Aufmerksamkeit im Klassenzimmer

Seth Godin fragt: „You were going to spend how much to distract me from what I was doing?“

Wieviel ist der Lehrer im Klassenzimmer und zuhause bereit auszugeben, damit die Schüler seine Aufmerksamkeit haben? Was genau in einer Unterrichtsstunde ist es wert, diese Aufmerksamkeit mit Zeit und Energie zu „kaufen“?

Und umgekehrt: Wieviel Aufmerksamkeit wird Zielen gewidmet, die unwesentlich oder völlig irre sind? Dazu folgende Beobachtung von heute morgen:

Für mich hat vor einigen Tagen die Laufsaison wieder begonnen. Ich laufe viel auf Straßen, regelmäßig auf einer wenig befahrenen (weil umfahrenen) Hauptstraße. Dabei passiert es aber doch dann und wann, dass ein Auto vor und eines hinter mir fährt. Ein Fahrzeug (Auto Nr. 1) kommt mir entgegen, eines (Auto Nr. 2) will mich überholen. Auto Nr. 1 versucht zwei Dinge: Mich nicht zu rammen (nett!!) und mich auch nicht zu streifen (auch nett!!). Auto Nr. 2 weiß, dass Auto Nr. 1 ein wenig Richtung Mittellinie schlenkert, damit es mir ausweichen kann. Beide konzentrieren sich darauf, dass wir drei uns nicht unbedingt auf gleicher Höhe treffen, also Läufer, Auto1 und Auto2 nebeneinander. Dann wäre es eng und nicht so gemütlich auf der Straße. Lustigerweise treffen wir uns in 9 von 10 solchen Begegnungen grundsätzlich immer nebeneinander. Die Aufmerksamkeit von Auto1 und Auto2 liegt auf mir, beide drosseln ihre Geschwindigkeit immer so, dass wir für einen kurzen Moment zu dritt nebeneinander die Hauptstraße benutzen. Durch Aufmerksamkeit auf das, was nicht eintreffen sollte, trifft gerade das ein.

Andere Geschichte: Englisch, question tags. Ich erzähle den Schülern, wie die Bildung von Question Tags funktioniert. Zum Beispiel „Susan is tired, isn’t she?“ Das „is“ wird also einfach verneint. Funktioniert oft, aber nicht immer. Zum Beispiel bei „I am tired“ funktioniert „am’t I“ ja nicht, es muss heißen: „I am tired, aren’t I“ oder „… am I not?“

Ergebnis: Beim Abfragen der Schüler eine Woche später, wussten viele, dass „am’t I“ nicht funktioniert, hatten aber keine Ahnung, wie es richtig lauten sollte. Die Aufmerksamkeit auf das, wie es nicht funktioniert, hindert uns am Weiterkommen.

Die Aufmerksamkeit, die wir gegenüber anderen Menschen haben, beeinflusst unser Verhalten. Marshall Rosenberg erzählt im Buch „Gewaltfreie Kommunikation“ im Kapitel „Ärger vollständig ausdrücken“ folgende Begebenheit:

In einem Heim für schwer erziehbare Kinder schlichtete er eine Rauferei und bekam mit dem Ellbogen unabsichtlich eine Schlag auf die Nase. Der Verursacher war ein Kind, das er in Gedanken als „verzogenenes Gör“ bezeichnet hatte. Er wurde so wütend, dass der Mühe hatte, nicht zurückzuschlagen. Tags darauf eine ähnliche Rauferei. Diesmal bekam er von einem Kind, das er als „bedauernswertes Wesen“ betrachtete ebenso unabsichtlich einen Schlag auf dieselbe Nase und empfand dabei überhaupt keinen Ärger. Die Aufmerksamkeit auf unsere Vorurteile hindert uns daran, fair zu sein.

Versuchen wir also unsere Aufmerksamkeit im Klassenzimmer auf die wesentlichen und die positiven Elemente  zu legen, damit Lernen stattfinden kann:

    1. Wertschätzung von Menschen
    2. Weckung von Neugier

      Noch was? Nö, ich glaube nicht.

      One thought on “Aufmerksamkeit im Klassenzimmer

      1. Hallo Werner,

        kennst Du das kleine „Gedankenexperiment“: Denke nicht an einen Elefanten? Was passiert? Man denkt an einen Elefanten! Die Negation wird einfach ignoriert. Daher ist es auch sehr sinnvoll (notwendig) positive Sätze zu formulieren.

        Gruß

        Thorsten

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