Was ist ein Streber?

Streber - Herr RauManchmal frage ich mich, ob wir unter einem bestimmten Begriff alle wirklich dasselbe verstehen. Bislang verstand ich dieses Wort als Schimpfwort. Als Streber bezeichnet zu werden ist beleidigend und ein erster Schritt, schief angesehen zu werden. Oft ist es nicht schick, in der Schule gut zu sein. Herr Rau hat einst nebenstehenden Button an Schüler verteilt.

Lustigerweise fiel das Wort „Streber“ auch dann und wann in der Lehrerausbildung, aber nicht in Bezug auf Schüler. So meinte ein wirklich ganz netter Kollege fast entschuldigend, nachdem er eine Zusammenfassung eines Artikels per Mail so rechtzeitig verteilte, dass wir alle damit lernen konnten: „P. S.: Bin kein Streber, wollte euch nur die Zusammenfassung im Sinne der Teamarbeit zeitgerecht schicken… usw“.

Es kommt mir vor, dass

  • man sich in Österreichs Schulen entschuldigen muss, wenn eine gute Leistung erbracht wurde.
  • man sich entschuldigen muss, wenn man besser war als der Rest („Ich habe ein Sehr Gut, obwohl ich überhaupt nichts gelernt habe“, oder: „Alles erschwindelt.“)
  • man besser ruhig ist, wenn man etwas weiß.
  • man tunlichst kein Interesse am Unterricht zeigen darf.
  • man sein Wissen nicht rausposaunen darf. (=schlechte Karten für Wikis und Weblogs, nicht?)

Reinhard Kahl beschreibt im lesenswerten Artikel „Perfektion hat keine Zukunft“ Streber folgendermaßen: „Mit dem Wort Streber werden allerdings nicht nur die Schleimer und Opportunisten bedacht, sondern auch Schülerinnen und Schüler, die viel wissen, die sich für die Sachen interessieren und die ohne Hintersinn in der Schule ganz einfach gut sein wollen. […] Schüler unterstellen anderen Schülern die Kollaboration mit dem Feind.“

Der Feind ist natürlich der Lehrer, das habe ich auch gestern bei einer Grillparty massiv gemerkt. Das Lieblingsthema waren natürlich Ferien. Das Ex-Beiwagerl zur ÖVP hat diesmal sogar taggenau gerechnet. Aber selbstverständlich geht es auch in den Ferien mit diesem Blog weiter. Mangels 8-Stunden-Weiterbildung pro Tag unregelmäßiger, denn auch die Familie fordert jetzt ihre Zeit ein, nachdem sie im Pädak-Jahr ganz gehörig gelittten hat.

Die Liste der wichtigsten zu lesenden Bücher (WZLB) hat mittlerweile die 1-Meter-Marke erreicht. Ja, ich gebe es zu: Ich lese auch Bücher in den Ferien. Sogar berufsbezogene. Eindeutig ein Streber, nicht?

17 thoughts on “Was ist ein Streber?

  1. Mich würde einmal interessieren, ob diese Unsitte, interessierte Schüler/Studenten mit dem Wort „Streber“ zu bezeichnen, ein besonderes Merkmal unseres Kulturkreises ist. Meine amerikanische Kollegin ist manchmal fassungslos darüber. Vielleicht eine Form von Neid?

  2. zwei dinge:
    1. zur frage oben: es ist im deutschsprachigen bereich so üblich, aber auch die amerikaner sind nicht so schuldlos, denn sie haben den begriff NERD erfunden, der vor allem „streber“ im mathematisch-naturwisschenschaftlchen bereich betraf. neuerdings tun diese leute sich als computer-freaks hervor und erhalten zum ersten mal status, da ändert sich in den usa zur zeit einiges.
    2. ich nehme es den LEHRERN und ELTERN extrem übel, daß sie nicht gegensteuern. in CHINA wäre so ein verhalten nicht denkbar. leute, die etwas leisten, gelten dort viel, dort kann man sich mit leistung tatschlich emporleisten, und das seit jahrtausenden (was ich u.a. in einem buch „was Sie unbedingt über china/asien wissen müssen“ erwähne. in ganz asien hat BILDUNG einen so hohen stelenwert, daß die menschen bis zu 60% des geldes (nach miete und nahrung) dafür ausgeben bzw. ganze familien zusammenlegen, damit ein kind bildung erhalten kann (was den psychologischen druck vor prüfungen immens verstärkt). also kann ganz asien (also die halbe welbevölkerung) unsere westliche einstelung vs. „strebern“ nicht begreifen.
    3. wenn ich ein KaWa anlege (wortbild, vgl. birkenbihl.de, dort die Denkblase: „vfb-tv“, dann KaWa.s auswählen; es gibt mehrere), dann assoziiere ich zu den buchstaben in streber z.b.:
    Sinnsuche, Spannung (Faszination) und spaß am thema/verhalten
    Training (weil es spaß macht), dadurch gute leistung
    Repertoire erweitern durch training
    Etnwicklung: es dauert eine zeit, zu einem thema ein streber werden zu können, und viel innige auseinandersetzung mit dem thema oder üben der tätigkeit
    Begabung wird systematisch entwickelt, ohne die HINGABE der sog. streber, kann sich auch das gröpte talent nicht entwickeln!!
    Ent-DECK-ung (deckel heben, dinge herausfinden, spannend. s. S)
    Ressourcen: je mehr wir wissen/können desto reicher unsere innere ressourcen, und die, die lachen? was schaffen die für ihr weiteres leben (bzw. jetzt verstehen wir, warum sie 30 jahre später eher jammern werden)
    ich werde dieses thema demnächst als KaWa für meine website produzieren (s. oben), dann können Sie es für Ihre schüler und deren eltern herunterladen oder auf die intranet-site Ihrer schulen verlinken etc. vielleicht hilft das ja ein wenig?
    vfb

  3. muss ich mich jetzt schuldig fühlen wenn meine freundin zu einem aus meiner klasse streber sagt ich der gleichen meinung bin aber es nicht gesagt hat und er die schule ferlässt hab ich den da schuld mit dran?
    weil irgendwie hab ich das gefühl das er hamma traurig darüber ist und jetzt hab ich angst das er wegen mir und meiner freundin die schule verlässt hab ich da jetzt chuld dran?
    mfg annika

  4. Hallo huhu,
    du hast wahrscheinlich versehentlich die Caps Lock-Taste gedrückt (ganz links auf der Tastatur).

    Streber sind übrigens hier ganz gut beschrieben:
    http://www.stupidedia.org/stupi/Streber

    @birkenbihl:
    mach dich mal locker.
    Zum Glück siehts bei uns anders aus als in China.
    Und das Wort „Leistungsgesellschaft“ hat nicht für alle Menschen einen rein positiven Geschmack.
    und aus „zwei dinge:“ sind ja eher drei geworden 😉

  5. In meiner Klasse werde ich oft als Streber bezeichnet!
    Weil ich freiwillige Hausaufgaben mach!
    Bin ich darum ein Streber? antworter darauf doch mal bitte per e-mail!

  6. Das Wort „Streber“ ist meiner Meinung nach ziemlich weit gefasst.

    Nur wenn jemand gut in der Schule ist, ist er nicht gleich ein Streber. Schule ist nunmal ein wichtiger Faktor wenn es um das spätere Leben, da lohnt es sich auf jeden Fall ein bisschen zu investieren.

  7. Eigentlich wird das Wort „Streber“ ja ganz schön missbraucht, wenn man bedenkt dass das Streben nach etwas eine gute Eigenschaft ist.

    Menschen die nicht nach etwas streben, lassen sich einfach vom Leben/von der Masse gedankenlos treiben. Streber sein heißt dementsprechend Ziele haben, auf etwas hinausarbeiten, eine begründete eigene Meinung haben (wird fälschlicherweise aber immer im Kontext mit Lernen erwähnt). Es gibt genauso Streber im Sport in der Musik oder sonst wo – überall dort wo Leute nach etwas Streben müssen (hier: Erfolg).

  8. Ich hab in der 7. Klasse absichtlich Fehler in Klassenarbeiten gemacht, um nicht schon wieder „zu gut“ zu sein. Es ist wahrscheinlich ein eher weibliches Problem, aber ich wollte nicht, dass sich andere schlecht fühlen, weil ich besser bin als sie. Dabei wäre das doch ihr Problem, nicht meins.

    Mittlerweile bin ich natürlich etwas reifer und tu‘ alles, um eine „Streber-Studentin“ zu sein – weil ich etwas lernen, etwas können will. Weiter nichts.

  9. In Deutschland wird man ja auch UNTERrichtet, während man sonstwo auf der Welt LERNT = Fährten des Lebens verfolgt und dabei ErFAHRungen sammelt. Wirkliche LEHRER gehen dabei auch noch mit gutem Beispiel voraus, doch in Deutschland füllen „Lehrer“ nur Planstellen als Unterrichtsvollzugsbeamte aus. Als Ich-kann-Schule-Lehrer schaue ich ins Herkunftswörterbuch und sehe bei uns eine grundsätzlich andere, für uns ungünstige GRUNDEINSTELLUNG. Die könnte man ändern. Mit GEIST. Aber das ist in unserer Pädagogik auch ein Fremdwort.
    Not amused
    Franz Josef Neffe

  10. Heute ist doch fast jeder ein Streber, der sich auf normalen Niveau unterhält und sich ganz normal gibt. Der Anteil an verdummenden Schülern und Einwohnern wird einfach immer größer. Desto tiefer fällt die Messlatte natürlich auch für den „Streber“ ..

  11. Strebertum hat für mich nichts mit guten oder schlechten Leistungen zu tun,
    sondern mit einer hierarchischen Geisteshaltung,
    derer sich der Streber nicht unbedingt immer bewusst ist.
    Man kann der Beste in einem Fach sein, ohne ein Streber zu sein
    und man kann ein Streber sein, ohne zu den Besten zu gehören.
    Der Streber zeichnet sich nicht dadurch aus, dass er besser ist als andere,
    sondern dass es sein erklärtes Ziel ist, besser zu sein als andere.
    Der einfache Liebhaber eines Faches bezieht die Note auf seine Arbeit,
    während der Streber die Note auf sich selbst bezieht und dementsprechend die Benotung eines jeden als Benotung von Menschen.
    Diese Wertung ist vom Streber nicht feindselig gemeint, wird aber von einem Teil seiner Umwelt als feindselig wahrgenommen.
    Er hat sich bereits innerlich von der „übrigen Masse“ abgegrenzt, bevor er von genau dieser ausgegrenzt wird.
    Ich verstehe mich übrigens oft sehr gut mit Strebern,
    kann aber auch verstehen, warum andere so jemanden unsympathisch finden.
    Die grausame Dynamik die dabei innerhalb einer Gruppe entstehen kann,
    verabscheue ich genauso wie die Streber, glaube aber nicht, dass es in diesen Konflikten überhaupt irgendjemand völlig unschuldigen gibt.
    Ich bin es schließlich auch nicht, egal wo ich grade stehe. 😛

  12. Zusatz:
    Ich halte generell nichts von „Opferkult“.
    Der eine beschwert sich über seinen mangelnden schulischen oder beruflichen Erfolg,
    genau so wie sich der andere über seine mangelnde Beliebtheit beschwert.
    Ich behaupte, dass beides zugleich machbar ist und kein Widerspruch.
    Erfolg in der einen oder anderen Weise ist keine Frage von übermäßigem Talent, keine Frage von IQ oder EQ, sondern eine Frage der Einstellung.
    Z.B. kann ich mittlerweile in Bereichen punkten, die mir vorher gar nicht lagen, allein dadurch dass ich mein persönliches Verhältnis zu einem Thema geändert habe. Leidenschaft ist der Schlüssel.

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