Zeitaufwand für Ausbildung zum Berufsschullehrer

Geschafft!!

Heute war unser letzter Tag an der Berufspädagogischen Akademie des Bundes in Linz. Alles geschafft? Nein, nicht ganz. Die mündlichen Diplomprüfungen fehlen noch, die sind am 2. Juli, bis dahin findet eine sogenannte „Individualphase“ statt, was heißt: Lernen. Vorbereiten. Wiederholen.

In Österreich ist die Ausbildung zum Berufsschullehrer prinzipiell dreistufig:

Phase 1: Arbeiten in einem Beruf, danach Bewerbung und Aufnahme als Berufsschullehrer. Was heißt: vorerst unterrichten ohne pädagogische Ausbildung. Zeitaufwand im ersten Halbjahr: Gewaltig. Marke: schlechtes Gewissen, wenn du dir die Spätnachrichten ansiehst, denn du könntest ja in dieser Zeit was arbeiten. Möchte ich nicht nochmal durchleben.

Phase 2: Berufsbegleitende 4 Semester am Pädagogischen Institut des Bundes (1 Tag pro Woche, zusätzlich zur normalen Lehrverpflichtung). Zeitaufwand: kann stressig werden, vor allem wenn zusätzlich noch Internatsdienst geschoben wird. Punktuell sind Seminararbeiten abzugeben, mit ein wenig Zeitmanagement läuft das in relativ normalen Bahnen ab.

Phase 3: Das BPA-Jahr (Semester 5 und 6) wird als Vollzeitstudent an der Berufspädagogischen Akademie des Bundes absolviert. Diese Phase ist nun (fast) geschafft.

Was sagt meine Statistik für das vergangene BPA-Jahr (Angaben ohne Gewähr, gelten nur für mich, sind keinesfalls repräsentativ):

  • 129 Tage an der BPA, das bedeutet
  • 6708 Kilometer Anfahrt, das sind 309 Stunden (inklusive Stau und Pufferzeiten für erwarteten Stau),
  • das sind lt. greenmiles.de 9675 Kilogramm CO2 – unglaublich. Ähmm. Wie war das noch gleich mit e-learning?
  • Das sind 886 Stunden im Hörsaal inklusive Mittagspause. Keine Freistunden wegen dicht gedrängten (=optimalen) Stundenplans.
  • 402 Stunden Arbeit zuhause (Diplomarbeit, Seminararbeiten, Lernen, Individualphasen, Lernen, etc., ohne Bücher lesen)
  • 10 Seminararbeiten im Ausmaß von 5 – 25 Seiten, fast immer mit einer Präsentation verbunden
  • 12 Tests
  • 5 gefilmte und nachbesprochene eigene Lehrauftritte an Fremdschulen, über 20 Lehrauftritte von Kollegen angesehen und analyisert
  • 1 Skikurs (Ausbildung zum Begleitlehrer)
  • Wien-Tage: Besuch bei Bundespräsident Fischer, Bundeskanzler Gusenbauer, Bildungsministerin Schmied, etc.
  • diverse Lehrausgänge (Internat, Heim für schwer erziehbare, Schulen mit innovativen Lernformen, Landeshauptmann etc.)
  • Diplomarbeit (im Ausmaß von 60 – 120 Seiten)
  • 3 schriftliche Diplomprüfungen im Ausmaß von fünf Stunden für Unterrichtswissenschaften, Religionspädagogik und Fachliche Bildung (teilweise frei wählbar)
  • kommt noch: mündliche Diplomprüfungen in Rechnungswesen, Kostenrechnung, Betriebswirtschaft, Politische Bildung, Psychologie, Soziologie und Erziehungswissenschaften

Die Gruppengröße betrug in den Vorlesungen ca. 50 Nasen, in den Seminaren die Hälfte und in den schulpraktischen Übungen ca. 4 – 6.

Folgende Fächer wurden in der Fachgruppe 1 unterrichtet: Aktuelle Humanwissenschaften (=Begleitung Diplomarbeit), Unterrichtswissenschaften (Vorlesung+Seminar), Soziologie (V+S), Psychologie (V+S), Erziehungswissenschaften (V+S), Didaktik (V+S), Schulpraktische Übungen, Fachliche Bildung (Betriebswirtschaft, Kostenrechnung, Personalverrechnung, Rechnungswesen), Informatik, Volkswirtschaft, Politische Bildung, Religionspädagogik (oder Ethik), Schulrecht, Gesundheitserziehung, Bewegung und Sport. Als Wahlpflichtfach war bei mir Englisch und NLP angesagt. Heimerziehung als Wahlfach.

6 thoughts on “Zeitaufwand für Ausbildung zum Berufsschullehrer

  1. Hallo,
    habe dein Posting bez. des Bildungsganges zum Berufschullehrer gelesen.
    Mein Mann möchte das eventuell ab nächsten Jahr auch anstreben, allerdings sind einige Fragen offen.
    Kannst du mir sagen, was die Studienberechtigungsprüfung kostet? Die ist ja selbst zu bezahlen, richtig?
    Wie laufen die 2 Jahren die man neben der Berufsschule macht so ab? Was sind die Hauptgegenstände in diesen 2 Jahren bzw. auch dann in der Akademie?
    Vielleicht magst du uns eine Mail schicken und ein bissl was erzählen.
    Danke
    Susi

  2. Hallo Susanne,

    die Bedingungen zur Ausbildung haben sich gravierend geändert, seit ich 2007 abgeschlossen habe. Neue Berufsschullehrer machen nun den Bachelor, ich habe noch den Dipl.-Päd. gemacht. Deshalb sind meine Auskünfte bzw. meine Zeiten im Blog im aktuellen Jahr nicht mehr repräsentativ.

    Deine Fragen:
    1) Studienberechtigungsprüfung: Keine Ahnung, habe Matura gehabt. Aber da ist meines Wissens gerade eine Gesetz verabschiedet worden, das diese in die Ausbildung zum Lehrer integriert. Genaueres sicher beim Landesschulrat.
    2) Neu ist, dass ganz normale Studiengebühren zu bezahlen sind.
    3) Neu ist, dass zwei Semester berufsbegleitend, dann 2 Semester hauptberuflich Pädagogische Hochschule und wieder zwei Semester berufsbegleitend absolviert werden.
    4) Ich vermute mal, dass von PH zu PH die Aufwand unterschiedlich gehandhabt wird. Nach Angaben von Kollegen hat sich das Studium bezüglich Hausarbeiten und Stundenanzahl ausgeweitet um die notwendigen Credits für den Bachelor erreichen zu können.

    Tut leid, dass ich Dir keine näheren Auskünfte geben kann. Am besten, drei Berufsschullehrer fragen, die in DIESEM Jahr abgeschlossen hab, aber dort, wo Dein Mann studieren möchte. Ah ja: Er müss vorher an einer Berufsschule angestellt werden, also unterrichten, sonst geht das nicht. (Da gibt es keine Lehrer auf Vorrat wie in anderen Schulen).

    Warum drei Lehrer? Lehrer sind ein seltsames Volk, was das persönliche Erleben betrifft: Da gibt es die einen, die eine PH als extrem furchtbar und stressig empfinden und dann die anderen, die dieselbe PH (inklusive Vortragende) als „extrem lässig“ erlebt haben. Und dann gibt es einige dazwischen.

  3. Hallo!

    Also ich habe das letzte Jahr damit verbracht die Berufsreife zu machen um mich als BS Lehrer bewerben zu dürfen. Sehr interessant finde ich das Bewerbungsformular mit dazugehörigem Punktesystem.🙂
    Hätte übrigens noch ein paar Fragen…..vielleicht könntest du mir die beantworten?
    Die Bewerbung einfach per Post an den Landeschulrat senden oder sind da noch weitere Schritte nötig?
    Wie laufen die weiteren Schritte der Bewerbung ab. Bis wann sollte man sich Bewerben.

    Fragen über Fragen…………Danke jedenfalls für den sehr Informativen Artikel.

    Lg
    Wolfgang

    • Lieber Wolfgang,

      naja, meine Bewerbung ist runde 10 Jahre her. Und Achtung: Auch die Ausbildung wurde im Zuge des Bologna-Prozesses reformiert. Soviel ich weiß, schickst Du aber immer noch den Bewerbungsbogen per Post an den Landesschulrat. Je eher, desto besser. Es gibt eine Warteliste und mit etwas Glück wirst Du relativ bald angerufen – nämlich dann, wenn in Deiner Branche wer benötigt wird. Mit etwas Pech wartest Du etliche Monate, angeblich auch Jahre. Wenn Deine Wunsch-Berufsschule nicht angeboten wird, dann ist es trotzdem empfehlenswert, mal ins System einzusteigen (und zu pendeln), weil bereits Angestellte bei erneuter Lehrersuche bevorzugt werden – vielleicht klappt’s ja einige Jahre später. Alles Gute!!

  4. Hallo Werner,

    habe auch vor BS-Lehrer zu werden und habe mich noch gefragt, wie das mit dem Verdienst ist…ich meine während der Ausbildung da es ja BB zu absolvieren ist.

    Bekommt man während der ganzen Zeit ein Gehalt ausbezahlt?

    glg Tom

  5. Zuerst mal Danke, Kollege, für deine Eindrücke von der BPA, die ich auch besucht habe.Bin selbst Berufsschullehrerin seit 2000 und meine, da sind viele Dinge unklar über die Ausbildung zum BS-Lehrer. Man bewirbt sich da nicht blind, es gibt Ausschreibungen in den jeweiligen Landeszeitungen. Dann wird man zum Hearing eingeladen, falls die Kriterien passen. Danach fängt man ohne Vorbildung an, zu unterrichten. Während des Schuljahres hat man dann die ersten vier Semester an der jeweiligen PH Unterricht. Wochenenden oder wochenweise Freistellungen bei vollem Bezug. Das Vollstudium im dritten Jahr ist auch mit normalem Bezug, d. h. man wird für das Studieren bezahlt. Studiengebühren gibt es keine. Wenn der Beruf, den man hat, gefragt ist und man keine Matura hat, dann ermöglicht einem die PH, die Studienberechtigungsprüfung dort abzulegen während des Studiums. Besser kann es ja gar nicht gehen, oder? Die Bachelorarbeit hat meistens nicht die Qualität, die sie an einer Universität haben muss, reicht aber fast immer für den Bachelor. Die Braven strengen sich an, aber viele nehmen das nicht so ernst und schreiben irgendetwas zusammen, nur damit sie durchkommen. Das Land hat aber schon so viel Geld ausgegeben für den Lehrer/die Lehrerin, dass nur in den seltensten Fällen einer nicht durchkommt. Ich hoffe, ich habe hier einiges geklärt, was noch offen war. Liebe Grüße und viel Erfolg beim Bewerben. Ein schönes Unterrichtsjahr an dich, Kollege. Brigitte

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