Die Quelle unserer Kraft

Wer bin ich? Was bin ich wert? Ein starkes Selbst ist Garant für Lebenszufriedenheit, Gesundheit und Erfolg. Ein schwaches, instabiles Selbstwertgefühl kann Lebenschancen verbauen.

Religion, Familie, Beruf und Freundschaft haben ihre Funktion als Haltgeber verloren. In so unsicheren Zeiten kann der Mensch nur mit einem starken Selbst bestehen. Verwirrende Veränderungen der Welt und fehlenden Vorbildern kann der Mensch nur durch innere Stabilität begegnen (=Selbstwertschätzung). 

Menschen mit hohem Selbstwert…

  • haben eine gute bis hohe Meinung von sich selbst,
  • geben bei Misserfolgen äußeren Umständen die Schuld,
  • fühlen sich den Herausforderungen des Lebens gewachsen,
  • haben ein Recht auf Glück,
  • machen ihre Bedürfnisse und Wünsche geltend,
  • leben in befriedigenden Partnerschaften,
  • leisten viel,
  • haben kaum eine Kluft zwischen „So bin ich“ und „So möchte ich sein“,
  • vergeben sich, wenn sie einen Fehler gemacht haben,
  • setzen sich erreichbare Ziele,
  • sind relativ zufrieden mit ihrem Leben und
  • damit seelisch gesund.

 Menschen mit zuwenig Selbstwert…

  • zweifeln an ihren Fähigkeiten (schwierige Aufgaben werden zögerlich angegangen, Misserfolge entmutigen, vorschnelle Resignation),
  • wollen lieber beliebt als respektiert und bewundert werden,
  • zeigen nicht, was sie können (und werden dadurch unterschätzt und für inkompetent gehalten),
  • wollen als nett, freundlich und sympathisch wahrgenommen werden („Bloß nicht unangenehm auffallen“),
  • wollen nicht kritisiert oder abgelehnt werden,
  • sind durch ihre Selbstzweifel permanent auf Bestätigung angewiesen (=anstrengend für Freunde und Lebenspartner),
  • haben Angst, was die Dauerhaftigkeit ihrer Beziehung angeht,
  • halten sich für dumm

Der Psychotherapeut Nathaniel Brandon schreibt, dass er kein einziges psychologisches Problem kennt, das nicht zumindest teilweise auf mangelhaftes Selbstwertgefühl zurückzuführen ist (Ängste, Depressionen, schlechte Leistungen, berufliche Misserfolge, Beziehungsprobleme, Alkohol- oder Drogenmissbrauch, sexuelle Störungen, Passivität, Gewalttätigkeit, Suizidversuche).

Wie entsteht Selbstwertschätzung?

  • Selbstbeobachtung: Erinnerungen an erfolgreich gemeisterte Situationen
  • wohlwollende Betrachtung der äußeren Erscheinung
  • soziale Vergleiche („Der ist ja noch nervöser als ich…“) -> besonders wichtig für Männer (Männer müssen besser sein als andere.
  • soziales Feedback, Rückmeldungen: Lob, Bewunderung, Anerkennung -> besonders wichtig für Frauen!

 Die letzen beiden Kategorien werden zum Problem im Alter, wenn die Schönheit schwindet oder andere sportlicher sind. Ebenso schlechte Selbstwertquellen sind zwischenmenschliche Beziehungen, hier ist die Abhängigkeit von der Beliebtheit bei anderen zu groß.

 Die einzig verlässliche Quelle für den Selbstwert ist, sich so zu akzeptieren, wie man ist, ohne dies von positiven Rückmeldungen oder persönlichen Erfolgen abhängig zu machen.

 Wie entsteht der Unterschied zwischen Selbstbild und Idealbild?

  • genetische Einflüsse: schüchterne Kinder sind abhängiger von Zuwendung und Belohnung als temperamentvolle, neugierige Kinder.
  • frühkindliche Erfahrungen:
    • „Ich werde geliebt, so wie ich bin.“: Wer nur geliebt wird, wenn er den Teller leer ist und gute Noten nachhause bringt, kann kein stabiles Selbstwertgefühl entwickeln.
    • „Ich kann etwas“: Wenn Eltern jeden Fehler als Katastrophe sehen und vielleicht sogar mit Liebesentzug bestrafen, werden Herausforderungen vermieden.
    • Eltern, die alles an ihrem Kind toll finden, verhindern, dass es seine Stärken und Schwächen realistisch einschätzt
    • „Das ist richtig, das ist falsch.“: Klare Grenzen trainieren ein Leitsystem, das Gewissheit für die Richtigkeit des Verhaltens in späteren Jahren gibt.
    • Jedoch: das Niveau unseres Selbstwertes ist später auch veränderbar.

Popeye, the sailor sagt: „Ich bin, was ich bin, und das ist alles, was ich bin.“ Er sagt nicht, was ihm fehlt – eine ideale selbstwertstützende Haltung.

 
Wer aber sein Ego zu stark aufbläht, könnte in folgende Fallen tappen:

  • Selbstüberschätzung: Erfolge werden vermeintlich selbstverständlich, Zeit wird in nicht zu bewältigende Aufgaben gesteckt.
  • Mangelnde Sympathie: Personen mit starkem Selbstwertgefühl werden oft als wenig sympathisch, wenig altruistisch und wenig unterstützend wahrgenommen.
  • Mangelndes Verantwortungsgefühl: hält sich selten für schuldig.
  • Aggression: Neigung zu Aggression oder Gewalt, wenn positives Selbstbild gefährdet wird (Kritik oder Spott wird zum persönlichen Angriff)
  • Selbstsucht, Selbstgefälligkeit

Quelle: Ursula Nuber, „Die Quelle unserer Kraft“, in: Pschologie heute, April 2005

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