Die dunkle Seite des Web 2.0

Via Jochen English bin ich auf die NYT-Rezension des Buches „The Cult of the Amateur“ von Andrew Keen gestoßen. Keen hat für Web 2.0 einige nennenswerte Kritikpunkte im Ärmel.

„Was gratis ist, kostet uns ein Vermögen“

Die Gewinner von heute, zB Google, Youtube, MySpace und Craiglist als Teil von Web 2.0 können nie das produzieren, was sie an Produkten, Jobs und Unternehmensgewinnen vernichten. Durch konsequente Umgehung von Copyrights, dem Diebstahl von geistigem Eigentum, durch das Abziehen von Werbe-Etats ins Web schwächen sie die Industrie so, dass es in Zukunft an Arbeitsplätzen und Produkten mangeln wird. Selbst die youtube-Garagenbands werden sehen, dass sich ihre Bekanntheit nicht wie bei früheren Musikern in Verkaufszahlen und weltweiter Bekanntheit niederschlägt.

Die Grenzen zwischen Fakt und Meinung, zwischen Expertise und Amateur-Spekulation verschwinden.

Muzafer Sherif, ein türkischer Sozialpsychologe, führte folgendes Experiment durch: Er installierte einen fix stehenden Lichtpunkt in einem dunklen Raum und ließ Personengruppen raten, wie weit sich dieser Lichtpunkt von seinem Zentrum wegbewegt. Der Lichtpunkt war war fixiert und bewegte sich nicht. Unser Auge meint aber, dass er sich bewegt. Obwohl jeder Mensch andere Distanzen sieht, einigten sich die Personengruppen nach einigen Durchgängen auf ein bestimmtes Maß.

Das nennt man im Web 2.0 „Die Weisheit der Masse“.

Beispiel Google: Die Suchresultate auf den ersten Seiten sind die populärsten, die am häufigsten verlinkt sind. Nicht die, die inhaltlich am besten sind.

Beispiel Wikipedia: Ryan Jordan, 24 Jahre, der sich gegenüber Wikipedia als Professor ausgab und Tausende von Artikel editierte, bevor er aufflog.

Beispiel Politik: Politiker verschönern oder verschlechtern ihre Auftritte oder die ihres Gegners auf Wikipedia.

Keen vergleicht Web 2.0 mit einer kommunistischen Gesellschaft: Alle sind gleich. Mein Beitrag steht im Web 2.0 neben dem eines Uni Professors und darunter steht vielleicht ein Kommentar eines 8jährigen Kindes. Web 2.0 kennt keine Ausbildungsgrenzen, keine Altersgrenzen, keine sozialen Schichten, keine Filter gegen Rassismus oder ähnlichen Verhaltensstörungen.

Fazit: Die sogenannte „Weisheit der Massen“ war früher schon für Sklaverei, für die Technologie-Blase an den Aktienmärkten in den 90ern, George W. Bushs Irak-Krieg und Britney Spears verantwortlich. Warum gesteht man den Massen im Internet heute plötzlich Weisheit zu und lobt Web 2.0 völlig unkritisch?

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