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Englisch lernen mit den „40 Expressions“
Eine kurze, knackige Unterrichtssequenz für Englisch bietet sich mit dem Youtube-Video „40 expressions“ an. In diesem Video, das per heute schon über 150 Videoantworten erhalten hat, stellt bubzbeauty 40 Gefühle mimisch dar. Zugleich werden diese als Untertitel eingeblendet. Im Englisch-Unterricht war nun das Ziel, eine Video-Antwort zu posten. So bin ich mit einer 3. Klasse Einzelhandel vorgegangen:
- Youtube-Video ansehen (am besten via keepvid.com runterladen)
- Vokabel-Liste mit deutschen Übersetzungen austeilen, Schüler suchen sich aus dem Video die englische Übersetzung. (Falls mehr Zeit zur Verfügung steht können die Schüler die Listen auch selbst erstellen)
- In zwei Klassen habe ich gefragt, ob, ob sie eine Videoantwort posten möchten. Eine Klasse hat verneint, eine andere war dafür.
- Die Vokabeln wurden dann in dieser Klasse von 1 – 40 nummeriert, kopiert, ein Exemplar zerschnippselt und die Vokabel-Schnipsel auf die Schülerinnen nach Belieben aufgeteilt.
- Die Schülerinnen erstellen Kärtchen mit dem englischen Begriff in großer Schrift, den sie später an die Wand pinnen, während sie den Begriff darstellen.
- Eine Schülerin übernimmt den Part des Regisseurs und kümmert sich um die korrekte Reihenfolge der Darstellung, das spart später viel Zeit beim Schneiden der Teile, eine andere filmt. Gefilmt wird am besten mit Stativ. Wir verwendeten eine ganz billige Digicam im Film-Modus.
- Die Schülerinnen treten nun ohne groß zu proben der Reihe nach auf, pinnen ihr Wort an die Wand und stellen es mimisch dar. Ich habe beim Filmen den Fehler gemacht, immer ein „Go“-Kommando gegeben zu haben. Das später rauszuschneiden hat den Aufwand unnötig erschwert. Profis würden wahrscheinlich Handzeichen geben…
Nach 20 Minuten waren die 40 Begriffe im Kasten. Das Suchen nach lizenzfreier Musik (hier einige Tipps), einfügen eines Titels und Abspanns am PC bei mir zuhause dauerte dann nochmal eine Stunde, hat aber (zur Entschuldigung) Spaß gemacht. Idealerweise sollte die Produktion des Videos an Schüler delegiert werden. Das fertige Video habe ich nach Einverständis durch die Schülerinnen als Videoantwort auf youtube gepostet. Die Schülerinnen haben es zusätzlich via Facebook an ihre Freunde verteilt.
Hier das Resultat, in der ich auch eine Gastrolle als „typical annoyed teacher“ hatte:
Der Lerneffekt konnte sich sehen lassen: Beim Erstellen der Videos wurden die Vokabeln sehr oft wiederholt, das fertige Videos wurde regelmäßig angesehen. Einige Lehrer berichteten mir, dass Ihnen die Schülerinnen das Video in ihren Stunden gezeigt hatten. Was will man mehr?
Update 20. 11. 2009: Auf Wunsch von Felix hier noch die Liste mit den Vokabeln: 40 Expressions – words
4 comments 16. November 2009
Wie ich Blogs auswähle, die ich abonniere oder ignoriere (Teil 2)
Zu meinem Posting von gestern haben mich einige gefragt, was denn nun meine persönlichen Top10-Blogs (die „MiBs“ = die Most Important BlogS) sind. Ich habe meine MiBs-Liste nun via Google-Reader hier öffentlich gestellt, sie wird automatisch aktualisiert.
Folgende Blogs sind darin enthalten:

Die Liste ändert sich alle paar Wochen dort und da, je nach persönlicher Interessenslage. Ich versuche, sie immer zwischen 10 und 15 Blogs zu halten, was nicht immer gelingt. Weniger ist mehr.
Sehr persönliche Blogs sind „Na, wie war’s in der Schule“, der Schüler-Blog „Sven’s kleiner Blog“ und „Wenn Katzen schreiben“. Alle anderen haben etwas mit Schule zu tun. Die Karriere-Bibel ist unglaublich vielseitig und enthält oft gute Artikel, sowohl für Lehrer als auch für Schüler.
Die restlichen 280 abonnierten Blogs lese ich dann und wann. Unregelmäßig und unvollständig. Manchmal wird ausgemistet, aber (zu) selten. Es kommen eher mehr Blogs dazu als weg.
Lesen kann und will ich diese Blogs nicht alle. Ich merke mir auch nicht alles, was ich gelesen habe, meist überfliege ich nur die Überschriften und die ersten paar Sätze. Aber bei Bedarf findet die Google-Reader-Suchfunktion alle Artikel mit einem gewünschten Stichwort.
Die Blog-Sammlung verwende ich als eine Art Mini-Internet, speziell abgestimmt auf meine Interessen, als „Fachzeitschrift“, speziell für mich geschrieben, mit komfortabler Volltextsuche. Ich bin gespannt, wie ich in fünf Jahren über diesen Artikel denke, wenn ich ihn lese.
4 comments 12. Oktober 2009
Bildungskongress in Düsseldorf #bk09
Gelungene Präsentation vom Hirnforscher und Psychologen Peter Kruse (hier der Wikipedia-Eintrag und die Youtube-Playlist) über Internet, Schule und den Rest der Welt:Tweets zu diesem Thema: http://search.twitter.com/search.atom?q=%23bk09
Die Aufzeichnung des Vortrages kann bei dnadigital angesehen werden (einfach das Politiker-blabla überspringen).
Neu für mich war die Einführung des Begriffs „Digital inhabitants“, weil ja die „Alten“ im Begriff „digital natives“ wegen eines zu frühen Geburtsdatums und des Handikaps, nicht mit Playstation, Handy und Co als 5jährige in Berührung gekommen zu sein, ausgegrenzt waren, obwohl sie manchmal wie Kruse gleich viel oder mehr Ahnung von Web2.0 haben als ein „nach-90-er“. Andererseits können wiederum manche Jugendliche mit Facebook, Twitter und Wikis wiederum nichts anfangen. Deshalb der „digitale Einwohner“. Agreed.
Erstaunlich, dass wieder mal das „Cluetrain-Manifest“ erwähnt wurde. Ich habe es damals gelesen, aber ich konnte nicht so recht erklären, warum es mich so faszinierte. 10 Jahre später ist alles klar, das Buch war in manchen Bereichen seiner Zeit voraus. Jetzt passt es genau und beschreibt die Mechanismen, mit der Social Software die Politik, Wirtschaft und hoffentlich auch das Bildungssystem verändern kann: „Märkte sind Gespräche“.
So, das war ein alljährlicher chaotischer Ratz-Fatz-Blitzeintrag. Der Kruse-Vortrag ist es wert, nochmal reinzuhören, die youtube Videos dazu rauszusuchen und ein paar Zitate mitzuschreiben.
Add comment 27. August 2009
Etherpad – das Klasse(n)-Notizbuch
www.etherpad.com lässt sich ohne vorherige Anmeldung als Notizblatt nutzen. Dabei können mehrere Personen gleichzeitig ohne Zeitverzögerung in dasselbe Dokument schreiben. Jeder Tastendruck kann live am Bildschirm mitverfolgt werden.
„Google Text und Tabellen“ kann das zwar (mit einer Zeitverzögerung von 5 – 15 Sekunden) auch, allerdings ist hier bekanntlich eine Anmeldung erforderlich. Leider ist es an unserer Schule nicht Standard, dass Schüler eine E-Mail Adresse besitzen, von einem Google-Account überhaupt nicht zu reden. Bis dass sich meine Gruppe irgendwo angemeldet hat, vergehen oft 30 – 40 Minuten (Wechsel in den Computeraum, Anmeldung im System, Starten von IE – neinnein – der ist alt – lieber den Firefox – „woistderversteckt“ -“hilfedersagtwasvoneinerunsicherenverbindung“ – „bittedieseitedocs.googl.comgehtnicht“ usw). Wenn ich beispielsweise in Wirtschaftskunde pro 40-Stunden-Lehrgang ein- oder zweimal einen freien EDV-Raum nutze, dann hat diese eine Stunde „Google-Docs“-Anmeldung ein äußerst schlechtes Zeit-Nutzen-Verhältnis. (Klar könnten dann andere Lehrer Google-Docs nutzen – aber: wer kennt das schon?? Und: Wer will das schon?)
Deshalb schien mir etherpad, das ohne Anmeldung funktioniert, sehr geeignet für gelegentliche gemeinsame Notizen. Deshalb probierte ich etherpad heute in einer Doppelstunde Wirtschaftskunde aus:
Vorbereitung zuhause: Anlegen einer etherpad-Seite – Einfach eine Seite aufrufen, wie www.etherpad.com/werner. Gibt es die Seite noch nicht, dann erscheint ein Button „Create Pad“. Der URL wird für immer und ewig gespeichert und wird nicht gelöscht. Allerdings gibt es aufgrund der fehlenden Anmeldung auch keinen Schutz der Seite – jeder kann reinschreiben, wenn der URL bekannt ist. Deshalb vielleicht lieber eine kryptische URL verwenden. Danach notierte ich die einzelnen Kapitelüberschriften der Gruppenarbeiten im Pad.
Doppelstunde Wirtschaftskunde:
- Zwei Schüler bekamen jeweils eine Aufgabe zugewiesen (Kapitelüberschriften im Buch, wie im Pad angelegt). In einer knappen Viertelstunde fassten sie das jeweilige Buchkapitel zusammen und präsentieren es anschließend ihren Kollegen. Auftretende Fragen werden geklärt. Erste Stunde beendet.
- Zweite Stunde: Wechsel in den EDV-Raum. Schüler rufen vorbereitete etherpad-Seite auf. Pro Benutzer kann eine Farbe ausgewählt werden und der „unknown“-Username mit dem eigenen Namen überschrieben werden. Eine Schüler diktiert, der andere tippt.Härtetest: 8 Benutzer gleichzeit auf einem etherpad? Die Verbindung bricht macnhmal zusammen, das kann aber auch an unserem Schulnetzwerk liegen. Ein „Re-Connect“ ist möglich, manchmal verschwinden aber die getippten Beiträge.
Abhilfe schaffte der normale Zubehör-Editor (Start-Programme-Zubehör-Editor): Hier tippten die Schüler ihre Zusammenfassung ein und kopieren das Ergebnis dann ins etherpad. Hinweis: Wenn aus Winword-Dokumenten ins etherpad kopiert wird, dann werden jede Menge Steuerzeichen mitübernommen, also: don’t do that.
Beliebig viele Zwischenstände können mit dem Button „Save Now“ gespeichert und auch wieder zurückgeholt werden.
Schüler notieren unter ihren jeweiligen Beiträgen die Namen, das braucht der Lehrer für die Punktevergabe. Schüler/Lehrer können am Beamer bzw. am eigenen Schirm mitverfolgen, wie das Dokument wächst und sich Tippfehler gegenseitig ausbessern. Macht Spaß. Eine Chat-Funktion gäbe es auch, macht aber nur bedingt Sinn, wenn alle gleichen Raum sitzen
- Wenn noch Zeit bleibt: Schüler stellen Fragen zum Stoffgebiet mit Hilfe der Fish-Bowl-Methode. Währenddessen kopiert ein Freiwilliger das erstellte Dokument in eine Textverarbeitung, formatiert die Überschriften und druckt für jeden Beteiligten ein Exemplar.
Fazit: Schüler erarbeiten Stoffgebiete selbstständig, trainieren Kurzpräsentationen, fassen Texte zusammen, ordnen, systematisieren und gehen mit einer (hoffentlich passablen) Zusammenfassung aus dem Unterricht. Wenn dort oder da was fehlt oder nicht richtig ist, dann kann von der Lehrkraft ruzck-zuzk drübergearbeitet werden.
6 comments 17. März 2009
Nachtrag zu: „Blogs im 50-Minuten-Unterricht“
Vorgestern habe ich mit 11 SchülerInnen versucht, das Thema „Konsumentenschutz“ im Fach Wirtschaftskunde mit Hilfe eines Blogs zu behandeln. Das Ergebnis findet sich im Beitrag „Blogs im 50-Minuten-Unterricht„.
Den SchülerInnen waren Blogs weitgehend unbekannt und erfahrungsgemäß haben auch nicht viele eine in der Schule abrufbare E-Mail-Adresse. Ziel war es, dass die SchülerInnen ohne großen Administrationsaufwand Fragen ins Web stellen und diese gegenseitig beantworten.
So lief es ab:
- Ein EDV-Raum war für uns reserviert und glücklicherweise dann auch wirklich frei.
- Nach 10 Minuten waren die Schüler im Netzwerk angemeldet und alle hatten die (etwas langsame) Blog-Seite geöffnet.
- Weitere fünf Minuten später hatte ich die Vorgehensweise erklärt und die SchülerInnen legten los. Vier Kommentare verirrten sich auf einen falschen Blog-Eintrag, aber kein Problem.
- Einige Geschäftsfälle blieben unbeantwortet. Die letzen 10 Minuten gab ich den Auftrag, keine neuen Fragen mehr hineinzustellen sondern die bestehenden Geschäftsfälle zu beantworten.
- Insgesamt wurden 60 Beiträge gepostet. Das heißt, dass jeder Schüler zirka 5 Beiträge in zirka 40 Minuten geschrieben hat.
Das habe ich gelernt:
- Die SchülerInnen sollten sich zwar anonym im Netz bewegen. Ich selbst sollte aber doch die Nicknames kennen. Das heißt auch, dass sich die SchülerInnen immer mit dem selben Nick kommentieren müssen.
- Ich habe keine Punkte bzw. Noten für die geleistete Arbeit gegeben. Das war gut. Noten stören Kreativität.
- Irgendwann dachte ich: Wie prüfe ich das, was wir jetzt gerade machen? Zu einer Schülerin sagte ich dann: „Am Ende drucken wir alles aus, ich suche die besten Geschäftsfälle heraus und die müssen Sie dann lernen.“ Sie sah mich relativ erschrocken an. Zu Recht. Ich habe diese Idee wieder verworfen und war dann ein wenig ratlos und überlegte, was ich nun aus diesem Experiment machen sollte, um was „handfestes“ zum Prüfen zu haben.
Dann las ich dann den wunderbaren Blog-Beitrag „Two Paradoxes“ von Franz Kuehmayer, der mich diese Stunde aus einer anderen Perspektive betrachten ließ.
„The paradox of the knowledge society is that it does not ask students to acquire more knowledge.“
(Okay, bitte kurz den Aufschrei unterdrücken: „Die werden immer schlechter un die wissen immer weniger. Ich kann die Tests heute sowieso nicht mehr geben, die ich vor 5 Jahren noch gegeben habe.“)
Die SchülerInnen müssen nicht notwendigerweise mehr wissen, als sowieso im Buch steht, nur weil wir mal eine Stunde den EDV-Raum benutzt haben. Dafür wissen Sie jetzt, wo sie Infos finden, die nicht im Buch stehen.
Kuehmayer schreibt dann noch:
„So the knowledge economy does not necessarily ask for acquiring new knowledge, but it requires to learn how to create, to find, to combine, to use knowledge in new ways and in better ways.“
Was lernten die SchüerInnen während dieser 50 Minuten:
- Die Seite www.konsumentenberater.at gibt Auskunft bei vielen Fragen der Muss-ich-haben-Gesellschaft.
- Geschäftsfälle wurden erfunden, Fragen formuliert, Antworten dazu gesucht und oft gefunden.
- Blogs können kommentiert werden. Die Kommentare können auch kommentiert werden.
- Jeder kann weltweit das Lesen, was gerade geschrieben wurde.
- Nicknames sollten im Internet verwendet werden, wenn man anonym bleiben möchte.
- Nicht mal der Lehrer kann herausfinden, was ich geschrieben habe, wenn er meinen Nickname nicht weiß.
Doch eine ganze Menge. Prüfen kann ich auch die zwei Seiten im Buch, oder?
5 comments 6. März 2009
Blogs im 50-Minuten-Unterricht: www.konsumentenberater.at
Dies ist kein „normaler“ Blog-Eintrag, sondern ein Unterrichtsexperiment. Sind Blogs sinnvoll in einer 50-Minuten-Einheit einzusetzen, wenn die Schülerinnen und Schüler sich vorher weder im System angemeldet noch Blog-Erfahrung haben? (Die Unterrichtseinheit findet am 4. März 2009 von 14:30 – 15:20 statt)
Liebe Schülerinnen und Schüler,
Bitte lösen Sie folgende Aufgabe zum Thema „Konsumentenschutz“:
- Besuchen Sie die Seite www.konsumentenberater.at
- Wählen Sie ein beliebiges Thema aus und erstellen Sie dazu einen kurzen Geschäftsfall. Dieser Geschäftsfall muss mit Hilfe von www.konsumentenberater.at lösbar sein.
- Schreiben Sie Ihren Geschäftsfall in das Kommentarfeld (Unter „Comments“, „leave a comment“ bzw. „Add your own“) und wählen Sie „Submit“ (Siehe Muster-Geschäftsfall CD-Player)
- Wählen Sie eine Frage eines Mitschülers, die maximal eine Antwort hat und beantworten Sie diese ebenfalls mit der Kommentarfunktion. Bitte nicht einfach nur „ja“ oder „nein“, sondern geben Sie auch eine ausführliche Begründung an. Verlassen Sie sich nicht auf die Antworten Ihres Vorgängers, recherchieren Sie bitte selbst.
- Beantworten Sie eine zweite Frage. Wenn Sie keine freien Fragen mehr finden, dann stellen Sie wieder eine neue Frage.
- Überprüfen Sie von Zeit zu Zeit Ihre eigenen Fragen. Falls diese bereits zwei Antworten haben, dann geben Sie einen Kommentar ab, ob die Antworten richtig sind. Wenn sie falsch sind, stellen Sie die Antworten richtig.
- Lesen Sie weiter bei Punkt 3.
Bitte arbeiten Sie nicht mit Ihren richtigen Namen, verwenden Sie Nicknames.
63 comments 4. März 2009
Brainstorming hemmt Inspiration und Motivation
Und wieder ein Aha-Erlebnis: In der „Gehirn und Geist“ 12/2008 schreibt Sven Gábor Jánsky von forward2business.com im Artikel „Innovation mit System„:
Seit langem steht fest: Brainstorming bringt wenig – es hemmt oft sogar die Inspiration und die Motivation.
Häh? „Seit langem steht fest?“ Wird nicht in jedem Didaktik-Buch Brainstorming als vernünftiges Unterrichts-Methode aufgezählt? Ist nicht bei jedem Methoden-Seminar das „Brainstorming“ unter den Top3, das den Leuten zuerst einfällt? Wenn nicht gar unter den Top 1? Da haben ich (und andere) wohl den Wikipedia-Artikel noch nicht (genau) gelesen.
1953 stellt Alex F. Osborn Brainstorming als eine Methode vor, die Ideenproduktion in einer Gruppe zu verdoppeln. Fünf Jahre später wurde wissenschaftlich bewiesen, dass Brainstorming ideen- und motivationshemmend wirken kann.
Konkrete Ergebnisse:
- vier Personen produzieren mittels Brainstorming um etwa 40 Prozent weniger Ideen als vier Einzeldenker
- sechs Personen produzieren um etwa 90 Prozent weniger Ideen als sechs Einzeldenker
Der Grund:
Statt dass die Teilnehmer sich gegenseitig beflügeln, unterbrechen die Äußerungen der anderen immer wieder die eigenen Denkvorgänge. Jetzt wird mir klar, warum mir früher bei Brainstorming-Sessions in der Klasse kaum was eingefallen ist. Unklar ist mir noch, warum den anderen was eingefallen ist… So mancher Schüler könnte sich dadurch als vermeintlich unkreativ erfahren, wenn einzig und allein Brainstorming als Kreativmethode angewandt wird. Die Wahrheit ist, wie so oft: Nicht der Schüler ist schlecht, sondern die Methode.
Laura Bergells beschreibt eine alternative Anwendung von Brainstorming. Statt umständlicher E-Mails würde ich aber ein Google-Docs-Formular verwenden. So wie wir das heute an der Schule für die Frage „Nennen Sie die drei beliebtesten Weihnachtsgeschenke für Mädchen“ gemacht haben.
Hand aufs Herz: Wie viele Kreativmethoden können Sie ad-hoc einsetzen?
Eine Sammlung von Kreativitätsmethoden gibt es bei Wikipedia unter „Ideenfindung„. Eine, die ich bei Gelegenheit ausprobieren möchte ist www.brainr.de – hier sollte die Web 2.0 Community bei der Ideenfindung helfen.
8 comments 24. November 2008
Medien im Unterricht – Verwaltung mit Google Spreadsheets
Wie Jochen English in seinem Blogeintrag vom 15. September beschreibt, hat es Sinn, mögliche Medien (DVD, Videokassetten, Audio-CDs, CD-ROMS usw.) für den Unterricht unter Lehrern auszutauschen. Derzeit gibt es in der Schulbibliothek mehr oder weniger wohlsortiert eine kleine Menge an (veralteten) Videokassetten, sehr übersichtlich. So mancher Lehrer zeigt aber im Unterricht seine privat aufgenommenen oder gekauften Videos und hütet diese wie einen Schatz. Logisch, dass dieser Schatz für andere Lehrer auch nützlich wäre. Aber wie erfahren wir, welcher Lehrer welches Material hat?
Ich habe via Google-Spreadesheets und meinen teils privaten, teils unterrichtsspezifischen Medien gestartet. Ganz ideal sind Google-Spreadsheets nicht, aber derzeit habe ich nichts Besseres gefunden. Ich wollte unbedingt eine Sortiermöglichkeit nach Fächern und nach Klassen haben. Die besteht aber nur, wenn Benutzerrechte vorhanden sind. Und diese sind nur möglich, wenn ein Google-Account besteht. Also eine Hürde für viele Lehrer („wozu brauche ich einen Google Account? Ich will den nicht…“). Leider musste ich auch für jedes mögliche Fach eine eigene Spalte anlegen, da manche Filme für mehrere Fächer geeignet scheinen und ein Mehrfacheintrag mit Sortierung in einer Excel-Zelle nicht möglich ist. Verlinkt habe ich das Spreadsheet (… warum wollen meine Finger immer spreadshirt tippen, seltsam…) über mein lernenheute-wiki. Die Einbindung eines Google-Docs Widgets wurde dort einfach genial und super-einfach gelöst. So machen Wikis echt Spaß!
Kurz habe ich versucht, diese Datenbank über Latengo.de aufzubauen. Das Definieren der Datenbankfelder ist hier komfortabel gelöst, Mehrfacheinträge pro Datenbankfeld sind möglich, ich kann also einem Eintrag mehrere Unterrichtsfächer zuordnen, indem ich sie einfach anklicke. Auch das Befüllen der Datenbank via csv-Format ist sehr benutzerfreundlich. Warum bin ich nicht dabei geblieben? Erstens gibt es keine komfortable Suchfunktion: Ich kann zB nicht nach einem Unterrichtsfach und einem zweiten Kriterium wie zB 1. Klasse suchen, weil die „1″ von 1. Klasse auch im Feld 2001 enthalten ist. Zweitens lässt das Layout zu wünschen übrig: Eine DB mit vielen Felder wird horizontal gescrollt und ist, wie ich finde, sehr umständlich zu bearbeiten, wenn man jedes Feld überarbeiten möchte. Also besser im Excel die DB fertig machen und dann erst einspielen. Würden diese beiden Punkt besser gelöst, wäre Latengo.de die weitaus bessere Lösung. Eigentlich wünsche ich mir ein Google-Access.
Gerade eben hat mich meine Frau gefragt: „Warum machst du das? Glaubst du wirklich, dass deine Filme den meisten Kollegen nicht völlig egal sind?“ Vermutlich hat sie Recht. Aber wieviel kostbare Zeit könnten wir Lehrer durch gezielte Kooperation einsparen, indem nicht jeder sein eigenes Süppchen kocht und das dann wie einen geheimen Schatz hütet? Wieviel Doppel- und Dreifachgleisigkeiten gibt es in einem Lehrkörper an der Schule? Wie sehr könnten zB jene Lehrerinnen von so einer Zusammenarbeit profitieren, die „nebenbei“ noch zB einen Haushalt führen müssen, die vom Partner für ihren Job nicht so freigespielt werden wie ich? Oder jene, die Alleinerzieher sind?
Irgendwer muss den Anfang machen. Zeigen, wie einfach das ist, das mit dem Web.
6 comments 30. September 2007
Wikis und Weblogs: Nahrung für die Seele
Einer meiner Lieblingsautoren, Gerald Hüther, Neurobiologe, ist heute in der Print-Ausgabe des Standard unter dem Titel „Wenn die Seele Trauer trägt“ vertreten. Im Artikel geht es um arbeitsbedingte psychische Erkrankungen. Weil ich mir heute bei einer Rechnungswesen-Schularbeit aufgrund der ständigen Huster, Schniefer und Schneuzer wie in einem Lazarett vorkam, interpretiere ich seine Worte mal auf Schule und Unterricht.
Hüther anwortet auf die Frage, welche seelischen Bedürfnisse unzureichend am Arbeitsplatz berücksichtigt werden und dadurch eine Rebellion der Seele auslösen wie folgt:
„Damit unser psychisches System den Anforderungen unserer Arbeitswelt stand halten und die Seele gesund bleiben kann, muss es offenbar, ähnlich wie unser Stoffwechselsystem mit entsprechender Nahrung versorgt und auf diese Weise immer wieder gestärkt werden. Aber was ist gute Nahrung für die Seele? Die Antwort ist einfach und wird durch vielfältige Befunde aus der Stress- und Hirnforschung bestätigt: Der wichtigste Nährstoff für die Seele ist Vertrauen. Und zwar auf drei Ebenen:
- Vertrauen, dass man etwas kann und weiß und dass man in der Lage ist, die Probleme, die das Leben stellt, auch zu lösen.
- Vertrauen, dass all jene Probleme, die man allein nicht bewältigen kann, gemeinsam mit anderen lösbar werden.
- Vertrauen, dass es irgendwie wieder gut wird, wenn es weder allein noch gemeinsam weiterzugehen scheint.
Jeder, dem dieses Vertrauen verloren geht, verliert damit auch das wichtigste Mittel gegen die Angst. Und wer nicht mehr in der Lage ist, seine Ängste zu überwinden, wer sich ständig verunsichern lässt und sich durch alles Mögliche bedroht fühlt, der wird über kurz oder lang krank. Körperlich oder eben seelisch.“
Was hat das mit Wikis oder Weblogs zu tun?
Zu Punkt 1: Ich denke, eine Erarbeitung oder eine Reflektion des Unterrichtsstoffes mit einem im Internet veröffentlichten Wiki oder Weblog verhilft dem Schüler (und auch dem Lehrer), seine Gedanken und sein Wissen zielgerichtet für alle Welt festzuhalten. Denkvorgänge und Lernprozesse verpuffen nicht einfach so im Unterrichtsjahr, sondern werden festgehalten. Bei Weblogs lässt sich beim Vergleich mit früheren Einträgen ein Wissenszuwachs feststellen. Die Umfänge von Wikis, das Anwachsen dieser Wissens-Datenbank könnte Vertrauen in sich selbst und seine Fähigkeiten erzeugen.
Im Gegensatz zum behaviouristischen 08-15 Frontalunterricht, wo der Lehrer seinen Schülern Wissen häppchenweise vermittelt, weil diese Unterrichtsform den Schülern zwangsweise für dumm, unselbstständig und unfähig verkauft, schafft ein Wiki bzw. Weblog echtes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Zu Punkt 2: Wikis und Weblogs lassen kollaboratives Arbeiten theoretisch zu. Nur habe ich den Eindruck, dass Schülern (und in erhöhtem Maße Lehrern) kollaboratives Arbeiten mit diesen Tools noch völlig fremd und irgendwie unanständig vorkommt. („Ja, darf man denn das? Ist das erlaubt? Da könnte doch jeder…“) Ein gleichzeitiges Bearbeiten von Wiki-Seiten ist ja auch nicht möglich, dazu müsste die Wiki-Seite ständig „on-the-fly“ aktualisiert werden. Trotzdem kann mit bestimmten Vorgehensweisen (zB Fragelisten im Wiki, Kommentare, to-do-Kommentaren, …) um Hilfe angefragt werden. Im besten Fall hilft die ganze Welt mit (Wikipedia), in der Berufsschule könnten zB Experten aus der Stammfirma, Arbeitskollegen (oder sogar der Lehrer -:) ) hinzugezogen werden. Der Lehrer ist allerdings im Wiki-basierenden-Unterricht hauptsächlich Begleiter. Mit Wikis und Weblog gilt das Motto von Bob der Baumeister: „Können wir das schaffen? Jo, wir schaffen das!“
Im herkömmlichen behaviouristischen 08-15 Frontalunterricht wird hauptsächlich nach dem Motto „How to be alone in the crowd“ unterrichtet: Nicht abschreiben, nicht fragen, nicht reden, null Austausch.
Zu Punkt 3: Naja, hmm. „Vertrauen, dass das Leben Sinn macht“. Dazu fällt mir die Frage ein, die mir ständig gestellt wird, wenn ich das Wort „Weblog“ in den Mund nehme: „Warum schreibst Du das, welchen Sinn hat ein Weblog?“. Vielleicht weil ich in diesem Monat die für mich unglaublichen 2000 Visits auf lernenheute.wordpress.com schaffen werde? Vielleicht, weil ich immer wieder nette Kommentare und persönliche Mails von Leuten aus Österreich, Deutschland und der Schweiz bekomme? Vielleicht weil die APA auf mein Weblog verlinkt hat? Oder die Teachersnews meine Serie über Wikis in der Berufschule als Tipp in ihrem Newsletter gebracht haben? Das motiviert natürlich. Aber eigentlich ist mein Weblog (m)ein Haus, das derzeit gebaut wird. In dem ich herumwandern und schauen kann, wofür ich mich vor einigen Monaten noch interessiert habe. Welche Erkenntnisse ich damals gezogen und, wie ich jetzt bemerke, bereits wieder vergessen habe. Und beim Lesen wieder auffrische und mir besser merke. Welche guten Vorsätze ich mir während der Lehrerausbildung vorgenommen habe und im Alltagstrott wieder vergessen habe. Mein Weblog ist mein Speicher, auch eine Art Gewissen: „So soll Unterricht sein“. Die Praxis sieht klarerweise oft anders aus.
2 comments 22. September 2007
Podcast – Wiki – Weblog usw. Wettbewerb

In Oberösterreich startete in diesen Tagen der Lern’ m:IT: Wettbewerb im Zuge des e-Learning Aktionsjahres 2007/08. Die Wettbewerbs-Kategorien sind e-Portfolio/Moodle, Weblog, Podcast, Wiki, ShowIT, Biblikon und Legoleage. Da ich sowieso ein kleines Podcast-Projekt geplant hatte, habe ich heute die Schüler gefragt, ob sie sich beteiligen wollen. Sie waren sofort Feuer und Flamme. Eine der ersten Fragen war: „Was gibt es zu gewinnen bei diesem Wettbewerb?“
Nun habe ich mir die Wettbewerbs-Homepage genau angesehen. Ich habe mir auch die Brille geputzt und habe meine Frau stöbern lassen. Wir haben nichts gefunden. Offensichtlich gibt es nichts zu gewinnen. Mich stört es ja nicht unbedingt, ich hätte das Podcast-Projekt so und so gemacht. Die Schüler auch. Aber vielleicht gibt es mehr Infos bei der Eröffnungsveranstaltung in Hagenberg am 17. September.
Zwei Podcast-Beispiele sind bereits auf der Plattform zu finden: Einer sehr professioneller, kreativer, unterhaltsamer, interessanter, inspirierender, fundierter und gut gemachter zum Thema Luther, ein anderer zum Thema „Der Computer“ von der Hauptschule Tragwein. Meine kleine Tochter war bei letzterem fasziniert von der Computerstimme, meinte aber ein paarmal „ups, schlimmes Wort“. Wer mal unseren sympathischen Mühlviertler Dialekt *grins* hören möchte, der hört sich einfach „Der Computertest“ an.
Gerne hätte ich auch das Wiki-Projekt zum Thema Projektmanagement eingereicht. Aber leider dürfen nur Wikis teilnehmen, die sich mit dem Thema „Jugendszenen“ beschäftigen. In der Berufsschule haben wir zudem das Handikap, dass wir unsere Schüler nur maximal 10 Wochen greifbar haben, während die meisten Wettbewerbe (wie zB der Weblog-Bewerb) auf ein ganzes Jahr ausgelegt ist. Vielleicht ist es aber auch ein Vorteil, solche Projekte effizient und rasch durchzuziehen.
Add comment 4. September 2007



