Nochmal: Der Konnektivismus

Gestern war der Tag der Stories, heute ist der Tag der Sätze: An manche Sätze erinnert man sich. Bei mir sind das meist jene, die irgendwo eine Wahrheit enthalten, die aber momentan gut versteckt ist. Voriges Jahr frage mich eine Kollegin, als ich mit netten Material von onestopenglish.com im Unterricht aufgekreuzt bin, folgendes: „Sag mal, wieviele Stunden am Tag surfst du denn im Internet herum, dass du diese Sachen findest?“.

Und als ich sagte, ich surfe überhaupt nich viel im Internet herum, ich habe nur einen Newsletter von onestopenglish abonniert, überfliege ihn manchmal und schau mir das an, was mich interessiert… dann erntete ich einen eher verständnisloses „Na, trotzdem…“. Ich konnte es damals nicht wirklich glaubhaft erklären, wie ich meine Sachen, die ich so im Netz finde, finde, ohne nächtelang „herzumzusurfen“.

Heute ist es mir klar, wie ich das mache. Ich habe einige wenige „Pipes“, also Informations-Hähne, die ich so regelmäßig überfliege wie meine E-Mails. (Zu den Pipes siehe mein Eintrag vom 11. Februar)

Früher waren es hauptsächlich Newsletter, seit einiger Zeit sind Weblogs dazugekommen. Dazu noch die Internet-Sektion vom Standard, die Downloads von zdnet.de und die Amazon Top100-Bücher. That´s it, dauert 10 Minuten am Tag, ausser es sind ein paar Perlen dabei, was ja alle paar Tage mal vorkommt.

George Siemens (Knowing Knowledge) schreibt, dass der heutige Wissenserwerb durch sechs Merkmale geprägt ist:

  1. Unser heutiges Wissen ist chaotisch verteilt, nicht nett verpackt und angeordnet
  2. Wir lernen dann, wenn wir Wissen benötigen. Kursmodelle haben ausgedient.
  3. Experten und Amateure sind Wissenserzeuger anstatt passive Wissens-Konsumenten
  4. Lernen ist somit ein vielschichtiger, integrierter Prozess, wo die Änderung eines Elementes das größere Netzwerk verändert.
  5. Komplexität und Spezialisierung bilden viele spezialisierte Wissens-Knoten. Einer allein kann nie alle Wissensknoten kennen.
  6. Wir können nicht alles wissen, wir besitzen nur ein Teilwissen. Deshalb müssen wir Mehrdeutigkeiten und Ungewissheiten tolerieren. Was heute als wahr gilt, kann morgen schon unwahr oder anders sein.

Mit meinem Google-Reader und meinen ausgewählten Newslettern behalte ich einen groben Überblick, was läuft. Ich tagge in del.icio.us interessante Sites für meinen Unterricht, wenn Fragmente einer Seite, Bilder oder Absätze interessant sind, dann muss Clipmarks ran. Browser-Lesezeichen haben völlig ausgedient, meist habe ich mir das Lesezeichen gesetzt und die Seite trotz vieler Ordner nur schwer wieder gefunden oder überhaupt vergessen.

David Weinberger sagt: „Das beste Mittel gegen den Information-Overload sind mehr Informationen.“ Recht hat er, Tags erweitern Informatonen mit Meta-Daten, sodass wir einen Überblick behalten, der in unsere persönlichen Wissenslandschaft passt. Fotos werden mit Geo-Daten erweitert, damit wir nicht mehr diskutieren müssen, wo wir welche Bilder gemacht haben – Google Earth zeigt sie auf der Landkarte. Und wir können den Platz, den wir fotografiert haben, dank Social Software ein, zwei, drei Monate vorher und nachher ansehen, wenn Leute ihre Bilder ebenfalls dort reinstellen, wo wir sie reingestellt haben. Chaos wird mit Tags organisiert, dank Web 2.0 reagieren wir alle miteinander wie ein intelligenter Schwarm, ein Kollektiv, ein Hive-Bewusstsein. Gesehen haben wir das schon bei den Borg, oder?

Zukunftsmusik? Ja, jetzt schon noch. Das Internet steckt noch immer in den Kinderschuhen. Wir wissen noch nicht, damit umzugehen. Aber die Visionen sind da. Etwas Geduld noch. Der Autor von Dick Tracy hat seinen Helden schon 1930 mit einem Handy am Handgelenk durch die Gegend laufen lassen.

Mehr zum Schwarmverhalten in den nächsten Tagen, wenn Sie möchten.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s