Die Aufgabe der Schüler ist es nicht, zu lernen, sondern…

… zu entkommen. „Wie überstehe ich den nächsten Test, die nächste Schularbeit, die nächste Wiederholung am Anfang der Stunde am besten? Wie entkomme ich dabei einer Strafe, einem Tadel oder einem Statusverlust?“ Die Hauptaufgabe für den Schüler ist, mit einem Minimum an Anstrengung und Unannehmhlichkeiten die täglichen Aufgaben irgendwie hinter sich zu bringen.

Schüler entwickeln dazu Strategien: Sie lernen die Körpersprache der Lehrer zu lesen. Jede kleinste Bewegung des Lehrers, jede Veränderung der Stimmlage wird interpretiert, um die Erwünschtheit einer Antwort herauslesen zu können. Schulen sind Tempel der Verehrung von richtigen Antworten. Bis zum Zeugnis müssen jede Menge richtiger Antworten auf den Altar gelegt werden.

Dabei helfen die Lehrer immer kräftig mit: Sie kündigen Tests an und sie geben Hinweise, was zum Test kommt. Die schränken das Stoffgebiet ein. Alles nur, um „gute Lehrer“ zu sein, um einen halbwegs vernünftigen Klassenschnitt hinzubekommen. Sie helfen mit, den Eindruck zu erwecken, dass die Schüler mehr wissen, als das tatsächlich der Fall ist. Je leichter der Nachweis dafür erbracht wird, desto weniger müssen sie sich für das „Nicht-Durchbringen“ eines Stoffgebietes tadeln lassen.

Schüler passen sich dem System an, die guten und auch die schlechten Schüler. Der Unterschied zwischen den beiden ist, dass die schlechten Schüler den Unterrichtsstoff sofort vergessen, während die guten Schüler damit zumindest bis zum nächsten Test warten.

Der anhaltende Drang des Schulsystems, ständig den Lernerfolg der Schüler überprüfen zu müssen, verdirbt jegliche natürliche Lust am Lernen. Wir müssen die Schüler nicht intelligent machen. Sie sind mit Intelligenz geboren. Wir müssen bloß die Dinge unterlassen, die sie dumm machen.

Das alles ist frei zitiert nach dem wunderbaren Buch von John Holt: „Aus schlauen Kindern werden Schüler… von dem, was in der Schule verlernt wird.“ Erstauflage 1964 (in Worten: neunzehnhundervierundsechzig).

Eine Kurzzusammenfassung gibt es bei shvoong.

5 thoughts on “Die Aufgabe der Schüler ist es nicht, zu lernen, sondern…

  1. Lernado.com: Deutsch. Englisch. eLearning. » Blog Archiv » Vom Lernen und Entkommen …

  2. Eine treffende Analyse.

    > Wir müssen bloß die Dinge unterlassen, die sie dumm machen.

    Daraus allerdings den Schluss zu ziehen, alles würde anders/besser wenn man weniger bzw. überhaupt keine Tests schreiben würde, ist ebenso falsch. Wie schaut’s denn mit FREIWILLIGEM lebenslangen Lernen bei Erwachsenen aus? Na, also …😉

  3. danke für die zitate .. das hat mich so neugierig gemacht, dass ich das buch gleich bestellt habe …

    btw, ich gebe jochen nciht unbedingt recht … da wir selbst in einem system aufgewachsen sind, dass leistungen nur mit tests feststellen konnte, ist es m.E. nur schwer davon loszulassen …

    aber das große gegenargument ist, dass kompetenzen, entwicklungen, erfahrungen nur schwer mit tests abprüfbar sind …
    es geht nicht um freiwillig oder gezwungen, es geht darum lernsituation zu schaffen die vielleicht gar nicht als solche empfunden werden .. wie auch immer solange man schön geschlichtet vor einer lehrenden alleswissenden person sitzt und zum zuhören, mitschreiben vergattert wird, werden tests noch lange die einzige möglichkeit sein, leistungen festzustellen ..

    so, nun schluss aus … danke nochmals für den buchtipp

  4. Interessante Zeiten » Überleben in der Schule

  5. Fragen machen schlau « Lernen Heute

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