Archive for 9. Juli 2008

„Wir lassen die Schulen frei“

Der Satz gefällt mir als Analogie. Den würde ich gerne von einem österreichischen Bildungsverantwortlichen hören. Tatsächlich kommt er aus dem Mund einer nordrhein-westfälischen Politikerin, zitiert in der „Zeit-Online“ vom Februar 2008 in einem Schulporträt über eine Hauptschule in Gütersloh.

Nun gibt es dies „Neue Mittelschule“ auch in Österreich, hier die Projektseite und hier die „genehmigten Modellpläne„. (Zugegeben, ich bin ja ein bisschen neidisch auf die Kollegen, die dort unterrichten dürfen).

Bei einer so gravierenden Änderung der Schulorganisation (und auch bei einer nicht so gravierenden Änderung im laufenden Schulbetrieb) stellt sich immer die Frage: „Bist du als Beteiligter die Hindernis oder die Lösung?“, wie Patrick Woessner in seinem Blog-Beitrag „Are You the Obstacle or the Answer?“ fragt.  Er nennt zwei Lösungswege um Hindernisse zu beseitigen: Verstand und Kommunikation. Sowieso klar? Na, dann ist es ja gut. Ich hoffe, einer der Lehrerkollegen in diesen „Neuen Mittelschulen“ führt einen Blog. Wäre spannend.

Warum gravierende Änderungen im Schulsystem notwendig sind (… wiederhole ich mich?), erzählt Michael Wesch in seinem Vortrag „The Future of Education„. Gleich zu Beginn lässt er seine Schüler über das derzeitige „Design“ der Klassenräume nachdenken, und sie kommen zu diesem Ergebnis:

  1. To learn is to acquire information
  2. Information is scarce and hard to find (… darum brauchen wir den allwissenden Lehrer ;-)
  3. Trust authority for good information (authority = der Lehrer)
  4. Authorized information is beyond discussion
  5. Obey the authority
  6. Follow along

(Ergänzung am 10. 7. 08: Dass diese Lehrumgebung für eine Industriegesellschaft passend WAR, für die nächsten Jahre das Lernen der Schüler erschweren oder gar verhindern, erleben / erfahren / lesen wir dauernd. Wenn nicht, dann sieht man sich einfach den Rest von Michaels Vortrag an.)

Wie Klassenräume einfach umgestellt werden können, um im Team oder im Kreis miteinander und voneinander zu lernen, hat Klippert schon vor einiger Zeit mit seiner Sitzordnung (=PDF) vorgeschlagen. Damit lassen sich prima Zweier- und Viererteams bilden. Die Tische und Stühle sind bei Bedarf sind rutsk-zuckzsk an an die Wand (und wieder zurück) gestellt.

3 comments 9. Juli 2008


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