Zeitaufwand für Ausbildung zum Berufsschullehrer
20. Juni 2007
Geschafft!!
Heute war unser letzter Tag an der Berufspädagogischen Akademie des Bundes in Linz. Alles geschafft? Nein, nicht ganz. Die mündlichen Diplomprüfungen fehlen noch, die sind am 2. Juli, bis dahin findet eine sogenannte „Individualphase“ statt, was heißt: Lernen. Vorbereiten. Wiederholen.
In Österreich ist die Ausbildung zum Berufsschullehrer prinzipiell dreistufig:
Phase 1: Arbeiten in einem Beruf, danach Bewerbung und Aufnahme als Berufsschullehrer. Was heißt: vorerst unterrichten ohne pädagogische Ausbildung. Zeitaufwand im ersten Halbjahr: Gewaltig. Marke: schlechtes Gewissen, wenn du dir die Spätnachrichten ansiehst, denn du könntest ja in dieser Zeit was arbeiten. Möchte ich nicht nochmal durchleben.
Phase 2: Berufsbegleitende 4 Semester am Pädagogischen Institut des Bundes (1 Tag pro Woche, zusätzlich zur normalen Lehrverpflichtung). Zeitaufwand: kann stressig werden, vor allem wenn zusätzlich noch Internatsdienst geschoben wird. Punktuell sind Seminararbeiten abzugeben, mit ein wenig Zeitmanagement läuft das in relativ normalen Bahnen ab.
Phase 3: Das BPA-Jahr (Semester 5 und 6) wird als Vollzeitstudent an der Berufspädagogischen Akademie des Bundes absolviert. Diese Phase ist nun (fast) geschafft.
Was sagt meine Statistik für das vergangene BPA-Jahr (Angaben ohne Gewähr, gelten nur für mich, sind keinesfalls repräsentativ):
- 129 Tage an der BPA, das bedeutet
- 6708 Kilometer Anfahrt, das sind 309 Stunden (inklusive Stau und Pufferzeiten für erwarteten Stau),
- das sind lt. greenmiles.de 9675 Kilogramm CO2 – unglaublich. Ähmm. Wie war das noch gleich mit e-learning?
- Das sind 886 Stunden im Hörsaal inklusive Mittagspause. Keine Freistunden wegen dicht gedrängten (=optimalen) Stundenplans.
- 402 Stunden Arbeit zuhause (Diplomarbeit, Seminararbeiten, Lernen, Individualphasen, Lernen, etc., ohne Bücher lesen)
- 10 Seminararbeiten im Ausmaß von 5 – 25 Seiten, fast immer mit einer Präsentation verbunden
- 12 Tests
- 5 gefilmte und nachbesprochene eigene Lehrauftritte an Fremdschulen, über 20 Lehrauftritte von Kollegen angesehen und analyisert
- 1 Skikurs (Ausbildung zum Begleitlehrer)
- Wien-Tage: Besuch bei Bundespräsident Fischer, Bundeskanzler Gusenbauer, Bildungsministerin Schmied, etc.
- diverse Lehrausgänge (Internat, Heim für schwer erziehbare, Schulen mit innovativen Lernformen, Landeshauptmann etc.)
- Diplomarbeit (im Ausmaß von 60 – 120 Seiten)
- 3 schriftliche Diplomprüfungen im Ausmaß von fünf Stunden für Unterrichtswissenschaften, Religionspädagogik und Fachliche Bildung (teilweise frei wählbar)
- kommt noch: mündliche Diplomprüfungen in Rechnungswesen, Kostenrechnung, Betriebswirtschaft, Politische Bildung, Psychologie, Soziologie und Erziehungswissenschaften
Die Gruppengröße betrug in den Vorlesungen ca. 50 Nasen, in den Seminaren die Hälfte und in den schulpraktischen Übungen ca. 4 – 6.
Folgende Fächer wurden in der Fachgruppe 1 unterrichtet: Aktuelle Humanwissenschaften (=Begleitung Diplomarbeit), Unterrichtswissenschaften (Vorlesung+Seminar), Soziologie (V+S), Psychologie (V+S), Erziehungswissenschaften (V+S), Didaktik (V+S), Schulpraktische Übungen, Fachliche Bildung (Betriebswirtschaft, Kostenrechnung, Personalverrechnung, Rechnungswesen), Informatik, Volkswirtschaft, Politische Bildung, Religionspädagogik (oder Ethik), Schulrecht, Gesundheitserziehung, Bewegung und Sport. Als Wahlpflichtfach war bei mir Englisch und NLP angesagt. Heimerziehung als Wahlfach.
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1.
Susanne | 7. Juni 2008 at 7:12
Hallo,
habe dein Posting bez. des Bildungsganges zum Berufschullehrer gelesen.
Mein Mann möchte das eventuell ab nächsten Jahr auch anstreben, allerdings sind einige Fragen offen.
Kannst du mir sagen, was die Studienberechtigungsprüfung kostet? Die ist ja selbst zu bezahlen, richtig?
Wie laufen die 2 Jahren die man neben der Berufsschule macht so ab? Was sind die Hauptgegenstände in diesen 2 Jahren bzw. auch dann in der Akademie?
Vielleicht magst du uns eine Mail schicken und ein bissl was erzählen.
Danke
Susi
2.
pruwer | 7. Juni 2008 at 11:26
Hallo Susanne,
die Bedingungen zur Ausbildung haben sich gravierend geändert, seit ich 2007 abgeschlossen habe. Neue Berufsschullehrer machen nun den Bachelor, ich habe noch den Dipl.-Päd. gemacht. Deshalb sind meine Auskünfte bzw. meine Zeiten im Blog im aktuellen Jahr nicht mehr repräsentativ.
Deine Fragen:
1) Studienberechtigungsprüfung: Keine Ahnung, habe Matura gehabt. Aber da ist meines Wissens gerade eine Gesetz verabschiedet worden, das diese in die Ausbildung zum Lehrer integriert. Genaueres sicher beim Landesschulrat.
2) Neu ist, dass ganz normale Studiengebühren zu bezahlen sind.
3) Neu ist, dass zwei Semester berufsbegleitend, dann 2 Semester hauptberuflich Pädagogische Hochschule und wieder zwei Semester berufsbegleitend absolviert werden.
4) Ich vermute mal, dass von PH zu PH die Aufwand unterschiedlich gehandhabt wird. Nach Angaben von Kollegen hat sich das Studium bezüglich Hausarbeiten und Stundenanzahl ausgeweitet um die notwendigen Credits für den Bachelor erreichen zu können.
Tut leid, dass ich Dir keine näheren Auskünfte geben kann. Am besten, drei Berufsschullehrer fragen, die in DIESEM Jahr abgeschlossen hab, aber dort, wo Dein Mann studieren möchte. Ah ja: Er müss vorher an einer Berufsschule angestellt werden, also unterrichten, sonst geht das nicht. (Da gibt es keine Lehrer auf Vorrat wie in anderen Schulen).
Warum drei Lehrer? Lehrer sind ein seltsames Volk, was das persönliche Erleben betrifft: Da gibt es die einen, die eine PH als extrem furchtbar und stressig empfinden und dann die anderen, die dieselbe PH (inklusive Vortragende) als „extrem lässig“ erlebt haben. Und dann gibt es einige dazwischen.