media literacy award 2011 für den AGSL-Podcast

media literacy award 2011

media literacy award 2011

Für das Englisch-Projekt “AGSL-Podcast” (Austrian-German as a second language), wo Schülerinnen und Schüler der Berufsschule Rohrbach oberösterreichische Dialektworte auf Englisch erklären, haben wir den media literacy award 2011 in der Kategorie Radio erhalten. Der media literacy award zeichnet jährlich die besten und innovativsten medienpädagogischen Projekte an europäischen Schulen aus.

Der Preis wurde im Rahmen des Medienfestivals mla:connect (19. – 21. Oktober 2011) im Museumsquartier in Wien verliehen. Bei diesem Projekt wirkten bis zum heutigen Tag insgesamt 65 Schülerinnen und Schüler der 1., 2. und 3. Klasse Einzelhandel bzw. Großhandel mit. 16 Episoden wurden bisher veröffentlicht, 12 stehen noch für die nächsten Monate bereit und einige neue sind in Arbeit. Die Vorgehensweise für die Erstellung dieser Podcasts habe ich vor einiger Zeit schon hier beschrieben.

Die Jury begründete ihr Wahl folgendermaßen:

Die Jury lächelt noch immer, wenn sie an das Projekt „Austrian German as a second language podcast“ der Berufsschule Rohrbach denkt. SchülerInnen gestalteten im Englischunterricht rund zweiminütige Podcasts, in denen sie mit österreichischem Akzent „Austrian German learners“ Wörter und Phrasen wie „Jawoi“, „Hawara“ und „I drah durch“ beibringen. Nicht nur, dass die Schülerinnen und Schüler in ihrem Unterrichtsfach Englisch überlegen müssen, welche Eigenschaften und Nuancen ihre eigene Sprache bereithält, die sie prägnant auf Englisch beschreiben müssen; sie bringen das Ganze auch noch gekonnt und formklar in das Format eines Podcasts. Die Jury hat diesen Podcast schon an Freunde und Freundinnen weiterempfohlen – was vermutlich weniger als Aufruf zu sehen ist, „Austrian German“ zu lernen, als vielmehr somit bereits der Beweis erbracht ist, dass hier ein unterhaltsamer und humorvoller Podcast vorliegt, der im Internet wirklich seine Fans finden kann. This project is really „voi leiwond“.

Dazu passend wurde für die Zuschauer die Episode “leiwond” von Paul Holly (Sprecher) und Stefan Hausleitner abgespielt. Das Publikum war amüsiert und etliche machte bei den “Repeat after me”-Phasen lautstark mit.

Alle preisgekrönten Beiträge sind auf der mediamanual.at – Preisträgerseite zu finden. Von denjenigen, die online abrufbar sind, haben mir persönlich besonders gut gefallen:

  • mustard vs. ketchup (ein Beitrag aus Italien, der sich gegen Diskriminierung ausspricht)
  • Franz Liszt (ein kurzweiliger Radiobeitrag voll Witz und Ironie aus Budapest über den Komponisten; Achtung: Bei Vimeo warten, bis vollständig geladen)
  • Der Strudel (die Volkschule Krems-Lerchenfeld aus Niederösterreich über einen multikulturellen Strudel)
  • Leben erfahren – ZeitzeugInnen im Gespräch (von der HS Reichenthal aus OÖ, leider nur als Ausschnitt online)
  • Thriller (Integrationsklasse aus dem Elisabethinum, Axams in Tirol)

Kreative, kritische und innovative Media-Literacy-Beiträge rund um die Schulkultur gibt es das ganze Jahr über auf www.mediamanual.at/tv.

Neues Podcast-Projekt gestartet: Österreichisch für Englischsprachige

Im Englisch-Unterricht startete ich mit drei Klassen gegen Ende des vorigen 10-Wochen-Lehrgang eine neue Podcast-Serie, in der einige oberösterreichische Dialektwörter auf Englisch erklärt und geübt werden. Die Serie nennt sich “Austrian-German as a second language podcast”, kurz AGSL, und ist auf agsl.posterous.com und bald im itunes-Store abonnierbar.

Warum dieses Thema?

  1. Als Tourist liebe ich es, einige Brocken der örtlichen Landessprache zu beherrschen. Der AGSL-Podcast ist gut dazu geeignet, einige sehr, sehr typische Wörter aus Oberösterreich zu lernen. Das möglicherweise meist verwendete Wort für diesen Zweck in Oberösterreich könnte “Oachkatzlschwoaf” (=Eichhörnchenschweif) sein. Kaum ein hochdeutsch- oder andersprachiger Tourist, der beim Kontakt mit Einheimischen nicht irgendwann gezwungen wird, dieses Wort auszusprechen.
  2. Im Unterricht wird bei dieser Übung die Kreativität, Schreib-, Lese- und Sprachkompetenz in Zweier-Gruppen trainiert. Und natürlich: Der Fun-Faktor ist in diesem Fall nicht vernachlässigbar!
  3. Nachem der Wirtschaftskunde-Podcast ganz gut lief, wollte ich eine etwas internationalere Serie starten, um auszuprobieren, wie viele Zugriffe diese im Vergleich zu einem rein deutschsprachigen Angebot hat. Für die beteiligten Schülerinnen und Schüler und für mich wird es interessant werden, in welchen Ländern die Podcasts gehört werden. Auf posterous wird dies mittels Google-Analytics und Feedburner auf einfachste Weise möglich gemacht.

Die Idee, einen englischsprachigen Podcast zu erstellen hatte ich schon länger. Was fehlte, war ein knackiges Thema. Es sollte ein Thema sein, dass

  1. kurze Podcasts von maximal 1 – 2 Minuten Dauer,
  2. eine einfache Sprache erlaubt, was sowohl Satzbau als auch Aussprache betrifft,
  3. den Schülern größtmögliche Gestaltungsfreiheit lässt und
  4. trotz alledem dem Zuhörer einen gewissen Unterhaltungswert oder sogar Nutzen bringt.

Die größten Bedenken hatte ich bezüglich Aussprache und Grammatik, weil meine Schülerinnen und Schüler sehr unterschiedliche Sprachniveaus aufweisen. Letztendlich habe ich aber dann beschlossen, das alles nicht so eng zu sehen, Fehler zuzulassen und den Focus auf eine rasche und einfache Produktionsweise (quick & dirty) zu legen.

Ein Mindestmaß an Qualitätssicherung halten wir allerdings trotzdem bei der Vorgehensweise ein:

a) Schülerinnen und Schüler überlegen sich ein Dialektwort (möglichst aus ihrem Heimatort) und klären das mit mir ab. Ich habe eine Liste mit den bisher verwendeten Worten bzw. bremse ein, wenn das Wort zu wüst gewählt ist.

b) In Zweier- bzw. maximal Dreiergruppen erstellen Schülerinnen und Schüler einen Text und tippen diesen in ein neu angelegtes Titanpad (www.titanpad.com). Als Syntax hat sich http://www.titanpad.com/Klassenname + Katalognummer bewährt. Die Schülerinnen und Schüler sollten Online-Wörterbücher wie www.dict.cc und www.linguee.de verenden. Zusätzlich erhalten sie einen ausgedruckten Muster-Podcast, in dem die zu verwendenden Intro-Sätze enthalten sind und der eine gewisse Leitlinie ist, was den Aufbau des Podcasts betrifft.

Die Regeln für die Erstellung sind ganz einfach:

  • einer/eine pro Gruppe tippt
  • Dialektwort bzw. Dialektsatz tippen
  • Introtext einfügen (lt. Muster-Podcast)
  • hauptsächlich Present tense verwenden
  • Teil einbauen, wo der Hörer das Vorgesprochene nachsprechen muss (“Repeat after me”)
  • E-Mail + Klasse ins titanpad reintippen
  • Vermerk, ob der Podcast anonym, mit Namen oder mit Nickname erscheinen soll

c) Danach wird der Podcast einer anderen Gruppe vorgesprochen. Feedback bzw. Verbesserungsvorschlägen fallen hier meist ziemlich dürftig aus.

d) Mittels Etherpad überprüfe ich bis zur nächsten Woche den Text und bessere ggf. das Gröbste aus, lasse aber (und das ist wichtig!!) ansonsten den Text unverändert. Schließlich sollte das Ganze ein Werk der Schülerinnen und Schüler bleiben!!

e) Eine Woche später wird der Podcast aufgenommen. Für jeden Sprecher und für mich habe ich einen Ausdruck vorbereitet. Während des Aufsprechens markiere ich mit Leuchtstift eventuelle Aussprachefehler oder Unsicherheiten und lasse diese im Anschluss gleich nochmal verbessert sprechen. Diese Leuchtstift-Unterlage hilft später beim Schneiden, da ersichtlich ist, welche Passagen öfter verbessert gesprochen wurden.

Die produzierten Podcasts werden aus organisatorischen Gründen von mir geschnitten. Das liegt einerseits daran, dass Audio-Bearbeitung in unserer Berufsschule in kein Unterrichtsfach passt und es so gut wie nicht vorkommt, dass sich ein Schüler bereit erklärt, die Podcasts in seiner Freizeit zu schneiden. Mittlerweile finde ich mich damit ab und benötige für einen Podcast-Schnitt (wenn Intro und Drumherum festgelegt sind) knappe fünf bis zehn Minuten. Das macht dann insgesamt einen Zeitaufwand von zwei Unterrichtseinheiten plus die benötigte Zeit für’s Schneiden. Mehr ist auch oft nicht drinnen in unserem strikten Lehrplan, wo das Stoffgebiet für jede einzelne der 40 Unterrichtseinheiten (abzüglich 10 % möglicher Entfall) festgegelegt ist.

Die Serie wird ab sofort, sofern keine wichtigen dienstlichen Gründe (“Das kannst Du im Englisch-Unterricht nicht machen!!”) im wöchentlichen Abstand erscheinen. Material ist genug vorhanden, das reicht locker bis Mitte September und die Dialektworte … die gehen uns auch nicht aus.

Rechtsformen der Unternehmen – die Podcasts

Hier ein paar neue Podcasts aus dem Wirtschaftskunde-Unterricht über die Rechtsformen von Unternehmen. Unser Schulbuch vermittelt diese Themen in tabellarischer Form mit den Spalten “Begriff”, “Firma”, “Leitung”, “Haftung”, “Beteiligung” und “Gewinnverteilung”. Trockener geht das fast nicht mehr, da ist sogar der “echte” Gesetzestext spannender.

Meine Schüler konnten sich gruppenweise einzelne Rechtsformen aussuchen und hatten die Aufgabe, in 3 Stunden einen Podcast zu produzieren, der den Lernstoff auf unterhaltsame Weise vermitteln, vertiefen oder wiederholen sollte. Zuvor vermittelte ich überblicksweise den Stoff anhand einer Mind-Map in einer Unterrichtsstunde frontal. Dabei konzentrierte ich mich auf das Wesentliche wie Leitung und Haftung.

Ideenfindung und Grobkonzeption der Podcasts erfolgte von den Schülern selbstständig in einer Vertretungsstunde. Danach sprach ich mit den einzelnen Gruppen über Ihre Vorhaben gab grünes Licht für die Realisierung. Die Rohfassung wurde in Anwesenheit der Schülerkollegen gesprochen und Feedback gegeben. Danach sprachen die einzelnen Gruppen Ihre Versionen auf meinen privaten iPod, wenn gewünscht in einer leerstehenden Klasse. Die Vorgehensweise habe ich vor zwei Jahren schon hier beschrieben, die hat sich nicht gravierend geändert.

Zum Schneiden der Podcasts habe ich mit etwas Glück einmal im Jahr das Fach Informatik. Deshalb schneidet meist eine andere Schülergruppe die Rohfassung und wir stellen diese dann auf unser Podcast-Portal unter http://bsrohrbach.podhost.de. Das ist auch der Grund, warum mein Lieblings-Podcast “Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker” jetzt etwas out-of-date ist.

Hier nun die Podcasts über die Rechtsformen:

  1. Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker (AG)
  2. Prüfung über Rechtsformen
  3. Millionenshow
  4. Unternehmensgründung
  5. Quiz über die KG
  6. Die Stille Gesellschaft von Anneliese Braun

Als Draufgabe gab es von der Gruppe noch einen Podcast über die drei dümmsten Stundungsansuchen beim Thema Zahlungsverzug.

Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker

Das Team "Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker"

Alle Podcasts stelle ich anonym auf die Portale, habe aber Namen, Fotos und E-Mail Adressen der Schüler, um diese bei passenden Wettbewerben einzureichen. Derzeit bin ich noch auf der Suche nach einem vernünftigen Podcast-Portal, wo die einzelnen Podcasts verschlagwortet oder nach Themen gruppiert übersichtlich und evt. mit Foto kostenlos abgelegt werden können. Bis dahin muss es eine Wikispaces-Seite tun.

Unterrichtsidee zur Lebensmittelkrise

“Politische Bildung” ist an unserer Schule ein eher ungeliebtes Unterrichtsfach – seitens der Lehrer. Ein Grund könnte sein, dass es in vielen Fächern Gruppenteilungen mit maximal 15 Schülern gibt, in Politischer Bildung aber nicht. Ein Grund könnte auch sein, dass das Fach sehr offen für aktuelle Beiträge ist, das ist nicht jedermanns Sache. Drittens habe ich den Eindruck, dass die Wertigkeit des Faches unterschätzt wird: Klar ist es vieeeel wichtiger, eine Devisenrechnung zu beherrschen oder auf Englisch 20 Fleischsorten aufzählen zu können, als Grundlegendes über unser Wahlsystem oder Vorteile der EU zu kennen (die Nachteile wissen sie ja alle).

Zur Lebensmittelkrise habe ich mit zwei Klassen Podcasts erstellt. Basis war eine herrliche Samstag-Ausgabe des Standards von neulich, in der fast 30 Artikel zur Lebensmittelkrise enthalten waren. Das ist das Ergebnis:

Podcast der 1aBau4 (Baustofffachberater) und der 1dEHS4 (Spar-Lehrlinge).

So sind wir vorgegangen:

  1. Als Einstieg zeigte mein Kollege supplierenderweise zwei kurze Filmsequenzen über die Lebensmittelkrise. Ein ARTE-Beitrag (“Mit offenen Karten”) und eine Beitrag des ORF-Weltjournals. Die Schüler hatten die Aufgabe, die Hauptursachen der Lebensmittelkrise aus diesen Beiträgen herauszuhören. Die Filmsequenzen sammle ich laufend auf DVD. Alternativ sehe ich bei youtube oder veoh.com nach. Eine beeindruckende Aufstellung gibt es auch bei rustylime “Family food expenditures around the world“, die habe ich aber eben erst entdeckt.
  2. Gemeinsam mit einem Partner bearbeiteten die Schüler dann je einen Artikel aus dem Standard. Sie erhielten folgenden Arbeitsauftrag:

    Bearbeiten Sie mit ihrem Partner einen der zur Verfügung gestellten Zeitungsartikel zur Lebensmittelkrise. Gehen Sie dabei so vor:

    a. Lesen Sie ihn und unterstreichen Sie wichtige Abschnitte mit Bleistift
    b. Markieren Sie nun 7 – 9 Schlüsselbegriffe mit Leuchtmarker und die Erklärungen dazu mit grünem Fine-Liner (Farbe ist egal)
    c. Notieren Sie auf einem „Schwindelzettel“ die 7 – 9 Schlüsselbegriffe. Außer diesen Begriffen dürfen auf dem Schwindelzettel nur Zahlen, Zeichen, Symbole und kleine Zeichnungen stehen.
    d. Versuchen Sie nun, Ihrem Partner den Inhalt des Artikels anhand des Schwindelzettels zu erzählen.
    e. Ihr Partner erzählt Ihnen nun den Inhalt des Artikels noch mal.
    f. Trennen Sie sich und besuchen Sie jeder mindestens zwei Gruppen, denen Sie den Inhalt des Artikels erzählen.

  3. Danach bereiteten die Schüler fünf bis zehn prägnante Statements ihres Artikels vor, den wir dann als Podcast aufnahmen. Zuletzt noch einige “Effekte”, wie zB das Wort “Lebensmittelkrise” gemeinsam gebrüllt. Fertig. Naja. Fast. Das Podcast-Schneiden blieb noch bei mir, soweit sind manche Digital-Natives dann doch noch nicht ;-) und im Unterricht haben wir keine Zeit dafür.

Zeitaufwand: 2 Stunden für Filmchen und Artikelbearbeitung, 1 Stunde für die Aufnahme inklusive Probe, zwei Stunden für mich für den Podcast-Schnitt.

Was mache ich mit den Podcasts?

  • Unterrichtseinstieg für andere Klassen
  • Wissens-Quiz-Spiel und anschließend Podcast zur Beantwortung
  • Demo für Podcasts anderer Themengebiete (zB Erdöl, Wählen mit 16, Arbeitsrecht, …)
  • Nostalgische Erinnerung in 30 Jahren

Ein letzter Satz: Die Aufgabe eines Lehrers sollte aber nicht unbedingt sein, Zukunftsängste zu schüren. Als Ausgleich für die doch heftige Problematik der Lebensmittel eignet sich das wunderbar positive Interview von Christian Hehenberger bei SWR1 Leute. Der sagt:

“Wir gehen in das interessanteste, spannendste und wertvollste Jahrzehnt, das wir seit 1945 erleben durften.”

Hört sich doch gut an.

“Ich bezahle von meinem Geld nichts mehr für meine Arbeit”

zitiert Claude vom lesenswerten “Die Anstalt – Lehrer Blog” einen engagierten Kollegen. Im Beitrag “Vom Wert unserer Arbeit” geht es um die Mühseligkeiten der Lehrer sich weiterbilden zu dürfen, sich dabei aufgrund der Fehl- und Supplierstunden den Unmut der Kollegen zuzuziehen und darüberhinaus noch etwas dafür bezahlen so müssen, eine Erlaubnis der Vorgesetzten überhaupt vorausgesetzt. So ist es, so wird es bleiben, nicht zu ändern. “Weiterbildung ist böse.”

Diese Problematik frustriert mich, seit ich Lehrer bin. In welchem Job wird einem Weiterbildung psychisch und physisch schwieriger gemacht, als im Lehrerjob? Nichtsdestotrotz gibt es immer weider “Rebellen”, die sich privat und auf eigene Kosten weiterbilden. Mein Eindruck ist, dass das nicht gerne gesehen wird. (Den Eindruck hatte ich allerdings auch oft in der Privatwirtschaft. Einige Zeit war ich Fernstudent an der Gesamthochschule in Hagen. Einige Studienkollegen hielten das Fernstudium vor ihren Arbeitskollegen und Arbeitgebern aus guten Gründen geheim, was die Sache natürlich nicht vereinfacht).

Zurück zum Beitrag von claude: Wo wäre aber die Schule, wenn “Ich bezahle von meinem Geld nichts mehr für meine Arbeit” die Maxime eines jeden Lehrers wäre? Wäre sie dann weiter, weil Mittel und Weiterbildungen massiver eingefordert werden würden? Verlässt sich das Bildungssystem derzeit auf die wenigen “blöden” Lehrer (und zu diesen zähle ich mich), die für ihren Unterricht auch noch Geld ausgeben?

Unsere Schule hat letzte Woche beim lernm[it]-Wettbewerb in der Kategorie Podcast einen Preis gewonnen. Mich freut es, dass meine Berufsschülerinnen im 10-Wochen-Lehrgang das Match gegen etliche Einreichungen aus Gymnasien und Handelsakademien gewannen, die im Prinzip ein ganzes Jahr zur Erstellung des Podcasts zur Verfügung hatten. Wir wurden zur feierlichen Preisverleihung geladen und den Schülerinnen wurde für ihren Beitrag “Außergerichtliches Mahnverfahren” ein Sparbuch über 100 Euro und eine Urkunde für den 3. Rang überreicht.

In den Festreden wurde davon gesprochen, dass das Land Oberösterreich bestens mit Computerräumen ausgestattet ist, dass elearning wichtig für Schüler ist, dass das Internet viele, viele, viiieeeele Gefahren birgt und dass alle gute Arbeit geleistet haben. Einer der prominenten Hauptredner vergaß (zu meinem Ärgernis) auch nicht zu erwähnen, dass er sich als Schüler vor Prüfungen zu einem fleißigen Schüler wandelte. Vorbildhaft.

In den letzten Tagen stellte ich mir einige Fragen:

  • Den Podcast haben die Schülerinnen mit meinem privat gekauften ipod (damals EUR 186,00) mit Mikrofon (damals EUR 79,90) aufgenommen. Heißt das, dass bei diesen Wettbewerben eigentlich nur Schüler gewinnen können, deren Lehrer privat Geld für die entsprechende Ausrüstung ausgeben? Das würde erklären, dass nur eine einzige von über 25 Berufsschulen in Oberösterreich mitgemacht hat.
  • Warum werden bei solchen Wettbewerben nicht zusätzlich die Schulen prämiert, die dann ein Budget für Folgeprojekte zu hätten?
  • Warum bekommen bei solchen Projekten die Schulen keine Urkunden, nur die Schüler? (Meine netten Schülerinnen schenkten mir ihre Urkunde und ich ich versprach, sie in Farbe zu kopieren)
  • Warum werden auf der lernm[it]-Homepage die Gewinner weder angegeben noch vorgestellt?
  • Warum steht beim Menüpunkt “ARGE elearning” seit September 2008 “…Text folgt noch”, wenn elearning angeblich so wichtig ist?

Dieser Wettbewerb, der während dem “elearning Aktionsjahr 2007/08″ durchgeführt wurde, war nett. Wirklich nett wäre aber das:

  • Jeder interessierten Schule eine podcast-Ausrüstung zur Verfügung zu stellen
  • Jeder interessierten Schule einen Zugang zu einem mediawiki-Server zur Verfügung zu stellen
  • schulübergreifende Kooperationen im Bereich Fortbildung für Lehrer (Methodenaustausch)
  • Wiederholung des Wettbewerbs im nächsten Jahr
  • Abstimmungsverfahren unter Beteiligung der Bevölkerung (SMS-Voting, Refinanzierungsmöglichkeit)
  • Wartung der Wettbewerbsseiten im Internet (Teilnehmer, Jury, Gewinner, Termine, …)

Nachtrag vom 24. Mai 2008:

Heute bereite ich gerade eine Unterrichtssequenz zur Lebensmittelkrise vor. Als Einsteig zeigt mein Kollege supplierenderweise zwei Kurzclips über diese Krise zu je 10 Minuten. Diese Clips habe ich auf DVD, weil ich zufällig in einer Klasse unterrichte, die mit Beamer ausgestattet ist. Was mache ich derzeit? Ich kopiere die DVD auf Videokassette, damit der Kollege die Filme auch wirklich herzeigen kann. Wir sind bestens mit alten Videorecordern ausgestattet, aber um eine DVD herzuzeigen schleppt man im schlimmsten Fall einen DVD-Player von einem Stock zum nächsten oder besitzt ein privat gekauftes Notebook, um diese Kurzclips abzuspielen. Da niemand von einem Lehrer verlangen kann, sich für seinen Unterricht ein Notebook zu kaufen (oder???), kopiere ich nun schön. Welcome to Schilda.

Bitte unterschreibt die Initiative OLPT (one laptop per teach). Uhh, das ist für Afrika. Naja, macht auch nichts.

Nachtrag 2: Unsere Schule bekommt nächstes Jahr einen DVD-Server – einen Rechner wo wir Unterrichts-DVDs ablegen können. S’tut sich was.

lern m[i]t Podcast Wettbewerb – die Beiträge

lernmitBis vorige Woche war es beim oberösterreichischen Lern m[i]t-Wettbewerb für alle Schultypen im Bereich Podcasts eher ruhig. In den letzten Tagen sind aber zahlreiche gute Beiträge eingetrudelt. Dort und da habe ich reingehört und war begeistert, wie kreativ und professionell die Schülerbeiträge sind, eingesandt von Volksschulen, Hauptschulen und Gymnasien. Hier einige Perlen:

Mein absoluter Favorit ist aber der Ringparabel-Rap von der SHS2 Gallneukirchen. Ja, ich gebe zu, ich habe gegoogelt, weil ich es unglaublich fand, das dies eine Schülerarbeit sein sollte. Nichts gefunden, kein Plagiat, einfach genial, hitverdächtig.