Doping in der Schule: Schummeln, spicken und Plagiate

Das Thema Doping ist ja immer ein aktuelles. Nur manche gehen in diesen Tagen ein wenig ehrlicher damit um. Beim letztjährigen Sieger der Tour de France wird auch vermutet, dass er geschummelt hat und sein Manager versuchte mit Erpessung das Gericht zu beschummeln. Es liegt uns im Blut, oder was?

Im Geo Wissen – Sport und Gesundheit meint Arnd Krüger, Professor an der Uni Göttingen, dass 30 Prozent der Spitzensportler dopen und weitere 35 Prozent mit sich ringen, ob sie es tun sollen oder nicht. Das Unrechtsbewusstsein ist sowohl beim Doping als auch in anderen Bereichen nicht sehr ausgeprägt, möchte man meinen. So schreibt „rau“ im heutigen Standard zu den österreichischen Doping-Fällen in Turin: „Wir glauben es einfach nicht, wenn diese böse Welt da draußen unser herziges Schlawinertum nicht akzeptieren will – von Waldheim bis zu den EU-Sanktionen.“ Er spannt den Bogen vom Sport in die Politik weiter. Und schon wird unser neuer Wissenschaftsminister beschuldigt, abgeschrieben zu haben.

Ein österreichisches (europäisches, weltweites) Phänomen? Doping im weiteren Sinn an der Uni? Wie ging es los? Beim einem Test geschummelt, dann bei einer Schularbeit, da und dort bei der Matura, Teile der Diplomarbeit abgeschrieben oder die ganze Arbeit überhaupt „outgesourct“? An die Freundin, die schwanger daheimgesessen ist oder an „einen Profi“?

Einige Kollegen sind ja der Meinung, schummeln ist legitim, weil der Schüler sich den Schummelzettel (mühsam) zusammengeschrieben hat und daraus viel gelernt hat. Selbstverständlich setzt sich diese Meinung dann an Hochschulen weiter fort: Plagiate werden als Kavaliersdelikt angesehen.Der Meinung bin ich nicht: Erstens werden Schummelzettel heutzutage per Mail verschickt (einer schreibt und 30 cheaten), zweitens kann kaum wer eine Formel oder eine Aufzählung auswendig, nur weil er sie einmal wo eingetippt hat. Drittens: Höherwertige Bildung ist nur dann möglich, wenn ich die Grundlagen im Schlaf beherrsche. Beispiel: Wie kann jemand integrieren, wenn er beim Bruchrechnen noch hin- und herüberlegen muss? Wie kann jemand einen englischen Text interpretieren, wenn ihm grundlegendste Vokabeln nicht geläufig sind? Wie kann jemand über neue Lernformen diskutieren, wenn er den Unterschied zwischen Behaviourismus, kognitiven Behaviourismus und dialektischen (exogenen, endogenen) Konstruktivismus nicht kennt?

Warum schummeln Menschen?

  • Weil Sie Versagensangst haben?
  • Weil Sie sich für dumm halten?
  • Weil Sie zuwenig Selbstwert haben?
  • Weil Sie zuwenig Selbstvertrauen haben?
  • Weil das Niveau so hoch ist, dass sie es ohne nicht erreichen können?
  • Weil Sie sich nie richtig mit Lerntechniken beschäftigt haben?
  • Weil Sie keine Zeit zum Lernen hatten?
  • Weil Sie der Stoff nicht interessiert?
  • Weil Sie keinen Sinn in der Schule/der Uni usw. sehen?
  • Weil es Brauch ist?
  • Weil der Peer es auch macht?
  • Weil Sie Angst haben, sonst für Streber gehalten zu werden?
  • Weil es cool ist, zu schummeln?
  • Weil Sie siegen möchten, ohne sich anzustrengen?
  • Weil Sie sonst von den Anderen für blöd gehalten werden?

Wie es geht wissen wir alle (warum wohl?), aber WENN wir es nicht wüssten, dann würde das Internet helfen: die Kunst des Spickens, Spicktipps und ein nettes Foto während einer Klausur.

Dass Lehrer auch wie verrückt schummeln können, habe hat Levitt in Freakonomics anschaulich beschrieben. Hier mein Beitrag von damals.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s