Rückschau 5. eLearning Didaktik Fachtagung in Wien

Fachtagung (Symbolfoto)

Fachtagung (Symbolfoto)

Vom 20. – 21. Oktober 2010 fand im TGM in Wien die 5. eLearning Didaktik Fachtagung statt. Über 40 Beiträge wurden mit einem OpenReview Verfahren ausgewählt und in die Kategorien “Mobile und virtuelle Welten”, “Musik und Multimedia”, “Wirtschaft”, “Mit Netbooks unterrichten”, “Mathematik” und “Fremsprachen” eingeteilt und in drei Hörsälen angenehm pünktlich und professionell abgespult. Weil ich meinen Time-Turner zuhause vergessen hatte, konnte ich “nur” knapp 18 Vorträge hören.

Hier einige Notizen zu den Vorträgen:

Seinen Ruf als “Popstar der Mathematik” wurde Rudolf  Taschner gerecht, als er in unterhaltsamer Form seine Gedanken zur Computerisierung laut aussprach: Das schultaschengewichtserleichternde ipad als Schiefertaferl wie zu Gauss’ Zeiten (“steht ja nichts wichtiges drauf, kann ja gleich wieder gelöscht werden”), die Wichtigkeit des Verstehens in der Mathematik (“jedes Kind muss verstehen, dass man bei einem Kredit mehr zurückzahlt, als man bar hinlegen muss, das Kind könnte später ja auch Politiker werden”), die Skurriliät von Prüfungen (“das stellt der Lehrer fragen, die er selber viel besser beantworten kann”) und über das vielzitierte Abholen der Kinder im Unterricht (“das Abholen übernimmt die ÖBB, für Lehrer genügt es, wenn sie die Welt der Kinder verstehen”).

Statt “lebenslangem Lernen” plädiert Taschner für “lebenslang verstehen wollen”. Übrigens funktioniert verstehen in der Teamarbeit nicht wirklich gut (“Ich versteh ich Hälfe, du verstehst die Hälfte, gemeinsam haben wir alles verstanden…”). Als Zukunftsziel sollten wir versuchen, “die Maschine zu verwenden und mündig zu bleiben”.

Anschließend präsentierte Markus Hohenwarter, Institutsvorstand für Didaktik der Mathematik an der JKU Linz, GeoGebra, eine Open-Source-Lösung, die im Zuge seiner Diplomarbeit entstanden ist und nun weltweit an etlichen Schulen eingesetzt wird. Geogebra verbindet Geometrie, Algebra und Analysis auf benutzerfreundliche Weise. Konstruktionen mit Punkten, Vektoren, Geraden sowie die Erstellung von Kegelschnitten und Funktionen können dynamisch mit der Maus verändert werden. Hohenwarter verglich den Schritt, GeoGebra als Open-Source zur Verfügung zu stellen mit einem Zitat von Warren Buffett: “If you want to go fast, go alone. If you want to go far, go together.”

Im Zuge der Einführung des Learning-Management-Systems “LMS – elearning mit System” an sieben verschiedenen Handelsakademien im Burgenland untersuchte Herbert Gabriel, warum IT trotz einheitlicher Bedingungen in verschiedenen Schulen unterschiedlich intensiv genutzt wird. Dabei fand er beispielsweise heraus, dass LehrerInnen, die bei einem Persönlichkeitstest das Merkmal “gewissenhaft” erhielten, die Lernplattform intensiver nutzten, als jene, bei denen dieses Merkmal nicht so ausgeprägt war. Sowohl Lehrer als auch Lehrerinnen nutzten die Lernplattform in den untersuchten Schulen ähnlich oft, signifikant war aber ein Rückgang der Nutzung bei männlichen Lehrern über 50 oder anders gesagt: Lehrerinnen über 50 nutzen Lernplattformen fast doppelt so häufig wie gleich alte Lehrer.

Birgit Raab-Pfisterer von der Hak Bruck/Leitha zeigte das kollaborative Mind-Mapping Tool Mindmeister, das sie in einer Unterrichtssequenz zur Unternehmensgründung benutzte und erinnerte mich daran, mit den Schülern wieder mal das exzellente Spiel “Start up! Vom Lehrling zum Chef” zu spielen. Uwe Gutwirth stellte das betriebswirtschaftliche Online-Spiel “Fish Market” vor, das auf der Plattform “Accounting Training System” nach Angabe einer kostenlosen Registrierung einige Tage lang spielbar ist. Das Spiel ist eine Kombination aus Unternehmensplanung, Strategie, Rechnungswesen und Ökologie und kann mit zwei bis vier Teams rundenbasiert in verschiedenen Schwierigkeitsgraden gespielt werden. Beim höchsten Schwierigkeitsgrad sind praxisnahe Rechnungswesen-Kenntnisse unbedingt erforderlich. Wenn das Spiel alleine ausprobiert wird, sollte es in verschiedenen Browsern (also z. B. Firefox und Internet-Explorer) gestartet werden, sonst funktioniert die Simulatin von zwei Teams nicht.

Karin Osunbor von der PH-Niederösterreich zeigte für das Fach Englisch einige nette Homepages, wie zum Beispiel Digger and the Gang, den Storymaker, english-4u.de oder makebeliefscomix.com. Walter Steinkogler, Betreuer von e.schule.at, einem Themenportal für Englisch, berichtete von einer User-Umfrage und gab Ausblicke, wie sich das Portal in nächster Zeit entwickeln wird. Den ersten Tag beendete Marianne Wagner mit einer Sequenz für den Französch-Unterricht, wo sie Voki verwendete. Mit voki können Schüler Avatare erstellen, die dann eingegebene Texte oder hochgeladene Soundfiles sprechen. Marianne Wagner benutzte das Tool, um mit Schülern die Aussprache von französischen Reimen zu üben.

Am zweiten Tag stellte Daniela Denk von Microsoft das “Lernen in der Cloud” vor. Mit Office 365, das bis vor kurzem noch “Microsoft Online Services” hieß, erhalten User eine Online-Festplatte mit 25 GB Kapazität, Skydrive genannt, und 10 GB für E-Mails. Das Paket, das Word, Excel, Powerpoint, Outlook und OneNote enthält ist so flexibel, dass ein Login auf einer Schul-Homepage integriert werden kann und in der Schule benötigte Dienste, wie beispielsweise eine Raum-Reservierung online abgewickelt werden können.

Klaus Edel zeigte die Themendossiers für Politische Bildung unter www.didactics.eu her. Hier sind Unterrichtsmaterialien, methodisch-didaktische Vorgehensweisen und einige Filme zur Thematik, beispielsweise die Wochenschauen vom 1. Mai von 1912 bis heute zu finden. Ebenfalls aus dem Bereich Politische Bildung kommt www.polipedia.at, ein Wiki das unter dem Motto “Demokratie – Politik – Partizipation” steht, vom Demokratiezentrum Wien in Kooperation mit der Uni-Salzburg betrieben wird und in dem Schüler aktiv partizipieren können.

Hubert Egger sprach über den Themenbereich “Gewaltspiele im Unterricht – Sozialkompetenz mit EgoShooter”. Besonders beeindruckt hat mich, dass er mit einer Schülergruppe eine Exkursion zu einem Schießstand eines Polizei-Sportvereins durchführte und die SchülerInnen dort Gelegenheit hatten, Waffen auszuprobieren. Danach wurde reflektiert, wie die Realität in Filmen bzw. Shootern dargestellt wird. Übrigens führt Hubert Egger zum Thema ein Wiki unter www.gewaltspiele.at.

Die IKT-Kompetenz von Lehrern zu steigern, hat sich die soeben gestartete Initiative ICTeacher.eu auf die Fahnen geheftet. Bei diesem Programm erhalten interessierte Lehrer eine praxisnahe, anwendbare und für den eigenen Schultyp zugeschnittene IKT-Ausbildung.

Rene Schwarzinger stellte www.linuxadvanced.at vor, einer Initiative, die Chancengleichheit für die Bildung durch die Verwendung von Open-Source Software herstellen möchte. Auf einem bootfähigen USB-Stick finden sich Programme wie Gimp, Audacity, Openoffice.org, Kino, Iceweasel, Icedove, K3B, Geogebra, wxMaxima, KTouch usw. Speziell für Schulen entwickelte Lehrer-Tools (LA-TS genannt), gewährleisten einen vernünftig durchführbaren Unterricht. Das Paket wird laufend verbessert, ist schon in einigen Schulen im Einsatz, Feedback ist willkommen.

Andreas Wildberger von der ISPA, der Dachorganisation der Internet-Wirtschaft, momentan beschäftigt, sich gegen die Forderung der Filmindustrie nach Internet-Blockaden zu wehren, kündigte den Safer Internet Day am 8. Februar 2011 an, der unter dem Motto “It’s more than a game, it’s your life” steht und an dem die sichere Nutzung von Internet, Handy und Computerspielen stärker verankert werden soll. Übrigens kündigte auch Christian Dorninger vom bm:ukk an, dass bei den nächsten Wettbewerben Web 2.0 eine stärkere Rolle als bisher spielen wird.

Die Tagung beendete Jürgen Seifried von der Uni Konstanz, der über Evaluation von Lernen mit Neuen Medien sprach. Er wies auf das Evaluationsinstrument Inventar zur Computerbildung (INCOBI) hin und präsentierte eine neue Studie, bei der Rechnungswesen und BWL mit und ohne neue Medien unterrichtet wurde. Zwei Detailergebnisse (die, wie er sagte, noch zu überprüfen sind): 1) 30 – 40 % der verwendeten Unterrichtszeit langweilen sich die Schüler. 2) Der Einsatz von PCs im Unterricht steigert die Langeweile. Ich hoffe, die Studie gibt’s demnächst irgendwo zum Runterladen.


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