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Rechtsformen der Unternehmen – die Podcasts
Hier ein paar neue Podcasts aus dem Wirtschaftskunde-Unterricht über die Rechtsformen von Unternehmen. Unser Schulbuch vermittelt diese Themen in tabellarischer Form mit den Spalten „Begriff“, „Firma“, „Leitung“, „Haftung“, „Beteiligung“ und „Gewinnverteilung“. Trockener geht das fast nicht mehr, da ist sogar der „echte“ Gesetzestext spannender.
Meine Schüler konnten sich gruppenweise einzelne Rechtsformen aussuchen und hatten die Aufgabe, in 3 Stunden einen Podcast zu produzieren, der den Lernstoff auf unterhaltsame Weise vermitteln, vertiefen oder wiederholen sollte. Zuvor vermittelte ich überblicksweise den Stoff anhand einer Mind-Map in einer Unterrichtsstunde frontal. Dabei konzentrierte ich mich auf das Wesentliche wie Leitung und Haftung.
Ideenfindung und Grobkonzeption der Podcasts erfolgte von den Schülern selbstständig in einer Vertretungsstunde. Danach sprach ich mit den einzelnen Gruppen über Ihre Vorhaben gab grünes Licht für die Realisierung. Die Rohfassung wurde in Anwesenheit der Schülerkollegen gesprochen und Feedback gegeben. Danach sprachen die einzelnen Gruppen Ihre Versionen auf meinen privaten iPod, wenn gewünscht in einer leerstehenden Klasse. Die Vorgehensweise habe ich vor zwei Jahren schon hier beschrieben, die hat sich nicht gravierend geändert.
Zum Schneiden der Podcasts habe ich mit etwas Glück einmal im Jahr das Fach Informatik. Deshalb schneidet meist eine andere Schülergruppe die Rohfassung und wir stellen diese dann auf unser Podcast-Portal unter http://bsrohrbach.podhost.de. Das ist auch der Grund, warum mein Lieblings-Podcast „Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker“ jetzt etwas out-of-date ist.
Hier nun die Podcasts über die Rechtsformen:
- Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker (AG)
- Prüfung über Rechtsformen
- Millionenshow
- Unternehmensgründung
- Quiz über die KG
- Die Stille Gesellschaft von Anneliese Braun
Als Draufgabe gab es von der Gruppe noch einen Podcast über die drei dümmsten Stundungsansuchen beim Thema Zahlungsverzug.

Das Team "Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker"
Alle Podcasts stelle ich anonym auf die Portale, habe aber Namen, Fotos und E-Mail Adressen der Schüler, um diese bei passenden Wettbewerben einzureichen. Derzeit bin ich noch auf der Suche nach einem vernünftigen Podcast-Portal, wo die einzelnen Podcasts verschlagwortet oder nach Themen gruppiert übersichtlich und evt. mit Foto kostenlos abgelegt werden können. Bis dahin muss es eine Wikispaces-Seite tun.
Add comment 16. Februar 2009
Unterrichtsidee zur Lebensmittelkrise
„Politische Bildung“ ist an unserer Schule ein eher ungeliebtes Unterrichtsfach – seitens der Lehrer. Ein Grund könnte sein, dass es in vielen Fächern Gruppenteilungen mit maximal 15 Schülern gibt, in Politischer Bildung aber nicht. Ein Grund könnte auch sein, dass das Fach sehr offen für aktuelle Beiträge ist, das ist nicht jedermanns Sache. Drittens habe ich den Eindruck, dass die Wertigkeit des Faches unterschätzt wird: Klar ist es vieeeel wichtiger, eine Devisenrechnung zu beherrschen oder auf Englisch 20 Fleischsorten aufzählen zu können, als Grundlegendes über unser Wahlsystem oder Vorteile der EU zu kennen (die Nachteile wissen sie ja alle).
Zur Lebensmittelkrise habe ich mit zwei Klassen Podcasts erstellt. Basis war eine herrliche Samstag-Ausgabe des Standards von neulich, in der fast 30 Artikel zur Lebensmittelkrise enthalten waren. Das ist das Ergebnis:
Podcast der 1aBau4 (Baustofffachberater) und der 1dEHS4 (Spar-Lehrlinge).
So sind wir vorgegangen:
- Als Einstieg zeigte mein Kollege supplierenderweise zwei kurze Filmsequenzen über die Lebensmittelkrise. Ein ARTE-Beitrag („Mit offenen Karten“) und eine Beitrag des ORF-Weltjournals. Die Schüler hatten die Aufgabe, die Hauptursachen der Lebensmittelkrise aus diesen Beiträgen herauszuhören. Die Filmsequenzen sammle ich laufend auf DVD. Alternativ sehe ich bei youtube oder veoh.com nach. Eine beeindruckende Aufstellung gibt es auch bei rustylime „Family food expenditures around the world„, die habe ich aber eben erst entdeckt.
- Gemeinsam mit einem Partner bearbeiteten die Schüler dann je einen Artikel aus dem Standard. Sie erhielten folgenden Arbeitsauftrag:
Bearbeiten Sie mit ihrem Partner einen der zur Verfügung gestellten Zeitungsartikel zur Lebensmittelkrise. Gehen Sie dabei so vor:
a. Lesen Sie ihn und unterstreichen Sie wichtige Abschnitte mit Bleistift
b. Markieren Sie nun 7 – 9 Schlüsselbegriffe mit Leuchtmarker und die Erklärungen dazu mit grünem Fine-Liner (Farbe ist egal)
c. Notieren Sie auf einem „Schwindelzettel“ die 7 – 9 Schlüsselbegriffe. Außer diesen Begriffen dürfen auf dem Schwindelzettel nur Zahlen, Zeichen, Symbole und kleine Zeichnungen stehen.
d. Versuchen Sie nun, Ihrem Partner den Inhalt des Artikels anhand des Schwindelzettels zu erzählen.
e. Ihr Partner erzählt Ihnen nun den Inhalt des Artikels noch mal.
f. Trennen Sie sich und besuchen Sie jeder mindestens zwei Gruppen, denen Sie den Inhalt des Artikels erzählen. - Danach bereiteten die Schüler fünf bis zehn prägnante Statements ihres Artikels vor, den wir dann als Podcast aufnahmen. Zuletzt noch einige „Effekte“, wie zB das Wort „Lebensmittelkrise“ gemeinsam gebrüllt. Fertig. Naja. Fast. Das Podcast-Schneiden blieb noch bei mir, soweit sind manche Digital-Natives dann doch noch nicht
und im Unterricht haben wir keine Zeit dafür.
Zeitaufwand: 2 Stunden für Filmchen und Artikelbearbeitung, 1 Stunde für die Aufnahme inklusive Probe, zwei Stunden für mich für den Podcast-Schnitt.
Was mache ich mit den Podcasts?
- Unterrichtseinstieg für andere Klassen
- Wissens-Quiz-Spiel und anschließend Podcast zur Beantwortung
- Demo für Podcasts anderer Themengebiete (zB Erdöl, Wählen mit 16, Arbeitsrecht, …)
- Nostalgische Erinnerung in 30 Jahren
Ein letzter Satz: Die Aufgabe eines Lehrers sollte aber nicht unbedingt sein, Zukunftsängste zu schüren. Als Ausgleich für die doch heftige Problematik der Lebensmittel eignet sich das wunderbar positive Interview von Christian Hehenberger bei SWR1 Leute. Der sagt:
„Wir gehen in das interessanteste, spannendste und wertvollste Jahrzehnt, das wir seit 1945 erleben durften.“
Hört sich doch gut an.
4 comments 1. Juli 2008
„Ich bezahle von meinem Geld nichts mehr für meine Arbeit“
zitiert Claude vom lesenswerten „Die Anstalt – Lehrer Blog“ einen engagierten Kollegen. Im Beitrag „Vom Wert unserer Arbeit“ geht es um die Mühseligkeiten der Lehrer sich weiterbilden zu dürfen, sich dabei aufgrund der Fehl- und Supplierstunden den Unmut der Kollegen zuzuziehen und darüberhinaus noch etwas dafür bezahlen so müssen, eine Erlaubnis der Vorgesetzten überhaupt vorausgesetzt. So ist es, so wird es bleiben, nicht zu ändern. „Weiterbildung ist böse.“
Diese Problematik frustriert mich, seit ich Lehrer bin. In welchem Job wird einem Weiterbildung psychisch und physisch schwieriger gemacht, als im Lehrerjob? Nichtsdestotrotz gibt es immer weider „Rebellen“, die sich privat und auf eigene Kosten weiterbilden. Mein Eindruck ist, dass das nicht gerne gesehen wird. (Den Eindruck hatte ich allerdings auch oft in der Privatwirtschaft. Einige Zeit war ich Fernstudent an der Gesamthochschule in Hagen. Einige Studienkollegen hielten das Fernstudium vor ihren Arbeitskollegen und Arbeitgebern aus guten Gründen geheim, was die Sache natürlich nicht vereinfacht).
Zurück zum Beitrag von claude: Wo wäre aber die Schule, wenn „Ich bezahle von meinem Geld nichts mehr für meine Arbeit“ die Maxime eines jeden Lehrers wäre? Wäre sie dann weiter, weil Mittel und Weiterbildungen massiver eingefordert werden würden? Verlässt sich das Bildungssystem derzeit auf die wenigen „blöden“ Lehrer (und zu diesen zähle ich mich), die für ihren Unterricht auch noch Geld ausgeben?
Unsere Schule hat letzte Woche beim lernm[it]-Wettbewerb in der Kategorie Podcast einen Preis gewonnen. Mich freut es, dass meine Berufsschülerinnen im 10-Wochen-Lehrgang das Match gegen etliche Einreichungen aus Gymnasien und Handelsakademien gewannen, die im Prinzip ein ganzes Jahr zur Erstellung des Podcasts zur Verfügung hatten. Wir wurden zur feierlichen Preisverleihung geladen und den Schülerinnen wurde für ihren Beitrag „Außergerichtliches Mahnverfahren“ ein Sparbuch über 100 Euro und eine Urkunde für den 3. Rang überreicht.
In den Festreden wurde davon gesprochen, dass das Land Oberösterreich bestens mit Computerräumen ausgestattet ist, dass elearning wichtig für Schüler ist, dass das Internet viele, viele, viiieeeele Gefahren birgt und dass alle gute Arbeit geleistet haben. Einer der prominenten Hauptredner vergaß (zu meinem Ärgernis) auch nicht zu erwähnen, dass er sich als Schüler vor Prüfungen zu einem fleißigen Schüler wandelte. Vorbildhaft.
In den letzten Tagen stellte ich mir einige Fragen:
- Den Podcast haben die Schülerinnen mit meinem privat gekauften ipod (damals EUR 186,00) mit Mikrofon (damals EUR 79,90) aufgenommen. Heißt das, dass bei diesen Wettbewerben eigentlich nur Schüler gewinnen können, deren Lehrer privat Geld für die entsprechende Ausrüstung ausgeben? Das würde erklären, dass nur eine einzige von über 25 Berufsschulen in Oberösterreich mitgemacht hat.
- Warum werden bei solchen Wettbewerben nicht zusätzlich die Schulen prämiert, die dann ein Budget für Folgeprojekte zu hätten?
- Warum bekommen bei solchen Projekten die Schulen keine Urkunden, nur die Schüler? (Meine netten Schülerinnen schenkten mir ihre Urkunde und ich ich versprach, sie in Farbe zu kopieren)
- Warum werden auf der lernm[it]-Homepage die Gewinner weder angegeben noch vorgestellt?
- Warum steht beim Menüpunkt „ARGE elearning“ seit September 2008 „…Text folgt noch“, wenn elearning angeblich so wichtig ist?
Dieser Wettbewerb, der während dem „elearning Aktionsjahr 2007/08″ durchgeführt wurde, war nett. Wirklich nett wäre aber das:
- Jeder interessierten Schule eine podcast-Ausrüstung zur Verfügung zu stellen
- Jeder interessierten Schule einen Zugang zu einem mediawiki-Server zur Verfügung zu stellen
- schulübergreifende Kooperationen im Bereich Fortbildung für Lehrer (Methodenaustausch)
- Wiederholung des Wettbewerbs im nächsten Jahr
- Abstimmungsverfahren unter Beteiligung der Bevölkerung (SMS-Voting, Refinanzierungsmöglichkeit)
- Wartung der Wettbewerbsseiten im Internet (Teilnehmer, Jury, Gewinner, Termine, …)
Nachtrag vom 24. Mai 2008:
Heute bereite ich gerade eine Unterrichtssequenz zur Lebensmittelkrise vor. Als Einsteig zeigt mein Kollege supplierenderweise zwei Kurzclips über diese Krise zu je 10 Minuten. Diese Clips habe ich auf DVD, weil ich zufällig in einer Klasse unterrichte, die mit Beamer ausgestattet ist. Was mache ich derzeit? Ich kopiere die DVD auf Videokassette, damit der Kollege die Filme auch wirklich herzeigen kann. Wir sind bestens mit alten Videorecordern ausgestattet, aber um eine DVD herzuzeigen schleppt man im schlimmsten Fall einen DVD-Player von einem Stock zum nächsten oder besitzt ein privat gekauftes Notebook, um diese Kurzclips abzuspielen. Da niemand von einem Lehrer verlangen kann, sich für seinen Unterricht ein Notebook zu kaufen (oder???), kopiere ich nun schön. Welcome to Schilda.
Bitte unterschreibt die Initiative OLPT (one laptop per teach). Uhh, das ist für Afrika. Naja, macht auch nichts.
Nachtrag 2: Unsere Schule bekommt nächstes Jahr einen DVD-Server – einen Rechner wo wir Unterrichts-DVDs ablegen können. S’tut sich was.
2 comments 22. Mai 2008
lern m[i]t Podcast Wettbewerb – die Beiträge
Bis vorige Woche war es beim oberösterreichischen Lern m[i]t-Wettbewerb für alle Schultypen im Bereich Podcasts eher ruhig. In den letzten Tagen sind aber zahlreiche gute Beiträge eingetrudelt. Dort und da habe ich reingehört und war begeistert, wie kreativ und professionell die Schülerbeiträge sind, eingesandt von Volksschulen, Hauptschulen und Gymnasien. Hier einige Perlen:
- Der Pass (Gymnasium Dachsberg)
- Fürchtet euch nicht (Informatikhauptschule Aurolzmünster)
- Geister (Volksschule Tumeltsham),
- Austria’s next top Kleriker (Gymnasium Dachsberg)
Mein absoluter Favorit ist aber der Ringparabel-Rap von der SHS2 Gallneukirchen. Ja, ich gebe zu, ich habe gegoogelt, weil ich es unglaublich fand, das dies eine Schülerarbeit sein sollte. Nichts gefunden, kein Plagiat, einfach genial, hitverdächtig.
6 comments 13. April 2008
Podcasts in der Schule
Zum Thema Podcast und Schule findet in den nächsten 14 Tagen unter http://campusib.fh-burgenland.at/884081.1/ eine Forumsdiskussion statt. Dabei werden Themen und Fragen behandelt, wie zB
- Chancen und Möglichkeiten von Podcasts im Unterricht
- Besprechung von Problemen im Einsatz
- Unterrichtsgestaltung mit Podcasts
- RSS-Funktion in der Schule nutzen
- Erfahrungsberichte
- Welche Arten von Podcasts sind für die Schule geeignet?
Add comment 4. März 2008
Sauberkeit in den Klassen – der Aufräum-Song
Papiertaschentücher, leere Plastikflaschen, Kaugummi, zerknüllte Papierfetzen, Orangenschalen und angebissene Äpfel … nicht gerade eine nette Lernumgebung.
Unsere Reinigungskräfte sind in den Klassen morgens vor dem Unterrichtsbeginn und abends zwischen Unterrichtsende (17.20 Uhr) und Studierstunde (ab 19.00 Uhr) unterwegs, im Internat vormittags. Dazwischen versuchen wir Lehrer, den gröbsten Unrat (siehe oben) von den Verursachern selbst entfernen zu lassen.
Zu Lehrgangsbeginn erkläre ich noch (geduldig), dass die Reinigungskräfte nicht dazu da sind, jeden Müll, der nicht ordnungsgemäß im Papierkorb oder in der Altpapier-Kiste landet, aufzuräumen. Ich bleibe mittlerweile sogar relativ ruhig bei Fragen wie: „Wozu sind die Putzfrauen denn sonst da?“. Nach ein paar Tagen haben es fast alle kapiert, die Klassen sind abends in ganz passablen Zustand und die Reinigungskräfte melden sich lobend zu Wort.
Dann reißt wieder mal ein „Schlendrian“ ein und in Wirtschaftskunde, Politischer Bildung oder Englisch müssen wir wertvolle Unterrichtszeit für Müllbeseitigung verwenden. Um dieses leidige Thema etwas lustiger und motivierender zu gestalten, sang mir nun meine größere Tochter dankenswerterweise ihr Kindergarten-Aufräum-Lied auf meinen ipod. Gefolgt von einem fetzigen Podrunner-Track von dj steve boyett sollte die nächste Aufräumaktion eigentlich ein Vergnügen werden und auflockernd wirken. Einige Gymnastikübungen oder Tanzschritte geben zusätzlich Kraft für die nächsten Unterrichtsminuten. Fenster öffnen. Atmen. Bewegung. Hüpfen. Jaaaahhh.
Portable Lautsprecher und ipod gehören mittlerweile zur Standardausrüstung für meinen Unterricht – privat finanziert, versteht sich.
1 comment 20. Januar 2008
Roman über Bildungssystem als Podcast zum Download
„Stellt euch vor, dem Bildungssystem wird der Prozess gemacht und jeder kann zusehen.“ Ende Februar stellte Vera F. Birkenbihl ihren fiktiven Roman über diesen Prozess als Weblog-Experiment ins Netz. Jeder durfte (und sollte) kommentieren und kritisieren und anregen.
Nun gibt es Teile dieses Romans auch als Podcast zu hören: Bei Podcast.at ist heute die erste Folge von 19 erschienen. Lehrer müssen sich das unbedingt anhören, Bildungsverantwortliche sollten zusätzlich darüber nachdenken (***ähm***, ja, nun ja, hüstel). Einer der wenigen Podcasts, wo es nicht notwendig ist, beim Anhören die Geschwindigkeit künstlich hochzudrehen (*grins*).
2 comments 18. Dezember 2007
Podcasts in der Berufsschule
Im Fach Wirtschaftskunde erstellte ich mit Schülern der 2. Bankklasse vier Podcasts zum Thema Zahlungsverzug. Die grundsätzliche Intention dabei war:
- weitgehende selbstständige Erarbeitung des Unterrichtsstoffes
- Ausleben von Kreativität oder „verborgenen“ Talenten
- spielerisches Erlernen des Unterrichtsstoffes
- Verwendung der erstellten Podcasts zum Wiederholen und Vertiefen des Lernstoffes
Die Vorgehensweise habe ich hier geplant. Die enthaltenen Zeitangaben wurden problemlos eingehalten. Lediglich das Schneiden der Podcasts stellte in den vier verfügbaren Informatik-Stunden ein Problem dar, hier musste ich bei den letzten Feinheiten letztendlich teilweise selbst ran, was aber kein gravierender Zeitaufwand mehr war.
Aber beginnen wir von vorne:
Die Schüler nahmen die Idee zur Erstellung eines Podcasts erfreut auf, niemand wurde dazu gezwungen. Wir bildeten vier Dreier-Gruppen, das Thema wurde den Gruppen per Zufall zugeteilt, die Schüler wollten das so. Die Erarbeitung der Themen mit Hilfe des Buches war problemlos, die erste Gruppe nahm ihren Podcast nach 50 Minuten Planung schon auf, die letzte Gruppe holte dies eine Wochen später nach, da ein Mitglied erkrankt war. Aufgenommen habe ich die Podcasts mit einem iPod Nano 2GB (den ich mir blöderweise neulich bei Amazon um € 179,00 fünf Wochen vor Erscheinung des neuen iPods, der noch dazu um € 20,00 billiger ist, gekauft hatte) in Verbindung mit einem XtremeMac MicroMemo-Mikrofons).
Ich war erstaunt, wie entspannt und spontan ihre Schüler ihre Podcasts aufnahmen. Ich hatte viele Versprecher und jede deshalb Menge Arbeit nachher beim Schneiden erwartet und wurde positiv überrascht. Die Schüler sprachen locker vom Hocker ihre Texte in das Mikro, eine Gruppe sogar ohne irgendwelche Notizen. Eine Gruppe erstellte eine Talk-Show, eine Gruppe ein Bank-Beratungsgespräch in einem Restaurant, eine Gruppe ein Ehegespräch und eine fasste ihr Thema einfach als Lernstoff-Wiederholung in einer Art Frage- und Antwort-Spiel zusammen.
Übrigens nutzten die Schüler kaum die Möglichkeit, ihre geplanten Podcasts vor den Kollegen mal probezusprechen. Ich hörte mir die Version jeder Gruppe an und gab inhaltliches Feedback für ein paar Details ab. In dieser Phase deponierten die Schüler auch ihre Wünsche, was bestimmte Soundeffekte oder Musikstücke betraf. Selbstverständlich war es eine Enttäuschung für die Schüler, dass sie nicht jede x-beliebige Musik aus Copyrightgründen verwenden durften. Ich setzte mich mit Pro7 und dem ORF in Verbindung, um einige Rechte für die Podcasts zu erhalten. Von Pro7 erhielt ich nach 24 Stunden die Auskunft, dass wir einen bestimmten Jingle zu schulischen Zwecken verwenden dürfen, vom ORF bekam ich nach vier Wochen und einem Telefonat in einem Brief von der Rechtsabteilung die Auskunft, dass wir ausnahmsweise den „Zeit im Bild Jingle“ verwenden dürfen, wenn wir „mit freundlicher Genehmigung des ORF“ im Podcast einbauen. Wir haben den Jingle dann nicht benötigt, ich wollte das aber grundsätzlich für weitere Projekte wissen. Die Veröffentlichung der Podcasts mit diesem Jingle auf der Berufsschul-Homepage, in diesem Blog und auf iTunes ist lt. ORF inbegriffen. Für die restliche Untermalung verwendeten wir ausschließlich podsafe-Musik und ebensolche Sound-Effekte.
Leider hatten wir die Podcasts nicht so rechtzeitig fertig geschnitten, dass die Schüler diese auch rechtzeitig zum Lernen für die Schularbeit im MP3-Player hatten. Letzten Endes störte das im Ergebnis nicht: Bei der Schularbeit schnitten alle Schüler in den Podcast-Themenbereichen besser ab, als in dem nachher hauptsächlich frontal vorgetragenem Unterrichtsstoff.
Einige meiner Klassen lies ich den Podcast anhören, die Reaktionen waren ganz positiv. Ein fünfter Podcast mit dem Titel „Gedanken zu Schulden“ entstand mit einer Einzelhandelsklasse in einer 10-Minuten-Aktion nach Abschluss des Finanzführerscheins und passt perfekt zur Thematik: Hier lesen Schüler einfach ein paar erstellte Plakate ins Mikro.
Hosten lasse ich die Podcasts mit der Gratis-Version von www.podhost.de. Dieser Service bietet einen Extra-Menüpunkt für die Eintragung in iTunes. Bei iTunes habe ich den Podcast heute registriert, bin gespannt, wann er unter dem Stichwort „Berufsschule Rohrbach“ sichtbar sein wird.
Der von den Schülern nach Abschluss der Arbeit abgegebene „Arbeitsprozessbericht“ (siehe Vorgehensweise auf der letzten Seite) brachte bis auf einen Punkt keine Überraschungen: Die Schüler wünschten sich, beim nächsten Mal die Sprache zu verbessern. Möglicherweise wäre es sinnvoll, die Podcast-Sprechschule vor der Aufnahme in Auszügen durchzuführen.
Mir hat es einen Riesenspaß gemacht, ich bin unbändig stolz auf meine Schüler, noch dazu wo es die angeblich leistungsschwächere N-Gruppe war. Drücken wir es wirtschaftlich aus: Das Preis-Leistungsverhältnis in diesem Projekt war einzigartig. Zur Wiederholung empfohlen.
2 comments 2. November 2007



