Lernmotivation: Berufsschüler motivieren

Motivation

Warum setzen sich Menschen hin und lernen? Wann sind sie dabei hochmotiviert? Es gibt (nach Smolka) u. a. drei wesentliche Gründe dafür, warum Menschen motiviert sind, zu lernen:

1. Sie lernen Dinge, die ihnen wichtig erscheinen.

2. Sie verfügen über Handlungsfreiheit, Autonomie und Selbstbestimmung, was, wie und wann sie lernen möchten.

3. Sie erleben sich selbst als kompetent, wenn sie Fortschritte und Erfolge feststellen können.

Sehen wir uns die Schnittmengen an:

A (wichtig + Freiheit, inkompetent): Blutiger Anfänger, aber der Lernstoff erscheint wichtig und das Gefühl besteht, lernen zu dürfen. Beispiel: Neuer Job oder neue Aufgabengebiete im Job. Hohe Motivation. Effizientes Lernen in sehr kurzer Zeit. Dauert je nach Stoffgebiet 2 Wochen bis 1 Jahr. Geht dann in B über. Hohe Lernkurve, das heißt: so rasche Wissenszuwächse gibt es in diesem Stoffgebiet nie wieder.

B (wichtig+Freiheit+Kompetenz): Weiterbildung. Grundlagen sind bekannt, weiterlernen erscheint wichtig. Muss nicht unbedingt (Freiheitskomponente), will aber weiterlernen. Hohe Motivation, trotzdem wird Lernen wird mühsamer, weil schon viel bekannt ist. Hier kommt es darauf an, das Richtige, das Wichtige und das Wesentliche vom Rest zu unterscheiden. Kann mühsam sein. Macht aber Spaß. Hier entstehen echte Experten, die begeistern können.
C (wichtig+Kompetenz, unfrei)): Das Stoffgebiet ist wichtig und der Mensch weiß auch schon viel darüber. Aber es Gefühl von Freiheit fehlt. Muss lernen, ob er will oder nicht. In der Schule: wichtig, weil die Noten davon abhängen, aus den vorigen Klassen ist schon einiges bekannt. Weniger Motivation als in A oder B. Kaum Freude am Lernen. Hier werden wie in einer Fabrik Experten unter Zwang produziert. Zwanghaftes Expertentum – auch eine Variante 😉

D (Freiheit + Kompetenz, unwichtig): Naja. Der Mensch weiß viel darüber, hat auch Zeit, sich damit zu beschäftigen. Aber es erscheint unwichtig. Irgendwie sinnlos, trotzdem machen es Leute. Vielleicht aus Gewohnheit. Oder weil es Spaß macht (Fernsehen, einige Computerspiele, manche Sozialkontakte, Rauchen, …) . Unwichtig für Job, Familie und Zukunft. Schade um Zeit und Geld. Streichen. In der Schule: offener Unterricht bei nicht sinnhaften Themen. Etwas seltsam. Könnte sich bei näherer Beschäftigung mit dem Thema in Richtung B verschieben. Manches wird erst interessant, nachdem man sich einige Zeit damit beschäftigt hat. Hat D also doch Potential?

Als Lehrer sollten uns diese drei Bereiche bewusst sein. Für uns Berufsschullehrer sehen diese drei Faktoren möglicherweise so aus:

wichtig: ist der Lernstoff für den Job relevant, erscheint er auch dem Schüler wichtig. Also sollten wir den Lernstoff so darstellen, als sei er für den Job relevant. Zum Beispiel lernen unsere Lebensmittel-Einzelhändler lange und intensiv, wie Geschäftsbriefe zu schreiben sind, obwohl sie sehr oft nur Regale betreuen. Hier ist der Hinweis angebracht, dass sie ausgebildet werden, ein Geschäft zu führen. Und dass dabei sehr wohl die Geschäftskorrespondenz (… und Steuern … und Kredite … usw) wichtig sind.

Freiheit: Würden die Schüler gerne lernen, hätten sie möglicherweise eine weiterführende Schule besucht. Die Berufsschule ist eine Pflichtschule. Also nix mit Freiheit. Oft besteht auch nicht die Freiheit, den Job zu wechseln. Eine abgeschlossene Lehre ist wichtig. Deshalb müssen wir als Lehrer zumindest den Unterricht relativ frei gestalten, dem Schüler Wahlmöglichkeiten (zB Schwierigkeitsgrad von Aufgaben, Aussuchen von Referatsthemen, usw) geben.

Kompetenz: Unsere Schüler stehen im Beruf und unterbrechen ihn zeitweilig für die Schule. Die Anerkennung und Berücksichtigung ihrer Kompetenz und ihrer Erfahrungen müssen im Unterricht Platz haben. Ganz sicher ist der Berufsschüler in manchen Bereichen am aktuelleren Wissensstand als jener Lehrer, der seit 5, 10, 15 oder mehr Jahren nicht mehr in seinem Stammberuf gearbeitet hat.

2 thoughts on “Lernmotivation: Berufsschüler motivieren

  1. In Analysen sind wir alle Weltmeister – was fehlt sind „integrierbare“ Konzepte – dieser Text beschreibt leider nur einen Zustand – schade

  2. Sie können junge Menschen nur dann motivier oder begeistern zu lernen wenn Sie Ihnen klar machen das Sie durch lernen Wissen erlangen.
    Und bekanntlich ist Wissen Macht.

    Leider verfolgen sehr viele Jugendliche die weißheit.
    Wissen ist Macht aber nichts wissen macht nichts.
    Das kommt sicherlich auch dadurch das der Alkoholkonsum bei den Jugendlichen oder jungen Menschen sehr stark zugenommen hat.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s