Wikilichkeit

… oder „Wikiality„. Das Wort geistert ja schon einige Zeit über unsere Bildschirme, Brillen und Kontaktlinsen und meint eine Wahrheit, die eher auf gesellschaftlichen Konsens als auf Fakt basiert. Der Time war es im Jänner einen kurzen Eintrag in der Rubrik „The Year in Buzzwords 2006“ wert. Und diese „quasi-Wahrheit“ ist dann in Wikipedia nachzulesen, zum Beispiel in Schülerreferaten oder Seminararbeiten von Studenten. So zumindest der Vorwurf von Leuten, die diese Arbeiten lesen und bewerten (müssen).

Natürlich haben sie recht. Aber andererseits wachen jede Menge Leute über den Wahrheitsgehalt der Wikipedia-Einträge. Und wer diese Web2.0-Welt nicht kennt, kann sich nicht unbedingt vorstellen, dass Falscheinträge rasch geändert werden. Für diese Leute ist eben ein Lexikon im Internet ähnlich einem gedruckten Lexikon. Einziger Unterschied: Die Suchfunktion ist besser.

Was ist das Tolle an Fehleinträgen in Wikipedia? Vorausgesetzt, sie sind einem bewusst, verlangen Wikipedia-Zitate einen Gegencheck mit anderen Quellen. Wer führte solche Gegenchecks bisher beim Zitieren von anerkannten Lexikon-Quellen aus? Wenige, oder? Das Tolle an Fehleinträgen in Wikipedia ist, dass wir langsam aber sicher erkennen, dass nicht alle Veröffentlichungen wahr sind. Vielleicht lassen sich die Leute in Zukunft nicht mehr so leicht an der Nase herumführen, wenn es um Massenvernichtungswaffen in irgendeinem Land geht.

So sollten wir unseren Schülern eine gesunde Portion Medienkritik vermitteln. (Die Betonung liegt bitteschön auf „gesund„).

Die Statistik ist bekannt: Fliegen ist sicherer als Autofahren. Ich habe das vor zwanzig Jahren mal in der Tagespresse gelesen und mit dieser Weisheit immer um mich geschlagen. Und, stimmts?

Stephen D. Levitt hat in Freakonomics nachgerechnet: Auf die Stunde umgerechnet, ist die Todesrate beim Autofahren und beim Fliegen ungefähr gleich, weil wir ja viele Stunden mehr im Auto verbringen, als im Flugzeug. Flugzeug und Auto führen mit gleicher Wahrscheinlichkeit (und Unwahrscheinlichkeit) zum Tod. Was lernen wir daraus? Wikiality hat es schon vor Wikipedia gegeben.

Die lustige „Wikilichkeit“ findet sich unter www.wikiality.com.

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