Archive for Mai 2008
Ernährung und Lernen – Brainfood
Seltsames Gerät, unser Gehirn: Wiegt gerade mal 2 % unseres Körpergewichtes, verbraucht aber 20 % der Gesamtenergie und 40 % des aufgenommenen Sauerstoffes. Unser Gehirn muss, um denken zu können, ständig am Glucose-Tropf hängen. Wird nicht ständig über die Blutbahn dieser Einfachzucker angeliefert, dann schwindet die Konzentration rapide. Schlechte Nachricht: Glucose-Depot anfüllen geht nicht, da es so ein Depot nicht gibt. Das wurde uns von der Evolution (oder vom lieben Gott) nicht geliefert, um uns auf Trab zu halten. Gut so.
Wie ernähren wir uns also, um den ganzen Tag über lernen und denken zu können? (Anders gesagt: Wie halten wir unseren Blutzucker-Level stabil?)
Frühstück:
Komplexe Kohlenhydrate sind weitgehend unverdaulich und daher ideal, um den Blutzucker laaange Zeit tröpfeln zu lassen. Zum Frühstück ist Vollkornbrot und / oder Obst plus ein Milchprodukt als Eiweißlieferant ideal. Der schlaue Mensch isst Müsli, Getreidebrei, Topfen und Käse.
Vormittag:
Wieder Kohlenhydrat mit Eiweiß als Snack: Obst mit Joghurt oder Topfen; Vollkornbrot mit fettarmer Wurst oder Käse. Der Einfachheit halber die Reste vom Frühstück verzehren. Achtung: Snack, nicht Riesenportion!!
Mittagessen:
Eiweiß ist jetzt angesagt: Gebratener Fisch, Hähnchen oder Pute mit Gemüse und Salat. Bitte in einer kleinen Menge, schließlich essen wir auch nachmittags was.
Nachmittag:
Obst, Müsliriegel, Vollkornbrötchen
Abendessen:
kleine Reisgerichte, kleine Nudelspeisen, Getreidebreie. Wir brauchen jetzt ein bisschen Energie, damit das Gehirn genügend vom Schlafhormon Melatonin herstellen kann, das wiederum aus Tryptophan hergestellt wird. Tryptophan wiederum liefern wir mit Milch und Honig und verkürzen damit radikal unsere Einschlafzeit.
Was tun bei kleinen Tests oder Besprechungen?
Proteinreiche Zwischenmahlzeiten (ein Becher Joghurt oder ein Thunfischsandwich) zwingen das Gehirn zu Höchstleistungen. Absolutes no-no ist Traubenzucker: Er putscht für 20 Minuten extrem auf, danach fühlt man sich müder als vorher. (Ich war mal so frei und habe auf den letzten drei Kilometern bei einem Halbmarathon Traubenzucker geschluckt: War zehn Minuten überaus genial, danach fühlte ich, als hätte mir wer die Luft rausgelassen, der letzte Kilometer war die pure Quälerei).
Was tun bei längeren Tests oder Phasen längerer Konzentration?
Vollkorn, immer kombiniert mit Obst und Gemüse. Milchprodukte, Fisch und Fleisch liefern hier die richtigen Eiweißbausteine, Mineralstoffe und Vitamine. Hilft aber nur, wenn ausreichend Wasser oder ungesüsste Tees getrunken werden. (Tee unbedingt unsüss – siehe Traubenzucker-Falle oben).
Wichtig ist noch:
- Gehirn braucht Sauerstoff. Daher lüften!
- Kaffee: zwanzig Minuten nach dem Genuss lernt es sich für 2 – 3 Stunden leichter. Wirkt bei Kaffee-Junkies nicht mehr so gut. Alternative: kurz gezogener Grüner oder Schwarzer Tee (schwächerer Effekt als Kaffee, hält dafür länger an.)
- Nüsse stärken Konzentration und Gedächtnis
- regelmäßiges Trinken vermeidet Kopfschmerz und Müdigkeit
- Makrele, Tunfisch, Lachs und Hering (MaTuLaHe) helfen mit der enthaltenen Omega-3-Fettsäure das Gehirn zu durchbluten. Nachteil: oft metallisch schwer belastet, daher geht auch Lein-, Raps-, Soja- und Walnussöl (bitte nicht radikal erhitzen sonst gibt’s Lernschwierigkeiten, so manch einer schluckt einfach einen Esslöffel voll aus der Flasche).
- Apfel: Wundernahrung als Zwischensnack, wenn sonst keine Zeit ist.
Quelle: Gehirn und Geist, Ausgabe 2/2008
6 comments 25. Mai 2008
„Hyperlernen“ – eine neue Lernmethode?
Christopher Stanik hat auf www.allesgelingt.de neben jeder Menge guter Tipps für das Lernen sein E-book mit dem Titel „Pimp your brain with hyperlearning“ zum Download bereitgestellt. Kurz gesagt, geht es bei dieser Lernmethode darum, neues Wissen in sein bestehendes Wissensnetz so einzuweben, dass es leichter gemerkt wird. Er gibt im Buch dafür eine sehr verständliche und klare Anleitung.
Wir Menschen tun uns unendlich schwer, völlig Neues zu lernen. Viel lieber ist es uns, wenn wir was lernen, was ähnlich etwas ist, was wir schon kennen und können. Gerald Hüther sagte mal: „Der Mensch kann nichts Neues lernen. Er kann nur an bestehendes anknüpfen.“
Mit Hyperlearning wird bestehendes Wissen genutzt, um neues Wissen darin ein-, auf und herumzubauen. Stanik vergleicht es mit einem Gerüst. Auf diesem Gerüst kann ich dann letztendlich herumturnen, es auf Festigkeit prüfen, versuchen, Teile auszutuauschen und es von verschiedenen Seiten betrachten. Das macht Spaß, das ist kein trockenens Lernen mehr, das ist Turnen, Experimentieren und Kunst zugleich.
Was ist der Preis, was kostet diese Methode? Sie kostet vor allem erst einmal Zeit. Kreative Verknüfpung zu bilden ist eine Frage von Muße und von „Gedanken schweifen lassen“. Vielleicht erscheint sie mühsam, vielleicht sagt der eine oder andere: Pauken ist leichter. Ist aber diese Lernmethode (… wie immer wir sie nun wirklich nennen…) internalisiert, dann wird Lernen zur Sucht. Neue Welten erschließen sich, neue Einsichten. Das eigene Wissens-Netz wird zu einem Kunstobjekt, einer Art Mandelbrot-Grafik. So stelle ich mir das vor.
In der Berufsschul-Praxis versuche ich diese Methode meinen Schülern seit einiger Zeit mit ABC-Listen und KaGas und KaWas (nach Birkenbihl) zu vermitteln. Ich habe dabei den Eindruck, dass es für manche Menschen im Alter von 15 – 18 schwierig ist, kreativ zu denken. Zumindest empfinden sie es als ungewöhnlich, in der Schule kreativ zu denken oder kreative Verknüpfungen des Schulstoffes mit ihrer eigenen Welt, ihrem eigenen Wissens-Netz zu bilden. Manche tun sich leicht, manche unendlich schwer.
Ich denke, dass diese Methode perfekt für Wissensarbeiter ist. Für jene, deren geistiger Horizont weit und offen ist, ist sie ideal. Für jene, die viel wissen, viel gesehen und erlebt haben auch. Jene, die diese Voraussetzungen nicht mitbringen, kommt sie vermutlich umständlicher vor, die pauken dann lieber.
Add comment 23. Mai 2008
„Ich bezahle von meinem Geld nichts mehr für meine Arbeit“
zitiert Claude vom lesenswerten „Die Anstalt – Lehrer Blog“ einen engagierten Kollegen. Im Beitrag „Vom Wert unserer Arbeit“ geht es um die Mühseligkeiten der Lehrer sich weiterbilden zu dürfen, sich dabei aufgrund der Fehl- und Supplierstunden den Unmut der Kollegen zuzuziehen und darüberhinaus noch etwas dafür bezahlen so müssen, eine Erlaubnis der Vorgesetzten überhaupt vorausgesetzt. So ist es, so wird es bleiben, nicht zu ändern. „Weiterbildung ist böse.“
Diese Problematik frustriert mich, seit ich Lehrer bin. In welchem Job wird einem Weiterbildung psychisch und physisch schwieriger gemacht, als im Lehrerjob? Nichtsdestotrotz gibt es immer weider „Rebellen“, die sich privat und auf eigene Kosten weiterbilden. Mein Eindruck ist, dass das nicht gerne gesehen wird. (Den Eindruck hatte ich allerdings auch oft in der Privatwirtschaft. Einige Zeit war ich Fernstudent an der Gesamthochschule in Hagen. Einige Studienkollegen hielten das Fernstudium vor ihren Arbeitskollegen und Arbeitgebern aus guten Gründen geheim, was die Sache natürlich nicht vereinfacht).
Zurück zum Beitrag von claude: Wo wäre aber die Schule, wenn „Ich bezahle von meinem Geld nichts mehr für meine Arbeit“ die Maxime eines jeden Lehrers wäre? Wäre sie dann weiter, weil Mittel und Weiterbildungen massiver eingefordert werden würden? Verlässt sich das Bildungssystem derzeit auf die wenigen „blöden“ Lehrer (und zu diesen zähle ich mich), die für ihren Unterricht auch noch Geld ausgeben?
Unsere Schule hat letzte Woche beim lernm[it]-Wettbewerb in der Kategorie Podcast einen Preis gewonnen. Mich freut es, dass meine Berufsschülerinnen im 10-Wochen-Lehrgang das Match gegen etliche Einreichungen aus Gymnasien und Handelsakademien gewannen, die im Prinzip ein ganzes Jahr zur Erstellung des Podcasts zur Verfügung hatten. Wir wurden zur feierlichen Preisverleihung geladen und den Schülerinnen wurde für ihren Beitrag „Außergerichtliches Mahnverfahren“ ein Sparbuch über 100 Euro und eine Urkunde für den 3. Rang überreicht.
In den Festreden wurde davon gesprochen, dass das Land Oberösterreich bestens mit Computerräumen ausgestattet ist, dass elearning wichtig für Schüler ist, dass das Internet viele, viele, viiieeeele Gefahren birgt und dass alle gute Arbeit geleistet haben. Einer der prominenten Hauptredner vergaß (zu meinem Ärgernis) auch nicht zu erwähnen, dass er sich als Schüler vor Prüfungen zu einem fleißigen Schüler wandelte. Vorbildhaft.
In den letzten Tagen stellte ich mir einige Fragen:
- Den Podcast haben die Schülerinnen mit meinem privat gekauften ipod (damals EUR 186,00) mit Mikrofon (damals EUR 79,90) aufgenommen. Heißt das, dass bei diesen Wettbewerben eigentlich nur Schüler gewinnen können, deren Lehrer privat Geld für die entsprechende Ausrüstung ausgeben? Das würde erklären, dass nur eine einzige von über 25 Berufsschulen in Oberösterreich mitgemacht hat.
- Warum werden bei solchen Wettbewerben nicht zusätzlich die Schulen prämiert, die dann ein Budget für Folgeprojekte zu hätten?
- Warum bekommen bei solchen Projekten die Schulen keine Urkunden, nur die Schüler? (Meine netten Schülerinnen schenkten mir ihre Urkunde und ich ich versprach, sie in Farbe zu kopieren)
- Warum werden auf der lernm[it]-Homepage die Gewinner weder angegeben noch vorgestellt?
- Warum steht beim Menüpunkt „ARGE elearning“ seit September 2008 „…Text folgt noch“, wenn elearning angeblich so wichtig ist?
Dieser Wettbewerb, der während dem „elearning Aktionsjahr 2007/08″ durchgeführt wurde, war nett. Wirklich nett wäre aber das:
- Jeder interessierten Schule eine podcast-Ausrüstung zur Verfügung zu stellen
- Jeder interessierten Schule einen Zugang zu einem mediawiki-Server zur Verfügung zu stellen
- schulübergreifende Kooperationen im Bereich Fortbildung für Lehrer (Methodenaustausch)
- Wiederholung des Wettbewerbs im nächsten Jahr
- Abstimmungsverfahren unter Beteiligung der Bevölkerung (SMS-Voting, Refinanzierungsmöglichkeit)
- Wartung der Wettbewerbsseiten im Internet (Teilnehmer, Jury, Gewinner, Termine, …)
Nachtrag vom 24. Mai 2008:
Heute bereite ich gerade eine Unterrichtssequenz zur Lebensmittelkrise vor. Als Einsteig zeigt mein Kollege supplierenderweise zwei Kurzclips über diese Krise zu je 10 Minuten. Diese Clips habe ich auf DVD, weil ich zufällig in einer Klasse unterrichte, die mit Beamer ausgestattet ist. Was mache ich derzeit? Ich kopiere die DVD auf Videokassette, damit der Kollege die Filme auch wirklich herzeigen kann. Wir sind bestens mit alten Videorecordern ausgestattet, aber um eine DVD herzuzeigen schleppt man im schlimmsten Fall einen DVD-Player von einem Stock zum nächsten oder besitzt ein privat gekauftes Notebook, um diese Kurzclips abzuspielen. Da niemand von einem Lehrer verlangen kann, sich für seinen Unterricht ein Notebook zu kaufen (oder???), kopiere ich nun schön. Welcome to Schilda.
Bitte unterschreibt die Initiative OLPT (one laptop per teach). Uhh, das ist für Afrika. Naja, macht auch nichts.
Nachtrag 2: Unsere Schule bekommt nächstes Jahr einen DVD-Server – einen Rechner wo wir Unterrichts-DVDs ablegen können. S’tut sich was.
2 comments 22. Mai 2008




