Bedürfnisse der Schüler – Methode für den Schulbeginn

www.flickr.comUm die Bedürfnisse der Schüler in den ersten Unterrichtstagen auszuloten, eignet sich folgende Methode, die ich heute in drei neuen Lehrgängen ausprobiert habe:

  1. Jeder Schüler bekommt zwei Streifen rotes und zwei Streifen grünes Papier.
  2. Auf die grünen Streifen schreibt er anonym seine Erwartungen an den Unterricht, auf die roten Streifen seine Ängste. („Was erwarten Sie vom Unterricht? Wovor haben Sie Angst?“)
  3. Danach werden die Streifen abgesammelt, gemischt und vom Lehrer vorgelesen und entsprechend kommentiert.

Heute gab es folgende Ängste:

  • schwierige Schularbeiten, schwierige Tests, Prüfungen (mehr als die Hälfte aller Nennungen in allen Klassen)
  • Tafelrechnen (Finde ich sinnlos: einer schwitzt und die anderen malen ab. Vorschlag: alle rechnen, evt. malt einer den Rechengang anschließend an die Tafel, wenn das Ergebnis richtig ist.)
  • strenger Lehrer (Ich frage dann immer: Was ist bitte ein „strenger Lehrer“. Heute kamen dabei folgende Eigenschaften zutage: grantig, lautes Organ, behandelt einen von oben herab, evt. unfair)
  • unhöfliche Lehrer
  • schlechte Noten
  • schwer verständliche Erklärungen

Und es wurden folgende Erwartungen genannt:

  • Wiederholungen, um den Lernstoff zu festigen.
  • ausführliche Erklärungen
  • Geduld
  • Übungsbeispiele
  • keine Hausübung
  • nett, sympathisch sein (oftmalige Nennung)
  • kein zu schnelles Tempo im Unterricht (oftmalige Nennung)
  • leichter Stoff
  • Hilfsbereitschaft
  • Spaß am Unterricht, spannender Unterricht, interessanter Unterricht
  • abwechslungsreich
  • Spaß verstehen

Aus meiner Sicht ist diese Methode eine gute Basis, um Beziehungen zu Schülern aufzubauen. Schularbeiten und Tests sind echte Angst-Themen und möglicherweise nimmt allein die Kenntnisnahme dieser Tatsache durch den Lehrer ein wenig die Angst. Konkret können in späteren Unterrichtsphasen Infos zB gegen Prüfungsangst gegeben werden.

Bestimmte Erwartungen können auch schon im Vorfeld geklärt werden (zB es wird keine „leichten“ Schularbeiten geben, allerdings kommt nichts, was nicht im Unterricht schon geübt wurde). Und ein simpler Hinweis, dass es erlaubt ist, mal „Bitte können Sie das nochmal erklären“ zu sagen, hat oft schon Wunder gewirkt.

One thought on “Bedürfnisse der Schüler – Methode für den Schulbeginn

  1. ich würde gerne 2 dinge anmerken:
    1ich finde so ein vorzeitiges abfragen hervorragend, nicht nur, weil man als lehrerIn auf der INHALTS-Ebene viel lernt, sondern weil man auf der META-Ebene eine Botschaft sendet: Es interessiert mich, was ihr denkt.
    betreff: fragen dürfen, wenn man etwas nicht verstanden hat, habe folgende vorschläge:
    • erzählen Sie den kindern, daß ein großer Management-Lehrer (Mark McCormick), der alle großen tennis-stars „gemacht“ hatte und der tenis überapt zu einem weltsport gemacht hatte gesagt hat: jeder mensch sosllte jeden tag drei dinge sagen:
    1- ich habe mich geirrt
    2. helfen Sie mir bitte (bzw. hilf mir bitte)
    3. das weiß ich nicht.
    In meinen Management-Seminaren habe ich das oft zur tagesaufgabe gemacht, jeder mußte alle drei statement sinnvoll innerhalb einer situation aktiv einsetzen. allein das suchen nach mölgichen situationen war hochinteressant und die aufgabe schaffte eine extrem fehler-freundiche atmosphäre im seminar. ich habe den tip auch lehrkräften gegeben, die damit brilante erfahrungen gemacht haben!
    Ein englischer trainer-kollege, paul smith, läßt seine teilnehmer über fehler reden, die sie gemacht hatten, das ist auch extrem hilfreich. wenn alle, inkl. leiter/lehrer das tun und wenn man das einmal pro woche oder onat fortführt, lernen alle, daß fehler erstens natürlich sind und zweitens, daß man im nachhinein sowol aus ihnen lernen als auch über sich als fehlermachendes individuum lachen kann.
    vfb

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