Anti Ärger Strategien

Als Lehrer sollten Sie immer gut gelaunt in die Klasse kommen. Die Schüler werden dann sehr oft gut gelaunt ihrem Unterricht folgen und sie gehen dann gut gelaunt wieder raus. Daher ist es reiner Selbstschutz, Anti-Ärger-Strategien zu kennen, zu trainieren. Auf dass sie mit 70 auch noch unterrichten können *grins*.

Hier die Zusammenfassung des Artikels „Ist das den Ärger wirklich wert?“ von Axel Wolf, erschienen in „Psychologie Heute compact“, Seite 74 – 77), hier zu bestellen.

Der größte Teil des Ärgers in unserem Leben ist vermeidbar oder überflüssig. 20 % der Bevölkerung ist extrem ärgerbereit, 20 % sind besonders gelassen und der Rest liegt zwischen den Extremen. Die überwiegende Zahl der Ärgernisse stammt aus den Bereichen: Familie, Beruf, Nachbarschaft, Verkehrs- und Umgangsformen, Auto und Verkehr.

Benjamin Franklin sagte: „Man ärgert sich nie ohne Grund, aber selten aus einem guten.“

Innerlich will niemand mit einem chronisch Ärgerlichen zusammen sein. Dieser fühlt sich somit zurückgewiesen, was seinen Ärger auf die Welt nur bestätigt. Ärger ist gesundheitsgefährdend, wenn man die falsche Gegenstrategie anwendet wie essen, rauchen oder Alkohol.

Vorstufe zur Antiärgerstrategie: Sich einige Tage selbst beobachten und eine „Ärgerbuchhaltung“ führen (zB auf Post-ist, uralten Visitenkarten, etc.). Danach analysieren:

a) Ist es die Sache wert, dass ich sie wichtig nehme? (Ja/Nein)
b) Bin ich im Recht? (Ja/Nein)
c) Kann ich angemessen reagieren? (Ja/Nein)

Danach könnte sich bei vielen Ärgernissen zeigen, dass sie meisten Anlässe es nicht wirklich wert waren. Der Ärger hat uns oft selbst mehr geschadet, selbst wenn wir unsere Wut zeigen konnten.

Zwei grundsätzliche Antiärgerstrategien:
1. Mit Vernunft und Einsicht die Ärgersituation neu definieren und entschärfen (entweder innerlich oder mit dem Mitmenschen)
2. negativen Ärgerreizen ausweichen, um sich abzulenken oder Ärgerreaktion im Keim ersticken

Mit sich selbst argumentieren

Beispiele:
Katze wirft Blumenvase um (Sie fragen sich: „War das Absicht?“)

Vordrängler im Supermarkt (Höfliche Zurechtweisung, aber wenn das zu sehr aufregt: „Vielleicht steht er draußen im Halteverbot oder es warten Kinder auf ihn.“; „Was sind schon zwei Minuten…“)

Ideenklau im Job: (Ruhig bleiben, zur Rede stellen: „Warum machst du das? Ist dir das bewusst?“; Klarheit statt unterschwelliger Aggression)

Schon der Versuch, die Situation mit Nachdenken rational zu erfassen unterbricht den Ärgerautomatismus.

Aus der Ärgersituation aussteigen:

Technik des Gedankenstopps: Innerlich „STOPP!“ sagen und umschalten auf ein anderes Programm (auf einen anderen Aspekt konzentrieren, die komische Seite an der Situation finden, in den Lieblingstraum flüchten). Diese Technik eignet sich für langjährige innere Programme wie: eine Busladung Touristen im Museum, aggressive Bettler, unfreundliche Kellner, lange Wartezeiten beim Arzt.

Lernen, sich selbst zu behaupten, ohne aggressiv zu sein
Wenn es die Sache wert ist, müssen wir die Ärgerursache wirksam beseitigen, ohne uns selbst zu schaden oder zu sehr aufzuregen. Selbstbehauptung ist nicht gleich Aggression! Wir versuchen, das Verhalten anderer zu ändern.

  • ruhig im Ton bleiben
  • ärgerliche Körpersprache vermeiden (zorniger Blick, geballte Fäuste, …)
  • Ich-Botschaften senden („Ich möchte, dass Sie mich ausreden lassen.“
  • keine Pauschalurteile wie zB „Immer machen Sie mittags Krach“
  • Zeigen, dass Sie die Motive des anderen verstehen („Ich verstehe ja, dass Sie wenig Zeit haben, aber …“)
  • Gefühle mitteilen („Ich bin ziemlich enttäuscht, dass du deine Zusage nicht eingehalten hast.“)
  • evt. Konsequenzen formulieren („Wenn Sie mich weiterhin belästigen, werde ich …“)
  • Aber: Immer überprüfen, ob die Situation die Kosten einer psychischen und physischen Auseinandersetzung wert ist.

    Die eigenen sozialen Fähigkeiten entwickeln und trainieren

    Was tragen wir dazu bei, Ärgersituationen entstehen zu lassen? Wie sehen wir die Welt? Sind wir so zynisch, feindselig, misstrauisch, dass automatisch Ärger entsteht, wenn wir mit jemanden zusammen sind?

    Infarktpatienten sind in hohem Maß besserwisserisch und ichbezogen. Daher: zuhören lernen, Toleranz üben. Intoleranz ist nichts anderes als das negativ zu bewerten, was andere denken oder tun – und da haben wir dann eine Menge zu tun! Wer seine Mitmenschen ständig bewertet und sie mit seinen eigenen Maßstäben vergleicht hat den ganzen Tag Gelegenheit, sich zu ärgern.

    Ende der Zusammenfassung, einige andere Gedanken:

    Thema Mitmenschen: Vor einiger Zeit hörte ich den Satz: „Was andere über dich denken, geht dich nichts an.“ Seitdem ärgere ich mich kaum noch über andere.

    Vera Birkenbihl beschrieb im Seminar „Erfolgs-Psychologie“ Pessimisten, die sich naturgemäß sehr professionell den ganztägig ärgern, wie folgt: „Für die Pessimisten hat Gott die Welt geschaffen, hat sie voll Ärger gepumpt und hat die Menschen dann reingesetzt, um zu sehen, was sie nun machen.“ (Passen sie mal auf, für wie viele Menschen in ihrer Umgebung dies zutrifft).

    Vorsicht: Umgeben Sie sich nicht allzu oft mit Menschen, die chronisch sauer sind. Die Gehirnforschung hat vor einiger Zeit die Spiegelneuronen entdeckt. Diese sorgen dafür, dass wir durch Beobachten lernen können, indem unser Gehirn die Tätigkeiten, die wir SEHEN so spiegelt, dass wir sie auch MACHEN können.

    Leider funktioniert dies auch mit chronisch ärgerlichen Personen. Sie haben es selbst erlebt: Bleiben Sie guter Laune, wenn sie eine halbe Stunde mit einer ärgerlichen Person zusammen sind? Nein! Sie bekommen psychischen UND körperlichen Stress! Ihr Cortisol-Spiegel steigt an. Sie imitieren (=spiegeln) den anderen, ärgern sich auch, werden niedergeschlagen. Nachzulesen im Artikel: Angry/negative People can be bad for your brain von Kathy Sierra

    Chronische Nörgler, die sich über die Welt einfach nur so ärgern wollen, weil es ihr Hobby ist, entlarven Sie übrigens, indem Sie ihnen Fragen stellen. Die Engländer haben es leicht, die sagen: „Tell me more“. Wir fragen: „Wie meinen Sie das?“, „Was genau …“ usw. Kann er/sie seine Nörgelei wirklich argumentieren, dann können sie weiter DISKUTIEREN, ansonsten wird er/sie sich in eine Sackgasse reden.

    One thought on “Anti Ärger Strategien

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