Posts filed under 'Berufsschule'

Blogs im 50-Minuten-Unterricht: www.konsumentenberater.at

Dies ist kein „normaler“ Blog-Eintrag, sondern ein Unterrichtsexperiment. Sind Blogs sinnvoll in einer 50-Minuten-Einheit einzusetzen, wenn die Schülerinnen und Schüler sich vorher weder im System angemeldet noch Blog-Erfahrung haben? (Die Unterrichtseinheit findet am 4. März 2009 von 14:30 – 15:20 statt)

Liebe Schülerinnen und Schüler,

Bitte lösen Sie folgende Aufgabe zum Thema „Konsumentenschutz“:

  1. Besuchen Sie die Seite www.konsumentenberater.at
  2. Wählen Sie ein beliebiges Thema aus und erstellen Sie dazu einen kurzen Geschäftsfall. Dieser Geschäftsfall muss mit Hilfe von www.konsumentenberater.at lösbar sein.
  3. Schreiben Sie Ihren Geschäftsfall in das Kommentarfeld  (Unter „Comments“, „leave a comment“ bzw. „Add your own“) und wählen Sie „Submit“ (Siehe Muster-Geschäftsfall CD-Player)
  4. Wählen Sie eine Frage eines Mitschülers, die maximal eine Antwort hat und beantworten Sie diese ebenfalls mit der Kommentarfunktion. Bitte nicht einfach nur „ja“ oder „nein“, sondern geben Sie auch eine ausführliche Begründung an. Verlassen Sie sich nicht auf die Antworten Ihres Vorgängers, recherchieren Sie bitte selbst.
  5. Beantworten Sie eine zweite Frage. Wenn Sie keine freien Fragen mehr finden, dann stellen Sie wieder eine neue Frage.
  6. Überprüfen Sie von Zeit zu Zeit Ihre eigenen Fragen. Falls diese bereits zwei Antworten haben, dann geben Sie einen Kommentar ab, ob  die Antworten richtig sind. Wenn sie falsch sind, stellen Sie die Antworten richtig.
  7. Lesen Sie weiter bei Punkt 3.

Bitte arbeiten Sie nicht mit Ihren richtigen Namen, verwenden Sie Nicknames.

63 comments 4. März 2009

Rechtsformen der Unternehmen – die Podcasts

Hier ein paar neue Podcasts aus dem Wirtschaftskunde-Unterricht über die Rechtsformen von Unternehmen. Unser Schulbuch vermittelt diese Themen in tabellarischer Form mit den Spalten „Begriff“, „Firma“, „Leitung“, „Haftung“, „Beteiligung“ und „Gewinnverteilung“. Trockener geht das fast nicht mehr, da ist sogar der „echte“ Gesetzestext spannender.

Meine Schüler konnten sich gruppenweise einzelne Rechtsformen aussuchen und hatten die Aufgabe, in 3 Stunden einen Podcast zu produzieren, der den Lernstoff auf unterhaltsame Weise vermitteln, vertiefen oder wiederholen sollte. Zuvor vermittelte ich überblicksweise den Stoff anhand einer Mind-Map in einer Unterrichtsstunde frontal. Dabei konzentrierte ich mich auf das Wesentliche wie Leitung und Haftung.

Ideenfindung und Grobkonzeption der Podcasts erfolgte von den Schülern selbstständig in einer Vertretungsstunde. Danach sprach ich mit den einzelnen Gruppen über Ihre Vorhaben gab grünes Licht für die Realisierung. Die Rohfassung wurde in Anwesenheit der Schülerkollegen gesprochen und Feedback gegeben. Danach sprachen die einzelnen Gruppen Ihre Versionen auf meinen privaten iPod, wenn gewünscht in einer leerstehenden Klasse. Die Vorgehensweise habe ich vor zwei Jahren schon hier beschrieben, die hat sich nicht gravierend geändert.

Zum Schneiden der Podcasts habe ich mit etwas Glück einmal im Jahr das Fach Informatik. Deshalb schneidet meist eine andere Schülergruppe die Rohfassung und wir stellen diese dann auf unser Podcast-Portal unter http://bsrohrbach.podhost.de. Das ist auch der Grund, warum mein Lieblings-Podcast „Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker“ jetzt etwas out-of-date ist.

Hier nun die Podcasts über die Rechtsformen:

  1. Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker (AG)
  2. Prüfung über Rechtsformen
  3. Millionenshow
  4. Unternehmensgründung
  5. Quiz über die KG
  6. Die Stille Gesellschaft von Anneliese Braun

Als Draufgabe gab es von der Gruppe noch einen Podcast über die drei dümmsten Stundungsansuchen beim Thema Zahlungsverzug.

Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker

Das Team "Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker"

Alle Podcasts stelle ich anonym auf die Portale, habe aber Namen, Fotos und E-Mail Adressen der Schüler, um diese bei passenden Wettbewerben einzureichen. Derzeit bin ich noch auf der Suche nach einem vernünftigen Podcast-Portal, wo die einzelnen Podcasts verschlagwortet oder nach Themen gruppiert übersichtlich und evt. mit Foto kostenlos abgelegt werden können. Bis dahin muss es eine Wikispaces-Seite tun.

Add comment 16. Februar 2009

Ruck-Zuck Feedback mit Google Text und Tabellen

Neuerdings bietet die Schulbehörde an, auf freiwilliger Basis pro Schülerin einen Account für das Feedback-System der Schulbehörde anzufordern und das Feedback direkt ins amtliche System eingeben zu lassen. Mit der Garantie, dass jedes Feedback verschlüsselt übermittelt und verschlüsselt gesichert wird und nur der jeweilige Lehrer diese Daten zu sehen bekommt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber es geht auch anders:

Mit Googles Text & Tabellen-Formularen lässt sich rasch und relativ unaufwändig anonymes Individual-Feedback von Schülern einholen. Ich habe den Feedback-Fragebogen meiner Schulbehörde in ein Formular übernommen. Den Schülern gebe ich einen tinyurl-Link (z. B.: www.tinyurl.com/klasse2009), weil das Google-Formular dann doch eine etwas sperrige Adresse hat. Hier ein Demo-Formular zum Probe-Ausfüllen:  http://spreadsheets.google.com/embeddedform?key=pWj2qk0OcKeHafmV655eGfw

Das Ausfüllen des Formulars dauert nur wenige Minuten, eine Anmeldung ist nicht notwendig. Die dazugehörige Tabelle bei Google kann normalerweise nur ich (und Google) einsehen. (Die Demo-Tabelle zu obigem Formular habe ich hier freigegeben). Ein Highlight dieser Methode ist eine nette Zusammenfassung der Feedbacks in Form von Balkendiagrammen mit absoluten Zahlen und der Prozentverteilung für jede einzelne Frage. Die Zusammenfassung kann nur vom Eigentümer des Dokuments angezeigt werden, deshalb hier ein Screenshot:

tabstatgooglefeedback

Für künftige Lehrgänge kopiere ich einfach mein (unausgefülltes bzw. leeres) Basisformular und behalte mir sämtliche Feedbackrunden unverändert im Google-Text-Ordner. Nur sichtbar für Google und mich.

Über kurz oder lang werde ich aber doch auf das offizielle System umsteigen, da muss ich aber nicht unbedingt der Vorreiter an unserer Schule sein. Ich bin auch sicher, dass Feedbacks in absehbarer Zeit verpflichtend einzuholen sind. Dann sollte man aber auch ganz klar sagen, wer diese Feedback-Daten einsieht. Dass das nur der Klassenlehrer sein soll, das kaufe ich nicht mal der Personalvertretung ab, schließlich habe ich mal selbst ähnliche System konzipiert und programmiert. Feedbacks sind okay, dass Vorgesetzte diese einsehen sollte sonnenklar sein und ein verstohlenes „sieht ja eh keiner außer Du“ gilt nicht und wäre auch unsinnig.

Die absolute Datensicherheit boten meine bisherigen Feedback-Formulare: Leere A4-Blätter mit der mündlichen Aufforderung, mir bitte Feedback zu geben. Abgelegt in einer Klarsichthülle pro Lehrgang. Highlights zwecks Motivation für schlechte Tage griffbereit gehalten. Nicht sehr zielgerichtet, aber einfach, unaufgeregt und sehr persönlich. Ich habe auch den Eindruck, dass die Hemmschwelle für deftige Kritik bei einem leeren A4-Blatt höher als vor einem Google-Formular ist. Kann mich aber auch irren.

6 comments 3. Februar 2009

Tausche Geld gegen (guten) Unterricht

leonardoUnter diesem Motto könnten einige Infos stehen, die diese Woche durch mein Ohr und mein E-Mail Postfach reingeflattert kamen:

Erstens:

Interessant erschien mir die Realisierung einer beruflichen Ausbildungs-Partnerschaft im Rahmen des EU-Projektes „Leonardo“, vorgestellt durch Agenten das Team der Nationalagentur Österreich (… welch ein Name).

Das würde so aussehen:

  1. Man suche sich zwei europäische Partner im Ausland (egal ob Schule, Unternehmen oder Institution). Reine Schulpartnerschaften sind nicht erlaubt.
  2. Jeder Partner beantragt dasselbe Projekt bei der jeweiligen Nationalagentur (… langsam gewöhne ich mich an den Namen… nein, doch nicht).
  3. Man führe ein Projekt durch und hat am Ende irgendein vorweisbares Ergebnis (Video, DVD, Bericht, Ausbildungskonzept, Produkt, …)
  4. Zur pauschalen Abdeckung der Kosten erhält man je nach Anzahl der dazu benötigten Reisen (… die nennen das „Mobilitäten“) zwischen EUR 8.000 und EUR 24.000.

Nähere Infos unter lebenslanges-lernen.at und laufende und abgeschlossene Projekte finden wir in der Adam-Datenbank. Nähere Infos und Beratung bei der Nationalagentur in Ihrer Nation.

Zweitens:

Fördern lassen können sich „Fachleute der beruflichen Aus- und Weiterbildung“ 1 bis 6 Wochen im Ausland. Dieser Aufenthalt sollte dem Erfahrungsaustausch und dem Wissenstransfer dienen, dem spezifischen Berufsfeld angeglichen sein, der Qualität der Ausbildung dienen und daheim dann wieder verbreitet werden. Auch ganz nett.

Drittens merken Bildungsverantwortliche langsam aber sicher, dass eContent für eLearning irgendwie notwendig ist. Und ich vermute, dass die vermuten, dass haufenweise eContent auf Lehrer-Notebooks herumschwirrt und der so super-gut ist, dass andere den auch unbedingt einsetzen wollen. Beispiele gibt es hier und hier (… know what I mean??). Und da kam prompt eine email reingeflattert, in der das bmukk (für meine deutschen und schwiezer-Leser: die nationale Bildungsbehörde) ganz schüchtern und leise eine nicht näher genannte Abgeltung für die freiwillige und uneigennützige Überlassung von Content auf 5 Jahre in Aussicht stellt. Wieviel, das sagt der Antrag nicht. Aber zumindest kann jeder mal einreichen.

Einreichbedingungen runterladen. Viele, viele Infos, was die wie und wo genau wollen: Hier bei der virtuellen Schule.

Viertens findet diese Woche eine OBIS-Pflichtveranstaltung statt. (Ich habe voriges Jahr über dieses oberösterreichische Berufsschullehrer-Informationssystem noch wohlwollend berichtet). Jede oberösterreichische Berufsschule ist per Erlass verpflichtet, einen Vertreter zu dieser Veranstaltung zu schicken. Dieser Vertreter hat zwei Unterrichtsvorbereitungen mitzubringen. Bei dieser Pflichtveranstaltung wird uns dann beigebracht, wie Unterrichtsvorbereitungen in das System einzupflegen sind.

Viel spannender finde ich allerdings, inwieweit das System gegenüber dem Vorjahr verbessert worden ist und was sich die Betreiber ausgedacht haben, um einen regelmäßigen Content-Zufluss zu gewährleisten. (Die können ja nicht alle paar Wochen eine Pflichtveranstaltung abhalten. Oder doch?)

1 comment 23. November 2008

Bürokratisierte Lehranstalten im Offline-Modus

Über den derzeit wohl besten Blog über Schule und Lernen, dem D21-Projektblog mit seinem fleißigsten Autor René Scheppler, wurde ich auf den Spiegel-Artikel „Merkel kürt IT-Superlehrer – doch der ist keiner mehr“ aufmerksam. Im Artikel heißt es:

Ausgerechnet der „IT-fitteste Lehrer Deutschlands“ hat sich beurlauben lassen, weil ihm die Schule zu träge ist. [...] Im Streit getrennt hat er sich von der Elitesportschule nicht, aber der Vorzeigelehrer hätte gern viel mehr erreicht. Es blieb dabei, dass er den eigenen Unterricht in Mathe, Physik, Informatik komplett digitalisierte – in anderen Klassen wurde weiter klassisch mit Tafel und Zeigestock unterrichtet. Kleinschmidts Ideen überzeugten zwar viele Schüler, das Sportförderzentrum und Sponsoren, doch sie erreichten nicht die ganze Schule. Auch wenn es ihm gelang, Projektmittel und prominente Partner, Beamer und andere Geräte aufzutreiben: Kleinschmidt blieb am Ende ein begeisterter Solist und zog sich deshalb zurück.

Während sich die reale Welt in den letzten Jahren im Bereich der Kommunikation (Handy, E-Mail, Google, …) rasant verändert hat und kaum wiederzuerkennen ist, fährt die Schule zu einem großen Teil in einem Fahrwasser, das sich in den letzten 10 20 30 40 50 60 70 Jahren (nichtzutreffendes streichen) kaum verändert hat. Kommunikation wurde so einfach und billig wie noch nie. Die Schule hat das noch nicht begriffen und nützt diese Tatsache zu selten. Dumm, denn Lernen besteht aus Kommunikation. Indem Schule zeitgemäße Kommunikationsmittel nicht zulässt, verhindert sie Lernen. Verhinderung von Lernen verhindert eine gute Zukunft. Ich als Kind würde mir das nicht gefallen lassen.

Lehrer werden bezahlt, 50 Minuten Unterricht zu halten. Ich werde nicht für diesen Blog bezahlt, ich werde nicht bezahlt, innovativ zu sein. Ich bekomme kein Geld, wenn ich alternative Lehrmethoden einsetze, ich bekomme keine Geld, wenn ich mich monatelang mit Web 2.0 auseinandersetze, herumprobiere, plane, verwerfe, ausprobiere, scheitere und manchmal Erfolge feiern kann. Und wissen Sie was? Ich will auch kein Geld dafür. Guter Unterricht macht Spaß. Aber ich will zwei Dinge:

  1. Ich möchte keine bürokratischen Felsen in den Weg gelegt bekommen.
  2. Ich will mich mit Gleichgesinnten austauschen. Und die gibt es nicht an jeder Schule zuhauf.

Wenn beispielsweise eine Pädagogische Hochschule aus einem anderen Bundesland mich einlädt, anderen Lehrern über meine Aktivitäten mit Wikis, Weblogs und Podcasts im Unterricht zu berichten, dann lehnt die Schulbehörde sowohl Dienstreiseauftrag als auch Sonderurlaub ab und verlangt von mir, dass ich mich einen Tag karenzieren lasse. Weil die Veranstaltung in einem anderen Bundesland stattfindet, weil sie nicht vor Berufsschullehrern sondern AHS und APS-Lehrer stattfindet und weil ansonsten eine Doppelbezahlung erfolgt. Juristen meinen, dass so eine Aktivität in die Kategorie „reines Privatvergnügen“ fällt und in etwa einem Hallenbadbesuch mit meinen Kindern entspricht. Natürlich hätte der Lehrer „Parteienstellung“ bei einer Ablehnung. Aber muss ich darum kämpfen, mehr arbeiten zu dürfen? Nach einer intensiven Vorbereitungszeit für diesen Workshop musste ich fünf Tage vor der Veranstaltung deshalb leider absagen.

Ist es verständlich, dass manche Lehrer sich irgendwann aus der Schule zurückziehen? Noch dazu, wo trotz Finanzkrise derzeit 3800 IT-Stellen allein in Österreich zu besetzen sind?

Die derzeitige Organisation und das derzeitge Schulrecht sollte dringend reformiert werden. Die Möglichkeit, innovativ zu sein, im Team zu arbeiten und die Möglichkeit von schulübergreifenden Kooperationen bzw. Austausch sollte im Dienstrecht (oder wo immer die Juristen das hinschreiben wollen) verankert werden.   Gewerkschaften sollten Veränderungen nicht verhindern, sondern gemeinsam mit dem Gesetzgeber vorantreiben. Lebenslanges Lernen sollte Alltag für Lehrer werden, von der Schulbehörde unterstützt und von der Kollegenschaft toleriert werden. Pädagogische Hochschulen sollten über die veränderte Welt da draußen informiert werden. Lasst die Schulen endlich frei.

Zum Beispiel so:

Veränderungen bringen aber vorerst einmal Angst, Unsicherheit und viele, viele Krisen. Würde die Schule samt Lehrern und Schülern das aushalten? Oder halten wir es aus, nochmal 10 20 30 40 50 60 70 Jahre (nichtzutreffendes streichen) nichts zu verändern?

Andererseits: So furchterregend waren die chinesischen Kids im Video ja nicht. Und das Whiteboard hat auch keinem einen Stromschlag versetzt, soweit ich weiß.

6 comments 17. Oktober 2008

Schlechte Lehrer wollen die Macht behalten

Sechs Stunden lang hörten einige hundert Lehrer am Freitag Vera F. Birkenbihl zu, als sie bei Ihrem jährlichen Besuch in Linz über „Neues von der Lernfront“ berichtete. Hier einige bemerkenswerte Aussagen:

Was ist der Unterschied zwischen Lernen und Pauken?

90 % des in der Schule gepaukten Wissens wird vergessen, Gelerntes bleibt. Viele von uns (aber nicht alle) haben in der Schule lesen gelernt, viele von uns haben in der Schule den Aufbau einer Zelle gepaukt. Alles klar? Also sollte sich jeder Lehrer grundsätzlich fragen, was in seiner Unterrichtseinheit gepaukt und was gelernt werden kann. Was hilft den Schülern im Leben? Was können sie wirklich lernen? (Siehe mein Beitrag vom Vorjahr: Das Wesentliche einer Unterrichtsstunde)

„Schlechte Lehrer wollen die Macht behalten“

Geben wir Lehrer den Schüler genug Kontingenz (=Wahlfreiheit)? Können Sie Ihren Lernerfolg manchmal selbst messen,  lassen wir sie durch Imitation lernen, sind wir gute Vorbilder beim Lernen, haben wir ein gut gefülltes Methodenrepertoire, sind wir ein Coach, der zum Lernen hinführt? Oder ist eine richtige Lösung ein Geheimnis, das der Schüler bei der Rückgabe seiner Arbeiten Tage später rot auf weiß erlebt? Halten wir die Schüler absichtlich klein, indem wir sie nicht nachschlagen und nicht nachlesen lassen? Indem wir Hintergrundinfos auf Arbeitsblätter zurechtstutzen, um sie nicht zu überfordern oder besser zu bleiben als die Schüler? Verbieten wir Wikipedia aus Angst, dass der Schüler mehr wissen könnte als wir? Fühlen wir uns als Dompteur, der Tiere dressiert, der sie mit Noten oder Gummibärchen belohnt, wenn sie zur richtigen Zeit hüpfen? Oder nehmen wir Rücksicht auf ihr individuelles Tempo?

Wir brauchen Außenlob nur, wenn wir uns mit etwas beschäftigen müssen, was wir nicht tun möchten.“

Fr. Birkenbihl betont immer wieder, dass Lehrer Opfer des Systems sind, nicht die Täter. Wir müssen also so unterrichten, wie wir unterrichten, weil das die Kollegen, die Direktion, der Inspektor, das Bildungssystem so will. Kleine Einschränkung von mir: Oder weil es anders einfach bequemer ist und wir uns noch nicht die Mühe gemacht haben, zu überlegen, ob es anders gehen würde? Oder weil wir noch nicht den Mut, die Kraft oder die Phantasie dazu hatten? Oder weil wir es mittlerweile leid sind, gegen den bürokratischen Wasserkopf anzukämpfen?

„Warum sortieren wir die Kinder nach Alter? Wir hätten sie besser nach Alphabet sortiert!“

Vera F. Birkenbihl plädiert für gemischte Klassen. Die jüngeren lernen von den Älteren. Die Älteren lernen, indem sie die jüngeren unterrichten. Die Lehrer können sich durch diese teilweise Entlastung um individuelle Förderungen kümmern. Und was machen wir in der Berufsschule? Wir trennen sie nicht nur nach Alter, wir trennen sie in einigen Fächern sogar innerhalb der Altersgruppe in „normale“ und „vertiefte“ Gruppe. Damit die lernschwachen wissen, dass sie lernschwach sind und keine leistungsstarken Vorbilder haben? Sehr intelligent, bravo dem Erfinder dieses Systems. So hält man Menschen klein, so züchtet man Burger-Brater.

Ein weiteres (sinngemäßes) Zitat, das auf breite Zustimmung stieß, zumal Betroffene nicht anwesend waren und die Veranstaltung abrechnungstechnisch ja ein reines Privatvergnügen war, für den etliche Lehrer einen Stundentausch mit ihren Kollegen veranstalten mussten:

„Eine Unterrichtsstunde in der Regelschule (=Pflichtschule) kostet zweimal soviel wie in einer Privatschule. Warum? Weil bei den Privatschulen der Wasserkopf der Verwaltungsbeamten fehlt! Gebt jenen Leuten kein Geld, die nicht unterrichten. Die haben im Bildungssystem nichts zu suchen!“

(Siehe dazu auch die brillianten Bilder von Dr. McLeod)

Natürlich bin ich aus dem 6-Stunden-Vortrag mit einigen Unterrichtsideen rausgegagen:

  • Auf meine Frage, was denn ein gutes Schulbuch ausmache, meinte Vera F. Birkenbihl: „80 % des Materials von Eliteschulen wird von den Schülern selbst erstellt. Lassen Sie doch den Schülern ihr bestehendes Schulbuch umschreiben.“
  • Ich werde in jeder Unterrichtsstunde kurze „Nachbarskonferenzen“ durchführen. Hier unterhalten sich zwei Schüler zu einem bestimmten Gedanken 30 – 60 Sekunden, mehrmals pro Unterrichtsstunde.
  • Meine Schüler werden mindestens einmal eine ABC-Liste von Tätigkeiten aufstellen, die sie gerne tun. Mit dieser werden wir arbeiten (Potentielle Jobs, Ziele, Interessensgebiete, Einbau in den Unterricht).
  • Wir werden im Englisch-Unterricht kurze Sketches einüben und die dann vorführen.
  • Ein Vorschlag war, den Schülern bei Test das Nachschlagen im Lernmaterial zu ermöglichen. Das muss ich noch überdenken. Argument dafür: Diejenigen, die nichts gelernt haben, schaffen die Aufgaben in der gegebenen Zeit nicht. Möchte ich mal ausprobieren. Wie, wann und wo? Weiß ich noch nicht.

Ein wesentlicher Grund für den Besuch dieser Veranstaltung ist für mich aber auch immer das Treffen mit Gleichgesinnten. Da sind allesamt motivierte Lehrer, die ihren Unterricht verbessern möchten, die interessiert und nicht neidvoll oder ängstlich sind, wenn es um eine Änderung des Unterrichtsalltags geht, die Neuem gegenüber aufgeschlossen sind und die auf ähnliche Weise ihren Unterricht ändern möchten.

Wem Birkenbihl einmal im Jahr zuwenig ist, der kann sich einer der Birkenbihl-Pilotgruppen anschließen, die in Österreich, Schweiz und Deutschland  existieren, sich regelmäßig treffen und immer Infos aus erster Hand erhalten. Ein Mail mit Kurzvorstellung an mich genügt, dann stelle ich gerne den Kontakt her.

5 comments 13. Oktober 2008

Unterrichtsidee: Blog Action Day

Der Blog Action Day ist ein jährliches Event, immer am 15. Oktober, an dem weltweit Blogger Postings zum selben Thema in ihren Weblogs veröffentlichen sollen. Das Ziel ist, eine globale Diskussion auszulösen. Dieses Jahr heißt das Thema „Armut„.

Armut ist ein extrem komplexes Thema, es gibt hier keine einfachen Lösungen. Jeder Blogger sieht das Thema aus seiner eigenen Perspektive, viele verschiedene Meinungen und Ideen treffen aufeinander.

Der Blog Action Day ist für mich ein Musterbeispiel für zeitgemäßen Unterricht. Er lässt sich an unserer Schule in vielen Fächern einbauen: Politische Bildung (Globalisierung), Wirtschaftskunde (bzw. Betriebswirtschaft), Deutsch und Kommunkation (Texte schreiben), Textverarbeitung bzw. Informatik (Blog-Beiträge schreiben), Englisch (Texte schreiben oder die Texte anderer Schüler übersetzen), Religion (Ethik), usw.

An der Schule haben wir nun eine klassen- und fächerübergreifenden Zusammenarbeit geplant:

  1. In Deutsch, Politische Bildung, Wirtschaftskunde oder Religion erstellen Schüler Beiträge in Gruppen zum Thema Armut. Die Beiträge können Texte, Gedichte, Audio-, Videoaufnahmen oder Bilder sein.
  2. Manche Beiträge werden im Englisch-Unterricht übersetzt.
  3. Eine Klasse kümmert sich um die Erfassung der Beiträge. Im Blog wird das Veröffentlichungsdatum „15. Oktober“ eingestellt.

Eine Gruppe wird von mir in der Thematik Weblogs eingeschult. Diese kümmert sich dann wiederum um die Einschulung einer anderen Schülergruppe. Jedes Gruppenmitglied bekommt das Recht, eigene Beiträge zu veröffentlichen oder wieder zu löschen.

Wünschenswert wäre, dass diese Blog-Experten ihr Wissen auch während der Lernstunde oder im Internat verbreiten. In diesen Stunden haben die Schüler weitgehend freien Zugang zu EDV-Räumen. Jeder Schüler, der freiwillig mitmachen möchte, der kann sich am Blog anmelden und wird von mir freigeschalten.

Wenn die Beiträge von halbwegs guter Qualität sind, dann werden wir die lokale Presse einschalten. Das ist ja das Ziel des Blog Action Days. Nebenbei haben wir dann noch Werbung für unsere Schule gemacht.

Was bringt es den Schülern?

  • Medienkompetenz (recherchieren, bewerten, zusammenfassen, wesentliches erkennen)
  • fächer-, gruppen und klassenübergreifendes Arbeiten
  • Übung in sozialer Kompetenz (Einschulung der Kollegen, reden, diskutieren)
  • freie Auseinandersetzung mit einem Thema
  • trainieren von Kreativität (schreiben, zeichnen, …)
  • Umgang mit „neuen Medien“ (Weblogs, Identitäten, Multimedia, Podcasts, Copyrights, …)
  • mitmachen an einem weltweiten (fremdsprachigen) Projekt für einen guten Zweck, dessen Ergebnis dauerhaft im Internet zu finden ist. („ja, das habe ich vor zwanzig Jahren geschrieben“)

Vom Aufwand her werden wir pro Klasse maximal 1 – 2 Einheiten verwenden, im 10-Wochen-Lehrgang der Berufsschule drängt die Zeit immer. Deshalb wird das Ergebnis nicht perfekt sein. Auch das ist ein Merkmal von neuem Lernen: Perfektion gibt es nicht. Lernen ist ein Prozess, kein Endprodukt.

Hier das Video vom Blog Action Day:

Unsere Beiträge zum Blog Action Day werden am 15. Oktober auf bsro.wordpress.com sichtbar sein. Sollten andere Lehrer oder Schulen sich an dieser Aktion beteiligen, dann bitte ich um eine kurze Mail, um einen Link auf eure Beiträge setzen zu können.

2 comments 13. September 2008

Die Berufsschule ist…

ein Ort, wo die Realität künstlich erzeugt wird, indem wir versuchen, realitätsnahe Berufssituationen im Unterricht zu erzeugen und

wo die Schüler gewohnt sind, das Meiste frontal beigebracht zu bekommen und es vielleicht verwirrend ist, sich etwas selbstständig beizubringen.

Manchmal haben wir Lehrer den Eindruck hat, dass überhaupt nichts weitergeht, aber

denken wir daran, dass alle Schüler von der ersten zur dritten Klasse merklich reifer und erwachsener werden.

Denken wir daran, wie schön der Lehrerberuf ist, auch wenn wir manchmal...

So verschieden die Lehrer in der Schule sind, sie alle singen denselben Song. Und in diesem Song geht es hauptsächlich um die Zukunft der Schüler.

Drei Dinge sind in der Schule wirklich wichtig. Erstens: Menschlichkeit. Zweitens: Menschlichkeit. Und Drittens: Menschlichkeit (Frei nach Henry James, 1843-1916).

Denn nach der Schule gibt es genug andere Beispiele.

Genießt die Schule, solange ihr könnt, liebe Lehrer.

(Hui, jetzt bin ich pathetisch geworden. Naja, ist ja Ostern, bitte um Verzeihung).

Add comment 23. März 2008

Jahresgespräche

face1.jpgIn jeder der fünf Firmen, in der ich bisher beschäftigt war, gab es mehr oder weniger gut organisierte Gespräche von Mitarbeitern und Vorgesetzen. Die tollste Erfahrung war jene in der allerersten Firma, als sich die gesamte Abteilung an einem Freitag und Samstag mit einem externen Coach in einem Seminarhotel die Aufgabenverteilung selbstständig neu regeln durfte. Der Motivationsschub bei meinen Kollegen und mir war erstaunlich. Dieses Wochenende zu toppen ist schwierig.

Dennoch ist mir eine Erinnerung geblieben: Jahresgespräche können vieles bewirken. In einer Firma habe ich beim Jahresgespräch gekündigt, in einer anderen Firma einige Tage davor. Weil ich es mir zur Angewohnheit gemacht habe, mich darauf vorzubereiten und nötigenfalls die Notbremse zu ziehen.

Auch in der Berufsschule stehen nun die Jahresgespräche an. Wie bereite ich mich darauf vor?

  1. Ich notiere mir seit Anfang des Jahres in einer Outlook-Notiz Themen, die ich zu Sprache bringen möchte. Was hat mir gefallen? Was hat mich gestört? Was habe ich gut gemacht? Was ist schief gegangen und warum?
  2. Während der Weihnachts-, Semester- oder Osterferien gehe ich für ein paar Stunden auf ein paar Tage verteilt „in Klausur“ und reflektiere das vergangene Jahr und plane die nächsten Jahre beruflich und privat vor. Im Lehrerjob ist die Sache relativ einfach, hier gibt es keine Karriereleiter zu erklimmen. Die Planung erstreckt sich also eher auf Randbereiche des Jobs: Welche Weiter- und Fortbildungen sind möglich, welche werden bezahlt und welche werde ich privat bezahlen. Wie ist die dafür notwendige Zeit mit der Schule vereinbar? Wann trete ich mein Sabbatical-Jahr an? Bei diesem Prozess unterstützt mich zB Lothar Seiwert mit seinem Buch „Wenn Du es eilig hast, gehe langsam„.
  3. Nachdem Psycho-Tests eine Marotte von mir sind, suche ich mir einige passende aus. Sie bestätigen meine Stärken, Schwächen, Vorlieben und Abartigkeiten. Dieses Jahr bin ich begeistert und wurde bestätigt vom Persönlichkeitstest bei Egoload (geht schnell, ist sehr treffsicher; erwartetes Ergebnis war „UD“). Ein ausführlicher Kompetenztest wird vom geva-Institut angeboten. Die 18 Euro Gebühr dafür spart man sich mit dem Gutscheincode IES3516, wenn man unter den ersten 20.000 Teilnehmern ist. Das Ergebnis wird mir in den nächsten Tagen übermittelt werden, ich bin schon gespannt. Ein harmloserer Stärken/Schwächen-Test ist bei wissen.de zu finden.
  4. Mit Planung, Seiwert-Rollen und Psycho-Tests gewappnet bin ich mir meist klar, was ich überhaupt will und schreibe dann meine Kündigung *scherz, haha*. Ich bereite mir auf Jahresgesprächs-Formularen (2 – 4 Seiten) einen kurzen Leitfaden für das Gespräch vor. Dieses Jahr nehme ich die vom Schulamt Gießen netterweise ins Netz gestellten Formulare zu Hilfe. (Wären diese Formulare Teil unser Firmenkultur, würde ich natürlich die hauseigenen verwenden.)

In manchen Firmen waren diese Jahresgespräche mit den Gehaltserhöhungen mehr oder weniger verbunden. Diese „Last“ fällt bei Jahresgesprächen mit Lehrern weg. Wir können uns also voll und ganz auf das konzentrieren, worauf es wirklich ankommt: Feedback, Aufgaben, Ressourcen und Verantwortlichkeiten.

Add comment 21. März 2008

Wenn Lehrer zusammenarbeiten …

würden. Seit einigen Wochen grüble ich darüber nach, warum die Zusammenarbeit zwischen Lehrern oft manchmal so schwierig und frustrierend ist. Derzeit gefällt mir zu diesem Thema folgende Analogie:

Wenn meiner Schwiegermutter ein Kochrezept von einer Bekannten empfohlen wird, dann schreibt sie es (handschriftlich) in ein Heft. Möchte eine Freundin meiner Schwiegermutter ein Kochrezept haben, dann schreibt sie es der Freundin (handschriftlich) ab. Heutzutage gibt es Google. Dort tippe ich Zutaten ein, die ich gerade im Kühlschrank habe, und Google spuckt Rezepte aus. Oder ich tippe ein Thema ein: „grillen“, „griechische küche“ usw.

Was waren aber die Zwischenstufen vom Heft bis zu Google? Als die ersten „Heimcomputer“ erschwinglich wurden, wurden Kochrezepte getippt und auf Diskette gespeichert. Diese Disketten konnten ausgetauscht werden. Später gab es diese Disketten oder CDs als kommerzielle Kochrezepte-Sammlungen sogar zu kaufen. Als das Internet populär wurde, entstanden erste Kochrezept-Communities. Eine der ältesten, die ich seit über 10 Jahren noch immer regelmäßig nutze ist das Unix-Kochbuch, das es seit 1994 gibt und völlig gratis feine Rezepte zur Verfügung stellt. Derzeit steht der Kochrezepte-Zug beim Rezepte-Wiki, wo jeder seine Rezepte einpflegen kann und gleichzeitig von den Mitmotivierten profitiert.

Die Zusammenarbeit zwischen Lehrern kann in ähnlichen Evolutionsstufen erfolgen. Da wäre zuerst einmal die handschriftlich Kochrezepte-Sammlung: Jeder erstellt sich seine Unterrichtsvorbereitung alleine. Hat er einen guten Draht zu Kollegen, lassen die ihn schon mal das eine oder andere Arbeitsblatt abschreiben. Selbstverständlich nur auf Anfrage. Will heißen: Sie geben ihm eine Kopie davon, keinesfalls eine elektronische Version. Dieser Austausch erfolgt naturgemäß nach dem Motto: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Erhält die Kollegenschaft über kürzere oder längere Zeit weder Auge noch Zahn, dann kommt die Zusammenarbeit zum erliegen.

Eine moderne Version der Zusammenarbeit ist der elektronische Austausch – Kochrezepte auf Diskette oder moderner: Auf USB-Stick. Hier sitzen zwei Kollegen ein trauter Einsamkeit vor dem Bildschirm, sehen sich einige Arbeitsblätter im Word-Format durch. Beide haben folgenden Standard-Dialog bestens eingeübt:

A: „Das habe ich zum Thema X gemacht. Möchtest Du haben?“

B: „Ja, bitte. Das wäre ganz furchtbar nett von Dir.“

A: „Okay, dann kopiere ich Dir das auch. Das habe ich zum Thema Y. Möchtest Du das auch haben?“

B: „Ja, das bitte auch. Vielen, vielen Dank.“

A: „Und das habe ich…“ usw.

Die nächste Stufe der Evolution weg vom primitiven Einzeller hin zum denkenden Menschen ist eine zentrale Ablage aller Unterrichtsvorbereitungen, auf die jeder, ohne auf Knien zum Kollegen kriechen zu müssen, Zugriff hat. Idealerweise ist die Ablage elektronisch und hat den angenehmen Nebeneffekt, dass ein gewisser Unterrichtsstandard (Qualitätsstandard) entsteht. Es wird darauf vertraut, dass jeder seinen Beitrag leistet. Bei zuwenig Vertrauen könnte die Arbeitsbelastung fair verteilt werden. Zusammenarbeit im Team, traumhaft.

Diese Evolutionsstufe hat uns aber leider noch immer nicht aus der dörflichen Gemeinschaft in die weite Welt hinausbefördert. Wie viele Unterrichtsstunden zum Thema „Bankomatkarte“ werden wohl jährlich im deutschsprachigen Raum erstellt. Was kostet das dem Steuerzahler? Wieviele (eigentlich sinnlose) Stunden kostet das den Lehrern? Und den Schülern?

Die Analogie zur EDV-Welt funktioniert auch hier: Früher war die Schwierigkeit, wie etwas zu machen ist, zB wie bringe ich ein Foto auf meine Homepage. Heute, mit Digicams, Fotohandy und Browser ist das kein Problem mehr. Heute kann sich auch ein unterdurchschnittlich versierter User darauf konzentrieren, was auf dem Foto zu sehen ist, eine qualititative Steigerung.

Genauso könnte es mit Unterrichtsvorbereitungen sein: Die Arbeit, wie wird ein Thema unterrichtet, kann zwischen den Lehrern aufgeteilt werden. Jeder Lehrer könnte die gewonnene Zeit nutzen, um die Qualität seines Unterrichtes zu verbessern.

Eine schul- und länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen Lehrern wäre ab sofort mit billigen Breitband-Internetanschlüssen und Systemen wie Wikis möglich. Dabei würden Lehrer völlig uneingennützig ihre Vorbereitungen unter der common creative licence ins Netz stellen und andere davon profitieren lassen.

Funktioniert nicht? Warum hat das bei Wikipedia, beim Apache-Webserver („Open Source“), bei den Amazon-Rezension usw. funktioniert? Warum gibt es Tonnen von Freeware und Open-Source wie Gimp, Open-Office, Antivir, Firefox oder Thunderbird, die oft kommerziellen Programmen das Wasser reichen können, wenn sie nicht sogar besser sind? (Anmerkung: Dass es etliche tolle Initiativen wie zB das ZUM-Wiki, OBIS oder die Flickr-Tafelbilder gibt muss ich hier jetzt einfach ignorieren, weil breite Masse der Lehrer dieses Initiativen nicht nutzt.)

In den letzten Monaten habe ich versucht, zumindest über die USB-Stick-Ebene hinauszukommen. Ich bin bei vier Mini-Versuchen (Podcasts von und für Schüler, Beiträge für Homepage, Zeitungsartikel-Pool und DVD-Doku-Archiv) so richtig schön gescheitert. Dass alle vier Projekte einfach nur schlecht waren, glaube ich nicht. Für mich stellte sich also wochenlang die Frage: Warum?

Nach Gesprächen mit Kollegen erscheinen mir zwei Aussagen am logischsten:

1. „Ich hätte dir gleich sagen können, dass das nicht funktioniert.“ und „Das geht im Alltagstrott unter.“

2. „Unter den (jungen) Lehrern herrscht so ein Konkurrenzdenken.“

Den Spruch unter Punkt 1 ist ein alter Bekannter, den man wahrscheinlich in jeder „normalen“ Firma auch manchmal hört. Dem schenke ich nicht weiter Beachtung, wenigstens habe ich es versucht.

Der Punkt 2 erscheint mir interessanter, denn diese Sichtweise war mir neu. Lehrer und Konkurrenzdenken? Warum? Lehrer sind doch mit dem Berufseinsteig bereits am Ende der Karriereleiter angekommen. Der Unterrichtserfolg lässt sich kaum zuverlässig messen und wird auch kaum gemessen? Wozu also Konkurenzdenken?

Je mehr ich aber über diesen Satz nachdenke, desto logischer erscheint er mir: Wenn jede Innovation eines anderen Lehrers als Bedrohung der eigenen Person bzw. Karriere gesehen wird, dann ist jede Innovation eines Anderen automatisch zum Scheitern verurteilt.

Es ist wie am Kinderspielplatz: Anstatt gemeinsam an einer riesigen, schönen Sandburg-Schule zu bauen, bastelt jeder in seiner kleinen Sandkiste an seinem kleinen Sandburg-Fach herum. Manchmal wird ein Schauferl oder ein Küberl ausgetauscht, natürlich nur unter Freunden. Je nach persönlicher Präferenz lädt man den einen oder anderen mal in die eigene Sandkiste ein, wenn gestritten wird, dann wirft man ihn wieder aus seiner Sandkiste. Meine vierjährige Tochter drückt es immer so schön aus: „Der Max (Name geändert), der ist heute nicht mehr mein Freund, der ist blöd.“

Gedankensprung zur nächsten Frage, die sich nach alldem stellt: Wohin also mit der Kreativität und Innovationen von Lehrern? In einen Nebenjob, anderen Job, ein Kabarett, einen Roman oder … einen Blog?

10 comments 20. Februar 2008

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