Lerncoaching

Bei der Verwendung von Wikis und Weblogs im Unterricht hatte ich immer einen Gedanken im Hintergrund: Statt der alten Maxime „the sage on the stage“ sollten Lehrer nach dem Motto „the guide on your side“ mit den Schülern arbeiten. Dabei sollte ein angstfreies und motivierendes Lernen möglich sein. Im herkömmlichen Unterricht gab ich zusätzlich wöchentlich Tipps, mit welchen Methoden gelernt werden könnte. Da mir klar war, dass nicht jede Methode auf jeden Lernenden passt, machte ich den Schülern klar: „Ich habe einen Bauchladen voll Lerntipps. Ihr müsst nicht alles kaufen.“ Eine Assoziations-ABC Liste zu meinen Lerntipps gibts hier zum Ansehen.
Im Zuge eines Lerncoaching-Seminars mit der ausgezeichneten Trainerin Heidemarie Schöller von der Pädagogischen Hochschule in Linz hatte ich diese Woche ein kräftiges AHA-Erlebnis dazu. Lerncoaching ist die bessere Variante Lerntipps zu geben. Es ist jene, die das „the guide on your side“-Prinzip praktiziert.

Was ist Lerncoaching? Lerncoaching ist eine Vorgehensweise, die Lernende in ihrem Selbstwertgefühl stärkt, sie emotional stabilisiert, spezifische Lernprobleme löst und sie schlußendlich einen Sinn in ihrem Lernen sehen lässt.

Wie läuft Lerncoaching ab?

  1. Eingangsphase: Der Coach schafft ein angenehmens Gesprächsklima.
  2. IST-Analyse: Ermittelt den Lernstand, findet verwendete Strategien heraus, überprüft die Lernorganisation und emotionale Befindlichkeit. Dies lässt sich im Zuge eines Gesprächs zB mit MindMaps herausfinden.
  3. Zielformulierung: Beim Herausarbeiten des Ziels ist es wichtig, dass es für den Lernenden persönlich wichtig ist, konkret formuliert ist, realistisch, überprüfbar und positiv formuliert ist.
  4. Lösungsgestaltung und Handlungsentwurf: Hier findet der Lernende gezielt mit offenen Fragen zu einem besseren Lernen. Er gestaltet den Lernprozess aktiv mit und erkennt selbstständig Fortschritte. Ein konkretes Bild wird entworfen. Im Seminar schrieben wir einzelne Schritte hin zum Ziel (zB im Unterricht mitschreiben, Fragen stellen, usw.) auf Kärtchen und legten diese in einem Weg am Boden auf. Das Ziel war die bessere Note. Dieser Weg macht selbstverständlich Mühe. Wir legten auch einen Alternativ-Weg auf, der eher wenig Mühe macht und das beschreibt, was der Schüler stattdessen bisher gemacht hat (zB während der Unterrichtszeit mit dem Handy spielen, Schule schwänzen etc.). Hier war das Ende des Weges zB das Lernen in den Ferien für die Wiederholungsprüfung. Der Schüler stellt sich vor den einen und den anderen Weg und entscheidet sich dann.
  5. Handeln: Der Lernende setzt die Schritte um. Wenn notwendig, werden Anpassungen vorgenommen.
  6. Abschluss: Erkenntnisse festhalten.

Einen kurzen Überblick gibt es im PDF Systemic Counselling and Lerncoaching. Wärmstens empfohlen wurde mir das Buch Language Learning Strategies. What Every Teacher Should Know von Rebecca Oxford, weil es die systemische Sichtweise des Lerncoachings nahezu perfekt abbildet. Habs noch nicht gelesen, aber schon mal eingesammelt.

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