Lehrerleistung messen

21. April 2008

Andreas Salcher hat mit seiner buchverkaufsfördernden Aussage, dass 95 Prozent der Lehrer gute Lehrer sind fünf Prozent der Lehrer völlig ungeeignet für den Job sind, eine einschlägige Diskussion zwar nicht los-, aber doch ein wenig breitgetreten.

Und diese hat in Fernseh-Gesprächsrunden und Konferenzzimmern zu riesigen Fragezeichen-Sprechblasen über den Köpfen der Opfer, Zuseher und Täter geführt, die sich um eines drehten: „Was ist, verdammt nochmal, ein guter Lehrer?“

Die Klassifizierung in gut und böse schlecht ist wichtig, weil ein demotivierender Bestandteil des Lehrerjobs ja derzeit einerseits eine suboptimale Entlohnung der Leistung ist (überdurchschnittliche Leistung wird gleich unterdurchschnittlicher Leistung entlohnt) und andererseits eine Entlassung Kündigung oder Versetzung von schlechten Lehrern durch den Direktor im Raum steht.

Ich habe heute mal mit dem Begriff „Leistung“ mit Hilfe eines birkenbihlschen KaWas herumgespielt und das ist dabei herausgekommen:

Lehrerleistung besteht aus der „Klassenzimmer“- und der „schulischen“ Kompetenz.

Die „Klassenzimmer“-Kompetenz besteht aus:

  1. Verhalten im Unterricht (fallweise Beobachtung des Lehrers durch Experten, zB dem Direktor)
  2. Feedback der Schüler (Auswertung von Internet-gestützten Feedback-Bögen)
  3. Fachkompetenz (jährliche Pisa-Tests für Lehrer in ihren Fachbereichen)
  4. Vorbereitungen des Unterrichts und die Verteilung gelungener Sequenzen an Kollegen
  5. Gesundheit (Beobachtung der physischen und psychischen Gesundheit des Lehrers zwecks Früherkennung von Burn-Out und rechtzeitige Hilfestellung.)

Die Pflege der „schulischen“ Kompetenz verlangt folgendes:

  1. lebenslanges Lernen des Lehrers (Bildet er sich weiter?)
  2. Engagement in Projekten, die Schule und Schüler weiterbringen (zB Sportwochen, Sprachreisen, …)
  3. Einbringung individueller Kompetenzen in die Schule (zB als Mobbing-Präventions-Beauftragter, als Mediator, als Haus- und Hof Fotograf der Schule, usw.)
  4. Abhalten von Seminaren für andere Lehrer bzw. der Wirtschaft (Weitergabe seiner Kompetenzen)

Ein guter Lehrer ist zB einer, dessen „Klassenzimmer“-Kompetenz passabel ausfällt. Er engagiert sich nicht unbedingt abseits seines Jobs im Klassenzimmer, dort macht er aber seine Sache gut: Er ist fachlich kompetent, macht guten Unterricht, die Schüler lernen nach individuellen Möglichkeiten und er ist damit ganz zufrieden.

Lehrer, die zusätzliche Leistung bringen möchten (oder können – wenn zB die familiäre Situation dies zulässt), arbeiten an ihrer „schulischen“ Kompetenz. Sie investieren Zeit und Energie in Tätigkeiten, die vordergründig nichts mit der einzelnen Unterrichtseinheit im Klassenzimmer zu tun haben, die eine Qualität der Schule aber erheblich steigern können.

Hier könnte ein Budgetposten in der Schule vorgesehen werden, der zwischen diesen Lehrern vom Direktor und der Personalvertretung aufgeteilt wird. (Ähm… wieder ein Grund, nicht Direktor zu werden zu wollen).

Ein schlechter Lehrer wäre nach dieser Definition einer, der fachlich inkompetent ist, unvorbereitet in den Unterricht geht, sich nicht mal anstrengt, wenn der Direktor zusieht, von Schülern gehasst (oder gefürchtet) wird, Weiterbildung und Engagement in der Schule verweigert und dessen Nutzlosigkeit sich so ganz langsam aber sicher auf die Gesundheit schlägt.

(Anmerkung: Ich darf das alles schreiben, weil ich a) nicht Unterrichtsminister bin, b) keiner bestimmten Ideologie vertraglich verpflichtet bin und c) mich einige meiner Kollegen wegen Comic Sans MS sowieso nicht mehr grüßen.)

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