Stationenbetrieb mit Wikis

Vor einigen Tagen haben wir in der Lehrerausbildung die Methode „Stationenbetrieb“ oder „Stationenlernen“ zur Wiederholung von Lernstoff in folgender Weise ausprobiert:

  • 6 Gruppen à 3 Gruppenmitglieder
  • Auf jedem Gruppentisch war mittels Klebeband die Gruppenaufgabe angebracht. (Klebeband: Damit die Aufgabe nicht irgendwann verschwindet)
  • Pro Aufgabe waren 30 Minuten Zeit, dann wurde auf eine freie Station gewechselt. Es waren 6 Stationen verfügbar, für jede Gruppe eine.
  • Die Aufgaben waren verschiedenartig auszuarbeiten: Als Overhead-Folie, als Flipchart und sonst in Zettelform.
  • Beispiel einer Aufgabe: „Listen Sie audiovisuelle Medien auf und geben Sie jeweils 2 Vor- und 2 Nachteile an.“
  • Vor dem Stationswechsel musste das Ergebnis vom Seminarleiter abgezeichnet werden.

Dann ereigneten sich seltsame Dinge:

  • Für die erste Station benötigten wir knapp 10 Minuten. Ein Buch war zur Recherche an der Station vorhanden. Das Ergebnis wurde auf ein A4-Blatt geschmiert geschrieben.
  • Bei der zweiten Station ließ uns freundlicherweise die Vorgruppe ihr Ergebnis zukommen. Nach 5 Minuten machten wir für die restlichen 25 Minuten Pause. Das Ergebnis wurde auf ein A4-Blatt geschmiert geschrieben.
  • Bei der dritten Station lief es ähnlich.
  • Bei der vierten Station packte ich mein Notebook aus und kürzte ein vorbereitetes Referat, das zufällig zum Thema passte auf eine A4-Seite zusammen. Aus der Gruppenarbeit wurde eine Alleinarbeit.
  • Bei der fünften Station verweigerte ich die Arbeit, die anderen zwei Kollegen tippten von der Vorgruppe die Folie ab.
  • Die sechste Station war schließlich heiß begehrt: Zwei Gruppen beanspruchten sie, irgendwie war das System aus dem Takt gekommen. Schließlich malten wir zu sechst ein Flipchart.

Bitte nicht falsch verstehen: Der Nachmittag selbst war toll. Es ist vieles passiert, was während der Anwendung so einer Methode schief gehen kann. Insofern war dieser Nachmittag überaus lehrreich. Was wäre eine Ausbildung, in der keine Fehler passieren, in der nichts schiefgeht? Nur aus Fehlern lernen wir. Optimaler kann so ein Methodentraining nicht ablaufen. Ich denke, jeder weiß nun, worauf er bei der Anwendung dieser Methode achtzugeben hat.

Die Schwächen der Methode:

  • Kaum brauchbare Ergebnisse: Nur jeweils ein Gruppenmitglied hat am A4-Blatt mitgeschrieben. Die erstellte Folie landete in irgendeiner Schultasche, das Flipchart wurde über alle anderen Flipcharts gepinnt.
  • „Kochen im eigenen Sud“: Das Wissen der Gruppenmitglieder wurde einfach festgehalten. Dazugelernt haben wir nichts. Die Methode wurde allerdings auch als Wiederholung angelegt. Allerdings hätte sich der Stoff effektiver in 20 Minuten statt in 5 Stunden wiederholen lassen.
  • Effektive Arbeitszeit: nicht ganz eine Stunde, 4 Stunden Small-Talk. Gemütlich. Nett. Uneffektiv.
  • Ein rascherer Stationswechsel war nicht möglich, da die Vorgabe von 30 Minuten pro Station zwingend war. An einer Station hätten nicht zwei Gruppen Platz gehabt.
  • Ich bin nicht sicher, ob der Seminarleiter mein Geschreibsel in der Hektik des Stationenwechsels hat lesen können, geschweige denn eine qualitative Bewertung des Inhalts hat machen können. Manchmal war ich versucht, statt dem Inhalt einfach ein paar Passagen aus „Max und Moritz“ zu schreiben.

Wie könnte es besser laufen?

  • An jeder Station steht ein Notebook.
  • Nicht jede Gruppe erhält dieselbe Aufgabe: Eine Gruppe listet audiovisuelle Medien auf, die andere recherchiert Vorteile dazu, die dritte Nachteile, die vierte sucht Bilder usw.
  • Jedes Ergebnis wird sofort in einem bereits angelegten Wiki festgehalten.
  • Die Seiten der anderen Gruppen werden angesehen und ggf. ergänzt und korrigiert. Dies ist eine eigene Aufgabe an bestimmten Stationen.
  • Der Seminarleiter kann laufend und in Ruhe die Arbeiten am Wiki durchsehen.

Am Ende haben wir ein prima Wiki zum Thema. Das kann als Lerngrundlage für folgende Gruppen dienen. In einem weiteren Schritt könnten Unterrichtsmethoden mit den jeweiligen Medien verlinkt werden. Nach und nach entsteht eine solide Basis als Nachschlagewerk für die Lehrerausbildung.

Viele „herkömmliche“ Methoden des offenen Lernens lassen sich mit Wikis und Weblogs effektiver durchführen. Im Netz sind schon ganz brauchbare Sammlungen zu finden:

http://www.learn-line.nrw.de/angebote/methodensammlung/liste.php

http://www.methotrain.at/?nav=1

http://www.sowi-online.de/methoden/methoden-ol.htm

4 thoughts on “Stationenbetrieb mit Wikis

  1. Lernado.com: Deutsch. Englisch. eLearning. » Blog Archiv » Archiv für den Stationenbetrieb

  2. > Jedes Ergebnis wird sofort in einem bereits angelegten Wiki festgehalten.

    Das mag mit motivierten und halbwegs disziplinierten Referendaren funktionieren. Eher destruktiv gestimmte Schüler haben eine Menge Spaß dabei, die „Ergebnisse“ der anderen zu verfremden bzw. gleich ganz zu löschen. Dann kann man „laufend und in Ruhe“ nachschauen, wer jetzt wieder welchen Scheiß gemacht hat.

  3. Hallo Jochen,

    *grins*, ein wahres Wort. Eine kleine Hilfe ist dabei die Tatsache, dass ich im Wiki aufgrund des Logins nachvollziehen kann, WER da destruktiv drauf ist und welche Gruppe somit das Lernziel nicht ganz so hundertprozentig erreicht hat.

    Den tollen Mechanismus von Wikipedia, bei der Fehler und Manipulationen in nullkommanix fast von Geisterhand (sprich: von den vielen Tausend Usern) korrigert werden, haben wir im Unterricht natürlich nicht.

  4. Hi,
    meine Erfahrung sind bisher positiv. Fälle von Vandalismus traten bisher noch nicht auf. Vielmehr sind die Schülerinnen und Schüler etwas träge im Abfassen der entsprechenden Beiträge. – Gegen Ende des Schuljahres ist irgendwie auch ein Wenig die Luft raus. . 😀 Allerdings kann man sich als Lehrer den RSS-Feed zur Seite „Letzte Änderungen“ abonnieren. So können recht schnell, unangenehme Änderungen aufgespürt und über die Versionkontrolle korrigiert werden.
    Beste Grüße
    alex

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