).

Zurück zum Beitrag von claude: Wo wäre aber die Schule, wenn „Ich bezahle von meinem Geld nichts mehr für meine Arbeit“ die Maxime eines jeden Lehrers wäre? Wäre sie dann weiter, weil Mittel und Weiterbildungen massiver eingefordert werden würden? Verlässt sich das Bildungssystem derzeit auf die wenigen „blöden“ Lehrer (und zu diesen zähle ich mich), die für ihren Unterricht auch noch Geld ausgeben?

Unsere Schule hat letzte Woche beim lernm[it]-Wettbewerb in der Kategorie Podcast einen Preis gewonnen. Mich freut es, dass meine Berufsschülerinnen im 10-Wochen-Lehrgang das Match gegen etliche Einreichungen aus Gymnasien und Handelsakademien gewannen, die im Prinzip ein ganzes Jahr zur Erstellung des Podcasts zur Verfügung hatten. Wir wurden zur feierlichen Preisverleihung geladen und den Schülerinnen wurde für ihren Beitrag „Außergerichtliches Mahnverfahren“ ein Sparbuch über 100 Euro und eine Urkunde für den 3. Rang überreicht.

In den Festreden wurde davon gesprochen, dass das Land Oberösterreich bestens mit Computerräumen ausgestattet ist, dass elearning wichtig für Schüler ist, dass das Internet viele, viele, viiieeeele Gefahren birgt und dass alle gute Arbeit geleistet haben. Einer der prominenten Hauptredner vergaß (zu meinem Ärgernis) auch nicht zu erwähnen, dass er sich als Schüler vor Prüfungen zu einem fleißigen Schüler wandelte. Vorbildhaft.

In den letzten Tagen stellte ich mir einige Fragen:

  • Den Podcast haben die Schülerinnen mit meinem privat gekauften ipod (damals EUR 186,00) mit Mikrofon (damals EUR 79,90) aufgenommen. Heißt das, dass bei diesen Wettbewerben eigentlich nur Schüler gewinnen können, deren Lehrer privat Geld für die entsprechende Ausrüstung ausgeben? Das würde erklären, dass nur eine einzige von über 25 Berufsschulen in Oberösterreich mitgemacht hat.
  • Warum werden bei solchen Wettbewerben nicht zusätzlich die Schulen prämiert, die dann ein Budget für Folgeprojekte zu hätten?
  • Warum bekommen bei solchen Projekten die Schulen keine Urkunden, nur die Schüler? (Meine netten Schülerinnen schenkten mir ihre Urkunde und ich ich versprach, sie in Farbe zu kopieren)
  • Warum werden auf der lernm[it]-Homepage die Gewinner weder angegeben noch vorgestellt?
  • Warum steht beim Menüpunkt „ARGE elearning“ seit September 2008 „…Text folgt noch“, wenn elearning angeblich so wichtig ist?

Dieser Wettbewerb, der während dem „elearning Aktionsjahr 2007/08“ durchgeführt wurde, war nett. Wirklich nett wäre aber das:

  • Jeder interessierten Schule eine podcast-Ausrüstung zur Verfügung zu stellen
  • Jeder interessierten Schule einen Zugang zu einem mediawiki-Server zur Verfügung zu stellen
  • schulübergreifende Kooperationen im Bereich Fortbildung für Lehrer (Methodenaustausch)
  • Wiederholung des Wettbewerbs im nächsten Jahr
  • Abstimmungsverfahren unter Beteiligung der Bevölkerung (SMS-Voting, Refinanzierungsmöglichkeit)
  • Wartung der Wettbewerbsseiten im Internet (Teilnehmer, Jury, Gewinner, Termine, …)

Nachtrag vom 24. Mai 2008:

Heute bereite ich gerade eine Unterrichtssequenz zur Lebensmittelkrise vor. Als Einsteig zeigt mein Kollege supplierenderweise zwei Kurzclips über diese Krise zu je 10 Minuten. Diese Clips habe ich auf DVD, weil ich zufällig in einer Klasse unterrichte, die mit Beamer ausgestattet ist. Was mache ich derzeit? Ich kopiere die DVD auf Videokassette, damit der Kollege die Filme auch wirklich herzeigen kann. Wir sind bestens mit alten Videorecordern ausgestattet, aber um eine DVD herzuzeigen schleppt man im schlimmsten Fall einen DVD-Player von einem Stock zum nächsten oder besitzt ein privat gekauftes Notebook, um diese Kurzclips abzuspielen. Da niemand von einem Lehrer verlangen kann, sich für seinen Unterricht ein Notebook zu kaufen (oder???), kopiere ich nun schön. Welcome to Schilda.

Bitte unterschreibt die Initiative OLPT (one laptop per teach). Uhh, das ist für Afrika. Naja, macht auch nichts.

Nachtrag 2: Unsere Schule bekommt nächstes Jahr einen DVD-Server – einen Rechner wo wir Unterrichts-DVDs ablegen können. S’tut sich was.

2 thoughts on “„Ich bezahle von meinem Geld nichts mehr für meine Arbeit“

  1. Lernado.com: Deutsch. Englisch. eLearning. » Blog Archiv » Job ist Job?

  2. Lernen und Wissen ist heute und wird in Zukunft von Finanziellen möglichkeiten abhängig sein. Ich bin für mehr Lehrer an Schulen und mehr Präsentationstechnik kostet alles nur viel Geld.
    Der Staat ist leider viel zu sehr mit der Rettung von Banken und Unternehmen beschäftigt so das die Politiker den blick für den kleinen mann verloren hat.
    Bildung nur für Reiche? Nein Danke!
    „Es gibt nur eine Sache auf der Welt, die teurer ist als Bildung: Keine Bildung“ capice

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