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Unterrichtsmaterialien für finanzielle Allgemeinbildung
Die EAEA (European Association for Education of Adults, http://www.eaea.org) entwickelt seit einiger Zeit für alle EU-Länder Unterrichtsmaterialien für die „finanzielle Allgemeinbildung“. Das Projekt heißt DOLCETA (www.dolceta.eu) und bietet Lernmodule für VerbraucherInnenbildung in den Altersgruppen Volksschule, Hauptschule und Oberstufe an.
Neben Online-Informationen, ausdruckbaren Merkblättern und Online-Quizzes werden auch sehr konkrete Unterrichtsskizzen mit abwechslungsreichen, innovativen Methoden zur Verfügung gestellt. Derzeit sind die vier Module „Verbraucherrechte“, „Finanzdienstleistungen“, „Produktsicherheit“ und „Impulse zur Verbraucherbildung“ freigeschaltet. Wir durften das Modul 7 über „Sparen“ testen, das im Frühjahr nächsten Jahres kommen wird.
Mich nervt schon seit einigen Jahren, dass in jedem Land, in jeder Schule jeder Lehrer seine Unterrichtsstunde z. B. über „Sparen“ oder „Kredite“ vorbereitet. Wie „man“ hört, findet an manchen Schulen nicht einmal ein Austausch der erstellten Materialien statt – ein volkswirtschaftlicher Unsinn. Per Mausklick auf vorgefertigte, juristisch geprüfte, abwechslungsreiche und aktuelle Materialien für den Unterricht zugreifen zu können ist leider noch immer eine Seltenheit. DOLCETA ist ein Weg in die richtige Richtung.
Selbstverständlich sollte jedem Lehrer offen bleiben können, wie er seine Stunde über „Sparen“ oder „Kredit“ gestaltet und welche Infos er vermitteln möchte. Das ist das Schöne an dem Job: Jeder kann, wenn er will, seine Kreativität voll ausleben. Es schadet aber überhaupt nicht, sich mal anzusehen, wie andere diese Stunde planen würden und sich daraus Anregungen zu holen – auch für andere Unterrichtseinheiten.
Add comment 1. November 2009
Grundbegriffe via Etherpad und Cobocards
Im Fach Informatik für Banklehrlinge (40 Stunden in 3 Lehrjahren) werden neben einigen Stunden Excel, Internet-Grundlagen auch einige Informatik-Grundlagen durchgenommen. Folgende Vorgehensweise zum kollaborativen Erarbeiten von Grundbegriffen über Hardware, Software und Internet teste ich derzeit in einer 4-Stunden-Sequenz mit 15 Schülerinnen und Schülern (SuS).
Vorbereitung Lehrer:
- Sammeln der wichtigsten Grundbegriffe anhand dreier ABC-Listen (Hardware, Software und Internet) als Checkliste für das Lernziel.
- Anmeldung bei Cobocards, Musterkarte für SuS anlegen. Diese Musterkarte sollte eine typische Frage, Antwort, evt. ein Bild, einen Quellenlink und eine Vorgehensweise für Schlagworte enthalten. Auf jeder Karte sollte das Namenskürzel des Erstellers vermerkt sein, das ist wichtig für die spätere Beurteilung.
- SuS sollten Webmail-Adresse besitzen (z. B. Gmail)
Block 1: Sammeln von Grundbegriffen via Etherpad auf einer ABC-Liste
- Lehrer legt für jedes Thema ein Etherpad an, so z. B. http://etherpad.com/bsrohw09, http://etherpad.com/bsrosw09 und http://etherpad.com/bsroin09 . Die direkte Eingabe der Adresse nach einer logischen Syntax (bsro=Berufsschule Rohrbach, hw=Hardware – sw=Software – in=Internet, 09=für das Jahr 2009) ziehe ich der Adresse vor, die Etherpad automatisch vergibt. Die Anlage geschieht idealerweise vor den Augen der Schüler um die Einfacheit von ehterpad zu demonstrieren.
- SuS teilen sich in Zweiergruppen. Die Themen werden unter den Gruppen aufgeteilt. 5 Minuten lang werden Grundbegriffe im Etherpad anhand einer ABC-Liste gesammelt, dann geben die SuS das Thema an die nächste Gruppe reihum weiter. Nach 3 Durchgängen und 15 Minuten sollte jedes Pad eine Menge an Grundbegriffen enthalten. Bitte bei Etherpad regelmäßig speichern.
- Nun gibt es folgende Möglichkeiten:
a) Per Twitter, Facebook, etc. die Außenwelt bitten, diese ABC-Listen um wichtige Begriffe zu ergänzen
b) Lehrer streicht Begriffe bzw. fügt Begriffe hinzu
c) Lehrer und SuS machen nichts von beiden und lassen die Liste einfach so. - Die überarbeitete Liste wird (zur Sicherheit) ausgedruckt.
Nachdem ich 3a und 3c gemacht hatte, sind bei 15 SuS knapp 122 Begriffe entstanden. Für unseren Rahmen war das viel zu viel. Bei Wiederholung dieser Sequenz werde ich die Begriffe auf ein „erträgliches Maß“ eingrenzen, zudem einige Begriffe wie „Vaporware“, „Middleware“, „Shovelware“ und „Internet Engineering Task Force“ in den Listen aufgetaucht sind, die nicht unbedingt zum Grundwissen gehören müssen
Block 2: Erarbeiten der Grundbegriffe via Cobocards
- SuS melden sich bei Cobocards an und schicken eine Freundschaftsanfrage an die E-Mail-Adresse des Lehrers.
- Lehrer bestätigt diese Freundschaftsanfrage und fügt SuS dem Team des zu bearbeitenden Kartensets hinzu. Bei den SuS erscheint danach am rechten Rand das Kartenset zur Bearbeitung.
- Lehrer führt Musterkarte vor und weist auf Regeln zur Erstellung der Karte hin, siehe oben bei Vorbereitung. Besonderer erwähnenswert ist, dass eingefügte Grafiken keinesfalls zu groß werden dürfen, sonst überlappen sie nachher auf den Lernkarten. Kontrolliert kann dies unter „Drucken“, „Generiere PDF“ werden. Auch ein Hinweis auf das Urheberrecht bei Grafiken ist angebracht.
- 4 SuS teilen sich jeweils eine ABC-Liste und erstellen Karten für die Suchbegriffe. Wer einen Begriff bearbeitet, streicht ihn von der ausgedruckten ABC-Liste. Wer früher fertig wird, holt sich von anderen Gruppen ein paar Begriffe.
- SuS überprüfen Karten, die sie nicht selbst erstellt haben. Eventuell könnte dies eine Partnerklasse machen, evt. auch wer am anderen Ende der Welt.
Mögliche Risiken: Die SuS haben vollen Zugriff auf die Karten. Wenn Karten gelöscht werden, dann kann in Cobocards derzeit nicht nachvollzogen werden, wer was wann gelöscht hat. Irgendwer von den SuS hat meine sorgsam erstellte Musterkarte gelöscht. Pech, aber es hätte schlimmer kommen können. Theoretisch könnte ein „Troll“ die gesamte Klasse (oder einzelne SuS) sabotieren.
Block 3: Peer-Review
Gemeinsam mit einem Partner gehen die SuS ihre Karten durch. Sie achten dabei auf:
- Kartenquelle angegeben?
- Urheberangabe (=Katalog-Nr. bzw. Schüler-Kurzzeichen)
- Größe der Karte (kaum Leerzeilen, evt. kürzen)
- Verständlichkeit der Frage & Antwort
Wenn sie fertig sind, wählen sie unter „Drucken“ ihre eigenen Karten aus, wählen „Generiere PDF“ und drucken ihr Werk für die Lehrkraft zur Beurteilung aus bzw. mailen es.
Block 4: Karten besprechen
Via Beamer werden die Karten (von Schülern oder der Lehrkraft) vorgestellt, besprochen und Zusatzinfos gegeben.
Block 5: Lernen mit Cobocards und Abschluss
- Die SuS lernen die Grundbegriffe mit den von Cobocards angebotenen Methoden: Online, per Ausdruck usw.
- Die Beurteilung der Karten für die Note erfolgt entweder anhand der erstellten Karten oder via herkömmlichen Test.
Gewünschtes Ergebnis:
- SuS kennen etherpad und können kollaborativ Dokumente erstellen
- SuS kennen Cobocards als Lerninstrument einsetzen
- SuS lernen, mit unbekannten Benutzeroberflächen zu experimentieren
- SuS üben Fragen zu stellen, im Internet zu recherchieren, Quellen anzugeben, Inhalte zusammenzufassen und zu übernehmen
- SuS üben Copy & Paste (*grins*) und Bilder einzufügen
- SuS üben, Grafiken zu suchen und in der Größe zu verändern.
- SuS üben, die Werke anderer gegenzulesen und ggf. zu korrigieren und
- üben Grundbegriffe von Hardware, Software und Internet.
Anmerkungen:
- Die Sequenz zur Erstellung der ABC-Liste könnte weggelassen werden. Möglicherweise ist eine Vorgabe der Begriffe durch die Lehrkraft zielführender und übersichtlicher.
- Die SuS erwarteten von mir eine Schritt-für-Schritt-Erklärung, die ich nicht bereit war, zu geben. Ich ermutigte sie immer wieder, selbst herumzuprobieren, was ein wenig Gemaule verursacht hat. Schließlich gewöhnten sie sich doch daran, „nicht im Gleichschritt zu marschieren“.
- Während der Sequenz erstellte die schnellste Schülerin 14 qualitativ hochwertige Lernkarten, die langsamste 5 Karten. Die Lehrkraft sollte sich vorher überlegen, wie dies zu bewerten ist.
- Ich hoffte bei der Erstellung inständig, dass keiner der SuS auf die Idee kommt, wild herumzulöschen und habe die Bearbeitungsberechtigung (unter „Team“) kurz nach der Erstellung entfernt.
- Tipp für ein Backup während bzw. nach der Erstellung: Die Karten im Pool veröffentlichen, dann wieder Kartenimport aus dem Pool in einen neuen Kartensatz (Backup) durchführen und niemanden darauf Zugriff geben. So sind sie erstmal gesichert.
- Ich habe noch nicht entschieden, die erstellten Karten im Cobocards-Pool zu veröffentlichen. Der Inhalt einiger Karten ist immer noch verbeserungswürdig. Ich bin aber nicht sicher, ob die SuS dies hinbekommen. Ich habe zwar die ausgedruckten Kartensätze am Papier korrigiert und zurückgegeben, aber, und das ist echt mühsam: Das Hinterherlaufen, ob diese Korrekturen auch wieder durchgeführt werden, das nervt.
Fazit:
- Zum Herumprobieren vor dem Unterricht empfiehlt sich ein zweiter Cobocards-Account (mit zweiter E-Mail-Adresse), um die Team- und Freundschaftseinstellungen ausprobieren zu können.
- Bei der Erstellung der Karten und beim Arbeiten mit einer (komplexen) Web-Oberfläche lernen die SuS eine Menge.
- Für den Lehrer wäre natürlich schlecht vorbereiteter Frontalunterricht oder eine Power-Point-Wüste einfacher.
- Die erstellten Cobocards werde ich im nächsten Lehrgang als Lern-Tool einsetzen und um einige Begriffe ergänzen. Vielleicht werden sie dann so gut, dass sie eine Veröffentlichung wert sind.
- Bauchweh habe ich, weil das Löschen einer Karte so unwiderruflich, ohne sichtbare Aufzeichnung (in Aktivitäten – wer hat was wann gelöscht) geschieht.
4 comments 16. Oktober 2009
Bericht von der Future Learning III
„Virtual Classroom“ und „Game based Learning“ waren die Themen der Future Learning III heute im Ars-Electronica-Center in Linz. Gestartet hat die Dänin Ella Myhring mit „How games mesh with formal education“. Sie verwendet Spiele im Klassenzimmer aus folgenden Gründen:
- zur Analyse des Genres Computerspiele (so wie Romane, Zeitungen, etc.),
- zur Vermittlung vonn Media-Skills und
- als motivierendes Lern-Tool.
Diese Methoden verwendet Fr. Myhring:
- Harry-Potter-Game: im Fremdsprachenunterricht einen Walkthrough (mit Screenshots und Texten) erstellen, den ältere Kinder dann jüngeren Kindern zeigen und damit sofortiges Feedback über ihre Arbeit bekommen
- The wonderful world of Astrid Lindgren: (Präsentation erstellen, jüngeren Kindern diese vorführen
- Rome Total Wars: Marketing-Folder für das Game erstellen, bestimmte Zielgruppe (m/w) definieren und den Folder textuell, bildlich und farblich darauf abstimmen
- Schüler bloggen über ein Game
Bei Anwendung dieser Methoden ist es wichtig, die Eltern einzubinden und ihnen zu erklären, warum diese Spiele im Unterricht gespielt werden. Vom Zeitrahmen her wird 1,5 Stunden pro Spiel empfohlen, danach sollte die Arbeit beginnen. An ihrer Schule stehen übrigens ca. 100 Notebooks für 400 SuS zur Verfügung, die rechtzeitig zu reservieren sind.
Folgende Seiten wurden empfohlen:
Danach folgte Prof. Michael Wagner von der Donau-Uni Krems vom Fachbereich Applied-Games-Studies (hier die Facebook-Gruppe), der eine Lanze für „complex games“ wie Little-Big-Planet brach. Nicht die einfachen Spiele, sondern komplexe Spiele aus der Erwachsenen-Kultur sind für Game-Based-Learning praktikabel. In seinen Studien verwendete er mit 10 – 12 Schulen folgende Spiele:
- The Movies
- Civilization
- Zoo Tycoon (dieses empfahl er besonders)
Seine Erkenntnisse aus den Studien waren:
- Spiele unterrichten sich nicht von selbst, es braucht den Lehrer dazu.
- Lehrer müssen keine Spieler sein, sondern Coaches.
- 20 % der SuS spielen Computerspiele nicht so gern (Wagner betonte: unrepräsentative Umfrage)
Interessant fand ich seine Gedanken über „ludic constructivism“: Die reale Identität des Spieler wird auf die virtuelle Identität der Spielfigur projeziert. Es erfolgt allerdings auch eine Rückprojektion der virtuellen Figur auf die reale Identität des Spielers. Hier könnte Lernen stattfinden.
Im anschließenden Workshop „Virtual Classroom“ wurden Smartboards vorgeführt. Die Smartboards wurden in 10-Minuten-Sequenzen teilweise von echten (!) Kindern bedient. Besonders interessant, aber auch deshalb vielleicht ganz besonders enttäuschend war für mich der Einsatz der Smartboards im Fremdsprachenunterricht. Ich sehe beispielsweise in folgender Unterrichtssequenz die Sinnhaftigkeit oder einen möglichen Mehrwert eines Smartboards nicht:
- Vokabelwiederholung: Am Smartboard ist ein Haus mit nummerierten Elementen zu sehen
- Kind wird nach dem Vokabel mit der Nr. x gefragt.
- Antwortet es richtig, darf es aufstehen, mit einem Stift auf die Nr-Position am Smartboard tippen und es erscheint die soeben gesagt Antwort.
Okay, der offensichtliche Mehrwert ist: Die Kinder bewegen sich. Oder bin ich hier zu kritisch?
Kommt noch dazu, dass die Elemente am Smartboard (mühsam) vom Buch eingescannt worden sind um am Smartboard überhaupt verwendet werden zu können. Für mich ist das eher eine Arbeitsbeschaffung für Lehrer, eine Art Strafarbeit (für kritisches Blogging?) als nutzenbringende Vorbereitung. Ist der Neuigkeitsfaktor des Smartboards abgenutzt, dann ist es wahrlich schade um die investierte Zeit. Aber die heftige Diskussion darüber wurde ja schon beim Lehrerfreund geführt. Eines habe ich mir aber schon vorgenommen: Wenn unsere Schule in den nächsten Wochen ihr erstes Smartboard bekommt, dann finde ich mindestens eine didaktisch und pädagogisch wertvolle Anwendung, die einen Mehrwert gegenüber der Kreidetafel im Alltag bietet. Und wenn es 30 Jahre dauert, ich werde die Killer-Anwendung für diese Dinger finden.
Fazit für die Veranstaltung: Alles neu, alles am Anfang. Ich denke mir, dass sich die Unterrichtszeit sicherlich effizienter nutzen lassen könnte, Computerspiele sind nun mal ein Zeitfresser. Dass Fr. Myhring die Spiele nur 1,5 Stunden als Input für Folgearbeiten einsetzt, halte ich für vernünftig und vertretbar. Von den Whiteboard-Vorführungen hat mich keine einzige begeistert, animiert oder motiviert. Ich habe mich andauernd gefragt: Warum nimmst du nicht das Buch, die Kreidetafel, ein Flipchart oder zeigst es den Kindern einfach vor? Aber das ändert sich sicher, sobald ich auch so ein Spielzeug habe
Mut macht dieser Beitrag über digitale Whiteboards von Lehrer-online. Mal sehen, ob es hier nähere Infos über die Verwendung gibt, vielleicht gibt es sogar irgendwo einen pädagogischen „Leitfaden“ dafür. Tipps in den Kommentaren sind willkommen.
3 comments 7. Oktober 2009
Lehrer und Facebook
„Was ist denn eigentlich dieses Facebook?“, fragte mich voriges Schuljahr ein Kollege. Wenige Sätze später haben wir beschlossen, ein SCHILF-Seminar (=schulinterne Lehrer-Fortbildung) zu organisieren. Vorigen Mittwoch war es soweit: Lehrerinnen und Lehrer drückten nach einem langen Arbeitstag, teilweise sogar nach einem anstrengenden Nachtdienst im Internat bis spätabends zum Thema „Facebook & soziale Netzwerke“die Schulbank.
Um dieses 4-Stunden-Seminar zu halten, bin ich wie folgt vorgegangen:
- Aktivierung meines seit 2 jahren brach liegenden Facebook-Accounts, Freunde suchen und finden (von Null auf 125 in 6 Monaten).
- Sammeln von Links via delicious-tag „Facebook“.
- Anlegen einer Facebook-Youtube-Playlist.
- Anlegen eines Google-Alerts zum Thema, Stichwort „facebook“ im Bereich „News“ als RSS-Feed.
- Sammeln von anderen Beiträgen (Podcasts, einschlägige Sendungen, Zeitungsausschnitten)
- Aufbau einer Screenshot-Sammlung von Facebook-“Merkwürdigkeiten“.
Die 25 potentiell interessierten Teilnehmer bekamen ein Monat vorher die Möglichkeit, den Seminarablauf via etherpad anzusehen und Wünsche in etherpad einzugeben. Etherpad habe ich gewählt, weil keine Anmeldung notwendig ist und dies eine zusätzlich Hürde für Kollegen wäre, Wünsche zu deponieren. Genutzt wurde diese Möglichkeit trotzdem kaum.
Ich hatte auch alle Teilnehmer gebeten, sich vorab bei Facebook zu registrieren (Name, Geburtsdatum, e-mail; den Rest überspringen; die e-mail bestätigen), weil ich befürchtete, dass Facebook die Registrierung automatisch sperrt, wenn sich 25 Teilnehmer (von einer IP) zu selben Zeit anmelden. Bei Google-Docs passiert mir das regelmäßig mit Schülergruppen. Fast alle hielten sich daran, die anderen verursachten dann im Seminar selbst einige Minuten Leerlauf. Das war nicht weiter schlimm, aber trotzdem für die Zukunft merken: Alle sollten angemeldet sein, notfalls selbst machen.
Gestartet habe ich mit einem Wissens-Quiz-Spiel, um die Teilnehmer auf die spannende Hintergrund-Infos einzustimmen. Folgende 9 Fragen habe ich den Teilnehmern gestellt:
- Nenne 50 Dinge, die sich durch das Internet bzw. die Netz-Kommunikation verändert haben.
- Wenn Facebook eine Nation wäre, wie groß wäre diese Nation im Weltranking?
- Was passiert mit deinen Daten, nachdem Du die FB-Mitgliedschaft beendet hast?
- Wer finanziert Facebook?
- Wer außer FB at Zugriffsrechte auf Deine Daten?
- Wem gehören die Bilder, Videos, Links usw. in FB?
- Wie verdient FB Geld?
- Wieviel % Internet-Datenverkehr war der FB-Anteil vor zwei Monaten bei den Schweizer Bundesbeamten?
- Was ist die höchste Strafe, die bisher aufgrund eines FB-Postings erteilt wurde?
Das Seminar teilte ich in vier Blöcke zu je 50 Minuten. Nach jedem Block war eine 10-Minuten-Pause vorgesehen. Jeder Block war wiederum geteilt in die konkrete Anwendung Facebook und in Hintergrundinfos. Diese Hintergrundinfos, gespickt mit Videos, entnahm ich zum Teil dem Vortrag von Peter Kruse beim Metro-Bildungskongress, baute Infos aus Ratgebern für Medienkompetenz Jugendlicher ein, spickte das noch mit Geschichten und Ideen aus einschlägigen Büchern (z. B. „Here comes everybody“ von Clay Shirkey).
Skript gab es keines, dafür legte ich die wichtigsten Infos im im Lernenheute-Wiki ab. Hier gibt’s ein Facebook-Skript zum Runterladen, zwei Skripten zur Privatsphäre und Medienkompetenz und ein überaus interessantes Interview von Peter Kruse. Dazu noch die verwendeten Slideshows, die youtube-Playlist und die delicious-Links.
Mit dem im Wiki angegebenen Seminarplan kam ich in den 4 Stunden ganz gut durch. Den Fotoalbum-Teil habe ich ausgelassen, weil wir 35 Minuten später als geplant begonnen haben.
Das mündliche Feedback der Kollegen war sehr erfreulich. Trotz später Stunde und Müdigkeit war das Interesse bis zum Schluss sehr groß. Für das Schulsystem würde ich mir gerne mehr solche Veranstaltungen wünschen. Die Vorlaufzeit müsste sich mit ein wenig guten Willen vielleicht auch auf ein Monat reduzieren lassen, wenn es sich um schulinternes Seminar handelt.
Ich habe versucht, die Kollegen möglichst neutral zu informieren, den Schwerpunkt auf Medienkompetenz zu legen und auf Möglichkeiten und Chancen mittels Facebook hinzuweisen. Einige Kollegen haben ihren Facebook- Account nach dem Seminar wieder deaktiviert, andere sammeln fleißig Freunde, haben ihre Kinder nun als FB-Freunde oder machen Bekannte darauf aufmerksam, was sie in FB eigentlich nicht tun sollten.
Auf die Frage, ob Lehrer generell Facebook nutzen sollten, kam im Seminar aus der Ferne via Twitter eine sehr schöne Antwort von Diana Menschig:
m. E. ist Nutzung von Online-Netzwerken wie facebook, wie über den Schulhof zu gehen: Präsenz und Interesse an Schülern zeigen!
11 comments 25. September 2009
Die Birkenbihl-Methode zum Sprachenlernen
Während ich diese Zeilen schreibe, läuft im Hintergrund via itunes das Kapitel 3 des italienisch-Kurses in einer Endlosschleife. Ich weiß nun, dass ich die Italienisch-Lektionen viel zuwenig passiv gehört habe. Der Clou beim Passiv-Hören ist nicht, das Handy ständig dabeizuhaben um beim Zähneputzen oder beim Geschirr Abwaschen mal kurz einige Minuten Italienisch zu hören.
(Dies ist ein Fortsetzung zum Blog-Beitrag: Ohne Grammatik eine Sprache lernen)
Karin Holenstein von protalk empfiehlt täglich mindestens 30 Minuten, besser eine Stunde und länger passiv zu hören. Sie selbst hat Englisch und Französisch mit der Birkenbihl-Methode gelernt und perfektioniert und weiß daher, wovon sie spricht. Seit einigen Jahren unterrichtet sie mit der Birkenbihl-Methode Erwachsene und Primarschüler in Englisch und begleitet ihren Sohn parallel zum Schullehrmittel.
Von einem Seminar bei protalk am Sanstag bin ich mit folgenden Tipps zurückgekehrt:
- Viele Personen lernen ausschließlich mit der Birkenbihl-Methode. Als Variante können nach einigen Lektionen zusätzlich andere Lernmethoden angewandt werden. Dies können Lehrbücher, Sprachcafès (der Volkshochschulen), DVD’s, Podcasts oder Ähnliches sein. Für mich als Italienisch-Einsteiger war der Birkenbihl-Kurs in den ersten 5 Lektionen genau richtig: Lernen fällt leicht und fast nebenbei wird ein beachtlicher Wortschatz und ein Gefühl für die Sprache aufgebaut.
- Die Methode wirbt mit: „Sprachen lernen ohne Grammatik“, aber: Übungsbücher, Grammatikbücher usw. sind trotzdem erlaubt, wenn man will. Dieser Tipp freute mich: Ich will mal kurz nachschlagen, wie die Mitvergangenheit eigentlich gebildet wird. Oder ich will eine übersichtliche Darstellung von „ich – du – er – sie – es – wir – ihr – sie“ haben. Es ist mir auf Dauer zu anstrengend, aus den Beispiellektionen die Grammatik zu abstrahieren und Regeln herauszulesen. Da helfen zusätzliche Lernmittel sehr.
- Karin erzählt, sie hat die Lektionen oft stundenlang gehört: CD-Player auf Endlosschleife und die Lektion läuft den ganzen Vormittag.
- Wenn das passive Hören nervt: Lautstärke runter.
- Es ist hilfreich, sich aufzuschreiben, wie lange die jeweiligen Lektionen passiv gehört wurden. Nach und nach bekommt man ein Gefühl, welche Laufzeiten notwendig sind. Karin zeigte uns ein Protokoll einer Schulklasse, bei der einzelne Lektionen von 20 bis zu 465 Minuten gehört wurden, je nach Länge der Texte.
- Falls beim Schritt 4 der Birkenbihl-Methode (Sprechen/Schreiben/Lesen) Probleme auftreten, dann wurde zuwenig passiv gehört. Daher: Einen Schritt zurückgehen und noch länger passiv hören.
- Ein Vorteil der Birkenbihl-Methode ist, dass bestimmte Themen, die in den einzelnen Lektionen vorkommen, wie im Schlaf beherrscht werden. Der Lerner kann ziemlich viel dazu in geschliffenen Sätzen sagen – er hat sie ja oft genug gehört.
- Zugleich sind diese Lektionen eine Basis zum weiterlernen mit anderen Methoden. Wenn diese Basis im Gehirn gesetzt wurde, dann können neue Informationen relativ leicht in dieses Wissensnetz eingewebt werden. Karin hat dies in einem Leserbrief im Tagblatt (pdf) genau ausgeführt.
- Eine nette Übung ist die Stopp-Technik: Der Lektionstext wird von Lernpartner A dem Lernpartner B vorgelesen. A stoppt mitten im Satz und B spricht (aus dem Gedächtnis) weiter. Kann B das nicht, wurde zuwenig passiv gehört. Mangels Lernpartner werde ich wen bitten, die MP3 von Zeit zu Zeit zu stoppen.
Bis ich selbst diese Methode im Klassenzimmer anwende, werden noch einige Monate ins Land ziehen. Zuerst möchte ich selbst sagen können, dass ich Italienisch mit Hilfe der Birkenbihl-Methode gelernt habe. Über Höhen und Tiefen werde ich in diesem Blog berichten.
Übrigens: Online-Sprachenkurse nach dieser Methode in Englisch, Spanisch und Französisch sind unter www.birkenbihl-sprachen.com erschienen. Einige Probekapitel können dort gratis ausprobiert werden, ansonsten kosten die Kurse ab € 69,00. Die Texte werden einem dort vorgelesen, parallel kann am Bildschirm die Wort-für-Wort-Übersetzung mitgelesen werden. Die Geschwindigkeit ist änderbar, MP3-Dateien können runtergeladen werden.
Wirklich preiswert sind aber die CDs (Englisch, Französisch, Italienisch, …) für € 9,90 bis € 14,80. Dass das Lehrbuch „nur“ als PDF beiliegt, empfinde ich als Vorteil: Ich habe mir die einzelnen Lektionen so ausgedruckt, dass ich meistens ein Blatt pro Lektion habe (Vor- und Rückseite, jeweils zwei Seiten auf einer A4-Seite). Übrigens sind die Texte der Sprachversionen Italienisch, Englisch, Spanisch und Französisch inhaltlich weitgehend ident, was für das Erlernen oder Auffrischen weiterer Sprachen von Vorteil sein müsste.
Am Sprachlernerner-Blog sind übrigens einige Birkenbihl- und Holenstein-Videos gesammelt.
Wie Karin Holenstein die Birkenbihl-Methode im Klassenzimmer anwendet, ist ein eigenes Blog-Posting in den nächsten Tagen wert. Danke an Karin für’s Gegenlesen dieses Beitrags.
4 comments 3. September 2009
Erfahrungsbericht: Ohne Grammatik eine Sprache lernen
In der Schule habe ich Englisch und Französisch vermutlich so gelernt, wie eine Fremdsprache seit Jahren gelernt wird: Texte lesen, übersetzen, Grammatikstunden, Vokabel pauken, Lernfortschritt überprüfen, ab und zu ein wenig sprechen.
Die Birkenbihl-Methode verspricht, dass eine Fremdsprache, wenn sie gehirn-gerecht vermittelt wird, mit 60 – 80 % Zeitersparnis im Vergleich zur alten Schulmethode gelernt werden kann. Ohne Vokabel zu pauken, ohne Grammatik-Regeln zu lernen, maßgeschneidert für den Lerner und mittels native speaker statt dialektlastiger Lehrer.
Für einige Sprachen (beispielsweise italienisch) gibt es diese Birkenbihl-Kurse, dazu das Buch „Sprachen lernen leicht gemacht„. (Anmerkung: In meiner Buchausgabe vom letzten Jahr wird ständig von Kassetten geschrieben, die kennen manche Jugendliche ja nicht einmal mehr. Aber vielleicht ist das in einer neuen Auflage schon korrigiert. Aber ansonsten ist das Buch zusätzlich zum Kurs ganz hilfreich.)
Die Methode fand ich interessant und so wollte ich sie mal ausprobieren, sinnvollerweise mit einer Sprache, die ich nicht konnte: Italienisch. Mittlerweile bin ich bei Lektion 5 (von 10) angelangt. Zeit für einen Zwischenbericht.
Wie die Methode funktioniert, kann im Blog „selbstverständlich Sprachen lernen“ prima zusammengefasst nachgelesen werden. Dafür ist hier kein Platz.
So bin ich vorgegangen:
- Die MP3-Files habe ich mir auf mein Handy kopiert. Damit war dieses „passive Hören“ jederzeit möglich: Beim Geschirr abwaschen, beim Dehnen nach dem Laufen, am Abend vor dem Einschlafen. Zugleich habe ich itunes während der Arbeit am PC oft kapitelweise in einer Endlosschleife laufen lassen. Passives Hören heißt: Du lässt die gesprochenen Texte im Hintergrund laufen, hörst aber selten bewusst zu.
- Ich habe immer versucht, den italienischen Text zu verstehen, indem ich aktiv zuhörte und den dekodierten Text mitlas. Dann erst begann ich, das Kapitel passiv zu hören. Das auf der CD enthaltene, extrem langsame Wort-für-Wort Soundfile habe ich nur 2-3 Mal angehört, dann bin ich immer zu Normalgeschwindigkeit gewechselt, ansonsten war es zu langweilig.
- Französisch und Englisch helfen immens, italienisch zu lernen: Der dekodierte Text ist bei mir vollgemalt mit Parallelen zu anderen Sprachen: abita-wohnen-habiter, lavoro-Arbeit-labour, trasferiti-übersiedeln-transfer, recente-kürzlich-recent, precisi-präzise, venuto-gekommen-venir, Infatti-in der Tat-as a fact, certe-gewisse-certain, …
- Anfangs war es lustig, in Alltagssituationen mit einigen italienischen Brocken um mich zu werfen: Mein Kleiner sagt jetzt regelmäßig „Tutto bene“ oder „Salve“.
- Diese Wort-für-Wort-Übersetzung musste ich dann doch alle paar Tage wieder auffrischen, ansonsten vergaß ich die Wortbedeutungen relativ rasch wieder.
- Das passive Hören hat einen wunderbaren (oder unheimlichen) Effekt. Manchmal träume ich italienische Sätze. Dann wiederum mähe ich den Rasen und es kreist ständig der Satz „Almeno ci provo“ im Kopf herum. Blöderweise hatte ich zu diesem Zeitpunkt vergessen, was das heißt (nämlich: „Zumindest versuche ich es“), aber ich bekam den Satz nicht mehr aus dem Kopf. Das ist schwierig zu beschreiben, am ehesten vergleichbar mit einem Hit, den Du im Radio hörst und der Dir im Kopf herumschwirrt.
- Ich habe Schwierigkeiten, die Bedeutung kurzer Wörter wie i, è, e, ci, che, di oder lì zu groken. Aber ich kann mich schon prima vorstellen, fragen wo der andere herkommt und sagen, wo ich herkomme. Und ich kann fast akzentfrei Sachen sagen wie „Imparare è semplice e divertente con il metodo guisto“ („Mit der richtigen Methode ist Lernen einfach und macht Spaß“).
- Ich habe von italienischer Grammatik keine Ahnung, glaube ich. Ich, Du, Er, Sie, Es, Wir, Ihr, Sie? Io, Lei, ci, ??? Pronomen? Naja, mio, und dann? Einige Sätze sind in der Vergangenheitsform, irgendwas mit o hinten dran? Kann ich nur vermuten. Das ist ungewohnt, sehr ungewohnt. (Zumindest „Ich, Du, Er, Sie, Es, Wir, Ihr, Sie“ sollte ich doch auswendig können, oder?)
- Selbstverständlich genieße ich es, dass ich für mich selbst lernen kann, ohne dass mir ein Lehrer, Trainer oder Kursleiter im Nacken sitzt und Ergebnisse und Lernfortschritte sehen will.
Was mir bei dieser Methode fehlt, ist das Re-Konstruieren von Wörtern, denn damit lerne ich selbst am Besten. Bisher höre ich zu und quassle nach und quassle mit. Aber im Kurs ist nicht vorgesehen, Sätze oder Situationen aus dem Deutschen ins Italienische zu übersetzen. Ich überlege nie aktiv, wie ich was sagen könnte. Ich lerne die vorgegebenen Dialoge gründlich auswendig. Und so komme ich lt. Kursbeschreibung nach 10 Kapitel auf 800 Redwendungen und Vokabeln. Die Methode müsste ideal für jene Menschen sein, die behaupten, sie läsen sich Texte recht oft durch und dann können sie diese. Ich selbst muss mit Texten arbeiten, reflektieren, kategorisieren, muss sie zerlegen und wieder zusammenbauen. Das enthält die Methode nicht, dafür sind Übungsbücher notwendig, oder google-translate, oder italienisch-podcasts oder DVDs. Apropos DVDs: Mir ist aufgefallen, dass relativ wenige DVDs eine italienische Audiospur oder italienische Untertitel enthalten.
Fazit: Die Birkenbihl-Methode macht Spaß, lässt einen fast nebenbei in eine Sprache einsteigen. Ungewohnt sind die fehlenden Grammatik-Hinweise und die fehlenden Übungen.
Der nächste Zwischenbericht kommt nach den nächsten 5 Kapiteln. Morgen geht’s ab in die Schweiz zu protalk. Die zeigen uns, wie sie diese Methode im Klassenzimmer anwenden. Bin gespannt.
3 comments 28. August 2009
Mitten in den Ferien: neues Schulprojekt gestartet
Zusammen mit vier Kolleginnen war ich heute zu Besuch in der Berufsschule Schärding, die 2001 ihren Rechnungswesen-Unterricht auf selbstgesteuertes Lernen umgestellt haben. Obwohl die PH-Linz jedes Jahr mit ihren Junglehrern nach Schärding pilgert, hat bisher noch keine Berufsschule das mittlerweile jahrelang bewährte System übernommen. (Vielleicht sollte sie mal nicht gerade mit den Jungspunden fahren – siehe der Versuch mit den Affen).
So wird der Rechnungswesen-Unterricht normalerweise an unserer Berufsschule organisiert:
- Die Klasse wird manchmal in N- (=normal) und V-Gruppe (=vertieft) geteilt, manchmal auch nicht.
- Beide Gruppen haben einen eigenen Raum, einen eigenen Lehrer, aber grundsätzlich denselben Stoff. Die Vs ein bisserle mehr Beispiele, auch bei der Schularbeit.
- Musterbeispiele werden gerechnet, Aufgaben gestellt, Aufgaben gelöst und verglichen. Unterricht im Gleichschritt wie seit 200 Jahren, garniert mit dem einen oder anderen Methödchen.
So sieht der Rechnungswesen-Unterricht in Schärding (und bald bei einigen wenigen Lehrern auch bei uns) aus:
- Die Klasse wird immer noch in N und V geteilt, weil das gesetzlich nicht anders geht.
- Es gibt immer noch zwei Räume und zwei Lehrer.
- Allerdings ist ein Raum für Schüler reserviert, die absolute Ruhe beim Lösen der Aufgaben haben möchten.
- Im anderen Raum machen zwei Lehrer folgende Jobs: Lagebesprechung (was machen wir heute?), neue Stoffabschnitte erklären, individuelle Hilfe bzw. Gruppen-Hilfe, Lernprobleme besprechen, Hilfstellung und Tipps geben.
- Der Lernstoff ist in Basis-, Super- und Topstoff eingeteilt. Schüler, die „nur“ den Basisstoff lernen möchten, können maximal eine 3 im Zeugnis erhalten, Super = 2, Topstoff = 1.
- Die Schüler holen sich für ein Thema jeweils ein Musterbeispiel und übertragen es in ihre Mappe und rechnen dann beliebig viele Übungs- und Hausübungsbeispiele.
- Der 10-Wochen-Lehrgang ist in drei Abschnitte geteilt. Während dieser Abschnitte kann der Schüler beweisen, dass er den Stoff beherrscht indem er zu einem beliebigen Zeitpunkt eine freiwillige Abschnittskontrolle (=eine Art „Test“) schreibt. Erlangt er dabei mindestens 13 von 16 Punkten, dann hat er auf jeden Fall für diesen Abschnitt eine 3, egal was er nachher bei der für alle verpflichtenden und am Lehrgangsbeginn fixierten Lernzielkontrolle hat. Dadurch schreibt er stressfreier die Lernzielkontrolle, er kann in diesem Abschnitt nicht mehr versagen und sich nur noch verbessern.
- Die zwei verpflichtenden Schularbeiten sind für alle gleich. Schüler, die also nur den Basis- und Superstoff gerechnet haben, werden die Beispiele des Top-Stoffes nicht lösen können und lassen diese aus.
Die Erstellung der Materialien für das eigenverantwortliche Lernen ist natürlich um einiges aufwändiger als den Schülern die Buchseite XY an die Tafel zu schreiben. Netterweise stellte uns unser Schärdinger Kollege Roland Schwingenschlögl sämtliche Materialien, von den Musterbeispielen, Übungsbeispielen, Einführungspräsentationen bis zu den Feedbackbögen zur Verfügung. Eine wesentliche Erleichterung für diese Unterrichtsmethode (aber auch für alle anderen Fächer, bei denen Tests gegeben werden) ist die „Testfabrik“, eine Software, mit der bequem Testfragen gesammelt, ausgetauscht und zu Wiederholungen und Tests zusammengefügt werden können. Eine Demo-Version kann unter http://www.teachershelp.at heruntergeladen werden.
Über die Feinheiten der Methode werde ich in den nächsten Teilen noch berichten, sie enthält noch einige geniale Merkmale, die nur durch die jahrelange Erfahrung und spezielle Abstimmung auf Berufsschüler entstanden sind.
In Rohrbach werden wir im 5er-Team in den Ferien die Materialien an unseren Lehrplan anpassen, eine Mustersequenz erstellen und dann den Lehrstoff der ersten Klasse Rechnungswesen in die Schwierigkeitsgrade einteilen. Was uns von Schärding unterscheidet: Wir haben ein Lehrbuch. Wir sollten uns also, was die Entwicklung des Basis- und Superstoffes betrifft, sehr leicht tun. Anschließend sind die konkreten Beispiele zu entwickeln, um mit dem Unterricht im November loslegen zu können. (Im Lehrgang Sept – Okt haben wir dieses Jahr keine 1. Klasse).
Organisatorisch brauche wir zwei nebeneinanderliegende Räume und vom Stundenplan her immer ein Zweiergespann der Lehrer, die beim Projekt mitmachen. Kostenmäßig benötigen wir einen PC mit Drucker – das wird ein Problem werden. Falls später noch andere Kollegen einsteigen möchten, haben wir die heutige Veranstaltung mitgeschnitten. (Vielleicht auch ein wenig aus Nostalgie-Gründen, wenn wir im Jahr 2019 sagen können: So hat es angefangen.)
Apropos Kosten: Unserer zuständige Behörde zahlt (gesetzeskonform) keinen Cent für dieses Projekt. Anreise, Verpflegung und Heimreise werden privat bezahlt. Eventuelle Unfälle auf der Strecke sind mangels Dienstauftrag Freizeitunfälle. (Stephan List meinte dann via Twitter, deshalb hieße es ja auch … siehe Link …). Und nein, wir haben auch keinen Dienstwagen. Und ja: Lehrer bekommen in den Ferien ihr Gehalt weiterbezahlt.
Linktipp: Josef Kuffner, ein weiter Kollege aus Schärding, hat seine Diplomarbeit über diese Methode geschrieben und ins Netz gestellt. (Download als PDF)
1 comment 4. August 2009
So oder so ähnlich haben Innovationen in der Schule Sinn
Seth Godin hat auf seinem Blog auf das Video „Guy starts dance party“ verlinkt. Das Video erinnert mich an Innovationen in der Schule.
Lasst mich das Video kurz aus Schulsicht beschreiben:
Die breite Masse liegt in der Komfortzone und tut entspannt das, was sie immer schon gemacht hat. Da springt ein (offensichtlich) völlig Verrückter auf und macht das, was keiner sonst macht: Er hampelt irgendwie herum. Vermutlich strengt er sich an, aber es scheint auch Spaß zu machen. Die anderen sehen zu. Warten ab. Denken: „So kann ich nicht tanzen“, „Dafür bin ich zu alt“, „Wo hat der das bloß gelernt?“, „Wie kommt der auf das?“, „Der muss ja jede Menge überschüssige Energie haben“, „Der spinnt“, „Ich verstehe überhaupt nicht, was das für einen Sinn haben soll“, „Jaja, wieder einer der sich in Szene setzen will, Angeber“, „Lasst ihn doch, irgendwann geht ihm die Puste aus und dann fällt er auf die Nase“, „Darf der denn das?“, „War das nicht der, den ich vorhin mit Drogen gesehen habe?“.
Nach (relativ) langer Zeit kommt ein Zweiter, dann ein Dritter. Und das ist der Guy #3, den Seth Godin als Auslöser für gelungene Innovationen nennt. Der Dritte macht’s, dass sich plötzlich andere trauen, mitmachen, probieren, mitgerissen werden und plötzlich die Komfortzone zu einem seltsamen Ort wird, wo nur noch eine Minderheit herumliegt.
Was heißt das für die Schule?
Innovative Lehr- und Lernformen finden hinter verschlossenen Klassentüren statt. Geniale Projekte landen in der Schublade. Der Lehrer und 26 Schüler waren begeistert. Na toll. Würde Guy (or Girl #1) allein im Zimmer herumtanzen, dann würde sich zwar Körper und Geist außerhalb der Komfortzone bewegen. Für den Tänzer gut, für den Rest der Welt: nicht existent.
Daraus folgt für Lehrer: Raus aus dem Klassenzimmer! Lasst die Leute zusehen!
Andere Lehrer könnten sich neue Unterrichtsformen aneignen, kopieren, könnten mittanzen und hätten gemeinsam mehr Freude am Unterrichten. Gruppen-Feeling.
Aber wie können wir raus aus dem Klassenzimmer?
Indem Lehrer und Schüler beispielsweise bloggen, twittern, Wikis benutzen und Podcasts erstellen. Vielleicht lässt man sie auch dann und wann (in Barcamps?) ein wenig darüber berichten? Jetzt könnte man meinen das auch (die von mir sehr geschätzten) schulischen Präsenzveranstaltungen wie Tage der offenen Tür, Theateraufführungen, usw das bewirken, aber hier ist das erreichbare Publikum ungleich kleiner als im Web und … darauf kommt’s mir an: Vom Endergebnis lernt kaum wer was, das Endergebnis ist nicht unbedingt wesentlich.
Was aber ist wesentlich?
Das Wesentliche ist, dass nicht allein das Endergebnis sichtbar wird, sondern der Prozess der Erstellung. Die Schwierigkeiten die überwunden werden mussten. Der Lernprozess. Der Vorher-Nachher Zustand. Die best-practices. Das „wie“, das „how-to“ und faq (… bitte mitrappen…, gemeinsam und laut: „das wie, how-to und faq“). Dafür braucht es Mut, Toleranz und eine Fehlerkultur, denn fehlerlos wird dabei überhaupt nichts sein. Und es wird sehr oft seltsam und unvernünftig aussehen, wenn Einzelne was machen, was andere noch nicht gemacht haben. Haben wir den Mut unsere Fehler im Web zu präsentieren?
Beispiel:
Beim Lörnie Award werden jährlich vom Bundesministerium die besten e-learning Projekte ausgezeichnet. Ausgezeichnet wird immer das Endergebnis, der Content. Was aber für Lehrkräfte interessant wäre: Wie haben die Preisträger das gemacht? Wieviel Aufwand war das? Kann ich die Methode in meine Klasse übertragen? Wie? Welche Fehler wurden schon gemacht und welche muss ich unbedingt wieder machen, um einen Lerneffekt bei meinen Schülern zu erzielen? Hier die Seite, die zig-Stunden guten Unterricht enthält: Der Lörnie Award. Aber beim Tanzen kann ich denen nicht zuschauen. Schade.
P. S.: Der Song aus dem Video ist übrigens von Santogold – „unstoppable“.
7 comments 12. Juni 2009
Etherpad – das Klasse(n)-Notizbuch
www.etherpad.com lässt sich ohne vorherige Anmeldung als Notizblatt nutzen. Dabei können mehrere Personen gleichzeitig ohne Zeitverzögerung in dasselbe Dokument schreiben. Jeder Tastendruck kann live am Bildschirm mitverfolgt werden.
„Google Text und Tabellen“ kann das zwar (mit einer Zeitverzögerung von 5 – 15 Sekunden) auch, allerdings ist hier bekanntlich eine Anmeldung erforderlich. Leider ist es an unserer Schule nicht Standard, dass Schüler eine E-Mail Adresse besitzen, von einem Google-Account überhaupt nicht zu reden. Bis dass sich meine Gruppe irgendwo angemeldet hat, vergehen oft 30 – 40 Minuten (Wechsel in den Computeraum, Anmeldung im System, Starten von IE – neinnein – der ist alt – lieber den Firefox – „woistderversteckt“ -“hilfedersagtwasvoneinerunsicherenverbindung“ – „bittedieseitedocs.googl.comgehtnicht“ usw). Wenn ich beispielsweise in Wirtschaftskunde pro 40-Stunden-Lehrgang ein- oder zweimal einen freien EDV-Raum nutze, dann hat diese eine Stunde „Google-Docs“-Anmeldung ein äußerst schlechtes Zeit-Nutzen-Verhältnis. (Klar könnten dann andere Lehrer Google-Docs nutzen – aber: wer kennt das schon?? Und: Wer will das schon?)
Deshalb schien mir etherpad, das ohne Anmeldung funktioniert, sehr geeignet für gelegentliche gemeinsame Notizen. Deshalb probierte ich etherpad heute in einer Doppelstunde Wirtschaftskunde aus:
Vorbereitung zuhause: Anlegen einer etherpad-Seite – Einfach eine Seite aufrufen, wie www.etherpad.com/werner. Gibt es die Seite noch nicht, dann erscheint ein Button „Create Pad“. Der URL wird für immer und ewig gespeichert und wird nicht gelöscht. Allerdings gibt es aufgrund der fehlenden Anmeldung auch keinen Schutz der Seite – jeder kann reinschreiben, wenn der URL bekannt ist. Deshalb vielleicht lieber eine kryptische URL verwenden. Danach notierte ich die einzelnen Kapitelüberschriften der Gruppenarbeiten im Pad.
Doppelstunde Wirtschaftskunde:
- Zwei Schüler bekamen jeweils eine Aufgabe zugewiesen (Kapitelüberschriften im Buch, wie im Pad angelegt). In einer knappen Viertelstunde fassten sie das jeweilige Buchkapitel zusammen und präsentieren es anschließend ihren Kollegen. Auftretende Fragen werden geklärt. Erste Stunde beendet.
- Zweite Stunde: Wechsel in den EDV-Raum. Schüler rufen vorbereitete etherpad-Seite auf. Pro Benutzer kann eine Farbe ausgewählt werden und der „unknown“-Username mit dem eigenen Namen überschrieben werden. Eine Schüler diktiert, der andere tippt.Härtetest: 8 Benutzer gleichzeit auf einem etherpad? Die Verbindung bricht macnhmal zusammen, das kann aber auch an unserem Schulnetzwerk liegen. Ein „Re-Connect“ ist möglich, manchmal verschwinden aber die getippten Beiträge.
Abhilfe schaffte der normale Zubehör-Editor (Start-Programme-Zubehör-Editor): Hier tippten die Schüler ihre Zusammenfassung ein und kopieren das Ergebnis dann ins etherpad. Hinweis: Wenn aus Winword-Dokumenten ins etherpad kopiert wird, dann werden jede Menge Steuerzeichen mitübernommen, also: don’t do that.
Beliebig viele Zwischenstände können mit dem Button „Save Now“ gespeichert und auch wieder zurückgeholt werden.
Schüler notieren unter ihren jeweiligen Beiträgen die Namen, das braucht der Lehrer für die Punktevergabe. Schüler/Lehrer können am Beamer bzw. am eigenen Schirm mitverfolgen, wie das Dokument wächst und sich Tippfehler gegenseitig ausbessern. Macht Spaß. Eine Chat-Funktion gäbe es auch, macht aber nur bedingt Sinn, wenn alle gleichen Raum sitzen
- Wenn noch Zeit bleibt: Schüler stellen Fragen zum Stoffgebiet mit Hilfe der Fish-Bowl-Methode. Währenddessen kopiert ein Freiwilliger das erstellte Dokument in eine Textverarbeitung, formatiert die Überschriften und druckt für jeden Beteiligten ein Exemplar.
Fazit: Schüler erarbeiten Stoffgebiete selbstständig, trainieren Kurzpräsentationen, fassen Texte zusammen, ordnen, systematisieren und gehen mit einer (hoffentlich passablen) Zusammenfassung aus dem Unterricht. Wenn dort oder da was fehlt oder nicht richtig ist, dann kann von der Lehrkraft ruzck-zuzk drübergearbeitet werden.
6 comments 17. März 2009
Nachtrag zu: „Blogs im 50-Minuten-Unterricht“
Vorgestern habe ich mit 11 SchülerInnen versucht, das Thema „Konsumentenschutz“ im Fach Wirtschaftskunde mit Hilfe eines Blogs zu behandeln. Das Ergebnis findet sich im Beitrag „Blogs im 50-Minuten-Unterricht„.
Den SchülerInnen waren Blogs weitgehend unbekannt und erfahrungsgemäß haben auch nicht viele eine in der Schule abrufbare E-Mail-Adresse. Ziel war es, dass die SchülerInnen ohne großen Administrationsaufwand Fragen ins Web stellen und diese gegenseitig beantworten.
So lief es ab:
- Ein EDV-Raum war für uns reserviert und glücklicherweise dann auch wirklich frei.
- Nach 10 Minuten waren die Schüler im Netzwerk angemeldet und alle hatten die (etwas langsame) Blog-Seite geöffnet.
- Weitere fünf Minuten später hatte ich die Vorgehensweise erklärt und die SchülerInnen legten los. Vier Kommentare verirrten sich auf einen falschen Blog-Eintrag, aber kein Problem.
- Einige Geschäftsfälle blieben unbeantwortet. Die letzen 10 Minuten gab ich den Auftrag, keine neuen Fragen mehr hineinzustellen sondern die bestehenden Geschäftsfälle zu beantworten.
- Insgesamt wurden 60 Beiträge gepostet. Das heißt, dass jeder Schüler zirka 5 Beiträge in zirka 40 Minuten geschrieben hat.
Das habe ich gelernt:
- Die SchülerInnen sollten sich zwar anonym im Netz bewegen. Ich selbst sollte aber doch die Nicknames kennen. Das heißt auch, dass sich die SchülerInnen immer mit dem selben Nick kommentieren müssen.
- Ich habe keine Punkte bzw. Noten für die geleistete Arbeit gegeben. Das war gut. Noten stören Kreativität.
- Irgendwann dachte ich: Wie prüfe ich das, was wir jetzt gerade machen? Zu einer Schülerin sagte ich dann: „Am Ende drucken wir alles aus, ich suche die besten Geschäftsfälle heraus und die müssen Sie dann lernen.“ Sie sah mich relativ erschrocken an. Zu Recht. Ich habe diese Idee wieder verworfen und war dann ein wenig ratlos und überlegte, was ich nun aus diesem Experiment machen sollte, um was „handfestes“ zum Prüfen zu haben.
Dann las ich dann den wunderbaren Blog-Beitrag „Two Paradoxes“ von Franz Kuehmayer, der mich diese Stunde aus einer anderen Perspektive betrachten ließ.
„The paradox of the knowledge society is that it does not ask students to acquire more knowledge.“
(Okay, bitte kurz den Aufschrei unterdrücken: „Die werden immer schlechter un die wissen immer weniger. Ich kann die Tests heute sowieso nicht mehr geben, die ich vor 5 Jahren noch gegeben habe.“)
Die SchülerInnen müssen nicht notwendigerweise mehr wissen, als sowieso im Buch steht, nur weil wir mal eine Stunde den EDV-Raum benutzt haben. Dafür wissen Sie jetzt, wo sie Infos finden, die nicht im Buch stehen.
Kuehmayer schreibt dann noch:
„So the knowledge economy does not necessarily ask for acquiring new knowledge, but it requires to learn how to create, to find, to combine, to use knowledge in new ways and in better ways.“
Was lernten die SchüerInnen während dieser 50 Minuten:
- Die Seite www.konsumentenberater.at gibt Auskunft bei vielen Fragen der Muss-ich-haben-Gesellschaft.
- Geschäftsfälle wurden erfunden, Fragen formuliert, Antworten dazu gesucht und oft gefunden.
- Blogs können kommentiert werden. Die Kommentare können auch kommentiert werden.
- Jeder kann weltweit das Lesen, was gerade geschrieben wurde.
- Nicknames sollten im Internet verwendet werden, wenn man anonym bleiben möchte.
- Nicht mal der Lehrer kann herausfinden, was ich geschrieben habe, wenn er meinen Nickname nicht weiß.
Doch eine ganze Menge. Prüfen kann ich auch die zwei Seiten im Buch, oder?
5 comments 6. März 2009




