Archive for April 2008

Der, der alles weiß

yakariAuf Kika läuft derzeit abends die Indianer-Zeichentrickserie „Yakari“. Die Geschichten sind meist pädagogisch wertvoll, es geht um Freundschaft und Mut, aber auch um die kleinen und großen Schwächen der Menschen und um das Leben im Einklang mit der Natur. Was mich aber neben besonders erheitert, sind die überaus treffenden Namen in dieser Serie. Ich denke da immer an Bekannte, Verwandte und besonders an ein Konferenzzimmer, irgendwo im deutschsprachigen Raum.

Voilà, die Hauptpersonen, in zufälliger Reihenfolge:

  • Kleiner Donner (das Pferd Yakaris)
  • Hastiges Eichhörnchen (ein junger, stolzer und übereifriger Lehrer Krieger)
  • Der, der alles weiß (der Personalvertreter Medizinmann)
  • Regenbogen (die nette Freundin Yakaris, in Heilkunde versiert)
  • Schwingende Zöpfe (Mutter Yakaris, meist gut aufgelegt)
  • Kühner Blick (Krieger)
  • Stiller Fels (alter Krieger, weise und listig, kann – wenn er will)
  • Gespannter Bogen (jagt auch ohne Hunger, sehr verwerflich)
  • Freie Wolke (ein Pferd)
  • Kleiner Dachs (der Freund Yakaris)
  • Schnelle Schildkröte (Oma)
  • Müder Krieger (spricht langsam, geht langsam, läuft nur, wenn er vom Bären verfolgt wird)
  • Fettauge (schläft, schnarcht und frisst)
  • Knickohr (der Hund Yakaris)

In manchen Unterrichtsfächern geht es um Teambildung oder Persönlichkeitsbildung. Eine nette Übung dazu wäre, dem Partner einen Indianernamen zu verpassen. Allerdings sollte die Namen nicht beleidigend werden (wie zB Brüllende Taube, Spritzendes Gift, Laufende Kröte, Kleiner Koyote, Schluckendes Eichhörnchen, Regenwolke, …), sondern eher die positiven Seiten des Menschen beleuchten: Gute Mutter, Lustiger Bär, Großer Adler, Schnelle Feder, …

3 comments 29. April 2008

Lehrerleistung messen

Andreas Salcher hat mit seiner buchverkaufsfördernden Aussage, dass 95 Prozent der Lehrer gute Lehrer sind fünf Prozent der Lehrer völlig ungeeignet für den Job sind, eine einschlägige Diskussion zwar nicht los-, aber doch ein wenig breitgetreten.

Und diese hat in Fernseh-Gesprächsrunden und Konferenzzimmern zu riesigen Fragezeichen-Sprechblasen über den Köpfen der Opfer, Zuseher und Täter geführt, die sich um eines drehten: „Was ist, verdammt nochmal, ein guter Lehrer?“

Die Klassifizierung in gut und böse schlecht ist wichtig, weil ein demotivierender Bestandteil des Lehrerjobs ja derzeit einerseits eine suboptimale Entlohnung der Leistung ist (überdurchschnittliche Leistung wird gleich unterdurchschnittlicher Leistung entlohnt) und andererseits eine Entlassung Kündigung oder Versetzung von schlechten Lehrern durch den Direktor im Raum steht.

Ich habe heute mal mit dem Begriff „Leistung“ mit Hilfe eines birkenbihlschen KaWas herumgespielt und das ist dabei herausgekommen:

Lehrerleistung besteht aus der „Klassenzimmer“- und der „schulischen“ Kompetenz.

Die „Klassenzimmer“-Kompetenz besteht aus:

  1. Verhalten im Unterricht (fallweise Beobachtung des Lehrers durch Experten, zB dem Direktor)
  2. Feedback der Schüler (Auswertung von Internet-gestützten Feedback-Bögen)
  3. Fachkompetenz (jährliche Pisa-Tests für Lehrer in ihren Fachbereichen)
  4. Vorbereitungen des Unterrichts und die Verteilung gelungener Sequenzen an Kollegen
  5. Gesundheit (Beobachtung der physischen und psychischen Gesundheit des Lehrers zwecks Früherkennung von Burn-Out und rechtzeitige Hilfestellung.)

Die Pflege der „schulischen“ Kompetenz verlangt folgendes:

  1. lebenslanges Lernen des Lehrers (Bildet er sich weiter?)
  2. Engagement in Projekten, die Schule und Schüler weiterbringen (zB Sportwochen, Sprachreisen, …)
  3. Einbringung individueller Kompetenzen in die Schule (zB als Mobbing-Präventions-Beauftragter, als Mediator, als Haus- und Hof Fotograf der Schule, usw.)
  4. Abhalten von Seminaren für andere Lehrer bzw. der Wirtschaft (Weitergabe seiner Kompetenzen)

Ein guter Lehrer ist zB einer, dessen „Klassenzimmer“-Kompetenz passabel ausfällt. Er engagiert sich nicht unbedingt abseits seines Jobs im Klassenzimmer, dort macht er aber seine Sache gut: Er ist fachlich kompetent, macht guten Unterricht, die Schüler lernen nach individuellen Möglichkeiten und er ist damit ganz zufrieden.

Lehrer, die zusätzliche Leistung bringen möchten (oder können – wenn zB die familiäre Situation dies zulässt), arbeiten an ihrer „schulischen“ Kompetenz. Sie investieren Zeit und Energie in Tätigkeiten, die vordergründig nichts mit der einzelnen Unterrichtseinheit im Klassenzimmer zu tun haben, die eine Qualität der Schule aber erheblich steigern können.

Hier könnte ein Budgetposten in der Schule vorgesehen werden, der zwischen diesen Lehrern vom Direktor und der Personalvertretung aufgeteilt wird. (Ähm… wieder ein Grund, nicht Direktor zu werden zu wollen).

Ein schlechter Lehrer wäre nach dieser Definition einer, der fachlich inkompetent ist, unvorbereitet in den Unterricht geht, sich nicht mal anstrengt, wenn der Direktor zusieht, von Schülern gehasst (oder gefürchtet) wird, Weiterbildung und Engagement in der Schule verweigert und dessen Nutzlosigkeit sich so ganz langsam aber sicher auf die Gesundheit schlägt.

(Anmerkung: Ich darf das alles schreiben, weil ich a) nicht Unterrichtsminister bin, b) keiner bestimmten Ideologie vertraglich verpflichtet bin und c) mich einige meiner Kollegen wegen Comic Sans MS sowieso nicht mehr grüßen.)

5 comments 21. April 2008

lern m[i]t Podcast Wettbewerb – die Beiträge

lernmitBis vorige Woche war es beim oberösterreichischen Lern m[i]t-Wettbewerb für alle Schultypen im Bereich Podcasts eher ruhig. In den letzten Tagen sind aber zahlreiche gute Beiträge eingetrudelt. Dort und da habe ich reingehört und war begeistert, wie kreativ und professionell die Schülerbeiträge sind, eingesandt von Volksschulen, Hauptschulen und Gymnasien. Hier einige Perlen:

Mein absoluter Favorit ist aber der Ringparabel-Rap von der SHS2 Gallneukirchen. Ja, ich gebe zu, ich habe gegoogelt, weil ich es unglaublich fand, das dies eine Schülerarbeit sein sollte. Nichts gefunden, kein Plagiat, einfach genial, hitverdächtig.

6 comments 13. April 2008

Liebling „Comic Sans MS“ der Lehrer in Gefahr

nocomicsans APE 2.0 ist eine Software von und für Pädagogen, wobei das Kürzel APE für „arbeitsblatt-produzierende-Einheit“ steht. Arbeitsblätter zu produzieren ist eine Tätigkeit, die eine nicht allzu gering einzuschätzende Minderheit von Pädagogen gerne macht, da erstens ein merkbares Erfolgserlebnis nach kurzer Zeit den Dopaminspiegel im Gehirn anhebt (wie Kollege Spitzer bewiesen hat), zweitens diese Arbeitsblätter gegen Bauch-Streichel-Einheiten von Kollegen getauscht werden können und sie drittens sehr professionell formuliert sein können, besonders dann, wenn die Texte wortwörtlich aus dem gekauften Schulbuch abgeschrieben wurden, was die subjektiv empfundene Unterrichtsprofessionalität erheblich unterstützt.

Da Arbeitsblätter als unumgänglicher Nachweis des Unterrichtserfolges besonders bei Inspektionen notwendig sind, wurden sie ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Schulkultur. Sie beheben auch das Problem, dass für heutige Schüler umfangreiche Texte eines Schulbuches völlig unverständlich bleiben, da dieselben Schüler vom Kindergarten her gewohnt sind, nur aus, mit und für Arbeitsblätter zu lernen.

APE 1.0 wurde leider bisher von Pädagogen nahezu völlig ignoriert. Eine Studie der PH-Linz erhob nun die Ursachen und APE 2.0 scheint nach einigen Testläufen in der Ber.ufsschule Rohr.bach ein Verkaufsschlager zu werden.

Die Studie der PH-Linz ergab, dass die Software bisher nur deswegen nicht genutzt wurde, da die bei Arbeitsblatt-Pädagogen beliebte Schriftart „Comic Sans MS“ im Paket nicht verfügbar war. Diese wurde nun in der Version 2.0 behoben und die Pädagogen zeigten sich positiv überrascht.

Marianne P. berichtet: „Ich bin begeistert. Früher habe ich alle Arbeitsblätter von Kollegen auf die Comic Sans MS umformatieren müssen. Heute besorge ich mir das PDF des Schulbuchs und APE 2.0 produziert mir perfekte Arbeitsblätter. Sogar ein Zierrahmen und Word-Art-Überschriften werden automatisch erzeugt.“

Werner P. zeigt sich im Interview von der Software überzeugt: „Als ich vor fünf Jahren Lehrer wurde, fiel mir auf, dass viele Arbeitsblätter mit dieser Comic Sans MS formatiert waren. Als ich während der Lehrerausbildung unseren Medienpädagogik-Professor gefragt habe, warum das so ist, da meinte er, es gäbe wohl keinen Grund dafür. Aber Kollegen aus ganz Österreich haben mich überzeugt. Comic Sans MS rulez.“

Dennoch, liebe Leser: Der Comic Sans MS droht Gefahr durch subversive Initiativen: BanComicSans will diese Schrift verbannen. Helfen Sie mit und unterschrieben Sie nicht. Bitttteee!

P. S.:

Alvin Trusty spricht hier in seinem Vortrag über den optimalen Einsatz von Comic Sans MS, aber auch wie die schönen Bullets aus PowerPoint entfernt werden können. Genauso wie sie entfernt werden, können Sie bestimmt ganz sicher auch wieder eingefügt werden. Hilfreich für alle, die eine PowerPoint so ganz ohne Bullets bekommen und für eigene Vorträge mit wunderschönen Bullets ausstatten möchten. Tipp via Jochen Robes via Steven Downes via Blogosphäre via Glasfaserkabel.

5 comments 5. April 2008


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