Archive for Februar 2009

Österreichs Lehrer – 2 Stunden mehr Klassenzimmer

Österreichs Lehrer müssen sollten nach dem Wunsch von BM Claudia Schmied unentgeltlich zwei Stunden länger im Klassenzimmer stehen. Eigentlich will ich darüber nicht schreiben. Schreibt eh jeder darüber, der Aufreger des Monats. Ein gefundenes, weil dankbares Fressen für Radio, Fernsehen und auch Blogs. Da kann das Lehrer-bashing ja munter weitergehen. Siehe das vielzitierte Bonmot aus deutschem Kanzlermund Ministerpräsidentenmund: „Lehrer sind faule Säcke„. Gut, dass unsere Politiker hier viel taktvoller sind.  Hier das Video mit dem Anliegen meiner Ministerin:

Darauf meinte heute der Moderator der Hauptnachrichtensendung ZIB1 im Gespräch mit dem Innenpolitikchef :

„Jetzt ist es ja tatsächlich nicht so, dass die Lehrer weniger Gehalt bekommen, auch nicht, dass sie mehr Stunden in der Woche arbeiten müssen, sondern nur, von diesen Stunden, zwei Stunden mehr in der Klasse stehen sollen. Ist diese Aufregung, wie sie heute zu hören ist, bis hin zur Streikdrohung, wirklich angemessen?“ (Die Antwort darauf war übrigens: „Nein“)

Seltsam: Für mich persönlich bedeutet zwei Stunden mehr Unterricht auch mehr Vorbereitungszeit.  Zwei Stunden mehr Unterricht heißt für mich drei bis fünf Stunden Mehrarbeit. Je nachdem, wie interessant und abwechslungsreich der Unterricht sein sollte.

Allerdings: Ich bin es gewohnt, in der Klasse zu unterrichten. Wenn ich nur in der Klasse stehen muss, also, ohne was zu sagen, dann geht’s vielleicht. Vielleicht könnte ich dann sogar im Stehen (mit einem Stehpult) die anderen Unterrichtseinheiten vorbereiten. Allerdings haben wir keine Stehpulte im Klassenzimmer. Vielleicht kaufe ich mir privat eines, wenn das Geld vom Staat dafür nicht reicht. So wie ich mein privates Netbook, meinen privaten iPod, mein privates Mikro, meine privaten portablen Lautsprecher , meine privaten DVDs und CDs und meine privaten USB-Sticks im Unterricht verwende.

Jetzt sollte ich eigentlich zu Schreiben aufhören, was gesagt werden musste, habe ich gesagt. Aber da fällt mir noch diese Stude oder diese Studie über Lehrer-Burn-Out ein. Können wir eine Verbindung mit Unterrichtsstundenerhöhung und Reduzierung der Burn-Out-Gefährdung herstellen? Ich bitte um Ihre Abstimmung:

Bitte stimmen Sie ab. Der Gewinner darf sich mit mir zwei Stunden in die Klasse stellen. Aber bitte nicht sprechen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

6 comments 27. Februar 2009

Die fünf größten Disziplinfehler von Lehrern

Craig Seganti

Craig Seganti

Craig Seganti, seit 20 Jahren Lehrer in Los Angeles, gibt auf classroomdiscipline101.com in einem fünfteiligen E-Mail-Kurs Tipps, um die Disziplin im Klassenzimmer aufrecht zu erhalten. Diesen E-Mail-Kurs hatte ich vorige Woche abonniert. Fünf Tage landete täglich eine zweiseitige Mail im Posteingang. Nett zu lesen, amüsant, griffig und praxisnah. Hier das Wesentliche:

  1. Nicht die ganze Klasse zu disziplinieren versuchen („Seid jetzt mal alle ruhig“). Einen einzelnen Schüler (Rädelsführer) herauspicken. Cool bleiben. Nicht diskutieren, warum er/sie ausgewählt wurde. Relevante Konsequenzen bereit halten, beispielsweise Zusatzaarbeit, Freizeit reduzieren.
  2. Statements geben anstatt zu fragen. Statt „Jane, warum hörst Du mir nicht zu?“ sollte der Seganti-geschulte-Lehrer sagen: „Jane, jetzt wird nicht gesprochen. Sie bitte ruhig und arbeite an deiner Aufgabe.“ Das vermeidet sinnlose Diskussionen, die unnötig aufhalten.
  3. Keine Warnungen abgeben. Extra-Arbeit nach drei Warnungen heißt: Ich kann zweimal verwarnt werden. Daher sofort Extra-Arbeit, die Regeln aber vorher bekannt geben.
  4. Non-verbale-Kommunikation beachten. Auch respektloses non-verbales-Verhalten (wie Augenrollen, diverse Geräusche, usw.) sollten geahndet werden.
  5. Für die gesamte Unterrichtsstunde vorbereitet sein. Schüler müssen von der ersten bis zur letzten Minute beschäftigt sein. Wenn die Glocke läutet und sie hören die Stecknadel fallen, dann passt’s.

Wer es genauer wissen will: den „free-course“ abonnieren. Zu seinem E-Book um $ 29,90  gibt es auch einen Blog mit Leser-Feedback. Einige kostenlose Artikel sind bei ezine runterzuladen. Nein, ich bekomme keine Provision für diesen Beitrag.

(Tipp von Jürgen Wagner)

6 comments 24. Februar 2009

Notenberechnung mit Teachers Desktop

In der lehrgangsmäßigen Berufsschule gibt es bei vier 10-Wochen-Lehrgängen und fünf 8-Wochen-Lehrgängen alle paar Wochen Zeugnisverteilung.  Grob geschätzt, habe ich pro Schuljahr zirka 400 Zeugnisnoten zu berechnen, die sich wiederum aus zirka 10 Einzelbeurteilungen pro Schülerin zusammensetzen.

Nach meiner Beobachtung schreiben immer noch viele Kollegen die erreichten Leistungen händisch auf einer Liste mit und rechnen zu Lehrgangsende jede einzelne Note mit dem Taschenrechner aus. Mir wäre das zu umständlich und Zeitaufwand dafür auch zu groß.

Bisher verwendete ich eine selbstgestrickte Excel-Tabelle, um während des Lehrgangs die erreichten Punkte einzutragen und zu Lehrgangsende die Liste inklusive Zeugnisnote auszudrucken und ins Schülerstammblatt zu übertragen.

Nach einer mehrwöchigen intensiven Test- und Gewöhnungsphase bin ich nun auf Teachers Desktop umgestiegen.

tdDas Herzstück dieser Notenberechnungs-Software – nämlich die Notenschemen – sind extrem flexibel gehalten. Fast jede praxisnahe Variante sollte möglich sein, egal ob Punkte- oder Prozentbewertung, egal welche Rundung, individuelle Kategorien und Unterkategorien sind möglich. Wenn doch nicht, dann gibt es exzellenten Support.

Sehr dankbar bin ich für die Importfunktion der Schülerdaten und dafür, dass die Sekretärin der Schule mir diese Daten zur Verfügung stellt. So entfällt die lästige Tipperei zu Lehrgangsbeginn. Für jede Klasse lassen sich Sitzpläne erstellen, abhängig vom belegten Raum.

Anfangs nutzte ich die Software nur am PC. Da Teachers Desktop aber auch auf Windows Mobile läuft, habe ich mir bei ebay ein günstiges, gebrauchtes Smartphone besorgt. Damit kann ich (auch im Unterricht)  jederzeit auf die aktellen Noten Zugriff nehmen  und kann noch offene Beurteilungen bei Bedarf sofort eintragen. Eine praktische Notizfunktion für jeden Schüler ersparen mir die bisher verwendeten Post-Its. Per Active-Sync werden die Daten mit meinem PC abgeglichen.

Detaillierte Infos, einige Screencasts und eine Demo-Version gibt es auf der Homepage von Teachers Desktop.

Neben Teachers Desktop laufen auf meinem Smartphone auch noch zwei Englisch-Wörterbucher und ein Duden. Sämtliche  Audio-Files (Podcasts und Audio-Files des Schulbuches) habe ich ebenfalls abgelegt. Der eingebaute Voice-Recorder liefert ausreichende Qualität für Spontan-Podcasts oder simple Sprach-Memos und mit der Digicam habe ich schon so manches Tafelbild festgehalten. Das Telefon habe ich im Unterricht natürlich stumm geschaltet.

Add comment 20. Februar 2009

Finanzkrise visualisiert und erklärt

Die Finanzkrise visualisiert und erklärt (via spreeblick). Geeignet für den fächerübergreifenden Unterricht Englisch – Wirtschaftskunde.

posted with vodpod

Add comment 20. Februar 2009

Das kluge Schulsystem …

hat als Systemteilnehmer kluge Leute. Diese klugen Leute sind im Schulsystem entweder hoch zu Ross (Amtsschimmel) oder an der Front (Lehrer, Schüler) anzutreffen.

Kluge Systemteilnehmer (Behörde, Lehrer, Schüler) tun Dinge, die andere nicht so gerne tun oder wo andere den Mut nicht dazu haben:

Sie ermöglichen Ausnahmen von Regeln, wenn es die jeweilige Situation erfordert. Nicht um zu manipulieren, sondern um ein größeres Ziel zu erreichen. Sie wissen, wann und wie sie improvisieren können und sie haben auch den Mut dazu. Denn die wirkliche Welt ist komplex und ändert sich rascher als alle Regeln.  Und eines wissen sie genau: Regeln verhindern Chaos, erzeugen aber letztendlich nur Mittelmaß.

Einige dieser klugen Systemteilnehmer wurden vielleicht schon als Genies geboren. Aber bei weitem nicht alle, denn Klugheit hat mit Genialität kaum etwas zu tun. Leute werden klug durch die Erlaubnis zu improvisieren, neue Sachen auszuprobieren und manchmal zu versagen.

wise_man_122745Nicht wenige bleiben auf der Strecke. Denn sogar die Ambitioniertesten unter ihnen geben auf, wenn sie immer gegen den Strom schwimmen müssen.

Doch viele schaffen es. Vor allem, wenn sie kluge Kollegen, Berater, Vorbilder und Lehrer haben, die ihnen eines lehren: Respekt.

Respekt vor sich selbst, vor den Klassenkollegen, vor den Lehrern und vor allem: Respekt vor dem Lernen.

(inspiriert und mehr oder weniger frei nach Barry Schwartz: „The real crisis? We stopped being wise“)

3 comments 17. Februar 2009

Rechtsformen der Unternehmen – die Podcasts

Hier ein paar neue Podcasts aus dem Wirtschaftskunde-Unterricht über die Rechtsformen von Unternehmen. Unser Schulbuch vermittelt diese Themen in tabellarischer Form mit den Spalten „Begriff“, „Firma“, „Leitung“, „Haftung“, „Beteiligung“ und „Gewinnverteilung“. Trockener geht das fast nicht mehr, da ist sogar der „echte“ Gesetzestext spannender.

Meine Schüler konnten sich gruppenweise einzelne Rechtsformen aussuchen und hatten die Aufgabe, in 3 Stunden einen Podcast zu produzieren, der den Lernstoff auf unterhaltsame Weise vermitteln, vertiefen oder wiederholen sollte. Zuvor vermittelte ich überblicksweise den Stoff anhand einer Mind-Map in einer Unterrichtsstunde frontal. Dabei konzentrierte ich mich auf das Wesentliche wie Leitung und Haftung.

Ideenfindung und Grobkonzeption der Podcasts erfolgte von den Schülern selbstständig in einer Vertretungsstunde. Danach sprach ich mit den einzelnen Gruppen über Ihre Vorhaben gab grünes Licht für die Realisierung. Die Rohfassung wurde in Anwesenheit der Schülerkollegen gesprochen und Feedback gegeben. Danach sprachen die einzelnen Gruppen Ihre Versionen auf meinen privaten iPod, wenn gewünscht in einer leerstehenden Klasse. Die Vorgehensweise habe ich vor zwei Jahren schon hier beschrieben, die hat sich nicht gravierend geändert.

Zum Schneiden der Podcasts habe ich mit etwas Glück einmal im Jahr das Fach Informatik. Deshalb schneidet meist eine andere Schülergruppe die Rohfassung und wir stellen diese dann auf unser Podcast-Portal unter http://bsrohrbach.podhost.de. Das ist auch der Grund, warum mein Lieblings-Podcast „Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker“ jetzt etwas out-of-date ist.

Hier nun die Podcasts über die Rechtsformen:

  1. Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker (AG)
  2. Prüfung über Rechtsformen
  3. Millionenshow
  4. Unternehmensgründung
  5. Quiz über die KG
  6. Die Stille Gesellschaft von Anneliese Braun

Als Draufgabe gab es von der Gruppe noch einen Podcast über die drei dümmsten Stundungsansuchen beim Thema Zahlungsverzug.

Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker

Das Team "Schulerinnerungen der Spitzenpolitiker"

Alle Podcasts stelle ich anonym auf die Portale, habe aber Namen, Fotos und E-Mail Adressen der Schüler, um diese bei passenden Wettbewerben einzureichen. Derzeit bin ich noch auf der Suche nach einem vernünftigen Podcast-Portal, wo die einzelnen Podcasts verschlagwortet oder nach Themen gruppiert übersichtlich und evt. mit Foto kostenlos abgelegt werden können. Bis dahin muss es eine Wikispaces-Seite tun.

Add comment 16. Februar 2009

Fundstück für das Deutschstunde

Dr. Dieter Böhm von twinevents.de hat mich gestern auf diesen Song aufmerksam gemacht:

Die gesamte CD „Frei“ von den Wise Guys gibt es zB bei Amazon zu kaufen.

3 comments 7. Februar 2009

Ruck-Zuck Feedback mit Google Text und Tabellen

Neuerdings bietet die Schulbehörde an, auf freiwilliger Basis pro Schülerin einen Account für das Feedback-System der Schulbehörde anzufordern und das Feedback direkt ins amtliche System eingeben zu lassen. Mit der Garantie, dass jedes Feedback verschlüsselt übermittelt und verschlüsselt gesichert wird und nur der jeweilige Lehrer diese Daten zu sehen bekommt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber es geht auch anders:

Mit Googles Text & Tabellen-Formularen lässt sich rasch und relativ unaufwändig anonymes Individual-Feedback von Schülern einholen. Ich habe den Feedback-Fragebogen meiner Schulbehörde in ein Formular übernommen. Den Schülern gebe ich einen tinyurl-Link (z. B.: www.tinyurl.com/klasse2009), weil das Google-Formular dann doch eine etwas sperrige Adresse hat. Hier ein Demo-Formular zum Probe-Ausfüllen:  http://spreadsheets.google.com/embeddedform?key=pWj2qk0OcKeHafmV655eGfw

Das Ausfüllen des Formulars dauert nur wenige Minuten, eine Anmeldung ist nicht notwendig. Die dazugehörige Tabelle bei Google kann normalerweise nur ich (und Google) einsehen. (Die Demo-Tabelle zu obigem Formular habe ich hier freigegeben). Ein Highlight dieser Methode ist eine nette Zusammenfassung der Feedbacks in Form von Balkendiagrammen mit absoluten Zahlen und der Prozentverteilung für jede einzelne Frage. Die Zusammenfassung kann nur vom Eigentümer des Dokuments angezeigt werden, deshalb hier ein Screenshot:

tabstatgooglefeedback

Für künftige Lehrgänge kopiere ich einfach mein (unausgefülltes bzw. leeres) Basisformular und behalte mir sämtliche Feedbackrunden unverändert im Google-Text-Ordner. Nur sichtbar für Google und mich.

Über kurz oder lang werde ich aber doch auf das offizielle System umsteigen, da muss ich aber nicht unbedingt der Vorreiter an unserer Schule sein. Ich bin auch sicher, dass Feedbacks in absehbarer Zeit verpflichtend einzuholen sind. Dann sollte man aber auch ganz klar sagen, wer diese Feedback-Daten einsieht. Dass das nur der Klassenlehrer sein soll, das kaufe ich nicht mal der Personalvertretung ab, schließlich habe ich mal selbst ähnliche System konzipiert und programmiert. Feedbacks sind okay, dass Vorgesetzte diese einsehen sollte sonnenklar sein und ein verstohlenes „sieht ja eh keiner außer Du“ gilt nicht und wäre auch unsinnig.

Die absolute Datensicherheit boten meine bisherigen Feedback-Formulare: Leere A4-Blätter mit der mündlichen Aufforderung, mir bitte Feedback zu geben. Abgelegt in einer Klarsichthülle pro Lehrgang. Highlights zwecks Motivation für schlechte Tage griffbereit gehalten. Nicht sehr zielgerichtet, aber einfach, unaufgeregt und sehr persönlich. Ich habe auch den Eindruck, dass die Hemmschwelle für deftige Kritik bei einem leeren A4-Blatt höher als vor einem Google-Formular ist. Kann mich aber auch irren.

6 comments 3. Februar 2009


RSS-Feed

RSS-Feed Twitter Button from twitbuttons.com
Werner Prüher's Facebook Profile

Top-Beiträge

Kommentare

Norbert zu Kein Rezept für gehirngerechte…
Nico zu Was ist ein Streber?
1000sunny zu Kein Rezept für gehirngerechte…
Anknüpfungsspazierga… zu ABC-Listen zur Wiederholung im…
Coaching Mittelstand zu Kein Rezept für gehirngerechte…

Stichwortwolke

Berufsschule Bildung Buchtipp Didaktik Fundstücke Klatsch Konnektivismus Lernen Methoden Podcast Psychologie Unterricht Web2.0 Wiki Wirtschaftskunde-Podcast

Twitter

del.icio.us

Blogroll

MyWorld

Watch videos at Vodpod and other videos from this collection.

My Facebook- Fotos


Blog Stats

Meta