Wie werden Kinder stark?

Zum Thema Kinder-ErZIEHung: „Das Gras wächst nicht schneller, auch wenn man daran zieht. Wir müssen dafür sorgen, dass genug Sonne und Wasser da ist. Wir können manchmal ein wenig düngen und müssen das Unkraut fernhalten.“

Das ist ein Zitat aus Gerald Hüthers Vortrag „Was Kinder brauchen“ über den ich neulich schon mal berichtet habe. Nachdem ich mir nun über 6 Stunden dieses Vortrags (Vorlesung und Seminar) aus dem Jahr 2006 mit Begeisterung gesehen habe, einige Highlights daraus:


Gerald Hüther Alles Lernen ist Problemlösen, das Gehirn ist nicht zum Auswendiglernen bestimmt. Wir können nichts Neues lernen – wir können nur an Bekanntes anknüpfen.

Lernen funktioniert nur mit Beziehung zum Lehrenden, strenge Hierarchien verhindern das Lernen. Kinder brauchen Plätze, die nicht perfekt durchkonstruiert sind: Plätze ohne Errwachsenen, wo sie entdecken, forschen und sich entwickeln können. Da es diese Plätze bei uns kaum noch gibt (Stichwort: perfekte Spielplätze, perfekte Reihenhäuser, perfekte Gärten, …), sind Computerspiele so beliebt: Entdecken, Abenteuer, keine Erwachsenen, man wird immer besser.

Drei Faktoren sind, ausgehend von einer sicheren emotionalen Beziehung, für Heranwachsende wichtig:

  1. Selbstvertrauen, Vertrauen in eigene Fähigkeiten
  2. Überzeugungen und Haltungen, innere Leitbilder („das Leben hat einen Sinn“)
  3. Bindungssicherheit: Vertrauen, dass einem geholfen wird

Bei Missbrauch stirbt (1.), (2.) und (3.).

Vernachlässigung schafft eine Monopol bei (1.), allerdings werden (2.) und (3.) geschwächt. Gefahr: Bei Problemen geht zuerst (1.) – das Selbstvertrauen unter. Weil es nie Probleme hat, braucht es auch nie die Hilfe anderer (3.). Und ohne Probleme sind Leitbilder sinnlos (2.). Oft werden hier Borderline-Persönlichkeiten ausgebildet.

Eine schlimme (und häufige) Form des Missbrauchs ist die Verwöhnung: Das Kind hat keine Probleme mehr, wo soll es (1.) herbekommen? Es findet keine Aufgaben, an denen es wachsen kann; das Kind kann Ressourcen nicht ausbilden. Weil Probleme fehlen, machen das Kind nie die Erfahrung, dass es gut ist, wenn einem wer hilft; man braucht mangels Probleme auch keine übergeordnete Instanz (2.).
Ganz gut gefällt mir Hüthers Definition von guter Schule: „Das Kind muss weinen, wenn Ferien sind, das ist dann eine gute Schule oder ein guter Kindergarten.

Ist das nicht eine schöne Vision: Kinder, die heulend vor dem verschlossenen Schultor stehen, weil ihnen der Lehrer keine Probleme macht?

Aber im Ernst: Der Vortrag ist sehenswert. Gesehen bei jokers.at um 17.99.

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