Daniel Goleman: Soziale Intelligenz

Soziale IntelligenzNach “Emotionale Intelligenz” und “Emotionale Führung” habe ich mir nun Daniel Golemans “Soziale Intelligenz” zu Gemüte geführt. Das Buch ist modular lesbar, das heißt: Es ist nicht unbedingt notwendig, es linear durchzulesen. Kapitel, die interessieren, können ohne weiteres vorgezogen werden. Lediglich das Kapitel 1 (“Die Ökonomie der Emotionen”) bildet eine Grundlage für später.

Prinzipiell arbeitet unser Gehirn beim Umgang mit anderen Menschen auf zwei Pfaden: Dem unteren und dem oberen Pfad: Der unteren Pfad hat viel mit Instinkten zu tun und sicherte in grauer Vorzeit unser Überleben. Der obere Pfad ist jener, der auf unsere Erfahrungen und auf Regeln zurückgreift. Er verhindert beispielsweise, dass wir nicht sofort zuschlagen oder weglaufen, wenn uns wer bedroht oder ärgert.

unterer Pfad

Oberer Pfad

Sind jene Schaltkreise im Gehirn, die unterhalb der Wahrnehmungsschwelle, ohne große Anstrengung und mit großer Geschwindigkeit arbeiten. Der untere Pfad steuert einen Großteil unseres Verhaltens und unser Gefühlsleben. (ZB hören wir Sarkasmus aus unserem Gegenüber heraus). Bedient sich neuronaler Systeme, die Schritt für Schritt vorgehen. Diese Vorgehensweise ist uns bewusst und wir können sie kontrollieren. (ZB überlegen wir, eine Antwort auf eine sarkastische Bemerkung)
Tropft vor Emotionen Ist rational und trocken
Spontanes Mitfühlen Nachdenken über Empfindungen
Emotionen im Rohzustand Wir fragen uns: „Was geschieht gerade?”
Verarbeitet in der Amygdala Verarbeitet im präfrontalen Kortex
Schnell und unpräzise Langsam, genauer Eindruck des Geschehens

Der untere Pfad ist beispielsweise für die Liebe auf den ersten Blick zuständig. Unsere Stimmungen ändern sich oft unbewusst durch den unteren Pfad. Das Zusammensein mit Menschen wirkt sich aufgrund des unteren Pfades auf unseren gesamten Körper aus: So kann die Gesellschaft von ärgerlichen Mitmenschen unseren Blutdruck steigen lassen.

Goleman behandelt, ausgehend von der Theorie des unteren und oberen Pfades, folgende Themen:

  • Wie gute Beziehungen entstehen
  • Altruismus und Mitgefühl
  • Was beim Küssen geschieht, wie Begierde entsteht
  • Was ist soziale Intelligenz?
  • Die “Ich-Es-Beziehung” vs. der “Ich-Du-Beziehung”
  • Die Eigenschaften von Narzissten, Machiavellisten und Psychopathen
  • Autismus
  • Wie wir durch Gene und Umwelt geprägt werden
  • Der sicher, ängstliche und ausweichende Bindungsstil und die Auswirkungen auf unsere Beziehungen
  • Glück

Alle Kapitel sind mit Studien und typisch amerikanischen Beispielen aus der Sicht der Prozesse im Gehirn beschrieben. Das große Plus für das Leben nach dem Buch ist die Unterscheidung zwischen unterem (“Instinkt”) und oberen (“Nachdenken”) Pfad: Dadurch wird einem bewusst, warum wir uns ärgern, verlieben oder mit jemanden Freundschaft schließen. Lehrer sollten zumindest die Kapitel “Ein Netzwerk sozialer Nervenbahnen”, “Gestörte Verbindungen” und “Die optimale Position für gute Leistungen” gelesen haben. Burn-Out-Lehrer das Kapitel über “Heilsame Verbindungen”.

Fazit: Wir wissen, dass es im Unterricht nicht unbedingt darauf ankommt, WAS wir unterrichten, sondern WIE wir sind. Lernen kann nur geschehen, wenn wir sowohl im unteren Pfad als auch im oberen Pfad die Schüler erreichen.

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